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Hamas

Erste Intifada · Dezember 1992: Ausweisung von Hamas-Aktivisten in den Libanon · Osloer Friedensprozess · Zweite Intifada · Wahlsieg und Einheitsregierung.

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Überblick und Ziele
  2. 2. Entstehung, Ideologie und Charta
  3. 3. Terror, Intifadas und Friedensprozess
  4. 4. Wahlsieg und Herrschaft im Gazastreifen
  5. 5. Angriff vom 7. Oktober 2023 und Folgen
  6. 6. Organisation und Finanzierung

Überblick und Ziele

Die Hamas (arabisch: Harakat al-Muqawama al-Islamiya, „Islamische Widerstandsbewegung“) ist eine palästinensische sunnitisch-islamistische Organisation. Sie entstand am 10. Dezember 1987 im Gazastreifen als regionaler Ableger der Muslimbruderschaft; zu den Gründern gehörten Ahmad Yasin und Abd al-Aziz ar-Rantisi. Die Organisation verbindet eine politische Partei, soziale Hilfsangebote und den paramilitärischen militärischen Flügel der Izz-ad-Din-al-Qassam-Brigaden.

Ihr erklärtes Ziel ist laut Artikel die Vernichtung des Staates Israel und die Errichtung eines islamischen Gottesstaates auf dessen Gebiet. Ihre Ausrichtung wird unter anderem als palästinensischer Nationalismus, Islamismus, Antizionismus und Antisemitismus beschrieben. Die Hamas regiert den Gazastreifen seit ihrer gewaltsamen Machtübernahme 2007. Ihre Mitgliederzahl wurde bis Oktober 2023 auf 35.000 bis 80.000 geschätzt; etwa 30.000 davon sollen Kämpfer gewesen sein.

International wird die Hamas von 41 Staaten als terroristische Vereinigung eingestuft. Israel, die EU, die USA, Kanada, Japan und Australien zählen zu den Staaten, die die gesamte Hamas als Terrororganisation behandeln. Wissenschaftliche Einordnungen betonen zugleich ihren vielschichtigen Charakter als politische Bewegung, Wohlfahrtsorganisation, Miliz, Regierungsorgan und Partei; andere beschreiben Militanz und Terror als ihr wesentliches Merkmal.

Entstehung, Ideologie und Charta

Der Vorgeschichte der Hamas liegt das Netzwerk der Muslimbruderschaft im Gazastreifen zugrunde. Ahmad Yasin baute seit den 1960er Jahren religiöse, soziale, medizinische und Bildungsangebote sowie Moscheen aus. Der „Islamische Verein“ und das „Islamische Zentrum“ gewannen durch Wohlfahrt an Popularität. Zugleich radikalisierten sich Teile des Netzwerks: Sie übten Gewalt gegen politische Gegner aus, bauten ab 1983 bewaffnete Gruppen auf und gründeten 1986 Al-Madsch, eine Gruppe zur Überwachung angeblicher Gegner und Kollaborateure.

Die Erste Intifada begann am 8. Dezember 1987. Am folgenden Tag beriet eine Führungsgruppe um Yasin, ar-Rantisi und weitere Funktionäre über die Reaktion. Die Hamas entwickelte sich schrittweise; ihre erste Erklärung datiert sie selbst auf den 14. Dezember 1987, während das erste Flugblatt mit ihrem Namen im Januar 1988 erschien. Flugblätter, Graffiti, Moscheen und Predigten dienten der Mobilisierung. Die Texte riefen zum Dschihad, also zum als religiös verstandenen Kampf, gegen Israel auf, lehnten Verhandlungen ab und stellten die Hamas als islamische Alternative zur PLO dar.

Die Hamas-Charta vom 18. August 1988 legt zentrale Ziele fest. Sie erklärt ganz Palästina zu geheiligtem islamischem Waqf-Land, also religiös gestiftetem und unveräußerlichem Land, fordert den Dschihad gegen Israel und schließt Verhandlungen mit Israel aus. Sie enthält antisemitische Aussagen, zitiert einen Hadith über die Tötung versteckter Juden und greift die antisemitischen „Protokolle der Weisen von Zion“ auf. Artikel 20 und 21 stellen die Zakāt, die muslimische Almosensteuer, in den Dienst des Dschihad. Ein Grundsatzpapier von Mai 2017 nannte einen palästinensischen Staat in den Grenzen von 1967 als „nationalen Konsens“, ersetzte die Charta aber nicht; die Hamasführung betonte dies selbst. Der Artikel behandelt außerdem wiederholte öffentliche Holocaustleugnung durch Hamasvertreter und antisemitische Aussagen als wichtigen Teil ihrer Ideologie.

Terror, Intifadas und Friedensprozess

Während der Ersten Intifada wandelte sich die Hamas rasch von einem religiösen Wohlfahrtsverein zu einer Organisation für Massenproteste und bewaffnete Angriffe. Sie geriet in Konkurrenz zur säkularen Fatah und zur PLO. Seit 1989 verübten ihre Mitglieder Morde an mutmaßlichen Kollaborateuren, Anschläge auf israelische Militärpatrouillen sowie später auf israelische Zivilisten. Die Qassambrigaden wurden 1991 erstmals unter diesem Namen bekannt. Nach der Tötung des israelischen Grenzpolizisten Nissim Toledano wies Israel im Dezember 1992 415 Mitglieder von Hamas und Islamischem Dschihad in den Libanon aus.

Im Oslo-Friedensprozess versuchte die Hamas, Vereinbarungen zwischen Israel und der PLO durch Anschläge zu verhindern. Ab 1993 wurden israelische Zivilisten Hauptziel von Autobomben- und Selbstmordanschlägen. Die Hamas lehnte die Oslo-Abkommen ab; Arafats Palästinensische Autonomiebehörde (PNA) nahm zwar Hamasmitglieder fest, entwaffnete die Qassambrigaden aber nicht dauerhaft. Anschläge der Hamas stärkten laut Artikel die rechte Opposition in Israel und trugen zum Scheitern des Friedensprozesses bei.

In der Zweiten Intifada ab 2000 verübte die Hamas zahlreiche Selbstmordanschläge, oft an öffentlichen Orten wie Bussen, Restaurants und Einkaufsbereichen. Nach Angaben des israelischen Außenministeriums verübte sie vom 27. September 2000 bis 2004 insgesamt 425 Terrorangriffe: 377 Israelis wurden getötet und 2076 verletzt. Darunter waren 52 Selbstmordanschläge mit 288 Getöteten und 1646 Verletzten; zwölf weitere scheiterten. Ab 2003 setzte die Hamas zudem Qassamraketen ein. Zeitweise erklärte sie befristete Waffenruhen, lehnte aber dauerhafte Anerkennung Israels und Gewaltverzicht ab.

Die Hamas erhielt dabei Unterstützung, insbesondere aus Iran: Geld, Waffen, Ausbildung und Ausrüstung. Als engste Verbündete nennt der Artikel Mitglieder der von Iran geführten „Achse des Widerstands“. Ihre zeitweiligen Angebote einer zehnjährigen Waffenruhe nach einem israelischen Rückzug auf die Grenzen von 1967 wurden von ihr selbst als taktische Phase und nicht als dauerhafte Koexistenz mit Israel dargestellt.

Wahlsieg und Herrschaft im Gazastreifen

Nach dem Tod Jassir Arafats nahm die Hamas ab 2004 an Kommunalwahlen teil und erzielte zahlreiche Erfolge. Bei der Wahl zum Palästinensischen Legislativrat am 25. Januar 2006 gewann sie 74 Sitze, die Fatah 45. Ismail Haniyya bildete daraufhin eine Hamasregierung. Israel, die USA, die EU und zeitweise auch die Arabische Liga boykottierten die PNA, weil die Hamas Israel nicht anerkannte, die Oslo-Verträge nicht akzeptierte und nicht auf Gewalt verzichtete.

Der Konflikt zwischen Hamas und Fatah eskalierte trotz der „Erklärung von Mekka“ vom 8. Februar 2007, die eine Einheitsregierung vorsah. Im Juni 2007 griff die Hamas systematisch Fatah-Einrichtungen im Gazastreifen an und übernahm innerhalb von zwei Tagen die Kontrolle. Dabei wurden mehr als 90 Menschen getötet und Hunderte verletzt. Die Hamas zeigte in ihrem Sender Al-Aqsa-TV Demütigung, Folter und die Hinrichtung gefangener Gegner. Präsident Mahmud Abbas löste die Koalition auf, setzte Haniyya ab und errichtete im Westjordanland eine Notstandsregierung; Hamas und Fatah regierten anschließend getrennte Gebiete.

Seit 2007 baute die Hamas im Gazastreifen ihre Kontrolle über Verwaltung, Bildung, Gesundheitswesen, Polizei, Medien und soziale Hilfen aus. Sie beschränkte unabhängige Medien und öffentliche Versammlungen und setzte islamistische Verhaltensregeln durch, etwa Geschlechtertrennung, Alkoholverbote und Druck zum Kopftuchtragen. Ein Zakāt-Gesetz von September 2008 begründete Pflichtabgaben religiös. Menschenrechtsorganisationen berichteten über willkürliche Festnahmen, Folter und Hinrichtungen von Kritikern und Oppositionellen. Seit 2006 gab es laut Artikel keine freie Wahl und keinen herrschaftsfreien Diskurs mehr im Gazastreifen.

Angriff vom 7. Oktober 2023 und Folgen

Beim koordinierten Terrorangriff am 7. Oktober 2023 feuerte die Hamas tausende Raketen auf Israel. Etwa 2.700 Terroristen der Hamas und verbündeter Gruppen drangen aus Gaza in israelisches Grenzgebiet ein. Der Artikel nennt für die Zahl der Getöteten unterschiedliche Angaben: In der Einleitung mindestens 1139, im späteren Abschnitt mindestens 1233 Menschen, darunter mehr als 800 Zivilisten, 360 israelische Soldaten, 60 Polizisten und 13 Nothelfer. Tausende wurden verletzt, etwa 260 Menschen als Geiseln in den Gazastreifen verschleppt. Der Artikel berichtet außerdem von massiver sexualisierter Gewalt.

Israel rief den Kriegszustand aus und begann die Operation „Eiserne Schwerter“ mit Bombardements und Bodenoffensive. Ziele waren die Zerstörung der militärischen Fähigkeiten der Hamas und die Befreiung der Geiseln. Bis zum 14. November 2023 eroberte die IDF nach Artikel das Regierungsviertel in Gaza-Stadt und entzog der Hamas die administrative Kontrolle dort.

2024 tötete Israels Militär mehrere Hamasführungspersonen, darunter Saleh al-Arouri, Marwan Issa, Mohammed Deif, Ismail Haniyya, Rawhi Muschtaha und Yahya Sinwar. Nach Sinwars Tod wurde Chalid Maschal zum Interimsführer ernannt. Nach israelischen Angaben waren bis Ende 2024 20.000 palästinensische Kämpfer getötet worden, überwiegend Hamasmitglieder; Berichten zufolge konnte die Hamas Verluste teilweise durch neue Rekrutierungen ausgleichen. Im März 2025 kam es zu größeren Protesten gegen die Hamas und für ein Ende des Krieges, die laut Artikel üblicherweise gewaltsam unterdrückt werden. Ein Bericht einer unabhängigen Untersuchungskommission des UN-Menschenrechtsrats stellte für 2024–2025 in Gaza 249 Fälle von Hinrichtungen und schwerer Gewalt fest; mit Hamas verbundene Kräfte waren demnach an mindestens 60 Vorfällen beteiligt.

Organisation und Finanzierung

Die Hamas wird durch einen Konsultativrat, die Schūrā, strategisch geführt. Dieser wählt das Politbüro als Exekutivorgan. Nach Ismail Haniyyas Tötung im Juli 2024 und Yahya Sinwars Tod im Oktober 2024 wurde Chalid Maschal im Oktober 2024 als Interimsführer bekannt. Zum militärischen Flügel gehören vor allem die Qassambrigaden, daneben Studenteneinheiten und Polizeimilizen. Die Qassambrigaden wuchsen bis 2023 auf rund 30.000 Kämpfer und verfügen nach außen dargestellt über Elite-, Raketen-, Drohnen-, Marine- und Infanterieeinheiten.

Der politische beziehungsweise zivile Flügel umfasst Ministerien, Wohltätigkeit, Schulen, Kliniken, Jugendcamps, Fundraising und politische Arbeit. Die Hamas wirbt über Moscheen, Universitäten sowie Printmedien, Radio, Fernsehen und Internet um Mitglieder. Zu ihren Medien gehören Al-Aqsa TV, „Stimme von Al Aqsa“ und die Wochenzeitung Al-Risalah.

Wichtige Einnahmequellen sind Spenden über verbundene Wohltätigkeitsorganisationen, Abgaben und Steuern im Gazastreifen, Schmuggeltunnel, Unternehmensbeteiligungen sowie Unterstützung durch Iran und Katar. Haaretz schätzte das jährliche Budget vor dem 7. Oktober 2023 auf 2,5 Milliarden US-Dollar. Für 2021 nennt der Artikel Einnahmen von mehr als 500 Millionen US-Dollar, darunter mindestens 100 Millionen aus Iran für den militärischen Flügel. Katar überwies nach einem deutschen Bericht von 2007 bis 2021 insgesamt 1,8 Milliarden US-Dollar an die Hamas. Die USA sanktionierten 2022 ein Hamas-Investmentbüro und verbundene Firmen; laut US-Finanzministerium und New York Times verfügte die Hamas dennoch über ausländische Wertpapiere von mehr als 500 Millionen US-Dollar.

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