Zum Inhalt springen
L

Wikipedia · einfach zusammengefasst · Stand

Gujarat

Die Entwicklungsindikatoren des Staates liegen in der Regel über dem indischen Durchschnitt. Der Staat ist ein Schwerpunkt für westliche …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Überblick und Lage
  2. 2. Naturraum und Städte
  3. 3. Bevölkerung, Sprachen und Religionen
  4. 4. Geschichte und Konflikte
  5. 5. Politik und Verwaltung
  6. 6. Wirtschaft und Energie

Überblick und Lage

Gujarat ist ein indischer Bundesstaat im Westen Indiens. Er hat eine Fläche von 196.024 km² und 60.383.628 Einwohner nach der Volkszählung 2011. Die Hauptstadt ist Gandhinagar, die wirtschaftlich bedeutendste Stadt ist Ahmedabad. Gujarat wurde am 1. Mai 1960 gegründet, als der damalige Bundesstaat Bombay entlang der Sprachgrenze in Gujarat und Maharashtra geteilt wurde.

Gujarat grenzt im Norden an Rajasthan, im Osten an Madhya Pradesh, im Südosten an Maharashtra, im Nordwesten an die pakistanische Provinz Sindh und im Süden an das Arabische Meer. Drei der vier Gebiete des Unionsterritoriums Dadra und Nagar Haveli und Daman und Diu sind vollständig von Gujarat umschlossen; das vierte liegt zwischen Gujarat und Maharashtra.

Naturraum und Städte

Gujarat besitzt mit ungefähr 1600 Kilometern mehr Küstenlinie als jeder andere indische Bundesstaat. Zur Küste gehören der Golf von Kachchh und der Golf von Khambhat, welche die Halbinsel Kathiawar begrenzen. An der pakistanischen Grenze liegt der Rann von Kachchh, eine auffällige Salzmarschlandschaft. Bekannte Gebirgsketten Nordindiens reichen noch nach Gujarat hinein, darunter Aravalli-, Vindhya- und Satpura-Gebirge. Der höchste Bergstock Gujarats ist der Girnar mit 1117 Metern. Wichtige Flüsse sind der Sabarmati, der durch Ahmedabad fließt, sowie Mahi, Narmada und Tapti, die in den Golf von Khambhat münden.

Gujarat ist der letzte natürliche Lebensraum von Löwen außerhalb Afrikas: Hier lebt der Asiatische Löwe (Panthera leo persica). Zählungen von 2005 zeigten, dass die kleine Population im Gir-Nationalpark wieder gewachsen war, was mit staatlichen Schutzmaßnahmen gegen Wilderei verbunden wurde.

Die größten Städte nach der Volkszählung 2011 sind Ahmedabad mit 5.570.585 Einwohnern, Surat mit 4.462.002, Vadodara mit 1.666.703, Rajkot mit 1.286.995, Bhavnagar mit 593.768 und Jamnagar mit 529.308 Einwohnern. Gandhinagar hatte 208.299 Einwohner.

Bevölkerung, Sprachen und Religionen

Mit 60.383.628 Einwohnern war Gujarat 2011 der neuntgrößte Bundesstaat Indiens nach Einwohnerzahl. Die Bevölkerungsdichte betrug 308 Einwohner pro km² und lag damit unter dem indischen Durchschnitt von 382 Einwohnern pro km². Die Bevölkerung wuchs zwischen 2001 und 2011 um 19,2 Prozent, also stärker als der indische Durchschnitt von 17,6 Prozent. 42,6 Prozent der Einwohner lebten in Städten; der Urbanisierungsgrad lag deutlich über dem Landesdurchschnitt von 31,2 Prozent.

79,3 Prozent der Einwohner konnten 2011 lesen und schreiben. Bei Männern lag die Alphabetisierungsrate bei 87,2 Prozent, bei Frauen bei 70,7 Prozent. Auch dieser Gesamtwert lag über dem indischen Durchschnitt von 74,0 Prozent.

Die Einwohner Gujarats bezeichnen sich als Gujarati. Eine wichtige Minderheit sind die Adivasi, also Angehörige der indigenen Stammesbevölkerung. Nach der Volkszählung 2001 wurden 14,8 Prozent der Einwohner Gujarats als scheduled tribes klassifiziert. Die größte Gruppe unter ihnen sind die Bhil, die fast die Hälfte der Adivasi-Bevölkerung Gujarats ausmachen. Adivasi leben besonders in den Berggebieten im Osten; in den Distrikten Dang, Narmada, Dahod und Valsad stellen sie die Bevölkerungsmehrheit.

Die Hauptsprache ist Gujarati. Der Bundesstaat wurde 1960 nach den Sprachgrenzen des Gujarati gebildet. Gujarati gehört zu den indoarischen Sprachen und wird in der Gujarati-Schrift geschrieben. Nach der Volkszählung 2001 sprachen 84,5 Prozent Gujarati als Muttersprache, 4,8 Prozent Bhili, 4,7 Prozent Hindi, 1,9 Prozent Sindhi, 1,5 Prozent Marathi und 1,2 Prozent Urdu. Alleinige Amtssprache ist Gujarati; Englisch ist wie in ganz Indien als Verkehrs- und Bildungssprache präsent.

Die Mehrheit der Bevölkerung sind Hindus. Nach der Volkszählung 2011 machten sie 88,6 Prozent beziehungsweise rund 89 Prozent aus. Die größte religiöse Minderheit sind Muslime mit 9,7 Prozent beziehungsweise knapp 10 Prozent. Kleinere Minderheiten sind Jainas mit 1,0 Prozent und Christen mit 0,5 Prozent. Die Parsen, indische Zoroastrier, sind zahlenmäßig sehr klein, aber historisch bedeutend.

Gujarat gilt neben dem indischen und pakistanischen Punjab und Haryana als Hochburg von Mädchentötungen und geschlechtsspezifischen Abtreibungen. Schon 1817 berichtete die britische Kolonialverwaltung, dass im Clan der Jadega-Rajputen häufig nur männliche Nachkommen überlebten. Als Grund nennt der Artikel wirtschaftliche Interessen, besonders die Verhinderung einer Aufsplitterung von Landbesitz. Heute werden in Städten gehäuft Todesfälle von Mädchen im ersten Lebensjahr beobachtet; sie verhalten sich etwa wie 3:2 zu Todesfällen von Jungen.

Geschichte und Konflikte

Vom 8. bis zum 13. Jahrhundert wurde das Gebiet des heutigen Gujarat nacheinander von drei miteinander verwandten hinduistischen Dynastien regiert: Chavda, Solanki und Vaghela. Um 1300 wurde es von Muslimen erobert. Im 15. und 16. Jahrhundert bestand dort das Sultanat Gujarat. 1576 eroberte Akbar I. das Sultanat und gliederte es in das Mogulreich ein.

Die moderne staatliche Form entstand nach der Neuordnung des Bundesstaates Bombay. Nachdem Bombay 1956 um das Gebiet des heutigen Maharashtra vergrößert worden war, wurde es am 1. Mai 1960 entlang der Sprachgrenze in Gujarat und Maharashtra geteilt.

Am 26. Januar 2001 erschütterte ein Erdbeben der Stärke 7,7 die Region. Etwa 20.000 Menschen starben, 200.000 wurden verletzt. Die wirtschaftliche Entwicklung des Gebietes wurde nach Darstellung des Artikels um ein Jahrzehnt zurückgeworfen.

Am 27. Februar 2002 wurden bei einem Anschlag auf einen Zug mit hinduistischen Pilgern mindestens 57 Menschen getötet, darunter 25 Frauen und 15 Kinder. Danach kam es zu schweren Ausschreitungen zwischen Hindus und Muslimen. Nach offiziellen Schätzungen wurden 254 Hindus und 790 Muslime getötet. Die Ausschreitungen zählen zu den schlimmsten seit der indischen Unabhängigkeit; besonders Frauen wurden Opfer von Verstümmelungen, Folter und Massenvergewaltigungen.

Politik und Verwaltung

Gujarat hat ein Einkammernparlament, die Gujarat Legislative Assembly oder Gujarat Vidhan Sabha. Es besteht aus 182 Abgeordneten, die alle fünf Jahre direkt gewählt werden. Seit 1970 sitzt das Parlament in Gandhinagar. Zuvor war Ahmedabad von 1960 bis 1970 Interimshauptstadt. Der Chief Minister ist der Regierungschef und wird vom Parlament gewählt. An der Spitze des Bundesstaates steht der vom indischen Präsidenten ernannte Gouverneur. Seit Juli 2019 ist Acharya Devvrat Gouverneur. Der High Court of Gujarat in Ahmedabad ist der höchste Gerichtshof des Bundesstaates.

Gujarat entsendet 26 Abgeordnete in die Lok Sabha, das Unterhaus des indischen Parlaments, und elf in die Rajya Sabha, das Oberhaus. Seit 1997 wird Gujarat durchgehend von der Bharatiya Janata Party (BJP) regiert. Narendra Modi war von 2001 bis 2014 Chief Minister. Er ist wegen seiner Rolle während der Unruhen von 2002 umstritten, wurde aber wegen des wirtschaftlichen Erfolgs Gujarats unter seiner Regierung populär. Nach dem BJP-Wahlsieg 2014 wurde er gesamtindischer Premierminister.

Bei der Parlamentswahl 2022 gewann die BJP mit 52,5 Prozent der Stimmen 156 von 182 Wahlkreismandaten. Der Indische Nationalkongress erhielt mit 27,7 Prozent der Stimmen 17 Mandate. Die Aam Aadmi Party erreichte 12,9 Prozent und fünf Mandate. Die Samajwadi Party gewann ein Mandat, drei Mandate gingen an Unabhängige. Bei den gesamtindischen Parlamentswahlen 2014 und 2019 gewann die BJP in Gujarat jeweils alle 26 Wahlkreise.

Die Verwaltungsgliederung Gujarats besteht aus 34 Distrikten. Die Zahl der Distrikte stieg seit der Gründung des Bundesstaates von 17 auf 34. Wichtige Änderungen waren unter anderem die Bildung des Distrikts Gandhinagar 1964, mehrerer neuer Distrikte am 2. Oktober 1997, des Distrikts Tapi 2007, sieben neuer Distrikte am 15. August 2013 und des Distrikts Vav-Tharad am 1. Januar 2025.

Wirtschaft und Energie

Gujarat gehört wirtschaftlich zu den stärkeren Bundesstaaten Indiens. Im Jahr 2015 lag das Pro-Kopf-Bruttoinlandsprodukt bei 106.831 Rupien beziehungsweise 2.337 US-Dollar. Damit belegte Gujarat Platz 6 unter 29 indischen Bundesstaaten. Über den Hafen von Mundra wurde 2023/2024 fast ein Drittel der indischen Exporte abgewickelt. Die Entwicklungsindikatoren des Staates liegen meist über dem indischen Durchschnitt. Gujarat ist außerdem ein Schwerpunkt westlicher Direktinvestitionen in High-Tech-Industrien.

Im Index der menschlichen Entwicklung erreichte Gujarat 2015 einen Wert von 0,651 und damit Platz 16 unter 29 Bundesstaaten Indiens. Der indische Durchschnitt lag bei 0,624.

Eine besondere Rolle spielen erneuerbare Energien. Gujarat hat etwa 458 Kilometer offene Hauptkanäle; inklusive Seitenarmen beträgt die Kanallänge aktuell 19.000 Kilometer. Nach Fertigstellung des SSNNL-Kanalnetzes soll sie etwa 85.000 Kilometer umfassen. In einem Pilotprojekt wurden offene Kanäle für die Trinkwasserversorgung mit Solarmodulen überdeckt. Das größere Dorf Modhera im Distrikt Mehsana wurde bis 2022 in einem Modellprojekt zum ersten rein durch Sonnenenergie versorgten Dorf Indiens ausgebaut.

Weiterlesen

Indien Indien ; Amtssprache · Hindi und Englisch (Amtssprachen der Union) 21 weitere, offiziell anerkannte Sprachen dienen auf regionaler Ebene teils als Amtssprachen. Pakistan Einwohnerzahl, 255,2 Millionen (5.) (2025, Schätzung) ; Bevölkerungsdichte, 290 Einwohner pro km² ; Bevölkerungsentwicklung, +1,6 % (Schätzung für das Jahr 2025). Englische Sprache Die englische Sprache (Eigenbezeichnung: [ˈɪŋɡlɪʃ]) ist eine ursprünglich in England beheimatete germanische Sprache, die zum westgermanischen Zweig gehört. Hinduismus Im Gegensatz zu anderen Religionen gibt es im Hinduismus keinen Religionsstifter, vielmehr entwickelten sich die religiösen Systeme Indiens über einen Zeitraum … Islam Der Islam ist eine monotheistische Religion, die im frühen 7. Jahrhundert in Arabien durch den Mekkaner Mohammed gestiftet wurde. Jainismus Ahimsa (Ablassen von Töten und Verletzen von Lebewesen), · Satya (Verzicht auf nicht wahrheitsgemäße Rede), · Asteya (sich nicht an fremdem Eigentum vergreifen), … Islam in Indien Von den 1,2 Milliarden Einwohnern Indiens bei der letzten Volkszählung 2011 waren 79,8 % Hindus und 14,2 % Muslime. Nach Indonesien und vor Pakistan ist Indien … Parsen Die Parsen (von persisch پارسى , DMG Pārsī, ‚Perser') sind eine ursprünglich aus Persien bzw. Iran stammende ethnisch-religiöse Gruppe, die auf Grundlage … Zoroastrismus Der Zoroastrismus bzw. Zarathustrismus (auch: Mazdaismus oder Parsismus sowie zoroastrische Religion und Zoroastrianismus) ist eine Religion, … Mogulreich Die muslimischen Herrscher werden heute im Deutschen als „Mogul“, „Großmogul“ oder „Mogulkaiser“ bezeichnet. Ähnliche Bezeichnungen finden sich auch in anderen, … Legislative Legislative in der Gewaltenteilung zur Machtbegrenzung, durch Verteilung der Staatsgewalt auf getrennte Hoheitsbereiche. Direktwahl Direktwahl ist die Bezeichnung für eine Wahl in ein (meist politisches) Amt in unmittelbarer Wahl direkt durch die Wahlberechtigten und nicht durch ein …