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ʿArafāt
ʿArafāt (arabisch عرفات ) ist eine Ebene rund 20 km südöstlich von Mekka, in der das zentrale Ritual der islamischen Haddsch-Wallfahrt stattfindet.
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Bedeutung und Lage
ʿArafāt (arabisch عرفات) ist eine Ebene etwa 20 km südöstlich von Mekka. Dort findet das zentrale Ritual der islamischen Haddsch-Wallfahrt statt. Der dafür vorgesehene Tag ist der 9. Dhū l-Hiddscha und heißt ʿArafa-Tag (يوم عرفة, DMG Yaum ʿArafa). Für die Gültigkeit des Haddsch ist die Teilnahme an der Verweilzeremonie in ʿArafāt notwendig: Ohne den Wuqūf in ʿArafāt hat der Haddsch keine Gültigkeit.
Die Ebene ist ungefähr 6,5 km in ost-westlicher Richtung und 11 bis 13 km in nord-südlicher Richtung groß. Am nordöstlichen Rand liegt der 61 m hohe Dschabal ar-Rahma, der „Berg der Barmherzigkeit“. Er wird auch ʿArafāt-Berg (جبل عرفات, DMG Ǧabal ʿArafāt) genannt. Für den ʿArafa-Tag werden Zelte aufgeschlagen, um Schutz vor der Sonne zu geben. Während dieses Tages befinden sich alle Pilger in dieser Ebene.
Ablauf des Wuqūf
Am Vormittag des 9. Dhū l-Hiddscha begeben sich die Pilger in ihrer Ihram-Kleidung in die ʿArafāt-Ebene und versammeln sich dort. Ihram bezeichnet hier den rituellen Zustand und die entsprechende Kleidung der Pilger. Sobald die Sonne ihren höchsten Punkt überschritten hat, beginnt das zentrale Ereignis des Haddsch.
Die Pilger verrichten das Mittagsgebet und das Nachmittagsgebet zusammen. Danach verweilen sie bis zum Sonnenuntergang in der Ebene. Diese Verweilzeremonie heißt Wuqūf und bedeutet im Sinn des Rituals „Stehen vor Gott“. Der Bereich, in dem der Wuqūf ritualrechtlich zulässig ist, ist durch Grenzmale gekennzeichnet.
Zu Beginn des Wuqūf hält ein bekannter islamischer Gelehrter eine zweiteilige Chutba, also eine Predigt. Dabei wird an die Abschiedspredigt Mohammeds erinnert, die er kurz vor seinem Tod an dieser Stelle hielt. Während der Zeremonie rezitieren die Pilger Koranverse, sprechen Segenswünsche über den Propheten, richten Bittgebete an Gott und sprechen die Talbiya, einen Pilgerruf.
Ifāda und Gebete
Kurz nach Sonnenuntergang beginnt die sogenannte Ifāda, das „Ausströmen“. Dabei eilen die Pilger aus der Ebene von ʿArafāt in Richtung des Tales Muzdalifa. Muzdalifa liegt auf halber Strecke zwischen ʿArafāt und Mekka.
In Muzdalifa beenden die Pilger die Ifāda. Zum Abschluss des Tages verrichten sie dort das Abendgebet und das Nachtgebet zusammen. Dass am Mittag zwei Gebete zusammengezogen werden und nach Sonnenuntergang erneut zwei Gebete zusammengezogen werden, ist eine Besonderheit des ʿArafa-Tages.
Auf die Ifāda und das anschließende Gebet in Muzdalifa bezieht sich Sure 2:198: „Wenn ihr die Ifāda von ʿArafāt aus vollzogen habt, dann gedenket Gottes bei der Heiligen Kultstätte!“
Fasten am ʿArafa-Tag
Einige Muslime fasten am ʿArafa-Tag. Der Artikel weist darauf hin, dass umstritten ist, wie dieses Fasten religiös einzuordnen ist: Es ist nicht eindeutig, ob es als Sunna vorgeschrieben ist oder nur als freiwillige Handlung gilt. Sunna bezeichnet eine religiöse Orientierung an der Praxis des Propheten Mohammed. Im Koran gibt es zu diesem Fasten keine entsprechende Anweisung.
Historische Entwicklung
Der Wuqūf am ʿArafa-Tag hat vorislamische Ursprünge. Im alten Arabien bildete er das Abschlussritual der jährlichen Märkte von ʿUkāz, Dhū l-Madschāz und Madschanna. Diese Märkte fanden in den heiligen Monaten in der Nähe von ʿArafāt statt.
Nach der Einnahme von Mekka durch die Muslime wurde das Ritual islamisiert. Bei der sogenannten Abschiedswallfahrt kurz vor seinem Tod im Jahr 632 hielt Mohammed in der ʿArafāt-Ebene eine Rede. Dabei legte er auch die Regeln für das Ritual fest.
Der islamischen Tradition zufolge wurde Sure 5, Vers 3 an dieser Stelle offenbart und von Mohammed vorgetragen: „Heute habe ich euch eure Religion vervollständigt (so daß nichts mehr daran fehlt) und meine Gnade an euch vollendet, und ich bin damit zufrieden, daß ihr den Islam als Religion habt.“
Grenzen und Bauwerke
Die Grenzen des Gebietes von ʿArafāt wurden im 8. Jahrhundert im Fiqh geographisch fixiert. Fiqh bezeichnet die islamische Rechtswissenschaft. Diese Festlegung war wichtig, weil der Wuqūf nur in einem bestimmten Raum ritualrechtlich gültig ist.
Im 12. Jahrhundert errichtete der zengidische Wesir Dschamāl ad-Dīn al-Isfahānī, der 1164 starb, auf dem Dschabal ar-Rahma eine Moschee. Außerdem legte er eine Treppe an, die zu ihr hinaufführte. Er baute auch eine unterirdische Wasserleitung, die die ʿArafāt-Ebene während der Tage des Haddsch mit Wasser versorgte.
Diese Leitung wurde ʿAin ʿArafāt genannt. In den folgenden Jahrhunderten wurde sie immer wieder repariert. In den 1560er Jahren wurde sie bis nach Mekka verlängert.