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Grauer Markt
Der Graue Markt (englisch grey market, gray market) ist in der Wirtschaft ein Markt, auf dem Handelsobjekte gehandelt werden, deren Vertriebswege durch die …
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Begriff und Abgrenzung
Der Graue Markt, auch Graumarkt, ist in der Wirtschaft ein Markt, auf dem Handelsobjekte über Vertriebswege gehandelt werden, die von Herstellern oder Absatzketten nicht autorisiert sind. Er umfasst den Handel mit Gütern unter Umgehung üblicher Handelsstufen, Handelsorganisationen und verbreiteter Handelsbräuche, teilweise auch unter Vernachlässigung privatrechtlicher oder steuerrechtlicher Vorschriften. Häufig werden Groß- und Einzelhandel umgangen, sodass Handelsspannen wegfallen und Verbraucher Preisnachlässe erhalten können.
Ein grauer Markt entsteht auch durch Arbitragegeschäfte. Arbitrage bedeutet hier, dass Preisunterschiede zwischen Ländern oder Absatzmärkten ausgenutzt werden. Ein Produkt wird etwa in ein Land eingeführt, das weder Herstellungsland noch eigentliches Zielland des Herstellers ist.
Vom Schwarzmarkt unterscheidet sich der graue Markt dadurch, dass dort in der Regel Originalwaren gehandelt werden, nicht verbotene, gefälschte oder gestohlene Güter. Dem Graumarkt fehlen aber oft verbindliche Genehmigungs- oder Kontrollverfahren. In der Markttypologie gilt der Graumarkthandel grundsätzlich als legal, während Schwarzmarkthandel wegen gesetzlicher Verbote illegal ist. Die Grenzen sind jedoch oft fließend, weil legale und illegale Marktsegmente miteinander verbunden sein können. Beide gehören zur Schattenwirtschaft.
Formen und typische Ware
Der Graumarkthandel erreicht nach Schätzungen etwa fünf bis sieben Prozent der Güterströme innerhalb der Europäischen Union. Unterschieden werden drei Formen: graue Reimporte, graue Parallelimporte und graue Lateralexporte. Bei grauen Reimporten ist das Preisniveau im Produktionsland höher als auf internationalen Absatzmärkten. Bei grauen Parallelimporten ist das Preisniveau autorisierter Exporte auf dem ausländischen Absatzmarkt höher als im Produktionsland. Bei grauen Lateralexporten wird ein Preisgefälle zwischen Absatzmärkten einzelner Länder genutzt, um die vom Hersteller geplanten Marktpreise zu umgehen.
Reimport bedeutet im Außenhandel den Import von Gütern, die zuvor exportiert worden sind. Parallelimport bedeutet, dass Dritte ein Produkt importieren und im Inland parallel zu identischen, vom Hersteller vertriebenen Gütern anbieten. Auch Waren, die staatlich festgesetzten Mindestpreisen unterliegen und unerlaubt billiger angeboten werden, können auf grauen Märkten erscheinen.
Graumarktware sind Wirtschaftsobjekte aus Quellen außerhalb offizieller Distributionswege. Meist handelt es sich nicht um Produktpiraterie, sondern um Originalware. Sie kann für Märkte mit niedrigerem Preisniveau hergestellt worden sein, etwa für Schwellenländer, und später nach Europa oder in die USA gelangen. Für Endkunden ist der Erwerb oft legal. Bezogen auf die gesamte Handelskette hat die Ware aber einen halblegalen Status, weil vorher häufig gegen Geschäftsbedingungen oder Verträge zwischen Lieferant und Händler verstoßen wurde. Verbraucher müssen mit Einschränkungen bei Rückgabe und Gewährleistung sowie mit veralteten oder minderwertigen Artikeln rechnen.
Wirtschaftsbereiche mit Graumärkten
Bei Arzneimitteln betrifft der Graumarkt den Handel mit Medikamenten, die ursprünglich aus legaler Behandlung stammen. Beispiele sind der Weiterverkauf zweckgebunden günstig bezogener Arzneimittel oder von Medikamenten, die für Hilfszwecke in Entwicklungsländern bestimmt waren. In Europa werden Medikamente teils in Ländern mit niedrigen Preisen gekauft und in Ländern mit hohen Preisen weiterverkauft. Dabei können Umpacken, Umetikettieren und unklare Lagerung Probleme verursachen. In den Niederlanden bezeichnet grauer Markt auch die illegale Abgabe von Arzneimitteln, vor allem Substitutionsmitteln wie Methadon, Subutex oder Codein sowie Benzodiazepinen. In den USA tragen hohe Preise verschreibungspflichtiger Medikamente zu einem grauen Markt bei; 2017 starben dort mehr als 72.000 Personen an den Folgen ihrer Drogen-Abhängigkeit, darunter etwa 30.000 an legal käuflichen Schmerzmitteln.
Bei Videospielen begünstigen digitale Lizenzschlüssel den Graumarkt. Auf Reseller-Portalen wie G2A und Kinguin werden Download-Codes oft deutlich unter Marktpreis verkauft. Rechtlich verkaufen meist einzelne Key-Reseller an Endkunden, während die Plattform nur gegen Gebühr genutzt wird. Wenn Schlüssel etwa mit gestohlenen Kreditkartendaten gekauft wurden, wird aus dem Graumarkt ein Schwarzmarkt; Lizenzen können entzogen und Konten oder Konsolen gesperrt werden.
Bei Luxusuhren verkaufen nicht konzessionierte Händler Uhren oft 20 bis 30 Prozent unter regulären Preisen. Quellen sind unter anderem ausländische Märkte oder offizielle Händler, die Absatzziele verfehlen. Im Bereich Kosmetik und Luxusparfümerie sichern Depotverträge exklusive Vertriebswege. Ware außerhalb dieser Lieferwege gilt als Graumarktware. Bei Eintrittskarten entsteht ein Graumarkt besonders bei ausverkauften Veranstaltungen, wenn Tickets entgegen den AGB weiterverkauft werden, der Zugang mit nicht personalisierten Karten aber praktisch nicht verweigert werden kann.
Arbeitsmarkt und Kapitalmarkt
Der graue Arbeitsmarkt umfasst Beschäftigung und Personalvermittlung außerhalb vollständig regulierter oder öffentlicher Wege. Bei Pflegekräften führt die steigende Nachfrage nach Care-Arbeit in Deutschland zu einem grauen Markt mit ausländischen Haushaltshilfen. Von rund 2,86 Millionen Menschen mit bewilligten Leistungen aus der Pflegeversicherung werden über 1,8 Millionen Menschen, also 71 %, zuhause versorgt. Eine reguläre 24-Stunden-Betreuung durch einen Pflegedienst kann monatlich 10.000 bis 20.000 Euro kosten, während eine mittel- und osteuropäische Haushaltshilfe zwischen 1.200 und 2.400 Euro erhält. So werden Versorgungslücken geschlossen, aber Tariflöhne qualifizierter Pflegearbeit unterlaufen. Laut einer Studie der Hans-Böckler-Stiftung beschäftigt knapp jeder zehnte Pflegehaushalt eine solche Hilfskraft.
Haushaltsnahe Dienstleistungen sind Tätigkeiten in Haus und Familie, die normalerweise Haushaltsmitglieder selbst und unbezahlt erledigen könnten, die aber von haushaltsfremden Personen gegen Entgelt erbracht werden. Etwa zehn Prozent der Privathaushalte in Deutschland beschäftigen eine Haushaltshilfe; etwa 80 Prozent dieser Arbeitsverhältnisse sind nicht angemeldet. Beim grauen Stellenmarkt werden verfügbare Arbeitsplätze nicht öffentlich ausgeschrieben, sondern über persönliche Beziehungen, Initiativbewerbungen, Messen, Karrierenetzwerke oder Headhunter vergeben.
Der graue Kapitalmarkt ist ein unreglementierter Kapitalmarkt. Dort werden etwa stille Beteiligungen, ausländische Warentermingeschäfte, Private Equity oder Venture Capital gehandelt. Diese Instrumente fallen nicht unter den Anlegerschutz des Kreditwesengesetzes, Kapitalanlagegesetzbuchs oder Wertpapierhandelsgesetzes. Es fehlen vorgeschriebene oder zugelassene Marktteilnehmer, Marktaufsicht, Marktordnung und Publizitätsvorschriften. Deshalb ist das Finanzrisiko für Anleger wesentlich höher.
Waffenhandel und DDR-Wirtschaft
Beim Waffenhandel betreffen Graumarktstrukturen in der Europäischen Union weniger die private Binnennachfrage, weil Erwerb und Besitz von Schusswaffen und Munition streng reglementiert sind, sondern eher Exportbeziehungen. Der 2014 in Kraft getretene multilaterale UNO-Vertrag zum internationalen Waffenhandel verpflichtet Vertragsstaaten zu prüfen, ob mit gehandelten Waffen schwere Menschenrechtsverletzungen begangen werden. China und Russland unterzeichneten ihn nicht; 2019 kündigte US-Präsident Trump den Ausstieg der USA an. In Russland gilt Moskau als Zentrum eines weltweit operierenden grauen Waffenmarktes, auf dem private Firmen mit Unterstützung des Militärgeheimdienstes GRU verdeckte Verkäufe tätigen. Genannt wird Wiktor Anatoljewitsch But, der nach Ansicht der Vereinten Nationen in Afrika Waffen in Konfliktgebiete verschoben und Embargos unterlaufen haben soll.
In der DDR entstand ein grauer Markt aus der Mangelwirtschaft. Die inländische Konsumgüterproduktion konnte Kaufkraft und Konsumwünsche nicht decken. Rare Waren wurden oft gekauft, um sie zu tauschen oder zu horten. Seltene Bückware erhielt man über Beziehungen oder gegen Devisen. Westgeld wurde als Grau- bis Schwarzwährung genutzt und ermöglichte Einkäufe in Intershops. Da nicht-gewerblicher Handel mit eigenen Gütern geduldet wurde, gelten viele inoffizielle Beschaffungswege eher als Grau- denn als Schwarzmarkt. 1977 legalisierte eine Novellierung des Devisengesetzes den Besitz von Fremdwährungen durch DDR-Bürger.
Der Genex Geschenkdienst wurde 1956 auf Anordnung der DDR-Regierung gegründet. Westdeutsche konnten über Genex für Verwandte in der DDR Waren bestellen, die dort nicht oder nur nach langer Wartezeit erhältlich waren. Zwischen 1956 und 1989 erzielte Genex einen Umsatz von 3,3 Milliarden D-Mark.