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Hannah-Arendt-Institut für Totalitarismusforschung

Hannah-Arendt-Institut für Totalitarismusforschung · Inhaltsverzeichnis · Geschichte · Forschungsprofil · Kooperationspartner · Wissenstransfer · Publikationen.

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Kern und Aufgabe des Instituts
  2. 2. Entstehung und Entwicklung
  3. 3. Forschungsprofil
  4. 4. Kooperation und Öffentlichkeit
  5. 5. Publikationen, Datenbanken und Bibliothek
  6. 6. Organisation und Leitung

Kern und Aufgabe des Instituts

Das Hannah-Arendt-Institut für Totalitarismusforschung e. V. (HAIT) ist ein An-Institut der Technischen Universität Dresden. Es besteht seit dem 17. Juni 1993, hat seinen Sitz in Dresden und wird vom Freistaat Sachsen grundfinanziert. Die Forschung gehört vor allem zur Geschichtswissenschaft und Politikwissenschaft; sie ist als Grundlagenforschung angelegt. Träger ist ein eingetragener Verein. Das Institut hat etwa 50 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter einschließlich Hilfskräften und Stipendiaten.

Das HAIT untersucht Diktaturen vergleichend. Besonders wichtig sind die Strukturen des Nationalsozialismus und des Kommunismus sowie die Voraussetzungen und Folgen dieser beiden Weltanschauungsdiktaturen. Benannt ist das Institut nach Hannah Arendt, deren Werk The Origins of Totalitarianism von 1951, auf Deutsch 1955 erschienen, als einflussreiche Schrift zur Erforschung totalitärer Herrschaftssysteme gilt.

Im Mittelpunkt steht die Frage, wie nicht-demokratische Herrschaft entsteht, funktioniert und nachwirkt. Dazu gehört auch die Reflexion darüber, welche historisch-politischen Bedingungen freiheitlich-demokratische Ordnungen brauchen.

Entstehung und Entwicklung

Die Gründung des HAIT hing mit der doppelten Diktaturerfahrung Ostdeutschlands und der Friedlichen Revolution von 1989/90 zusammen. Der Sächsische Landtag beschloss am 21. November 1991 mit Zustimmung aller Fraktionen, ein Institut zur Erforschung totalitärer Strukturen einzurichten. Es sollte interdisziplinär arbeiten und die politischen und gesellschaftlichen Strukturen des Nationalsozialismus und des SED-Regimes sowie deren Folgen untersuchen. 1992 nahm eine Gründungskommission unter Alexander Fischer ihre Arbeit auf; am 9. November 1992 konstituierte sich der Trägerverein.

Am 17. Juni 1993, dem 40. Jahrestag des Volksaufstandes gegen die SED-Herrschaft in der DDR, nahm das Institut seine Arbeit auf. Gründungsdirektor war Alexander Fischer. In den ersten Jahren wurden wissenschaftliche Stellen besetzt, eine Spezialbibliothek und ein Dokumentenarchiv aufgebaut sowie Forschungen zu Totalitarismuskonzepten, Repression, Opposition in der DDR, Widerstand gegen den Nationalsozialismus und zur Friedlichen Revolution in Sachsen begonnen.

Von 1997 bis 2003 leitete Klaus-Dietmar Henke das Institut. Das Forschungsprofil wurde unter anderem um Themen wie Finanzwesen im Nationalsozialismus, Alltagsleben im Zweiten Weltkrieg, kommunistische Diktaturdurchsetzung in Sachsen sowie Justizpolitik und Geheimdiensttätigkeit in der DDR erweitert. Eine öffentliche Kontroverse um Thesen des Mitarbeiters Lothar Fritze über Georg Elser führte zu Konflikten zwischen Kuratorium und Direktor; Henkes befristeter Vertrag wurde nicht verlängert. Eine Evaluierungskommission bescheinigte dem Institut 2002 dennoch im Ganzen eine positive Leistungsbilanz.

Von 2003 bis 2007 war Gerhard Besier Direktor. In dieser Zeit wurden ost- und ostmitteleuropäische Zeitgeschichte sowie vergleichende Extremismus- und Transformationsforschung wichtiger. Außerdem entstand die Zeitschrift Totalitarismus und Demokratie. Nach Kritik an Besier, unter anderem wegen eines Auftritts bei der Scientology-Organisation in Brüssel, wurde sein Vertrag nicht verlängert. Danach führten Clemens Vollnhals und später Günther Heydemann das Institut. Unter Heydemann wurde die Forschung zum Nationalsozialismus in Sachsen stärker betont. Von 2017 bis 2024 leitete Thomas Lindenberger das HAIT; die Forschung wurde stärker für Transformationsprozesse in postsozialistischen Gesellschaften geöffnet. Seit Dezember 2025 ist Jörg Ganzenmüller Direktor.

Forschungsprofil

Die Forschung des HAIT konzentriert sich auf die vergleichende Analyse von Diktaturen und auf die Bedingungen freiheitlich-demokratischer Ordnungen. Zentral ist laut Satzungsauftrag die systematische Untersuchung politischer, sozialer und kultureller Entwicklungen während der NS-Diktatur und der SED-Diktatur. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf Opposition und Widerstand gegen diese beiden deutschen Diktaturen des 20. Jahrhunderts.

Das Forschungsprogramm umfasst auch internationale und zeitübergreifende Vergleiche mit anderen faschistischen und staatssozialistischen Regimen. Außerdem untersucht das Institut die politische, wirtschaftliche und soziale Transformation in postkommunistischen Ländern nach 1989.

Hinzu kommt die Beschäftigung mit aktuellen Herausforderungen und Gefährdungen der Demokratie. Dazu zählen autokratische und fundamentalistische Regime sowie extremistische, rassistische und antisemitische Einstellungen und Bewegungen.

Die Arbeit gliedert sich aktuell in drei Forschungsfelder und eine Querschnittsaufgabe: Diktaturen und Autokratien im 20. Jahrhundert und ihre Aufarbeitung, Transformationen in international vergleichender Perspektive, vergleichende Extremismus- und Autokratieforschung sowie konzeptionelle und begriffsgeschichtliche Grundlagen.

Kooperation und Öffentlichkeit

Das HAIT arbeitet im Inland auf Grundlage einer Vereinbarung als An-Institut mit der TU Dresden zusammen, besonders mit dem Institut für Geschichte, dem Institut für Politikwissenschaft und dem Zentrum für Integrationsstudien. Dazu kommen Kooperationen mit zwölf Hochschulen und elf außeruniversitären Forschungseinrichtungen, Forschungsmuseen und anderen Einrichtungen. International bestehen Kooperationen mit zehn Universitäten oder außeruniversitären Forschungsinstituten, vor allem in Nordamerika und Europa.

Wichtige Partner außerhalb der TU Dresden sind unter anderem die Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur, das Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung, das Varieties of Democracy Institute an der Universität Göteborg, das Leibniz-Zentrum für Zeithistorische Forschung, das Herder-Institut und die Forschungs- und Beratungsstelle Terrorismus/Extremismus beim Bundeskriminalamt.

Ein zentraler Teil der Arbeit ist Wissenstransfer, also die Weitergabe von Forschungsergebnissen an eine breitere Öffentlichkeit. Das Institut kooperiert dafür mit Gedenkstätten, Trägern historisch-politischer Bildung, Lehrerbildungsinstitutionen, Schulen und zivilgesellschaftlichen Akteuren. Es bietet Beratung, Fortbildungen und Vorträge an. Beispiele für Partner sind die Stiftung Sächsische Gedenkstätten, die Sächsische Landeszentrale für politische Bildung, die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden, das Stadtmuseum Dresden und Landesbüros parteinaher Stiftungen.

Publikationen, Datenbanken und Bibliothek

Das Publikationsprofil des HAIT umfasst vier wissenschaftliche Buchreihen, eine Fachzeitschrift und digitale Angebote. Die Zeitschrift Totalitarismus und Demokratie erscheint seit 2004 zweimal jährlich bei Vandenhoeck & Ruprecht. Sie ist eine interdisziplinäre Plattform zur vergleichenden Erforschung nicht-demokratischer Systeme und Bewegungen in Geschichte und Gegenwart sowie zur Analyse der Voraussetzungen freiheitlich-demokratischer Gesellschaften. Sie ist im Open Access zugänglich.

Die Reihe Schriften des Hannah-Arendt-Instituts erscheint seit 1995 und veröffentlicht umfangreiche Forschungsergebnisse zur Geschichte des Nationalsozialismus, des Kommunismus, der Transformation nach 1989 und des politischen Extremismus. Bis Februar 2026 waren 69 Bände erschienen. Die Reihe Berichte und Studien erscheint ebenfalls seit 1995 und umfasst Studien geringeren Umfangs zur deutschen und ost- beziehungsweise europäischen Regionalgeschichte sowie zum politischen Extremismus in Sachsen; sie zählte im Februar 2026 88 Monografien und Sammelbände. Weitere Reihen sind Wege der Totalitarismusforschung und Lebenszeugnisse – Leidenswege.

Das Institut stellt mehrere Datenbanken bereit. Eine Datenbank zur NSDAP-Tageszeitung Der Freiheitskampf erschließt einen Bestand von rund 66.000 Blättern; freigegeben war im Februar 2026 der Zeitraum von 1930 bis 1938. Die Datenbank Filmzensur Ost-West enthält Angaben zu etwa 630 ostdeutschen Filmen der DEFA und des Deutschen Fernsehfunks, die zwischen 1954 und 1966 im Auftrag der Bundesregierung geprüft wurden. Weitere Datenbanken betreffen über 55.000 Verfahren Sowjetischer Militärtribunale und die Friedliche Revolution in Sachsen mit etwa 1.400 Dateien.

Die Spezialbibliothek des HAIT umfasst rund 54.000 Bände (Stand: Januar 2024) und steht der wissenschaftlichen wie allgemeinen Öffentlichkeit zur Präsenznutzung offen. Ihre Sammelgebiete entsprechen den Forschungsschwerpunkten: Nationalsozialismus, SBZ/DDR, Transformation nach 1989, Diktaturen und politischer Extremismus in Europa. Außerdem gibt es etwa 550 einschlägige Fachzeitschriften und Tageszeitungen.

Organisation und Leitung

Das HAIT hat die Rechtsform eines eingetragenen Vereins. Mitglieder sind juristische Personen des privaten und öffentlichen Rechts, darunter der Freistaat Sachsen, vertreten durch das Sächsische Staatsministerium für Wissenschaft, Kultur und Tourismus.

Die Leitung des Vereins übernimmt ein Vorstand mit der Amtsbezeichnung Direktor. Er führt mit Unterstützung von zwei Stellvertretern die laufenden Geschäfte. Der Direktor wird vom Kuratorium im Benehmen mit dem Wissenschaftlichen Beirat für jeweils fünf Jahre bestellt.

Das Kuratorium überwacht die Erfüllung der satzungsmäßigen Aufgaben. Es besteht aus sieben stimmberechtigten Mitgliedern, die verschiedene in der Satzung genannte Institutionen vertreten und für fünf Jahre gewählt oder bestellt werden. Der Wissenschaftliche Beirat berät Kuratorium und Vorstand in wichtigen wissenschaftlichen Fragen. Ihm gehören fünf bis neun stimmberechtigte Mitglieder an, die von der TU Dresden, der Universität Leipzig oder vom Kuratorium im Benehmen mit dem Vorstand ebenfalls für fünf Jahre bestellt werden.

Direktor ist seit 2025 Jörg Ganzenmüller. Frühere Direktoren waren Alexander Fischer, Klaus-Dietmar Henke, Gerhard Besier, Günther Heydemann und Thomas Lindenberger. Kommissarische Leitungen übernahmen zeitweise Martin Onnasch, Heinrich Oberreuter, Clemens Vollnhals und Uwe Backes.

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