Wikipedia · einfach zusammengefasst · Stand
Gute Zeiten, schlechte Zeiten
Gute Zeiten, schlechte Zeiten (Akronym: GZSZ) ist eine von der UFA Serial Drama produzierte Seifenoper. Sie wird seit 1992 beim deutschen Privatsender RTL …
Inhalt6 Abschnitte
Überblick
Gute Zeiten, schlechte Zeiten, kurz GZSZ, ist eine deutsche Daily-Soap, also eine werktäglich fortlaufende Fernsehserie mit vielen miteinander verflochtenen Handlungen. Sie wird von UFA Serial Drama produziert und seit dem 11. Mai 1992 bei RTL ausgestrahlt, montags bis freitags im Vorabendprogramm. Die Erstausstrahlung erfolgt inzwischen eine Woche vor der Free-TV-Ausstrahlung im Streamingportal RTL+. Die Serie hat eine Länge von etwa 25 Minuten pro Episode und umfasst mehr als 8600 Episoden. Sie gilt als erfolgreichste deutsche Fernsehserie ihres Genres.
Die Serie entstand nach dem Vorbild der australischen Seifenoper The Restless Years. Die ersten 230 Drehbücher wurden mit wenigen Änderungen übernommen; seit Episode 231 vom 13. April 1993 werden eigene deutsche Drehbücher geschrieben. In den Niederlanden gibt es seit 1990 mit Goede tijden, slechte tijden eine verwandte Serie nach demselben Vorbild.
Die Dreharbeiten begannen am 16. März 1992 in den Berliner Union Film Studios in Berlin-Tempelhof. Seit 1995 wird in Potsdam-Babelsberg auf dem Gelände von Studio Babelsberg produziert. Die Folgen werden mit etwa sieben Wochen Vorlauf hergestellt. Am 22. Juni 1998 erreichte die 1500. Episode mit einem Auftritt von Gerhard Schröder die Rekordeinschaltquote von 6,73 Millionen Zuschauern. Die 6000. Episode wurde am 18. Mai 2016 ausgestrahlt und erreichte 4,02 Millionen Zuschauer. Seit Juli 2018 läuft GZSZ auch in Frankreich und Belgien unter dem Titel Au Rythme de la Vie.
Handlung und Erzählweise
GZSZ handelt vor allem von überwiegend jungen Menschen in einem Kiez in Berlin-Mitte. Die Figuren gehen zur Schule, studieren, leisten ein soziales Jahr oder stehen am Anfang ihres Berufslebens, etwa in Medien, Mode, Gastronomie, Handwerk, Medizin, Immobilien oder Eventarbeit. Typisch sind Themen wie Liebe, Trennung, Intrigen, Mobbing, Machtkämpfe, Berufswahl, Gesangskarrieren, Kriminalität, Drogen, Krankheiten, Behinderungen und Todesfälle.
Die Haupthandlungsstränge laufen meist über mehrere Monate. Daneben gibt es kürzere Nebenhandlungen, die nur wenige Episoden dauern und oft zur Auflockerung dienen. Längere Handlungen können für einige Folgen unterbrochen und später fortgesetzt werden. Häufig ist dieselbe Figur gleichzeitig in mehrere Konflikte oder Beziehungen eingebunden. Jubiläumsfolgen sind oft besonders dramatisch und enthalten Todesfälle, Katastrophen oder wichtige Ereignisse wie Hochzeiten.
Ein wichtiges Merkmal ist die längerfristige Entwicklung von Figuren. So wird gezeigt, wie Menschen durch einschneidende Ereignisse ihre Persönlichkeit verändern. Als Beispiele nennt der Artikel Philip, der nach dem Tod seiner Eltern und seiner Freundin vom jugendlichen Sonnyboy zum nachdenklichen Arzt wird, und Jasmin, die nach der therapeutischen Aufarbeitung eines Vergewaltigungstraumas beziehungsfähiger wird.
Die Serie greift auch gesellschaftliche Themen auf: Homosexualität und Coming-out, Dreiecksbeziehungen, Internetbeziehungen, Misshandlungen bei der Bundeswehr, Überschuldung junger Menschen, Designer-Drogen, Sterbehilfe, Pressefreiheit und Korruption, illegale Einwanderung, Steuersünder-CDs, Wirtschafts- und Flüchtlingskrisen, Organspendeskandale, Corona-bezogene App-Entwicklungen, pathologisches Spielen, Alkoholsucht und Opioid-Abhängigkeit. Zugleich weist der Artikel auf realitätsferne Elemente hin, etwa Mordserien, Entführungen, plötzlich auftauchende Verwandte, unplausible Altersentwicklungen, unrealistische Gerichtsverfahren und auffällig problemlose Jobwechsel.
Figuren und Schauplätze
Das Personal der Serie ist groß und verändert sich ständig. Eine zentrale Langzeitfigur ist Prof. Dr. Dr. Hans-Joachim „Jo“ Gerner, gespielt von Wolfgang Bahro, der seit 1993 dabei ist. Er ist Rechtsanwalt, Geschäftsmann, Mitinhaber der Gerner Financial Group und eine Figur mit wechselnden moralischen Seiten: eigennützig und strategisch, aber auch stark familienbezogen. Weitere wichtige aktuelle Figuren sind unter anderem John Bachmann, Katrin Flemming, Emily Wiedmann, Dr. Philip Höfer, Maren Seefeld, Lilly Seefeld, Jonas Seefeld, Paul Wiedmann, Laura Bachmann, Toni Fritsche, Nihat Güney, Yvonne Bode, Moritz Bode, Tobias Evers, Michi Bode, Jessica Reichelt, Alicia Bäumler, Matilda Gerner und Julian Gerner.
Viele Figuren sind über Familien verbunden. Der Gerner-Flemming-Clan umfasst Jo Gerner, Katrin Flemming, Johanna Flemming sowie die 2024 eingeführten Zwillinge Matilda und Julian. Zur Familie Bode gehören Yvonne, Michi, Moritz und Laura. Weitere wichtige Gruppen sind die Familien Bachmann/Höfer/Wiedmann, Seefeld, Fritsche/Reichelt, Bäumler/Evers und Lopez. Der Artikel beschreibt zahlreiche Beziehungen, Trennungen, Ehen, Krankheiten, Straftaten, berufliche Wechsel und Familiengeheimnisse dieser Figuren.
Der Handlungsort war anfangs nur eine nicht genau benannte Großstadt, ist heute aber klar Berlin. Das Stadtpanorama und bekannte Orte wie Prenzlauer Berg oder Tiergarten werden häufig erwähnt. Wichtige Schauplätze sind oder waren Cafés, Restaurants, Bars, Medienunternehmen, das Viktoria-Luise-Gymnasium, das Jeremias-Krankenhaus, die Kanzlei von Jo Gerner, das Mauerwerk, das Vereinsheim, der Kiezkauf, die Eventagentur Female³ und die Gerner Financial Group. Die aktuellen Hauptschauplätze existieren nicht real in Berlin, sondern sind Filmkulissen auf dem Gelände von Studio Babelsberg; Teile der Außenkulissen können über Führungen im Filmpark Babelsberg besichtigt werden.
Ausstrahlung und Gestaltung
Seit dem Sendestart am 11. Mai 1992 läuft GZSZ montags bis freitags von 19:40 Uhr bis 20:15 Uhr bei RTL. Die Episoden werden heute durch Werbeblöcke unterbrochen. Wiederholungen liefen oder laufen unter anderem vormittags bei RTL, früher bei VOX und seit Dezember 2006 auf dem Pay-TV-Sender Passion. Bei RTL+ können gesendete Episoden sowie neue Folgen eine Woche vor der Free-TV-Ausstrahlung angesehen werden. Seit März 2016 ersetzt RTL+ auch den früheren Samstags-Wochenrückblick.
Jede Episode beginnt mit Ausschnitten aus vorherigen Folgen, die für die neue Folge wichtig sind. Danach folgt ein Intro mit Titelmusik und Bildern der Hauptfiguren. Das Intro wurde mehrfach überarbeitet: Anfangs waren Rahmen mit Figurengesichtern und Szenenausschnitten zu sehen; später kamen Einzelaufnahmen, Gruppenbilder, 3D-artige Darstellungen, Berlin-Aufnahmen und schließlich Darstellungen der Figuren in ihren typischen Lebensräumen hinzu.
Das Titellied hieß ursprünglich Mitten ins Herz und wurde bis 2014 verwendet. Es wurde nacheinander von Bo Andersen, Viveca, Sabine Grunert und in einer unbekannten Coverversion gesungen. Seit 2014 ist eine modernisierte Version von Glasperlenspiel unter dem Titel Ich seh in dein Herz zu hören. Jede Episode endet mit einem Cliffhanger, also einem offenen oder zugespitzten Moment, der Neugier auf die nächste Folge wecken soll. Statt eines klassischen Abspanns zeigt RTL meist eine Vorschau auf die nächste Episode und verweist auf RTL+.
Bedeutung, Quoten und Preise
GZSZ gilt als deutsches Musterbeispiel für industrielle Serienproduktion im Fernsehen. Für RTL ist die Serie wirtschaftlich sehr wichtig. 2014 lag der Marktanteil bei den 14- bis 49-Jährigen bei rund 18 Prozent und damit deutlich über dem Senderschnitt. 2007 lagen die Werbeeinnahmen laut Artikel bei 218 Millionen Euro, während die Produktionskosten pro Episode bei etwa 70.000 bis 80.000 Euro lagen. Ein Werbespot kostete je nach Saison 30.000 bis 60.000 Euro; bis zu 24 Spots konnten pro Episode geschaltet werden. Wichtige Werbekunden waren Ferrero, Procter & Gamble, L’Oréal, Danone und McDonald’s.
Die Einschaltquoten lagen in den Jahren 2007 bis 2019 meist zwischen etwa 2,66 und 3,82 Millionen Zuschauern im Jahresdurchschnitt. In der Zielgruppe der 14- bis 49-Jährigen erreichte die Serie zwischen 2007 und 2013 Marktanteile von 20,2 bis 23,3 Prozent, später 2014 bis 2019 Werte zwischen 16,9 und 19,6 Prozent.
Die Serie erhielt mehrere Auszeichnungen: 1999 den Bambi für Beste Serie, 2003 den Deutschen Fernsehpreis in der Kategorie Beste tägliche Sendung und 2012 den German Soap Award für die Beste Serie als Jurypreis. Außerdem wurden Darstellerinnen und Darsteller im Rahmen der German Soap Awards ausgezeichnet oder nominiert, darunter Raúl Richter, Sıla Şahin, Jörn Schlönvoigt, Wolfgang Bahro, Susan Sideropoulos, Thomas Drechsel und andere.
Ableger und Begleitmedien
Zu GZSZ entstanden mehrere Ableger. Großstadtträume lief ab dem 8. Mai 2000 montags zur Hauptsendezeit bei RTL, wurde aber wegen schlechter Einschaltquoten nach sieben Episoden aus dem Programm genommen. 2020 erschien die 20-teilige Miniserie Sunny – Wer bist Du wirklich? auf TVNOW. 2021 folgte Nihat – Alles auf Anfang, eine 10-teilige Event-Serie über Nihats Suche nach seinen familiären Wurzeln. Ebenfalls 2021 entstand Leon – Glaub nicht alles, was du siehst, eine Event-Serie um Leon Moreno auf Rügen; später folgte die Spielfilm-Fortsetzung Leon – Kämpf um deine Liebe. Am 8. November 2024 erschien auf RTL+ der Kinder-Ableger Uferpark – Gute Zeiten, wilde Zeiten mit 26 Folgen in der ersten Staffel.
GZSZ ist außerdem durch Crossover mit anderen Serien verbunden, etwa Alles was zählt, Unter uns, Hinter Gittern – Der Frauenknast und weiteren Produktionen. Dadurch gehört die Serie zu einem gemeinsamen Serienuniversum mehrerer RTL-Serien. In der Serie treten zudem regelmäßig Prominente und Musiker auf, besonders im Club Mauerwerk.
Zur Serie erschienen Musik-CDs, Hörspiele, DVDs, Bücher und Heftromane. Von 1993 an wurden 44 Musik-CDs veröffentlicht, dazu Sonderalben, drei Hörspiele und DVD-Boxen mit frühen Episoden. Seit 1993 erschienen außerdem Romane, Begleitbücher und Heftromane zur Serie. Zum 30-jährigen Jubiläum startete 2022 eine YouTube-Interviewreihe, in der Wolfgang Bahro mit ehemaligen Schauspielerinnen und Schauspielern über Erinnerungen und berufliche Wege nach GZSZ spricht.