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Grasse

Sie gilt als Welthauptstadt des Parfüms und erreichte als Handlungsort des Romans Das Parfum von Patrick Süskind weltweite Bekanntheit. Grasse …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Lage und Bedeutung
  2. 2. Geschichtliche Entwicklung
  3. 3. Parfümindustrie und Wirtschaft
  4. 4. Sehenswürdigkeiten, Tourismus und Alltag
  5. 5. Bevölkerung, Verkehr und weitere Merkmale

Lage und Bedeutung

Grasse ist eine französische Gemeinde im Département Alpes-Maritimes in der Region Provence-Alpes-Côte d’Azur. Am 1. Januar 2023 hatte sie 50.970 Einwohner. Die Stadt gilt als Welthauptstadt des Parfüms und wurde auch als Handlungsort von Patrick Süskinds Roman „Das Parfum“ international bekannt.

Grasse liegt etwa 20 Kilometer nördlich von Cannes an den Südausläufern der Seealpen. Das Gemeindegebiet erstreckt sich über 44,44 km² und liegt zwischen 80 und 1061 m Höhe; die durchschnittliche Höhenlage beträgt 306 m. Im Norden gehört ein Teil des Gemeindegebiets zum Regionalen Naturpark Préalpes d’Azur. Durch die Umgebung führt in Richtung Digne-les-Bains die ehemalige Route nationale 85, die Route Napoléon. Sie folgt der Strecke, auf der Napoleon 1815 nach seiner Rückkehr von Elba nach Paris marschierte.

Geschichtliche Entwicklung

Grasse wurde erstmals 1040 erwähnt. 1227 eroberte Graf Raimund Berengar V. von der Provence die Stadt; dadurch wurde sie Teil der Provence. Vom 13. bis zum 18. Jahrhundert war Grasse Sitz eines Bistums.

Bei der Einrichtung der französischen Départements im Jahr 1790 gehörte Grasse zunächst zum Département Var. Von 1793 bis 1795 war die Stadt Verwaltungssitz dieses Départements. 1860 wurde das Arrondissement zusammen mit der Grafschaft Nizza dem neu gebildeten Département Alpes-Maritimes zugeordnet.

Im 19. Jahrhundert entwickelte sich Grasse zu einem Kurort. Im 20. Jahrhundert verlor es diese Bedeutung wieder gegenüber den bevorzugten Küstenstädten. Internationale Aufmerksamkeit erhielten außerdem die rassistischen Ausschreitungen im Herbst 1973.

Parfümindustrie und Wirtschaft

Die wirtschaftliche Bedeutung von Grasse beruht vor allem auf der Parfümindustrie. Im Mittelalter war die Stadt eine Stadtrepublik mit ausgeprägter Gewerbetradition, besonders im Gerberhandwerk. 1580 kam der Alchimist und Apotheker Francesco Tombarelli nach Grasse und eröffnete ein Laboratorium zur Herstellung von Düften. Damit wurde Grasse zu einem Gründerzentrum der europäischen Parfümindustrie.

Um 1600 kam die Mode auf, Handschuhe zu parfümieren. Die örtlichen Betriebe konzentrierten sich deshalb zunehmend auf die Destillation von Duftstoffen. Seit dem 17. Jahrhundert spezialisierten sich die Parfümeure von Grasse auf die Extraktion von Blütensaft, besonders aus Orangenblüten und Jasmin. Die ursprünglich nebenberufliche Tätigkeit wurde zum Hauptgeschäft und prägt die Stadt bis heute.

Die früher typischen Blumenplantagen rund um Grasse sind inzwischen selten. Blüten werden überwiegend aus Billiganbauländern wie Marokko, Bulgarien, Indien oder der Türkei importiert. Die gewonnenen Duftstoffe werden nicht nur für Parfüm, sondern auch für Kosmetik, Spülmittel, Waschpulver und Lebensmittelgeschmacksstoffe verwendet. 2004 arbeiteten etwa 4.000 Menschen in der Parfümindustrie; jährlich wurden 10.000 Tonnen Blüten verarbeitet.

Nach dem Stand von 2010 pflegte Grasse besonders internationale Wirtschaftsbeziehungen. Rohstoffe aus vielen Teilen der Welt werden in Grasse verarbeitet und qualitativ verfeinert. Ungefähr 30 Parfümfabriken in und um die Stadt versenden ihre Produkte weltweit. Zu den bekannten Unternehmen gehören Fragonard, Galimard, Molinard, Fleuron de Grasse und Guy Bouchara. Der Duftstoff- und Aromenhersteller Robertet ist börsennotiert und Bestandteil des französischen CAC-Small-Index.

Sehenswürdigkeiten, Tourismus und Alltag

Zu den wichtigsten Bau- und Kulturdenkmälern gehört die Kathedrale Notre-Dame-du-Puy aus dem 12. Jahrhundert. Ihr schlichter Bau zeigt lombardische Einflüsse. Im Inneren befinden sich unter anderem Gemälde von Rubens und Charles Nègre, ein Triptychon von Louis Bréa sowie „Die Fußwaschung“ von Jean-Honoré Fragonard.

Grasse ist außerdem für seine Gärten bekannt. Der Jardin des Plantes bietet einen Überblick über die Altstadt und das Meer. Auf den Blumenfeldern der Domaine de Manon wurden Pflanzen für die örtliche Parfümherstellung angebaut; sie liegen in einem Weiler etwa zehn Minuten vom Stadtzentrum entfernt.

Das Marinemuseum aus dem 18. Jahrhundert ist François-Joseph Paul Graf von Grasse gewidmet und zeigt über 30 Schiffsmodelle. Das Internationale Museum der Parfümerie befindet sich in einem original möblierten Haus des 18. Jahrhunderts. Es präsentiert unter anderem eine Porzellansammlung und zahlreiche Parfümflakons und wurde Ende 2008 nach vierjährigem Umbau wiedereröffnet. Das Museum für provenzalische Kunst und Geschichte vermittelt anhand von Steingut, Gemälden, Kostümen, Krippenfiguren und weiteren Objekten einen Eindruck vom Alltagsleben in der östlichen Provence von der Vorgeschichte bis in die 1950er Jahre. Die Villa Fragonard ist ein Kunstmuseum und war 1790 Wohnstätte des Malers Jean-Honoré Fragonard.

Als Ziele für Tagesausflüge werden unter anderem Cabris, Cannes und Saint-Paul-de-Vence genannt. Außerdem gibt es Wandermöglichkeiten in den Seealpen. Regelmäßige Veranstaltungen sind die Expo Rose Mitte Mai mit 40.000 verschiedenen Rosen und daraus hergestellten Produkten sowie das Jasmin-Fest Anfang August zum Beginn der Jasminblütenernte.

Zu den regionalen Spezialitäten gehören Lou Fassum, eine Kohlpastete, frittierte Kürbisblüten im Teigmantel („Les beignets de fleurs de courge“) als Teil der Dreizehn Desserts nach dem Weihnachtsmenü sowie Le Fougassette, ein Hefekuchen mit Orangengeschmack.

Bevölkerung, Verkehr und weitere Merkmale

Die Einwohnerzahl stieg von 26.258 im Jahr 1962 auf 50.396 im Jahr 2017. Weitere im Artikel genannte Werte sind 30.907 Einwohner 1968, 34.579 im Jahr 1975, 37.673 im Jahr 1982, 41.388 im Jahr 1990, 43.874 im Jahr 1999 und 48.801 im Jahr 2006. Für 2023 werden 50.970 Einwohner und eine Bevölkerungsdichte von 1.147 Einwohnern je km² angegeben.

Innerhalb der Stadt verkehrt ein Bussystem auf einem Rundkurs. Es bietet außerdem Verbindungen zu umliegenden Dörfern und Städten wie Cannes und Nizza. Grasse besitzt einen Bahnhof an der Bahnstrecke Cannes–Grasse. Im Bildungsbereich befindet sich in der Stadt ein Campus der Ingenieurschule ECAM-EPMI.

Das Wappen zeigt auf blauem Grund ein rückschauendes, goldnimbiertes silbernes Agnus Dei. Es hält mit dem erhobenen linken Vorderbein eine geschulterte rote Stange mit Kreuz und Siegesfahne; zusätzlich sind zwei rote Scheiben in den oberen Ecken und eine rote Scheibe in der Mitte des Schildfußes dargestellt.

Grasse unterhält Städtepartnerschaften mit Ingolstadt (Deutschland, 7. Mai 1963), Oppeln (Polen, Oktober 1964), Vila Real (Portugal, Mai 1975), Pardes Chana-Karkur (Israel, Oktober 1985), Marblehead (Vereinigte Staaten, Juni 1986), Murcia (Spanien, Mai 1990) und Carrara (Italien, Oktober 2000). Außerdem ist die Stadt Mitglied im Bund der europäischen Napoleonstädte.

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