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Erste Intifada

Teil von: Israelisch-Palästinensischer Konflikt / Nahostkonflikt ; Teil von: Israelisch-Palästinensischer Konflikt / Nahostkonflikt · Dezember 1987 bis 1993.

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Kern und Verlauf
  2. 2. Ursachen und Auslöser
  3. 3. Palästinensische Aktionen
  4. 4. Israelische Reaktionen
  5. 5. Wichtige Ereignisse
  6. 6. Folgen

Kern und Verlauf

Die Erste Intifada war ein palästinensischer Aufstand gegen die israelische Besatzung im Westjordanland und im Gazastreifen. Sie war Teil des Israelisch-Palästinensischen Konflikts beziehungsweise Nahostkonflikts und dauerte von Dezember 1987 bis 1993. Der Begriff „Intifada“ bedeutet sinngemäß „Aufstand“ oder „sich erheben“; die Erste Intifada wurde wegen der häufigen Steinwürfe auch „Krieg der Steine“ genannt.

Beteiligt waren auf israelischer Seite der Staat Israel unter Ministerpräsident Jitzchak Schamir und auf palästinensischer Seite unter anderem die Palästinensische Befreiungsorganisation (PLO), die Hamas und die Volksfront zur Befreiung Palästinas. Die Gewaltintensität ging ab 1991 deutlich zurück. Als Ende der Ersten Intifada gelten die Oslo-Abkommen von 1993, die zum Oslo-Friedensprozess führten.

Ursachen und Auslöser

Der unmittelbare Auslöser war ein Unfall am 8. Dezember 1987: Ein israelischer Militärlastwagen stieß nahe dem Grenzübergang Erez an der nördlichen Grenze des Gazastreifens mit zwei palästinensischen Taxis zusammen. Vier Palästinenser starben, drei davon aus dem Flüchtlingslager Dschabaliya. In den Palästinensergebieten verbreitete sich das Gerücht, es habe sich um einen Vergeltungsakt für einen kurz zuvor im Gazastreifen erstochenen Israeli gehandelt; außerdem hieß es, der Fahrer des Lastwagens sei ein Verwandter des Ermordeten.

Während der Begräbnisse der vier Toten kam es zu Massendemonstrationen und Ausschreitungen. Im Gazastreifen und im Westjordanland gingen Palästinenser auf die Straße, Kinder warfen Steine auf israelische Panzer, und Autoreifen wurden angezündet. Die 1987 in Hebron gegründete Hamas nutzte die Unruhen, übernahm nach Darstellung des Artikels Führung und schürte Aufstände gegen israelische Soldaten.

Als längerfristige Ursachen nennt der Artikel mehrere soziale und politische Faktoren. In den 1980er Jahren gehörten die zusammengefassten Fruchtbarkeitsziffern der Palästinenser zu den höchsten weltweit. Fast die Hälfte der Palästinenser war jünger als 15 Jahre, 70 Prozent waren unter 30. Diese sehr junge Generation wuchs in einer Gesellschaft auf, die die israelische Besetzung des Westjordanlands und des Gazastreifens nach dem Sechstagekrieg nicht akzeptieren wollte. Zugleich verbesserte sich zwar der Zugang zu Bildung, etwa durch die Gründung der Islamischen Universität in Gaza 1978, aber die Arbeitslosigkeit nahm zu. Nach dem starken Ölpreisverfall von 1986 kürzten umliegende Golfstaaten ihre finanzielle Unterstützung für die Palästinensergebiete.

Palästinensische Aktionen

Der Aufstand entstand für die PLO-Führung in Tunis ungeplant und ungesteuert. Seit 1967 hatten viele Palästinenser widerwillig, aber kooperativ unter israelischer Militärverwaltung gelebt; größere Widerstandsaktionen wurden der PLO im Ausland überlassen. Mit der Intifada wurde die Zusammenarbeit mit israelischen Behörden eingestellt und der Konflikt international sichtbar gemacht.

Zu den friedlichen Formen des Widerstands gehörten ziviler Ungehorsam und Streiks. Im Hintergrund spielten Faisal Husseini und Sari Nusseibeh eine wichtige Rolle bei Planung und Finanzierung. Palästinensische Polizisten kündigten massenhaft, teils aus Angst vor Repressalien. Geschäfte öffneten nur noch stundenweise, Steuern und Abgaben wurden verweigert, nach jedem Todesfall wurde ein Generalstreik ausgerufen. Außerdem wurden israelische Produkte boykottiert, eigene Landwirtschaft organisiert und intensiviert, verbotene Flugblätter gedruckt und verteilt, Hilfskomitees gegründet, palästinensische Flaggen an schwer erreichbaren Stellen gehisst und Wände mit Parolen beschrieben.

Neben diesen Aktionen nahm Gewalt auf palästinensischer Seite schnell zu. Viele Jugendliche hatten kaum Waffen, weil die Intifada eher eine nationale Bewegung als eine von Parteien dominierte bewaffnete Organisation war. Deshalb kam es nicht zu größeren bewaffneten Angriffen auf israelische Soldaten. Stattdessen wurden vor allem Steine auf israelische Panzer, Soldaten, Zivilisten und Siedler geworfen. Auch Molotowcocktails wurden eingesetzt; der Artikel nennt die Vermutung, dass etwa 3600 Stück geworfen wurden. Ende 1990 lag die Opferbilanz bei 609 Toten auf palästinensischer und 18 Toten auf israelischer Seite sowie 12.000 Verletzten auf palästinensischer und 3.391 Verletzten auf israelischer Seite.

Ein weiteres Merkmal war Gewalt gegen Personen, die als Kollaborateure galten, also als Menschen, die mit israelischen Behörden zusammenarbeiteten. Von Israel ernannte Bürgermeister und Polizisten wurden ermordet; schon der Verdacht, Informant zu sein, konnte zum Todesurteil führen. Etwa 700 Personen sollen auf diese Weise getötet worden sein. Jugendliche, die als shabab bezeichnet wurden, überwachten die Einhaltung von Streiks und zwangen Händler mit Gewalt zur Schließung ihrer Geschäfte. Die allgemeine Gesetzlosigkeit führte außerdem zu politischen Gewalttaten und Plünderungen. Laut Artikel forderte interne Gewalt während der Intifada insgesamt ähnlich viele Todesopfer wie Angriffe auf israelische Soldaten.

Israelische Reaktionen

Israel reagierte zunächst mit dem Versuch, Streiks gewaltsam zu brechen. Soldaten öffneten mit Gewalt Geschäfte, die mit Gittern, Klappläden und Vorhängeschlössern versperrt waren. Gegen Steinewerfer wurden harte Mittel eingesetzt: Soldaten brachen ihnen Arme und Beine, ein Videobericht darüber löste weltweit Entsetzen aus. Verteidigungsminister Jitzchak Rabin forderte die Armee auf, mit „Macht, Kraft und Prügel“ die Ordnung wiederherzustellen; in der arabischen Welt erhielt er deshalb den Beinamen „Knochenbrecher“. Ein Regierungssprecher erklärte, wenn Truppen einem Steinewerfer die Hand brächen, könne dieser „für 1 ½ Monate“ keine Steine mehr werfen.

Rabins sogenannte „Breaking the Bones“-Strategie scheiterte nach Darstellung des Artikels daran, den Widerstand zu brechen, hatte aber schwere Folgen für die Zivilbevölkerung. Ein Bericht von Save the Children aus dem Jahr 1990 schätzte, dass zwischen 23.600 und 29.900 palästinensische Kinder nach den ersten zwei Jahren wegen Verletzungen durch Stockschläge medizinische Versorgung brauchten. 30 % dieser Kinder waren jünger als zehn Jahre, 20 % jünger als fünf Jahre. Obwohl Ehud Barak, damals stellvertretender Stabschef, anwies, Schüsse auf Kinder zu vermeiden, wurden 106 Kinder erschossen.

Weitere Maßnahmen betrafen Wirtschaft, Bewegung und Bildung. Im Sommer 1988 brannten israelische Behörden 8000 Oliven- und Obstbäume und tausende Dunam Weizenfelder ab; Palästinenser zündeten daraufhin Wälder an. Ab September 1988 wurden Gummigeschosse eingesetzt. Rabin erklärte, Ziel sei es, möglichst viele zu verwunden; Verletzungen seien der Zweck der Plastikkugeln. Nicht bezahlte Kfz-Steuern wurden durch neue Nummerntafeln eingetrieben, und palästinensische Fahrzeuge erhielten einen Versicherungsaufschlag, der von Palästinensern „stone tax“ genannt wurde. Steuern und Wassergebühren wurden durch Pfändungen eingetrieben, unter anderem Ende 1989 in fast jedem Haushalt von Beit Sahur nahe Betlehem.

Israel verhängte lange Ausgangssperren, teils mit Abschaltung von Strom und Wasser, und schränkte Bewegungsmöglichkeiten in Städten durch Sperren aus betongefüllten Tonnen ein. Parolen wurden übermalt, Palästinenser mussten verbotene PLO-Flaggen entfernen; einige erlitten beim Klettern auf Leitungsmasten Stromschläge. Universitäten und Schulen wurden lange geschlossen, weil sie als Zentren der Aufstände galten; Ende 1991 waren fast alle Bildungseinrichtungen aus Sicherheitsgründen geschlossen. Später wurde kritisiert, dass fehlende Bildungsmöglichkeiten die Unruhen noch verstärkten. Angehörige von Todesopfern wurden gezwungen, Begräbnisse ohne Aufsehen und nachts abzuhalten. Außerdem kam es zu Massenverhaftungen und harten Strafen für Delikte wie das Hissen der PLO-Fahne. Zahlreiche Frauen hatten während und nach Verhören Fehlgeburten, auch durch den Einsatz von Tränengas.

Jüdische Siedler mieden zunehmend arabische Stadtzentren und erhielten häufig eigene Zufahrtsstraßen. Einige Siedler schossen zurück, wenn sie mit Steinen beworfen wurden, und führten teilweise Racheaktionen gegen Araber durch. Die Strafe der Hauszerstörung wurde ausgeweitet: Bis Ende 1991 wurden mehr als 300 Wohnungen zerstört oder versiegelt und 2000 Personen obdachlos gemacht.

Wichtige Ereignisse

Die Intifada begann im Dezember 1987. Im Januar 1988 erschien das erste Flugblatt mit der Bezeichnung Hamas. Im November 1988 beschloss die PLO die Palästinensische Unabhängigkeitserklärung und erkannte das Existenzrecht Israels an. Im Juli 1990 kam es zu einem Bombenanschlag auf den Strand von Tel Aviv. Im August 1990 begann mit der Invasion des Irak in Kuwait eine Entwicklung, durch die Gastarbeiter heimkehrten; im September 1991 wurden 340.000 von 400.000 palästinensischen Flüchtlingen aus Kuwait vertrieben.

Im Oktober 1990 wurden am Jerusalemer Tempelberg 17 Demonstranten erschossen. Im Oktober 1991 fand die Konferenz von Madrid statt. Im Juni 1992 wurde Jitzchak Rabin zum Ministerpräsidenten gewählt. Am 13. Dezember 1992 entführte die Hamas den israelischen Grenzpolizisten Nissim Toledano; am 14. Dezember wurden 1.600 Palästinenser in Gaza verhaftet, und am 17. Dezember 1992 wurden 415 Islamisten in den Südlibanon ausgewiesen.

Im März 1993 wurden die Westbank und der Gazastreifen abgeriegelt. Im Mai 1993 starb seit Beginn der Intifada der 1.200ste Palästinenser. Im August 1993 endeten Geheimverhandlungen mit der PLO. Am 13. September 1993 wurde in Washington der Oslo-Vertrag unterzeichnet. Nach dem im Artikel angegebenen Zeitraum der Intifada nennt die Chronologie außerdem das Massaker in der Abraham-Moschee in Hebron durch Baruch Goldstein am 25. Februar 1994 mit 29 Toten und die Rückkehr Arafats nach Palästina im Juli 1994.

Folgen

Die Erste Intifada hatte hohe politische und wirtschaftliche Folgen. Für Israel kostete der Aufstand monatlich 120 Mio. US-Dollar an Sicherheitsausgaben und 38 Mio. US-Dollar an indirekten wirtschaftlichen Schäden. Die israelischen Gegenmaßnahmen und die Golfkrise 1990–1991 schwächten den Aufstand. Nach dem Zweiten Golfkrieg war Israel jedoch gezwungen, Verhandlungen mit der PLO aufzunehmen, zunächst geheim und später offiziell.

Als Ergebnis führte die Erste Intifada nach Darstellung des Artikels letztlich zur Autonomie. Aus den Widerstandskomitees entstanden neue Parteien und Organisationen, darunter auch die Hamas. Der Artikel beschreibt die Erste Intifada zudem als wichtige Phase für den Aufstieg der Hamas, die seit 2006 den Gazastreifen kontrolliert.

Die Palästinensergebiete wurden zunehmend von Israel abgeriegelt. Das trug zu einem starken Rückgang palästinensischer Beschäftigung in Israel bei: 1992 arbeiteten noch 115.600 Palästinenser in Israel, bis 1996 halbierte sich diese Zahl.

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