Zum Inhalt springen
L

Wikipedia · einfach zusammengefasst · Stand

Handelskalkulation

Die Handelskalkulation ist eine im Handel verwendete Kalkulationsmethode, um einen Verkaufspreis und damit auch eine Preisuntergrenze für ein Produkt zu …

Inhalt4 Abschnitte
  1. 1. Grundidee und Zweck
  2. 2. Kalkulationsschema vom Einkauf bis zum Bruttoverkaufspreis
  3. 3. Bezugskosten und Bezugspreis
  4. 4. Handlungskosten, Selbstkosten und Verkaufspreise

Grundidee und Zweck

Die Handelskalkulation ist eine im Handel verwendete Kalkulationsmethode. Mit ihr werden der Verkaufspreis und damit auch eine Preisuntergrenze für ein Produkt ermittelt. Der Verkaufspreis und die Preisuntergrenze sind jedoch nicht dasselbe: Der ermittelte Betrag der Kosten- und Leistungsrechnung kann vom tatsächlich am Markt geforderten Verkaufspreis sowohl positiv als auch negativ abweichen.

Da ein Handelsunternehmen Waren nicht produziert oder weiterverarbeitet, sondern weiterverkauft, enthält die Handelskalkulation keine Herstellkosten. In dieser Hinsicht unterscheidet sie sich von der Industriekalkulation. Im übrigen Aufbau ähnelt sie dieser jedoch stark. Ausgangspunkt ist der Einkaufspreis der Ware. Hinzugerechnet werden die Kosten, die beim Einkauf, bei der Lagerung und beim Vertrieb entstehen.

Kalkulationsschema vom Einkauf bis zum Bruttoverkaufspreis

Das vollständige Kalkulationsschema besteht aus Bezugskalkulation, Selbstkostenkalkulation und Verkaufskalkulation. Die einzelnen Rechenschritte lauten:

  • Listeneinkaufspreis (LEK) minus Liefererrabatt (LRA) = Zieleinkaufs- oder Rechnungspreis (ZEK).
  • Zieleinkaufs- oder Rechnungspreis minus Liefererskonto (LSK) = Bareinkaufspreis (BEK).
  • Bareinkaufspreis plus Bezugskosten (BK, ohne Umsatzsteuer) = Bezugs- oder Einstandspreis (BEP).
  • Bezugspreis plus Handlungskosten (GEK) plus Lagerzins (LZ) = Selbstkostenpreis (SKP).
  • Selbstkostenpreis plus Gewinn (G) = Barverkaufspreis (BVK).
  • Barverkaufspreis plus Kundenskonto in hundert (KSK) = Zielverkaufs- oder Rechnungspreis (ZVK).
  • Zielverkaufspreis plus Kundenrabatt in hundert (KRA) = Listenverkaufs- oder Nettoverkaufspreis (LVK).
  • Listenverkaufs- oder Nettoverkaufspreis plus Umsatzsteuer (UST) = Bruttoverkaufspreis (BVP).

Die Bezeichnungen „in hundert“ bei Kundenskonto und Kundenrabatt weisen darauf hin, dass diese Preisnachlässe auf den jeweils erforderlichen Grundbetrag hochgerechnet werden, damit sie später tatsächlich gewährt werden können.

Bezugskosten und Bezugspreis

Warenschulden sind Holschulden nach § 447 BGB. Wenn nichts anderes vereinbart wurde, gilt der Preis des Lieferanten daher ab Werk oder ab Lager des Lieferanten. Die Kosten, die beim Transport zum Käufer entstehen, werden als Bezugskosten zusammengefasst. Sie werden zum Bareinkaufspreis addiert:

Bareinkaufspreis + Bezugskosten = Bezugspreis.

Bezugskosten können als absoluter Betrag oder als Prozentsatz angegeben werden. Beispiele sind Fracht, Rollgeld, Gewichtszoll, gewichtsabhängige Wiegegebühren und Transportversicherung. Zu den wertabhängigen Bezugskosten zählen Wertzoll, Courtage und Kommission.

Bezugskosten sind in der Regel mit Vorsteuer belastet. In der Handelskalkulation werden sie jedoch netto, also ohne Umsatzsteuer, verrechnet. Falls erforderlich, muss die Umsatzsteuer deshalb aus den Bezugskosten herausgerechnet werden. Der Bezugspreis wird auch Bezugs- oder Einstandspreis genannt und bildet die Grundlage für die weitere Kostenkalkulation.

Handlungskosten, Selbstkosten und Verkaufspreise

Handlungskosten sind die Kosten, die bei der Erbringung der Handelsleistungen entstehen. Sie müssen durch die Verkaufspreise amortisiert werden. Damit ein Gewinn entsteht, muss die Summe der Verkaufserlöse die Handlungskosten übersteigen.

Zu den Handlungskosten gehören Handlungseinzelkosten und Handlungsgemeinkosten. Sie fallen grundsätzlich für die gesamte betriebliche Leistungserstellung an und können meist erst nach Ablauf einer Periode, also ex post, festgestellt werden. Handlungsgemeinkosten lassen sich den einzelnen Waren außerdem nicht direkt zurechnen. Deshalb ist es schwierig, den genauen Handlungskostenanteil einer einzelnen Ware zu bestimmen. Für die Kalkulation im Voraus, also ex ante, verwendet man ersatzweise einen durchschnittlichen Handlungskostensatz. Dieser wird als Prozentsatz auf den Bezugspreis aufgeschlagen. Es gilt:

Bezugspreis + Handlungskosten = Selbstkostenpreis.

Zum Selbstkostenpreis kommen der Gewinn und gegebenenfalls weitere kalkulatorische Zuschläge hinzu. Der daraus entstehende Barverkaufspreis ist der Betrag, den der Verkäufer bei sofortiger Zahlung erhält.

Der Zielverkaufspreis ist der Preis, den ein Kunde an den Verkäufer zu entrichten hat, wenn er die Skontofrist ungenutzt verstreichen lässt. Bei einer Zahlungsbedingung wie „Bei Zahlung innerhalb von 10 Tagen nach Rechnungserhalt unter Abzug von 3 % Skonto, bei Zahlung innerhalb von 30 Tagen ohne Abzug“ entspricht der Zielverkaufspreis dem Rechnungsbetrag. Der Kunde darf bei fristgerechter Zahlung 3 % dieses Rechnungsbetrags abziehen.

Der Skonto wird deshalb bereits im Voraus in den Angebotspreis eingerechnet. Der Zielverkaufspreis entspricht 100 %. Bei einem Skontosatz von 3 % entspricht der Barverkaufspreis folglich 97 % des Zielverkaufspreises. Ist der Barverkaufspreis bekannt, kann daraus der Skontobetrag im Voraus berechnet werden. Wird dieser Skontobetrag zum Barverkaufspreis addiert, ergibt sich – sofern keine Verkäuferprovision oder ein ähnlicher zusätzlicher Abzug berücksichtigt werden muss – direkt der Zielverkaufspreis. Auf diesen werden anschließend der Kundenrabatt und danach die Umsatzsteuer aufgeschlagen, sodass der Netto- beziehungsweise Listenverkaufspreis und schließlich der Bruttoverkaufspreis entstehen.

Lernvideos zu Handelskalkulation

Weiterlesen

Kalkulation Dies wird mit Hilfe einer Break-even-Analyse berechnet. Auch können durch Produktkalkulation mögliche Rationalisierungeffekte (Kosteneinsparungen) in … Preisuntergrenze Die Preisuntergrenze ist in der Betriebswirtschaftslehre der in der Kostenträgerrechnung kalkulierte Mindestpreis für ein Produkt oder eine Dienstleistung, … Produkt (Wirtschaft) Unter einem Produkt (oder auch Erzeugnis) wird in der Betriebswirtschaftslehre ein materielles Gut oder eine (immaterielle) Dienstleistung verstanden, … Produktion Produktionstechnik · Unter Fertigung versteht man die Herstellung und Montage von zählbaren festen Teilen mit geometrisch bestimmter Gestalt (so genannte … Herstellkosten Die Fertigungskosten enthalten Einzelkosten sowie variable und fixe Gemeinkosten. Die fixen Gemeinkosten werden den verschiedenen Produkten mit einem … Kosten Kosten (englisch cost) sind in der Wirtschaft die monetären Belastungen, die einer Wirtschaftseinheit gemäß einer geeigneten Kalkulation durch die Nutzung … Einkauf Der Begriff Einkauf ist nach herrschender Meinung in der Betriebswirtschaftslehre eine unmittelbar auf die Versorgung eines Unternehmens mit Gütern und … Lagerhaltung Unter Lagerhaltung versteht man in Produktion und Logistik das Lagern von Material als Teilaufgabe der Materialwirtschaft. Vertrieb Neben der Beschaffung und der Produktion ist der Vertrieb die dritte betriebliche Grundfunktion, die in jedem Unternehmen vorhanden ist. Im Vertrieb ist die … Selbstkosten Unter Selbstkosten (englisch Prime costs) versteht man in der Kalkulation die bei der Produktion von Gütern und Dienstleistungen beim einzelnen Kostenträger … Gewinn Gewinn oder Ergebnis ist in der Wirtschaftswissenschaft der Überschuss der Erträge über die Aufwendungen eines Unternehmens – etwaiger negativer Gewinn wird … Umsatzsteuer Die Umsatzsteuer wird prozentual vom Entgelt (Nettoverkaufspreis = Umsatz des Lieferanten) berechnet und bildet zusammen mit diesem den vom Leistungsempfänger …