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Großschreibung

Bei einem Wort bedeutet es im Regelfall die Großschreibung des ersten Buchstabens und die Kleinschreibung aller folgenden Buchstaben des Wortes. Das …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Begriff und Grundformen
  2. 2. Entwicklung der Großschreibung
  3. 3. Regeln im Deutschen und verwandten Sprachen
  4. 4. Debatte über die Substantivgroßschreibung
  5. 5. Großschreibung im Englischen
  6. 6. Internationaler Vergleich

Begriff und Grundformen

Großschreibung ist der Gebrauch von Großbuchstaben, auch Majuskeln oder Versalien genannt, in einer Schrift, die Groß- und Kleinbuchstaben kennt und beide im selben Text verwenden kann. Bei einem großgeschriebenen Wort ist normalerweise nur der erste Buchstabe groß, während die übrigen Buchstaben klein sind. Besteht das gesamte Wort aus Großbuchstaben, spricht man von durchgehender oder konsequenter Großschreibung beziehungsweise Versalschrift.

Konsequente Kleinschreibung vermeidet alle Großbuchstaben. Die gemäßigte Kleinschreibung, die auch gemäßigte Großschreibung genannt wird, verwendet Großbuchstaben nur in bestimmten Fällen, etwa am Satzanfang oder bei Eigennamen. In vielen europäischen Schriftsprachen werden außerdem religiöse Bezeichnungen und häufig auch Höflichkeitsformen großgeschrieben.

In den antiken und frühmittelalterlichen Schriftsystemen des griechisch-lateinischen Schriftenkreises, darunter Runen, irische Schrift und koptische Schrift, gab es noch keine Unterscheidung zwischen Groß- und Kleinbuchstaben.

Entwicklung der Großschreibung

Im Deutschen entstand die Großschreibung im Spätmittelalter: zunächst im 13. Jahrhundert in mittellateinischen Texten und ab dem 14. Jahrhundert im Deutschen. Anfangs wurden bei einzelnen Wörtern der erste Buchstabe oder mehrere Anfangsbuchstaben als Versalien geschrieben, um diese Wörter hervorzuheben. Das betraf nicht nur Substantive. Besonders häufig wurden religiöse Begriffe betont, zum Beispiel „GOtt“.

Die allgemeine Großschreibung aller Substantive und substantivierten Formen wurde im Deutschen im 17. Jahrhundert, dem Zeitalter des Barock, eingeführt. Von Deutschland gelangte die Substantivgroßschreibung ins Dänische und infolge der Union mit Norwegen von 1521 bis 1814 auch nach Norwegen. Norwegen führte 1869 nach schwedischem Vorbild die gemäßigte Kleinschreibung ein; Dänemark folgte mit der Rechtschreibreform von 1948. Dänische Texte aus der Zeit vor 1948 bleiben in Zitaten grundsätzlich unverändert. Im heutigen Dänisch werden unter anderem die Anredeformen I, De, Dem und Deres sowie Titel wie Hendes Majestæt großgeschrieben.

Auch im Englischen war die Großschreibung von Nomen zeitweise verbreitet. Sie erreichte im späten 17. Jahrhundert ihren Höhepunkt und verschwand im Laufe des 19. Jahrhunderts endgültig. Ein bekanntes Beispiel ist die Unabhängigkeitserklärung der Vereinigten Staaten von 1776.

Die heutigen Regeln entwickelten sich allmählich durch den Sprachgebrauch. Dabei entstanden Ausnahmen, die das Lesen erleichtern sollten, aber die Rechtschreibung komplizierter machten. So schrieb man früher „im allgemeinen“ klein, weil das Wort in diesem Zusammenhang nicht als Substantiv wahrgenommen wurde. Die Rechtschreibreform von 1996 nahm diese Ausnahme zurück. Im Internet verbreitete sich wegen knappen Platzes und schneller Dialoge erneut mehr Kleinschreibung, besonders in E-Mails. Die Hervorhebung ganzer Wörter durch Versalschrift kommt heute sprachübergreifend vor.

Regeln im Deutschen und verwandten Sprachen

Das Deutsche ist zusammen mit dem Niederdeutschen einschließlich des Plautdietschen, dem Luxemburgischen, dem Saterfriesischen sowie dem Sylterfriesischen und Helgoländischen eine der wenigen Sprachen des lateinischen Alphabets, deren Rechtschreibung noch die allgemeine Großschreibung von Substantiven verlangt. Beispiele sind „Brot“ und „Liebe“. Auch Eigennamen wie „Peter“ werden großgeschrieben.

Die Höflichkeitsanrede „Sie“, das zugehörige Possessivpronomen „Ihr“ und „Ihnen“ als Anrede müssen immer großgeschrieben werden: „Ich wäre Ihnen dankbar, wenn Sie …“. „Du“, „Ihr“ und gebeugte Formen wie „Dich“ oder „Euch“ können bei direkter Ansprache oder in Apostrophen großgeschrieben werden, etwa als Ausdruck von Höflichkeit oder Wertschätzung; verpflichtend ist dies nicht.

Die meisten Substantivierungen werden ebenfalls großgeschrieben. Eine Substantivierung ist ein Wort aus einer anderen Wortart, das den Kern einer Nominalphrase bildet und wie ein Substantiv verwendet wird. Erkennbar ist sie häufig an einem Artikel („das Gute“, „das Klopfen“, „beim Arbeiten“), einem Pronomen („nichts Aufregendes“, „dein Stottern“), einem unbestimmten Zahlwort („wenig Gutes“) oder einem Attribut („lautes Sprechen“, „leuchtendes Rot“). Sie kann aber auch ohne Begleiter auftreten, etwa in „für Jung und Alt“.

Wird ein Substantiv lediglich ausgelassen, liegt eine Ellipse vor. In „Wir haben verschiedene Bananen – die gelben schmecken besonders gut“ bleibt „gelben“ ein Adjektiv. Bei einem nahen Bezug zum ausgelassenen Wort wird ein solches Adjektiv kleingeschrieben, bei einem entfernteren Bezug großgeschrieben.

Adjektive und Partizipien werden in bestimmten feststehenden Bezeichnungen großgeschrieben. Dazu gehören Berufsbezeichnungen, Dienststellungen, Titel, Klassifikationseinheiten der Botanik und Zoologie, Fahrzeugtypen und andere konventionalisierte Namen, zum Beispiel „der Vereidigte Buchprüfer“, „der Gekerbte Hahnenfuß“, „die Fliegenden Fische“, „die Gedeckte Korvette“, „die Französische Revolution“, „der Zweite Weltkrieg“, „der Heilige Stuhl“ und „das Gelobte Land“. Neben „das Neue Jahr“ ist nach der Reform auch „das neue Jahr“ möglich.

Am Satzanfang sowie normalerweise am Anfang von Buchtiteln und Überschriften steht ein Großbuchstabe. Andere Wörter wie „anders“, „gehen“ und „wenn“ werden vollständig kleingeschrieben. Bei Abkürzungen richtet sich die Schreibung der einzelnen Buchstaben nach den abgekürzten Wörtern, etwa „GmbH“ für „Gesellschaft mit beschränkter Haftung“ und „StVO“ für „Straßen-Verkehrs-Ordnung“. Diese Regeln betreffen die deutsche Schwarzschrift; in der deutschen Brailleschrift wird bis auf sehr wenige Ausnahmen nicht zwischen Groß- und Kleinbuchstaben unterschieden.

Debatte über die Substantivgroßschreibung

Bei verschiedenen Vorschlägen für Rechtschreibreformen wurde über die Abschaffung der deutschen Substantivgroßschreibung diskutiert, zuletzt im Zusammenhang mit der Reform von 1996 bis 2006. Das zuständige wissenschaftliche Gremium befürwortete die Abschaffung. Letztlich wurde jedoch, auch aufgrund politischen Drucks, eine leicht verstärkte Großschreibung beschlossen. Beispiele dafür sind „heute Abend“, „des Weiteren“ und „im Voraus“.

In der germanistischen Sprachwissenschaft war die Kleinschreibung von Substantiven im 19. und frühen 20. Jahrhundert nicht ungewöhnlich. Auch die Brüder Grimm befürworteten sie wiederholt. Die Substantivgroßschreibung blieb dennoch Bestandteil der deutschen Rechtschreibung.

Großschreibung im Englischen

Im Englischen werden Wörter des Grundwortschatzes grundsätzlich kleingeschrieben. Ausnahmen sind vor allem Eigennamen und einige davon abgeleitete Wörter. Die Schreibung kann die Bedeutung unterscheiden: „windows“ bezeichnet mehrere Fenster, „Windows“ dagegen das Betriebssystem von Microsoft.

Großgeschrieben werden unter anderem das Personalpronomen „I“, Wörter am Satzanfang sowie Namen von Personen, Institutionen, Einrichtungen, historischen Ereignissen, politischen Parteien, Dokumenten, Epochen und Schulfächern. Auch Länder, Nationalitäten, Sprachen und die zugehörigen Adjektive erhalten einen Großbuchstaben. Dasselbe gilt für Ortsnamen und Einwohnerbezeichnungen wie „Glasgow“ und „Glaswegian“, außerdem für Wochentage, Monate, Flüsse, Meere, Gebiete, Satelliten, Planeten und Sterne. „Earth“, „Sun“ und „Moon“ können im astronomischen Zusammenhang großgeschrieben werden; daneben kommen „Terra“, „Sol“ und „Luna“ vor.

„God“ ist der Eigenname eines monotheistischen Gottes. Darauf bezogene Pronomen wie „He“, „His“ und „Him“ werden häufig ebenfalls großgeschrieben. Als allgemeine Bezeichnung wird „god“ kleingeschrieben.

Amerikanische Zeitungen und Zeitschriften schreiben in Überschriften und Titeln gewöhnlich fast alle Wörter mit großem Anfangsbuchstaben. Artikel sowie Partikeln und Präpositionen mit höchstens vier Buchstaben bleiben meist klein. Sie werden jedoch großgeschrieben, wenn sie am Anfang der Überschrift oder einer neuen Zeile stehen; Präpositionen außerdem, wenn sie das letzte Wort bilden. Die Schreibung von Pronomen ist uneinheitlich. Ein Beispiel ist „A Slice of Apple Still Looks Good“.

In britischen Zeitungsüberschriften wird normalerweise nur das erste Wort großgeschrieben, abgesehen von Eigennamen und deren Ableitungen, etwa „Publish and be damned“. Englische Werktitel folgen dagegen im Allgemeinen dem amerikanischen Muster: Außer Artikeln, Partikeln und Präpositionen erhalten die Wörter einen großen Anfangsbuchstaben, beispielsweise „The Importance of Being Earnest“ und „Alice in Wonderland“.

Internationaler Vergleich

Die Regeln der gemäßigten Kleinschreibung unterscheiden sich zwischen den Sprachen. Völker- und Sprachnamen werden im Englischen und Niederländischen großgeschrieben, im Italienischen, Spanischen, Dänischen, Schwedischen und Norwegischen dagegen kleingeschrieben. Für Feiertage gilt eine entsprechende Verteilung; Italienisch gehört bei Feiertagen allerdings zu den Sprachen mit Großschreibung.

Auch Institutionen und Titel werden unterschiedlich behandelt: Im Englischen heißt es „Queen Elizabeth“, im Französischen „la reine Élisabeth“. Im Dänischen wurde nach Jahrzehnten konsequenter Kleinschreibung die Großschreibung in solchen Fällen wieder zugelassen. Deshalb sind „dronningen“ und „Dronningen“ für die herrschende Königin möglich. Für Wörter, die einen bestimmten Staat oder eine bestimmte Kirche bezeichnen, bestehen international ebenfalls keine einheitlichen Regeln.

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