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Parfüm
Im 1985 erschienenen Roman Das Parfum von Patrick Süskind wird die Welt der Düfte eindrucksvoll geschildert. 21 Jahre später wurde der Roman vom deutschen …
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Definition, Zweck und historische Entwicklung
Parfüm beziehungsweise Parfum ist ein meist flüssiges Gemisch aus Alkohol und Riechstoffen, das angenehme Gerüche erzeugen soll. Im engeren Sinn verändert es den Körpergeruch oder überdeckt ihn. Parfüm dient damit dem persönlichen Wohlbefinden und der Selbstdarstellung. Eine Person, die Parfüms kreiert, heißt Parfümeur oder Parfümeurin.
Raumdüfte geben Innenräumen besondere Gerüche. Sie werden entweder direkt, etwa durch Sprays, oder über Duftträger in die Raumluft eingebracht. Riechstoffe werden außerdem in vielen Produkten aus Bad, Küche, Haus und Garten verwendet. Besonders stark oder unangenehm riechende Produkte wie Reinigungs- und Haarfärbemittel werden dadurch angenehmer gemacht; dies nennt man funktionale Parfümerie. In der Lebensmittelindustrie sind Aromastoffe ebenfalls wichtig, beispielsweise Vanille, die sowohl in Süßspeisen als auch in Parfüms eingesetzt wird.
Die Geschichte des Parfüms begann in den Hochkulturen Ägyptens und Indiens. In Ägypten wurden Duftstoffe zunächst vor allem den Göttern geopfert und den Toten mitgegeben. Unter der Pharaonin Hatschepsut, 1490–1469 v. Chr., wurden sie verstärkt zur Parfümierung des lebenden Körpers verwendet. Priester stellten Duftmischungen aus Harzen, Balsamen und Salben her. Wohlgeruch gehörte zu Reinigungsritualen und galt als Ausdruck von Leben, Gesundheit sowie innerer und äußerer Harmonie.
Ein Beispiel für die aufwendige Herstellung ist Kyphi. Diese Mischung enthielt unter anderem Weihrauch, Styrax amber, Zimtrinde, Opoponax, Myrrhe, Kalmus, Galgant, Benzoeharz, Oud, Sandelholz und Rosenblätter sowie Öle, Wein und Rosinen. Kyphi war bereits vor fünftausend Jahren in Luxor bekannt, wurde später von Arabern übernommen und von Römern genutzt. In Indien dienten duftende Pflanzenbestandteile besonders medizinischen Zwecken, der Körperreinigung und der Herstellung parfümierter Salben und Öle.
Durch die Kreuzzüge gelangten Duftrohstoffe und Duftmischungen des Orients stärker nach Europa. Venedig wurde ein bedeutender Handelsplatz. Im 15. Jahrhundert kamen ätherische Öle, also konzentrierte flüchtige Pflanzenstoffe, in den Handel. Im 16. Jahrhundert gilt das Eintreffen Katharina de Medicis am Hof Heinrichs II. als wichtiger Impuls für die europäische Parfümerie. 1580 eröffnete der italienische Alchimist und Apotheker Francesco Tombarelli in Grasse ein Laboratorium. Grasse entwickelte sich dadurch zum Zentrum der europäischen Parfümindustrie.
Anfangs waren Essenzen vor allem der Oberschicht vorbehalten. 1709 unterschied Lemery zwischen einem königlichen Parfüm und einem Parfüm für den Bourgeois, das vor allem der Luftdesinfektion dienen sollte. Parfüm wurde damals auch eine therapeutische Wirkung zugeschrieben: Es sollte den Geist beleben, den Körper stärken, die Haut reinigen und vor Krankheiten wie der Pest schützen. Die Angst vor schädlichen Keimen im Bad förderte wasserarme Reinigungsrituale und den Gebrauch von Duftwässern. Alkoholreiche Reinigungsmittel wurden als Eaux de Toilette bekannt.
Bestandteile und Herstellung
Die Hauptbestandteile eines Parfüms sind Ethanol als Alkohol, meist mit einem Anteil von über 80 %, destilliertes Wasser, darin gelöste natürliche Essenzen und zunehmend synthetisch hergestellte Duftstoffe. Natürliche ätherische Öle können pflanzlicher oder tierischer Herkunft sein. Die Fachbezeichnung für natürliche Öle und synthetische Duftstoffe lautet Riechstoffe.
Einheitliche Riechstoffe werden meist in größeren Mengen synthetisiert. Bei der Entwicklung neuer Duftstoffe spielen nach der Einschätzung von Ernest Beaux, dem Kompositeur von Chanel No. 5, die Forschungsarbeiten von Chemikern eine zentrale Rolle.
Natürliche Riechstoffe werden aus zerkleinerten Rohstoffen gewonnen. Je nach Thermostabilität, also ihrer Beständigkeit gegenüber Wärme, und je nach störenden Begleitstoffen kommen verschiedene Verfahren zum Einsatz:
- Bei der Destillation werden Stoffe durch Erhitzen und anschließendes Kondensieren getrennt.
- Bei der Mazeration werden Rohstoffe in Öl oder einer anderen Flüssigkeit eingelegt.
- Bei der Enfleurage werden Duftstoffe mithilfe von Fetten aufgenommen.
- Bei der Extraktion werden lösliche Duftstoffe aus dem Rohmaterial herausgelöst.
- Bei der Expression werden vor allem Schalen oder andere Pflanzenteile ausgepresst.
Seit 2005 erfolgt die Deklaration von Inhaltsstoffen in der Europäischen Union nach dem INCI-System, der International Nomenclature for Cosmetic Ingredients. Zusätzlich gilt die EU-Richtlinie 2004/93/EC. Sie schreibt vor, dass 26 als allergen eingestufte Duftstoffe ab einer bestimmten Menge einzeln mit ihrer jeweiligen Bezeichnung angegeben werden müssen.
Konzentration, Duftverlauf und Duftfamilien
Die Verdünnungsklasse richtet sich nach der Konzentration der Duftstoffe in der Mischung. Die veröffentlichten Angaben unterscheiden sich jedoch teilweise deutlich. Eine häufig verwendete Einteilung lautet:
- Eau de Solide, Splash Cologne, Edition S oder Splash Perfumes: 1–3 %.
- Eau de Cologne beziehungsweise Kölnisch Wasser: 3–5 %.
- Eau de Toilette: 6–9 %; Extrême-, Extreme- oder Intense-Varianten können mehr enthalten.
- Eau de Parfum: 10–14 %; Intense-Varianten bis 20 %.
- Extrait Parfum, Extrait de Parfum oder Parfum: 15–30 %; Intense-Varianten bis 40 %.
Der Anteil an Riechstoffen stieg seit dem 17. Jahrhundert vom Eau de Cologne über das Eau de Toilette zum Eau de Parfum. Martinetz und Hartwig nennen abweichend 5–8 % für Eau de Toilette, 8–10 % für Eau de Parfum und 10–25 % für Extrait Parfum. Deshalb sollte die Konzentration immer anhand der jeweiligen Quelle oder Produktangabe beurteilt werden.
Duftintensität und Duftwirkung hängen von der Auswahl und der Konzentration der Riechstoffe ab. Die Duftwirkungs-Schwelle bezeichnet eine noch nicht wahrnehmbare Intensität, bei der der Körper bereits auf den Duft reagiert. Ab der Wahrnehmungs-Schwelle riecht man etwas, kann es aber noch nicht zuordnen. An der Erkennbarkeits-Schwelle wird der Duft erkennbar und benennbar. Mit steigender Intensität kann er als angenehmer, aufdringlicher Duft oder schließlich an der Flucht-Schwelle wahrgenommen werden, die unbewusst eine Fluchtreaktion auslöst.
Der Duftverlauf wird meist in drei Noten gegliedert. Die Kopfnote ist unmittelbar in den ersten Minuten nach dem Auftragen wahrnehmbar. Sie wird von leichtflüchtigen Stoffen geprägt, ist meist besonders intensiv und beeinflusst den ersten Eindruck sowie die Kaufentscheidung. Die Herznote, auch Mittelnote genannt, wird in den Stunden nach dem Verfliegen der Kopfnote wahrgenommen. Sie bildet den eigentlichen Duftcharakter und enthält häufig Blütennuancen. Die Basisnote bildet den letzten Teil des Duftablaufs und besteht aus langhaftenden, schweren Bestandteilen.
Zur Ordnung der sehr vielfältigen Düfte dienen Duftfamilien. Eine brauchbare Einteilung unterscheidet neun Gruppen: Zitrusnoten beziehungsweise Agrumen oder Hesperiden, blumige Noten, Fougère-Noten, Chypre-Noten, holzige Noten, orientalische Noten, Ledernoten, Gourmand-Noten und tropische Noten. Chypre wurde 1917 durch François Coty eingeführt. Die Zuordnung ist nicht immer eindeutig; insbesondere Gourmand- und tropische Aromen lassen sich schwer in klassische Systeme einordnen. Daneben gibt es Einteilungen mit eigenen Gruppen für Gewürze, Kräuter, aldehydische oder grüne Noten.
Duftbausteine
Parfüms verwenden natürliche und synthetisierte Riechstoffe. Sie können an Blüten, Früchte, Gewürze, Rinden und Harze, Blätter, Gräser, Moose, Beeren, Wurzeln, tierische Sekrete oder essbare Genussmittel erinnern.
Zu den wichtigen Blütenduftstoffen gehören unter anderem Jasmin, Lavendel, Maiglöckchen, Neroli, Rose, Tuberose, Veilchen und Ylang-Ylang. Jasmin wird in einem höchst aufwendigen, mehrstufigen Verfahren gewonnen; eine Tonne Blüten ergibt ein Kilogramm Absolue. Lavendel liefert eines der in der Parfümerie am meisten verwendeten ätherischen Öle. Tuberose gehört zu den teuersten Duftstoffen und wird durch Enfleurage gewonnen. Rose ist einer der am häufigsten verwendeten Blütenduftbausteine.
Zu den Fruchtnoten zählen Bergamotte, Grapefruit, Limette, Orange, Zitrone, Pfirsich, Apfel, Erdbeere, Beeren, Pflaume, Kokos und Cassis. Orangenöl wird aus den Fruchtschalen des Orangenbaums gewonnen, Bitterorangenöl aus den Schalen des Bitterorangenbaums. Wichtige Gewürznoten sind Anis, Ingwer, Kardamom, Koriander, Muskatnuss, Nelken, Rosmarin, Vanille und Zimtrindenöl.
Rinden und Harze liefern beispielsweise Benzoe Siam, Elemi, Myrrhe, Guajak, Weihrauch, Opopanax, Perubalsamöl, Sandelholz, Styrax, Tolubalsam und Zedernholz. Zu den wichtigen Stoffen aus Blättern, Gräsern, Moosen, Beeren und Wurzeln gehören Baum- und Eichenmoos, Galbanum, Iriswurzel, Lorbeer, Patschuli, Petitgrain, Tabakblätter, Tonkabohne, Veilchenblätter und Vetiver. Baum- und Eichenmoos verleihen Wärme und Haftfestigkeit; Patschuli ist ein wichtiger Dufteckpfeiler, und Vetiver wird aus der Wurzel gewonnen.
Tierische Sekrete wie Amber, Castoreum und Moschus werden heute fast nur noch synthetisch eingesetzt. Zu den natürlichen Rohstoffqualitäten neben ätherischen Ölen gehören Concretes, Resinoide und Absolues. Im 21. Jahrhundert sind Gourmand-Noten wie Schokolade, Karamell, Zucker, Zuckerwatte, Honig, süße Milch und Mandel verstärkt gefragt.
Wichtige synthetische Duftstoffe sind Aldehyde, Cumarin, Vanillin, Maltol, Linalool, Linalylacetat, Citral, Citronellol, Damascon, Himbeerketon, Farnesol, Hexylacetat, Alpha-Jonon, Beta-Jonon und Calone. Galaxolid und Ethylenbrassylat sind gebräuchliche synthetische Moschuskörper. Polycyclische Moschusverbindungen sind seit 2005 endgültig verboten. Einige synthetische Stoffe kommen auch in natürlichen ätherischen Ölen vor und müssen als Allergene deklariert werden.
Verwendung, Verträglichkeit und Branche
Parfüm wird von Frauen und Männern verwendet, um den körpereigenen Geruch zu verändern, die eigene Person zu betonen und Geschmack oder Stil zu unterstreichen. Ein Duft kann sich auf der Haut verschiedener Menschen unterschiedlich entwickeln. Deshalb reicht ein Teststreifen oder die eigene Haut nicht zuverlässig aus, wenn ein Parfüm für eine andere Person ausgewählt wird. Für eine gute Entfaltung werden Duftstoffe auf gut durchblutete Hautbereiche aufgetragen, etwa an den Handpulsen, am Hals oder hinter den Ohrläppchen.
Allergiker und Kinder sollten die Verträglichkeit zunächst an einer kleinen, unauffälligen Stelle testen. Ein zweiter Test sollte nach rund zehn Tagen erfolgen. Wenn danach keine Hautreizungen auftreten, sind Irritationen oder Allergien kaum zu befürchten. Bei einer Allergie hilft nur das Meiden der auslösenden Allergene oder eine ärztlich begleitete Hyposensibilisierung. Bei einer häufigeren Irritation genügt es oft, die Konzentration oder die Anwendungshäufigkeit zu verringern. In der Europäischen Union werden seit 1997 derzeit 26 Duftstoffe als potenziell allergieauslösend eingestuft; ab einer bestimmten Menge müssen sie in der INCI-Bestandteilliste einzeln genannt werden.
Parfüms lagern sich vergleichsweise lange, wenn sie gut verschlossen in einem geeigneten Behälter dunkel und kühl aufbewahrt werden. Hitze, Licht, Feuchtigkeit, Luftkontakt und reaktive Oberflächen können den Duft verändern. Bei schlechter oder zu langer Lagerung kann der Duft verfliegen oder sich so verändern, dass man von einem „umgekippten“ Duft spricht.
Wirtschaftlich bedeutsam sind Duft- und Kosmetiklizenzen für viele bekannte Modehersteller. Parfümierung und Aromatisierung spielen außerdem bei Körperpflegeprodukten, Süßigkeiten, Zigaretten und Tees eine Rolle. Zur Duftvermarktung gehört auch die gezielte Raumbeduftung von Geschäfts- und Verkaufsräumen. Als Hauptstadt des Parfüms gilt seit dem 19. Jahrhundert Grasse im Département Alpes-Maritimes. In Deutschland sind seit 1945 neben Leipzig besonders Holzminden und die Region Ostwürttemberg Duftzentren.
Zu den bedeutenden Duftstoffproduzenten zählen Givaudan mit Quest International, International Flavors & Fragrances (IFF), Symrise, Firmenich, Takasago Kōryō Kōgyō und Luzi AG. Weltweit gibt es etwa 2000 Personen, die den Beruf des Parfümeurs ausüben. Eine international bekannte Ausbildungsstätte ist die ISIPCA in Versailles. Der Branchenverband Fragrance Association vergibt jährlich den FiFi-Award; seit 2006 wird der Preis in Deutschland als „Deutscher Parfümpreis“ von der Fragrance Foundation Deutschland vergeben.
Der 1985 erschienene Roman Das Parfum von Patrick Süskind wurde 2006 von Tom Tykwer als Das Parfum – Die Geschichte eines Mörders verfilmt. Bedeutende Museen sind das Internationale Museum der Parfümerie in Grasse, das Duftmuseum in Köln und das Europäische Flakonglasmuseum in Kleintettau.