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Christliche Symbole in der Heraldik

Christliche Symbole in der Heraldik haben einen festen Platz im Wappenwesen gefunden. In vielen Wappen wird durch die Darstellung religiöser Dinge die …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Grundlagen christlicher Wappenbilder
  2. 2. Heilige und ihre Erkennungszeichen
  3. 3. Heiligenschein, Mandorla und Gotteslamm
  4. 4. Maria, Jesus, Engel und weitere Gestalten
  5. 5. Kirchliche Amts- und Glaubenssymbole

Grundlagen christlicher Wappenbilder

Christliche Symbole haben einen festen Platz in der Heraldik, also im Wappenwesen. Sie verweisen häufig auf die Glaubens- und Ortsgeschichte, auf Kirchen und Klöster oder auf Schutzpatrone bestimmter Bevölkerungs- und Berufsgruppen. Religiöse Gegenstände und Gestalten werden gewöhnlich als „gemeine Figuren“ bezeichnet, also als einzelne, gegenständlich erkennbare Wappenbilder.

Eine wichtige Ausnahme bilden Kreuze: Steht ein Kreuz nicht frei im Schild, sondern reicht bis an dessen Ränder, gilt es als Heroldsbild, also als geometrische Gliederung der Schildfläche. Ein solches Kreuz kann den Schild teilen und zugleich eine religiöse Bedeutung besitzen. Ebenfalls verbreitet sind Kirchen, Kapellen und Kirchtürme sowie die Kirchenfahne, besonders die Montfortsche Kirchenfahne.

Heilige und ihre Erkennungszeichen

Zu den menschlichen Figuren in Wappen gehören Bischöfe und andere kirchliche Würdenträger, Mönche, Engel und Heilige. Sie sind meist eng mit der Ortsgeschichte verbunden, etwa als Namensgeber einer Kirche oder als Schutzpatrone von Handwerkern, Wanderern und Fischern.

Heilige sind verstorbene Menschen, die besonders in der katholischen Kirche nach einer offiziellen Heiligsprechung verehrt werden. Die Vorstufe ist die Seligsprechung. Als Kanonisation bezeichnet man die nach einem Untersuchungsverfahren erfolgende Aufnahme in den Kanon der Heiligen. Geehrt werden unter anderem Menschen, die den Märtyrertod erlitten oder ein als gottgefällig angesehenes Leben geführt haben. Gläubige verstehen Heilige als Fürsprecher bei Gott. Ihre Verehrung ist seit etwa dem 2. Jahrhundert bekannt: zunächst bei Märtyrern, später auch bei sogenannten Bekennern. Dazu zählen Bischöfe, Äbte, Mönche, Jungfrauen und Apostel.

Zur Identifizierung dienen Attribute, also typische Gegenstände, Tiere oder Handlungsmotive. Andreas trägt das nach ihm benannte Andreaskreuz; Petrus wird mit zwei Schlüsseln und einem gestürzten Kreuz dargestellt. Martin erscheint zu Pferd und teilt seinen Mantel. Märtyrer erhalten häufig eine Märtyrerpalme beziehungsweise einen Palmwedel. Weitere Beispiele sind Laurentius mit Rost und Märtyrerpalme, Sebastian mit Pfeilen, Ulrich mit Fisch, Nikolaus mit drei goldenen Kugeln beziehungsweise Broten, Korbinian mit dem Korbiniansbären und Vitus in einem goldenen Kessel.

Attribute sind nicht immer eindeutig, weil verschiedene Heilige denselben Namen tragen können. Auch ähnliche Darstellungen, etwa von Alban von Mainz und Alban von England, erschweren die Zuordnung. Die Namenstage im Kalender richten sich nach dem Datum der Heiligsprechung oder nach dem Geburts- oder Todestag. Der Artikel dokumentiert zahlreiche Heilige in kommunalen und kirchlichen Wappen. Zu den Vierzehn Nothelfern gehören Achatius, Blasius, Erasmus, Georg, Pantaleon, Vitus, Ägidius, Dionysius, Cyriak, Christophorus, Margareta, Katharina, Barbara und Eustachius; mehrere von ihnen erscheinen als Wappenfiguren.

Heiligenschein, Mandorla und Gotteslamm

Ein Heiligenschein unterscheidet eine heilige Gestalt von anderen Figuren. Er ist ein Kreis um den Kopf, der einen strahlenden Eindruck erzeugen soll, und wird in der Wappenbeschreibung, der sogenannten Blasonierung, gewöhnlich golden und selten silbern angegeben. Die Mandorla ist dagegen ein mandelförmiger Strahlenkranz um den ganzen Körper. Sie ist seit dem 11. Jahrhundert nachweisbar und wurde besonders bei Maria und Christus verwendet.

Das Agnus Dei bedeutet „Gotteslamm“, „Lamm Gottes“ oder „Osterlamm“ und ist ein bekanntes christliches Wappentier. Dargestellt wird ein Lamm, dessen Vorderbein um ein Kreuz gelegt ist. Sein häufig schräg nach hinten gewendeter Kopf ist von einem Heiligenschein oder Nimbus umgeben. Das Tier kann nach rechts oder links schreiten und erscheint sowohl in Stadtwappen als auch in kirchlichen Wappen.

Das Gotteslamm trägt gewöhnlich die Sieges- oder Osterfahne. Diese besteht aus einer Stange, die oben in ein Kreuz ausläuft, und einem silbernen Banner mit einem roten durchgehenden Kreuz. Varianten zeigen das Lamm unter anderem mit erhobenem Bein, Buch oder Abendmahlskelch, ruhend oder zusammen mit Johannes dem Täufer.

Der wichtigste Unterschied zwischen Agnus Dei und einem gewöhnlichen Schaf ist der Heiligenschein. Ein Schaf steht dagegen für die regionale Zucht und Haltung. Deshalb müssen das tatsächlich gezeichnete Wappenbild und seine schriftliche Beschreibung übereinstimmen, damit keine falsche religiöse oder wirtschaftliche Deutung entsteht.

Maria, Jesus, Engel und weitere Gestalten

Maria, die Gottesmutter, und Jesus kommen in unterschiedlichen Darstellungsformen vor. Maria erscheint etwa mit dem Jesuskind auf dem Arm, barfüßig, als Madonna oder als Mondsichelmadonna auf einer Sichel. Jesus wird allein oder am Kreuz gezeigt. Eine Mandorla kann ihren ganzen Körper umgeben.

Engel sind besonders als Schildhalter beliebt, können aber auch als gemeine Figuren im Schild stehen. In redenden Wappen stellen sie bildlich einen Orts- oder Klosternamen dar, beispielsweise beim Kloster Engelberg. Ein Cherubkopf ist ein Kopf mit zwei angesetzten Flügeln. Davon unterscheidet sich der Seraphskopf, der mehrere Flügel besitzt.

Weitere religiös geprägte Figuren sind Mönche, Benediktinermönche mit Krümme und Nimbus, Bischöfe, Evangelistensymbole und sogar der Teufel. Der Flügelstier, ein Stier mit auf Schulterhöhe angesetzten Flügeln, ist das Attribut des Evangelisten Lukas; der Markuslöwe steht für Markus.

Kirchliche Amts- und Glaubenssymbole

In kirchlichen Wappen zeigen bestimmte Gegenstände Rang und Amt. Die Mitra oder Inful wird heraldisch rechts am oberen Schildrand angeordnet und übernimmt die Rolle einer Rangkrone. Der Bischofsstab, auch Hirtenstab genannt, steht als Gegenstück links am oberen Schildrand. In Wappen von Bischöfen und Erzbischöfen zeigt seine Spirale nach außen, in Wappen von Äbten nach innen. Die kirchliche Heraldik untersucht solche besonderen Regeln für die Wappen kirchlicher Würdenträger.

Die Heilige Dreifaltigkeit kann durch drei goldene Mitren in der Anordnung 2:1 dargestellt werden, also zwei oben und eine darunter. Diese Form ist in Wappen englischer Bistümer gebräuchlich. Auch drei Kronen und das Kleeblatt können die Dreifaltigkeit symbolisieren. Nach einer christlichen Deutung der Flagge Äthiopiens steht Grün für den Heiligen Geist und die Hoffnung, Gelb für Gott Vater und die Nächstenliebe sowie Rot für den Sohn und den Glauben.

Weitere Symbole sind die Tiara mit Schlüsseln im Wappen des Vatikans, Abendmahlskelch und Hostie, Bibel, Rosenkranz, Monstranz, Taufstein, Glocke, Pallium, Pilgerstab, Passionsnägel und verschiedene Kreuzformen. Die Lutherrose ist ein Symbol der evangelisch-lutherischen Kirchen und erscheint in deutschen und österreichischen Wappen. Das Kronenkreuz als Zeichen der Diakonie ist selten. Der Palmwedel gehört zu verschiedenen Religionen und dient zugleich als Attribut von Heiligen. Die Lilie wird als Zeichen der Gottesmutter gedeutet. Ein goldener Heiligenschein mit fünf fünfstrahligen goldenen Sternen kennzeichnet Johannes Nepomuk, den Patron der Brücken.

Die Jakobsmuschel ist nach dem heiligen Jakobus benannt, dem Schutzpatron der Pilger. Neben dem Pilgerhut ist sie sein wichtigstes Erkennungszeichen und wurde zum allgemeinen Symbol der Pilger, besonders auf dem Jakobsweg. Christliche Pilger des Mittelalters verwendeten sie außerdem zum Wasserschöpfen.

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