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Das Parfum

Das Parfum. Die Geschichte eines Mörders ist ein Roman des deutschen Schriftstellers Patrick Süskind aus dem Jahr 1985. Dem Lebenslauf eines mit genialem …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Werk und Bedeutung
  2. 2. Grenouilles Lebensweg
  3. 3. Morde, Macht und Ende
  4. 4. Aufbau und Erzählweise
  5. 5. Zentrale Deutungsansätze
  6. 6. Einordnung, Entstehung und Adaption

Werk und Bedeutung

Patrick Süskinds Roman Das Parfum. Die Geschichte eines Mörders erschien 1985. Er erzählt von Jean-Baptiste Grenouille, einem außergewöhnlich begabten Parfümeur im Frankreich des 18. Jahrhunderts. Grenouille besitzt einen phänomenalen Geruchssinn, hat aber keinen Eigengeruch. Der Roman untersucht, wie Düfte Wahrnehmung, Liebe, Macht und Identität beeinflussen können.

Das Werk wird der Postmoderne zugerechnet und lässt sich zugleich als Entwicklungs-, Bildungs-, Künstler-, Kriminal- und historischer Roman lesen, teils auch als Parodie dieser Gattungen. Mit Übersetzungen in 48 Sprachen und weltweit mehr als 20 Millionen verkauften Exemplaren zählt es zu den erfolgreichsten deutschsprachigen Romanen des 20. Jahrhunderts. Die englische Übersetzung von John E. Woods erhielt 1987 den World Fantasy Award.

Grenouilles Lebensweg

Grenouille wird am 17. Juli 1738 unter einem Fischstand nahe dem Pariser Cimetière des Innocents geboren, dem „am allerstinkendsten Ort des gesamten Königreichs“. Seine Mutter will ihn wie ihre vier früheren Totgeburten töten, wird aber nach seiner Rettung hingerichtet. Als Waise wächst er ungeliebt auf. Bei Madame Gaillard überlebt er, weil sie ihren Geruchssinn und damit nach Darstellung des Romans ihre Gefühle verloren hat. Mit acht Jahren wird er an den Gerber Grimal verkauft.

In Paris entdeckt Grenouille den Duft eines rothaarigen Mädchens. Um diesen Duft vollständig in sich aufzunehmen, erwürgt er das Mädchen: sein erster Mord. Er beschließt, „der größte Parfumeur aller Zeiten“ zu werden. Beim Parfümeur Baldini beweist er, dass er Düfte kopieren und neue Parfums schaffen kann. Baldini kauft ihn frei, bildet ihn aus und wird durch Grenouilles Kreationen erfolgreich. Nach Grenouilles Abreise stirbt Baldini, als der Pont au Change mitsamt seinem Haus einstürzt.

Grenouille zieht 1756 nach Süden und lebt sieben Jahre völlig abgeschieden in einer Höhle am Plomb du Cantal. Dort erkennt er erschrocken, dass er selbst keinen Geruch besitzt. In Montpellier täuscht er mit einem selbst geschaffenen Parfum Gesundheit und Normalität vor. Ein zweites Parfum gibt ihm den gewöhnlichen Menschengeruch. Dadurch begreift er, wie stark Menschen durch Düfte zu beeinflussen sind, und reist nach Grasse.

Morde, Macht und Ende

In Grasse arbeitet Grenouille bei Madame Arnulfi und ihrem Gesellen Dominique Druot. Er lernt Verfahren wie die Enfleurage kennen, bei der Duftstoffe aus Blüten gewonnen werden. Sein Ziel ist ein Meisterparfum aus den Düften von 25 jungen Mädchen. Er ermordet 24 Mädchen, um ihre Düfte zu konservieren. Die Taten erscheinen nicht als Sexualdelikte; die Opfer sind für ihn vor allem Trägerinnen begehrter Gerüche.

Als letztes Opfer bestimmt er Laure Richis. Ihr Vater Antoine Richis versucht, sie zu retten, doch Grenouille folgt ihrer Spur, tötet sie und vollendet sein Parfum. Er wird gefasst, gesteht und am 15. April 1766 zum Tod verurteilt. Bei der geplanten Hinrichtung trägt er jedoch einen Tropfen des Parfums. Die Menge hält ihn sofort für unschuldig, verfällt einer Massenverzückung und einem Bacchanal. Selbst Richis möchte ihn als Sohn aufnehmen. Statt Grenouille wird Druot nach einem durch Folter erzwungenen Geständnis hingerichtet.

Grenouille empfindet angesichts der ihm entgegengebrachten Liebe Ekel, weil die Menschen nur seiner „Duftmaske“ folgen, nicht ihm selbst. Am 25. Juni 1767 kehrt er zum Cimetière des Innocents zurück, übergießt sich mit dem Rest des Parfums und wird von gesellschaftlich Ausgestoßenen aus begehrender Liebe zerrissen und vollständig verspeist.

Aufbau und Erzählweise

Der Roman besteht aus vier Teilen und 51 fortlaufend nummerierten Kapiteln ohne Überschriften. Die ersten drei Teile entsprechen ungefähr den Stufen einer handwerklichen Ausbildung: Lehrjahre in Paris, Wanderjahre mit Rückzug und Rückkehr sowie Meisterjahre in Grasse. Der kurze vierte Teil bildet den Epilog. Grenouilles sieben Jahre am Plomb du Cantal gelten als wichtige Mittelachse seiner inneren Entwicklung; der äußere Spannungs-Höhepunkt liegt in Grasse.

Ein auktorialer Erzähler, also ein über dem Geschehen stehender Erzähler, berichtet weitgehend chronologisch. Er kommentiert, bewertet und ironisiert die Figuren. Er bezeichnet Grenouille zugleich als Genie und als „Scheusal“ und schafft damit Distanz. Fantastische Elemente, etwa Grenouilles übermenschlicher Geruchssinn und die Wirkung seiner Parfums, verbindet der Roman mit genau recherchierten Orten, hygienischen Verhältnissen und Techniken der Parfümherstellung im 18. Jahrhundert.

Auffällig sind Vergleiche, Metaphern und Synästhesien: Sinneseindrücke werden miteinander verbunden, etwa Duft mit Musik, Farbe oder Tastsinn. Der Roman betont zugleich das sprachliche Problem, Gerüche genau zu beschreiben. Seine bildhafte, anschauliche Erzählweise und schnelle Übergänge wurden auch mit Süskinds Erfahrung als Drehbuchautor erklärt.

Zentrale Deutungsansätze

Das zentrale Spannungsverhältnis ist Grenouilles doppelte Besonderheit: Er ist das größte Geruchsgenie, aber selbst geruchlos. Deshalb kann er andere Menschen und ihre Düfte genau erkennen, sich selbst jedoch nicht wahrnehmen. Seine Kunst verschafft ihm Macht und scheinbare Liebe, löst aber sein Identitätsproblem nicht. Das Meisterparfum kann Menschen dazu bringen, ihn zu lieben, aber weder andere noch Grenouille selbst erkennen dadurch sein eigentliches Selbst.

Liebe und Tod sind eng miteinander verbunden. Grenouille überlebt, während seine Mutter stirbt; später erzeugt er sein „Liebeselixier“ durch den Tod von 25 Mädchen. Die Motive Blume, Blüte und Defloration beziehen sich auf die Opfer: Das erste Mädchen wird von ihm „welk“ gerochen, Laure erscheint als noch nicht geöffnete Blüte. Der Roman macht dadurch sichtbar, dass Grenouille Schönheit nicht mitfühlend wahrnimmt, sondern sie für sein Kunstwerk aneignet.

Viele Kontraste prägen den Text: Der geruchlose Parfümeur wird am stinkendsten Ort geboren; ein ungeliebter Mensch kann Liebe künstlich hervorrufen; ein äußerlich missgestalteter Mann erscheint anderen durch Duft als Engel. Das Parfum steht außerdem für Illusion und Flüchtigkeit. Grenouille inszeniert sich vor anderen wie auf einer Bühne, doch seine Auftritte zeigen stets nur eine künstliche Rolle. Am Ende verschwinden sowohl er als auch sein Werk vollständig.

Einordnung, Entstehung und Adaption

Als Kriminalroman enthält Das Parfum einen bekannten Täter, 26 Opfer, Ermittlungen, falsche Verdächtige, Verhaftung und Hinrichtung. Es weicht jedoch von üblichen Erwartungen ab: Der Leser kennt den Täter von Beginn an, die Täterjagd ist kurz, und die Frage nach seiner Schuldfähigkeit bleibt offen. Als Künstlerroman steht Grenouilles Schaffen im Mittelpunkt: Er tötet, um ein Kunstwerk zu erzeugen. Als Entwicklungs- oder Bildungsroman wirkt der Text nur äußerlich, weil Grenouille nicht soziale Integration oder moralische Bildung sucht, sondern Macht.

Der Roman nutzt das Frankreich des 18. Jahrhunderts als historisches Umfeld, lässt aber Fantasie und Handlung im Vordergrund stehen. Postmodern ist besonders die Mischung verschiedener Genres und die Intertextualität, also die Bezüge zu anderen Texten und Traditionen. Genannt werden unter anderem E. T. A. Hoffmanns Cardillac, Victor Hugos Quasimodo, Goethes Faust und Zauberlehrling, Thomas Manns Figuren sowie Märchen wie Rumpelstilzchen.

Die Erstveröffentlichung begann am 16. Oktober 1984 als Fortsetzungsroman in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung; die Buchausgabe erschien am 26. Februar 1985 bei Diogenes. Über die Entstehung ist wegen Süskinds Öffentlichkeitsscheu wenig gesichert. Er bestätigte Recherchen an den Schauplätzen und einen achttägigen Aufenthalt bei Fragonard in Grasse. Die Filmrechte gingen 2001 an Bernd Eichinger. Tom Tykwers Film Das Parfum – Die Geschichte eines Mörders mit Ben Whishaw in der Hauptrolle hatte am 14. September 2006 in Deutschland Premiere und war kommerziell erfolgreich; die Kritik fiel gespalten aus.

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