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Antizionismus

Antizionismus ist ein Sammelbegriff für gegen (griechisch antí) den Zionismus gerichtete politische Ideologien. Seit der Gründung des Staates Israel 1948 …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Begriff und Einordnung
  2. 2. Jüdische religiöse und säkulare Positionen
  3. 3. Arabisch-islamische, christliche und rechtsextreme Formen
  4. 4. Internationale Organisationen und sozialistische Staaten
  5. 5. Linke Strömungen in Deutschland und Österreich
  6. 6. Streit über den Zusammenhang mit Antisemitismus

Begriff und Einordnung

Antizionismus ist ein Sammelbegriff für politische Ideologien, die sich gegen den Zionismus richten. Seit der Gründung des Staates Israel 1948 richtet er sich als Antiisraelismus gegen den jüdischen Staat. Er kann säkular oder religiös begründet sein und kommt im gesamten politischen Spektrum vor.

Umstritten ist besonders sein Verhältnis zum Antisemitismus, also zu Feindschaft gegenüber Juden. Einige Wissenschaftler sehen häufige Zusammenhänge, andere bestreiten einen notwendigen oder regelmäßigen Zusammenhang. Kritik an konkreter israelischer Politik wird im Artikel als „Israelkritik“ bezeichnet und ist nicht automatisch mit Antizionismus gleichzusetzen.

Jüdische religiöse und säkulare Positionen

Viele liberale und säkulare Juden lehnten den politischen Zionismus im 19. Jahrhundert ab. Sie sahen sich als gleichberechtigte Bürger ihrer jeweiligen Staaten und befürchteten, die Vorstellung von Juden als „Nation in den Nationen“ könne ihre Emanzipation, Assimilation und soziale Integration gefährden. Zugleich standen manche einer Ansiedlung armer osteuropäischer Juden in Palästina positiv gegenüber. Der 1897 in Wilna gegründete Allgemeine Jüdische Arbeiterbund war die größte und wichtigste antizionistische jüdische Arbeiterorganisation Osteuropas.

Das US-Reformjudentum war vor 1937 antizionistisch: Die Pittsburgh Platform von 1885 verstand Juden als Religionsgemeinschaft, nicht als Nation, und lehnte eine Rückkehr nach Israel sowie die Wiederherstellung eines jüdischen Staates ab. In der Columbus Platform von 1937 bekannte es sich angesichts des Antisemitismus in Europa zum Aufbau einer jüdischen Heimat und eines sicheren Rückzugsorts für unterdrückte Juden.

Orthodoxe Gruppen verurteilten mit Ausnahme der 1902 gegründeten nationalreligiösen Misrachi einen jüdischen Staat vor dem Kommen des Messias als Bruch der Tora. Die 1912 gegründete Agudat Jisra’el und die Bewegung Neturei Karta vertreten diese religiös begründete Ablehnung; zugleich förderte die Agudat Jisra’el die Ansiedlung junger osteuropäischer Juden in Palästina. Teile der Linken befürworten einen binationalen Staat mit gleichen Rechten für Araber und Juden, ohne Israels Existenzrecht abzulehnen.

Arabisch-islamische, christliche und rechtsextreme Formen

Arabischer Antizionismus wird unter anderem mit dem Panarabismus verbunden, der einen gemeinsamen arabischen Staat vom Atlantik bis zum Persischen Golf anstrebte. Arabische Staaten kämpften im Israelischen Unabhängigkeitskrieg 1947–1949 gegen Israel. Der Artikel weist darauf hin, dass Teile der ersten beiden Absätze dieses Abschnitts nicht hinreichend belegt seien. Seit 1993 erkennen die meisten Staaten der Arabischen Liga Israel de facto an; Syrien und der Iran nach der Islamischen Revolution erkennen es weiterhin nicht an. Islamistische Bewegungen sehen das historische Palästina als Dār al-Islām, also als rechtmäßigen und ewigen Besitz der Muslime. Hamas, Islamischer Dschihad in Palästina und Hisbollah streben laut Artikel offen die Zerstörung Israels an.

Christlicher Antizionismus beruhte lange auf Substitutionstheologie: der Lehre, die Kirche habe das erwählte Volk Israel ersetzt. Daraus wurde gefolgert, das Judentum könne keine nationale und territoriale Zukunft haben. Viele europäische Kirchen lehnten deshalb den Zionismus ab. Seit 1945 wurde der christliche Antijudaismus in Teilen zurückgedrängt; seit 1993 erkennt der Vatikan Israels Existenzrecht an und unterhält diplomatische Beziehungen.

Im Rechtsextremismus ist Antizionismus eng mit antisemitischen Verschwörungstheorien verbunden. Israel wird etwa als von Juden kontrolliertes Unterdrückungsinstrument dargestellt; Begriffe wie „ZOG“ („Zionist Occupied Government“) dienen dieser Propaganda. Rechtsextreme Gruppen verwenden antizionistische Parolen, dämonisieren Israel und rufen teils zum Boykott israelischer Waren auf.

Internationale Organisationen und sozialistische Staaten

Nach dem Sechstagekrieg erreichte die Arabische Liga mehrere antiisraelische Resolutionen bei den Vereinten Nationen. Die UN-Vollversammlung verabschiedete 1975 die Resolution 3379: Sie verurteilte Zionismus als Form des Rassismus. Dafür stimmten 72 Staaten, dagegen 35, 32 enthielten sich. Ende 1991 wurde sie durch Resolution 46/86 mit 111 zu 25 Stimmen bei 13 Enthaltungen zurückgenommen. Kofi Annan nannte ihre Annahme 1998 einen „Tiefpunkt“ der UN-Geschichte. Auf der Weltrassismuskonferenz in Durban 2001 verhinderten die Beteiligten nach einem vorübergehenden Auszug Israels und der USA eine erneute Gleichsetzung von Zionismus und Rassismus.

Die Sowjetunion unterstützte nach dem Zweiten Weltkrieg zunächst den UN-Teilungsplan für Palästina und erkannte Israel 1948 drei Tage nach dessen Gründung an. Andrei Gromyko verwies am 14. Mai 1947 auf Holocaust und Leid der Überlebenden als Grund für das Recht auf einen eigenen Staat. Bald wandte sich die Sowjetunion jedoch gegen Zionismus, förderte antisemitisch geprägte Verschwörungstheorien und bezeichnete Zionismus 1971 als gegen die Interessen aller Werktätigen gerichtete „klassenkämpferische Kraft“.

Auch in der Tschechoslowakei und der DDR verband sich staatlicher Antizionismus mit Vorwürfen gegen angebliche „zionistische Agenten“ und mit antiisraelischer Propaganda. Besonders nach dem Sechstagekrieg wurde Israel in der DDR als „israelisch-imperialistischer Aggressor“ dargestellt.

Linke Strömungen in Deutschland und Österreich

Linke in der Bundesrepublik zeigten in den 1950er und 1960er Jahren zunächst oft Solidarität mit Israel. Nach dem Sechstagekrieg 1967 sahen viele Israel wegen der US-Unterstützung als Teil des westlichen Imperialismus. Linke Gruppen verbanden Solidarität mit Palästinensern mit Gegnerschaft zu Israel und verstanden dieses als Brückenkopf des US-Imperialismus. Der Artikel beschreibt die Übergänge zu offenem Antisemitismus als fließend; dies zeigte sich unter anderem in der Zusammenarbeit deutscher Linksextremisten mit der PLO und in Anschlagsplänen bzw. Anschlägen.

Die Partei Die Linke erkennt Israels Existenzrecht an, während einzelnen Mitgliedern und Strömungen antisemitische oder antizionistische Neigungen vorgeworfen wurden. Die 2005 gegründete BDS-Bewegung gilt im Artikel als antizionistisch; der Deutsche Bundestag verurteilte ihre Argumentationsmuster und Methoden am 7. Mai 2019 mehrheitlich als antisemitisch. Als Gegenströmung innerhalb der Linken entstanden die Antideutschen. Eine Studie von Hannes Zacher und Meir Shemla nach dem 7. Oktober 2023 fand bei einer nicht-repräsentativen Stichprobe erwerbstätiger deutscher Erwachsener zunehmend negative Einstellungen zu Israel an beiden politischen Rändern. Ihre Aussagekraft ist laut Artikel begrenzt, auch weil das Messinstrument möglicherweise Wissen über Kriegsgeschehen statt reiner Einstellungen erfasste.

In Österreich wurde die antizionistische Szene nach dem Hamas-Angriff 2023 stärker sichtbar. Bei Demonstrationen wurden antisemitische, antiamerikanische und islamistische Parolen berichtet. Für einen „Palästina Kongress“ 2024 in Wien wurden mehreren Beteiligten antisemitische Narrative, Doppelstandards oder Verschwörungsmythen vorgeworfen. Als Hintergründe in Teilen der linken Szene nennt der Artikel Kapitalismuskritik, Antiimperialismus, postkoloniale Theorien und Unterstützung für BDS.

Streit über den Zusammenhang mit Antisemitismus

Eine Position versteht Antizionismus häufig als verschleierten Antisemitismus, besonders wenn Israel dämonisiert, delegitimiert oder mit doppelten Standards beurteilt wird. Der 3-D-Test für Antisemitismus nennt genau diese drei Merkmale. Martin Kloke und Armin Pfahl-Traughber definieren Antizionismus als grundsätzliche Leugnung des Rechts von Juden auf nationale Selbstbestimmung in Israel/Palästina. Er könne die Auflösung Israels fordern oder dessen Politik fundamental kritisieren. Sie setzen Antizionismus und Antisemitismus nicht pauschal gleich, sehen aber große Schnittmengen und möglichen latenten Antisemitismus.

Kritiker dieser Gleichsetzung betonen dagegen, Antizionismus und Antisemitismus seien nicht notwendig oder regelmäßig verbunden, insbesondere bei Kritik an israelischer Politik. Peter Beattie wertet Umfragedaten so aus, dass die meisten Kritiker israelischer Politik keine Antisemiten seien; falsche Antisemitismusvorwürfe könnten den Begriff entwerten. Werner Bergmann fand für Deutschland Überschneidungen zwischen rechter Israelkritik und klassischem Antisemitismus, aber keinen Übergang von linker Israelkritik zu Judenkritik. Antony Lerman warnt, eine Gleichsetzung könne den Begriff Antisemitismus so ausweiten, dass auch Kritik an israelischen Regierungen oder die Ablehnung des Existenzrechts Israels ohne traditionelle antisemitische Vorstellungen als antisemitisch gelte.

Die Debatte steht auch im Zusammenhang mit der Arbeitsdefinition von Antisemitismus der International Holocaust Remembrance Alliance von 2016, die mehrere Regierungen, internationale Organisationen und die Europäische Union übernahmen. Davon unterscheidet sich die Jerusalemer Erklärung zum Antisemitismus, auf die sich Die Linke in einem Beschluss vom 10. Mai 2025 bezieht.

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