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Gregor Gysi
Gregor Florian Gysi [ˈɡiːzi] (* 16. Januar 1948 in Berlin) ist ein deutscher Politiker (Die Linke, zuvor PDS, SED), Rechtsanwalt, Autor und Moderator.
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Bedeutung und beruflicher Hintergrund
Gregor Florian Gysi, geboren am 16. Januar 1948 in Berlin, ist ein deutscher Politiker der Partei Die Linke, zuvor PDS und SED, sowie Rechtsanwalt, Autor und Moderator. Er gehört zu den bekanntesten Persönlichkeiten der deutschen Linken. Politisch bedeutsam ist vor allem seine Rolle bei der Umwandlung der DDR-Staatspartei SED in die PDS und bei der späteren bundesweiten Etablierung der Partei Die Linke.
Gysi wuchs in Ost-Berlin auf. Seine Eltern Klaus und Irene Gysi arbeiteten in der Kulturpolitik der DDR; sein Vater war außerdem Diplomat und als „IM Kurt“ für die Staatssicherheit tätig. Gysi bezeichnet sich selbst als nicht religiös. Nach dem Abitur 1966 studierte er Rechtswissenschaften an der Humboldt-Universität zu Berlin und schloss das Studium 1970 als Diplom-Jurist ab.
Ab 1971 war er einer der wenigen freien Rechtsanwälte der DDR. 1976 promovierte er mit der Arbeit „Zur Vervollkommnung des sozialistischen Rechtes im Rechtsverwirklichungsprozeß“. Er vertrat neben gewöhnlichen zivil- und strafrechtlichen Fällen auch Systemkritiker und Ausreisewillige wie Robert Havemann, Rudolf Bahro, Jürgen Fuchs, Bärbel Bohley und Ulrike Poppe. Von April 1988 bis Dezember 1989 leitete er das Kollegium der Rechtsanwälte in Ost-Berlin und zugleich den Rat der Vorsitzenden der 15 DDR-Anwaltskollegien. Später arbeitete er wiederholt erneut als Anwalt; seit 2015 ist er Partner der Kanzlei VGH Partner und im Zivil- und Strafrecht tätig.
Vom SED-Mitglied zum Vorsitzenden der PDS
Gysi trat 1967 in die SED ein. Während der politischen Wende 1989 arbeitete er an einem Reisegesetz mit und unterstützte als Anwalt die Zulassung des oppositionellen Neuen Forums. Auf der Großdemonstration am Berliner Alexanderplatz am 4. November 1989 forderte er ein neues Wahlrecht und ein Verfassungsgericht, hielt aber zugleich an einer führenden Rolle der SED fest.
Auf dem SED-Sonderparteitag lehnte er die Auflösung und Neugründung der Partei ab. Er verwies auf mögliche Rechtsstreitigkeiten um das Parteivermögen und auf die Arbeitsplätze von 44.000 hauptamtlichen Beschäftigten. Am 9. Dezember 1989 wählten ihn 95,3 Prozent der Delegierten zum SED-Vorsitzenden. Nach der Umbenennung in SED-PDS und anschließend PDS blieb er bis zum 31. Januar 1993 Parteivorsitzender. Bis Januar 1997 gehörte er weiterhin der Parteiführung an.
Gysi war daran beteiligt, die PDS zu einer bundesweit auftretenden, koalitionsfähigen Partei links von SPD und Bündnis 90/Die Grünen zu entwickeln. 2005 trat er zusätzlich der WASG bei. Aus der Fusion von Linkspartei.PDS und WASG entstand am 16. Juni 2007 Die Linke. Von 2016 bis 2019 war Gysi Präsident der Europäischen Linken.
Parlamentarische Ämter und Mandate
Von März bis Oktober 1990 gehörte Gysi der ersten frei gewählten Volkskammer der DDR an und führte dort die PDS-Fraktion. Durch den Einigungsvertrag wurde er am 3. Oktober 1990 zusammen mit 143 weiteren Volkskammerabgeordneten Mitglied des Deutschen Bundestages. Von 1990 bis 1998 leitete er die PDS-Bundestagsgruppe und anschließend bis 2000 die PDS-Bundestagsfraktion.
2001 zog er in das Berliner Abgeordnetenhaus ein. Am 17. Januar 2002 wurde er Bürgermeister sowie Senator für Wirtschaft, Arbeit und Frauen im rot-roten Senat unter Klaus Wowereit. Bereits am 31. Juli 2002 trat er wegen der Bonusmeilen-Affäre zurück: Er hatte Bonusmeilen aus Dienstreisen teilweise privat genutzt und bezeichnete dies selbst als Fehler.
2005 kehrte Gysi in den Bundestag zurück und gewann das Direktmandat in Berlin-Treptow-Köpenick mit 40,4 Prozent der Erststimmen. Von 2005 bis 2015 führte er die Linksfraktion, zunächst gemeinsam mit Oskar Lafontaine, ab 2009 allein. Während der Großen Koalition war er von Dezember 2013 bis Oktober 2015 Oppositionsführer. Von 2020 bis September 2023 amtierte er als außenpolitischer Sprecher seiner Fraktion.
Auch 2009, 2013, 2017 und 2021 gewann Gysi seinen Wahlkreis direkt. Die drei Direktmandate der Linken ermöglichten 2021 ihren Einzug in Fraktionsstärke, obwohl sie an der Fünf-Prozent-Hürde gescheitert war. Vor der Bundestagswahl 2025 warb Gysi gemeinsam mit Dietmar Bartsch und Bodo Ramelow in der „Mission Silberlocke“ um mindestens drei Direktmandate. Er gewann seinen Wahlkreis mit 41,8 Prozent; Die Linke erreichte bundesweit 8,8 Prozent der Zweitstimmen. Als dienstältestes Mitglied eröffnete Gysi am 25. März 2025 als Alterspräsident die konstituierende Sitzung des 21. Deutschen Bundestages. Dort ist er ordentliches Mitglied im Ausschuss für Kultur und Medien und kulturpolitischer Sprecher seiner Fraktion.
Politische Positionen
Gysis politischer Schwerpunkt ist soziale Gerechtigkeit im Inneren und in der Außenpolitik. Er tritt für diplomatische Lösungen ein und steht militärischen Mitteln grundsätzlich kritisch gegenüber. 2014 lehnte er Sanktionen gegen Russland wegen der Besetzung und Annexion der Krim ab, weil sie die Krise seiner Ansicht nach verschärften. Nach dem russischen Überfall auf die Ukraine 2022 distanzierte er sich jedoch von Positionen Sahra Wagenknechts und anderer Parteimitglieder, die den Angriff seiner Meinung nach relativierten. In einer russischsprachigen Rede rief er die Bevölkerung Russlands zu Protesten gegen den Krieg auf.
Nach dem Giftanschlag auf Alexei Nawalny 2020 äußerte Gysi Zweifel an einer persönlichen Anordnung Wladimir Putins und nannte alternative Möglichkeiten. Wegen der Unterdrückung der Uiguren in China sprach er sich gegen Sanktionen und für Diplomatie und Angebote aus. Den Holodomor verurteilte er als Verbrechen gegen die Menschlichkeit, warnte aber vor einer Gleichsetzung Stalins mit Hitler.
Innenpolitisch forderte Gysi die vollständige Verlegung der Hauptstadtfunktionen nach Berlin, kritisierte die Überwachung Deutschlands durch die Geheimdienste der „Five Eyes“ und erklärte Edward Snowden für friedensnobelpreiswürdig. 2013 behauptete er zunächst, in Deutschland gelte noch das Besatzungsstatut; 2015 bezeichnete er die Bundesrepublik dagegen als souveränen Staat. Als Gründe für seine weitere politische Arbeit nannte er die noch nicht vollendete Gleichstellung von Ost und West. Obwohl er selbst nicht religiös ist, vertritt er die Auffassung, Religionen könnten grundlegende Moral- und Wertvorstellungen vermitteln und zum gesellschaftlichen Zusammenhalt beitragen.
Kontroversen und weitere Tätigkeiten
Nach der Wiedervereinigung wurde Gysi vorgeworfen, an der Verschleierung von SED-Vermögen beteiligt gewesen zu sein und beim sogenannten Putnik-Deal Geld ins Ausland verschoben zu haben. Ein Bundestagsausschuss erklärte 1998, sein Schweigen habe die Untersuchung behindert; eine aktive Beteiligung konnte ihm jedoch nicht nachgewiesen werden.
Besonders umstritten sind Vorwürfe einer Zusammenarbeit mit dem Ministerium für Staatssicherheit. Der Immunitätsausschuss des Bundestages kam 1998 zu dem Ergebnis, Gysi habe als Anwalt Informationen weitergegeben und an der Bearbeitung von Oppositionellen mitgewirkt. Gysi bestritt stets eine inoffizielle Mitarbeit und verwies auf Gerichtsentscheidungen, nach denen sie nicht nachgewiesen sei. Mehrfach ging er erfolgreich gegen bestimmte mediale Darstellungen vor. Ein wegen einer möglicherweise falschen eidesstattlichen Versicherung geführtes Verfahren wurde im Juni 2016 eingestellt: Die Unterlagen ließen unterschiedliche, teilweise widersprüchliche Deutungen zu, und eindeutig belastendes Material wurde nicht gefunden. Die Frage einer bewussten Stasi-Zusammenarbeit blieb daher umstritten und wurde nie gerichtsfest bewiesen.
2012 wurde bekannt, dass Gysi zu 27 Abgeordneten der Linken gehörte, die das Bundesamt für Verfassungsschutz beobachtete. Nach dem Ende der Überwachung stellte das Verwaltungsgericht Köln 2014 fest, dass seine Personalakte vernichtet werden müsse.
Neben der Politik ist Gysi als Autor, Redner und Moderator tätig. Er moderierte Gesprächsreihen und Fernsehsendungen, seit 2016 „Missverstehen Sie mich richtig!“ und seit 2023 mit Karl-Theodor zu Guttenberg den Podcast „Gysi gegen Guttenberg – Der Deutschland Podcast“. Im akademischen Jahr 2019/2020 hatte er für ein Semester eine Gastprofessur für Politikmanagement an der Universität Duisburg-Essen. Kritik gab es an seinen häufigen Fehlzeiten bei namentlichen Bundestagsabstimmungen und an hohen Nebeneinkünften: In der 19. Wahlperiode erhielt er bis August 2020 mindestens 470.000 Euro aus Nebentätigkeiten; während der 21. Wahlperiode wurden Honorare von bis zu 7.200 Euro je Auftritt genannt.