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Parsen
Die Parsen (von persisch پارسى , DMG Pārsī, ‚Perser') sind eine ursprünglich aus Persien bzw. Iran stammende ethnisch-religiöse Gruppe, die auf Grundlage …
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Gemeinschaft und Religion
Die Parsen sind eine ethnisch-religiöse, ursprünglich aus Persien beziehungsweise Iran stammende Gruppe. Sie folgen auf Grundlage des avestischen Kanons der Lehre des Zoroastrismus und leben als abgeschlossene Gemeinschaft. Der Zoroastrismus ist die Religion der Anhänger des Gottes Ahura Mazda. Persische Anhänger Ahura Mazdas nennen sich meist Zoroastrier (persisch Zardoštī oder Zartoštī). Die meisten Parsen leben in Indien und Pakistan.
Als geschlossene Gemeinschaft lassen die Parsen keine Konvertiten zu: Man kann nur durch Geburt Parse sein. Bis vor Kurzem wurden außerdem keine Kinder aus Mischehen aufgenommen. Im Westen sind Parsen unter anderem wegen ihrer Bestattungsbauwerke, der Dachmas, bekannt. Bildlich überlieferte Aspekte des Gemeinschaftslebens sind Feuertempel, Hochzeitsfeiern und die Navjote-Zeremonie.
Herkunft, Verbreitung und Bevölkerungsentwicklung
Einer Legende zufolge kamen die Parsen ursprünglich aus Chorasan im Iranischen Hochland. Nach dem Niedergang des Sassanidenreichs und der anschließenden Islamisierung Großpersiens flohen sie im 8. Jahrhundert nach Indien. Überlieferungen schreiben ihnen die Gründung der westindischen Küstenorte Sanjan und Navsari in Gujarat zu. Diese sollen nach Sanjan bei Merw in Turkmenistan und Sari in der iranischen Provinz Mazandaran benannt worden sein.
Ihre Gesamtzahl ist schwer zu schätzen. Häufig werden 90.000 Menschen genannt; ein Artikel von 2003 gab weltweit 200.000 an. Nach der Volkszählung von 2011 lebten rund 57.000 Parsen in Indien, davon knapp 45.000 in Maharashtra und knapp 10.000 in Gujarat. Mumbai in Maharashtra ist das wichtigste Zentrum. Nach dem Abzug der Briten 1947 wanderten viele Parsen aus Indien aus. In Nordamerika leben schätzungsweise 18.000 bis 25.000 Parsen; die weltweite Diaspora ist vergleichsweise klein.
Die Zahl der Parsen sinkt seit Jahren. Gründe sind die geringe Kinderzahl sowie die Regeln zur Zugehörigkeit. Ehelosigkeit und Kinderlosigkeit werden sozial akzeptiert; etwa 30 % bleiben lebenslang unverheiratet. Die Kinderzahl pro Frau beträgt 0,8, während der indische Durchschnitt bei 2,3 liegt. Deshalb begann die indische Regierung 2015 eine Initiative für mehr parsischen Nachwuchs. Vorgesehen ist unter anderem staatliche Förderung von In-vitro-Fertilisation für ungewollt kinderlose Paare. Dies unterscheidet sich von der sonstigen indischen Bevölkerungspolitik, die das Bevölkerungswachstum bremsen will. Ministerin für Minderheitenangelegenheiten Najma Heptulla begründete die Maßnahme mit außergewöhnlichen Beiträgen der Parsen zu Bildung und Industrialisierung; zwei Jahre nach Beginn schien die Politik erste Erfolge zu zeigen.
Bedeutung in Indien und bekannte Angehörige
Die parsische Gemeinschaft wird als tolerant, recht weltoffen, meist gebildet und wohlhabend beschrieben. Sie ist auch wegen ihres karitativen Einsatzes geschätzt. Zu ihren Angehörigen zählen Industrielle wie die Familien Tata und Godrej sowie bedeutende Richter und Politiker. Jamsetji Nasarwanji Tata (1839–1904), Gründer der Tata-Gruppe, gilt als Vater der indischen Industrialisierung. Ratan Tata (1937–2024) war ebenfalls ein indischer Unternehmer.
Weitere bekannte Parsen sind Dadabhai Naoroji (1825–1917), der 1892 als erstes aus Asien stammendes Mitglied in das britische Unterhaus einzog, der Sänger Freddie Mercury, eigentlich Farrokh Bulsara (1946–1991), sowie der Dirigent Zubin Mehta (* 1936). In Wissenschaft und Politik werden unter anderem Homi Jehangir Bhabha (1909–1966), Atom- und Elementarteilchenphysiker, und Feroze Gandhi (1912–1960), Ehemann Indira Gandhis sowie Vater Rajiv Gandhis und Sanjay Gandhis, genannt.