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Département
Dieser Artikel behandelt die Gebietskörperschaften in Frankreich bzw. in französisch regierten Gebieten. Zu anderen Bedeutungen siehe Departement. Ein …
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Grundidee und Bedeutung
Ein Département ist in Frankreich zugleich eine staatliche Verwaltungseinheit und eine Collectivité territoriale, also eine Gebietskörperschaft mit eigener politischer Selbstverwaltung. Die Französische Republik ist, abgesehen von nicht voll assimilierten Überseegebieten, in 101 Départements gegliedert. Davon liegen 96 in Europa und fünf in Übersee: Guadeloupe, Martinique, Französisch-Guayana, Réunion und Mayotte. Die Départements sind in 18 Regionen gruppiert, darunter Korsika mit Sonderstatus; im europäischen Teil Frankreichs sind es 13 Regionen.
Heute muss man zwischen Départements als staatlichen Verwaltungsbezirken und Gebietskörperschaften der Départementebene unterscheiden. Diese beiden Ebenen sind nicht mehr immer deckungsgleich. Es gibt 100 Gebietskörperschaften der Départementebene: 93 reguläre Départements und sieben Gebietskörperschaften mit Sonderstatus. Die meisten Départements haben eine Fläche zwischen 4000 und 8000 Quadratkilometern und zwischen 250.000 und einer Million Einwohnern. Das größte Département ist Französisch-Guayana mit 83.534 km², das größte in Europa Gironde mit 9.976 km², das kleinste Paris mit 105 km². Das bevölkerungsreichste Département ist Nord mit 2.615.635 Einwohnern, das bevölkerungsärmste Lozère mit 76.486 Einwohnern.
Verwaltung und Selbstverwaltung
Als staatliche Verwaltungseinheit wird ein Département von einem Départementpräfekten geleitet. Dieser Präfekt wird von der Regierung ernannt und steht an der Spitze der Präfektur. In vielen Aufgabenbereichen ist ihm im Mutterland heute der Regionalpräfekt übergeordnet. Regionalpräfekt ist jeweils der Départementpräfekt, der seinen Sitz im Hauptort der jeweiligen Region hat.
Für Verwaltungszwecke sind die Départements in Arrondissements gegliedert; am 1. Januar 2015 waren es 335. Arrondissements dienen der Dezentralisierung der staatlichen Verwaltung. In Hauptorten von Arrondissements, die nicht zugleich Hauptort des Départements sind, gibt es eine Unterpräfektur, geleitet von einem Unterpräfekten.
Als Gebietskörperschaften bilden die Départements die mittlere Ebene zwischen Regionen und Gemeinden. Im europäischen Teil Frankreichs gehört jede Gemeinde zu einem Département und jedes Département zu einer Region. Eine Verwaltungshierarchie zwischen den Gebietskörperschaften besteht aber nicht; die Rechtsaufsicht liegt beim Zentralstaat. Die Volksvertretung eines regulären Départements ist der direkt gewählte Départementrat, früher Generalrat. Seit den Dezentralisierungsgesetzen von 1982 besitzt das Département eine eigene Exekutive, getrennt vom staatlichen Präfekten. Sie besteht aus dem Vorsitzenden des Départementrates und seinen Stellvertretern.
Für die Wahl des Départementrates dienen Kantone als Wahlbezirke. Seit der Reform von 2013, wirksam seit der Wahl 2015, werden in jedem Kanton zwei Mitglieder gewählt: eine Frau und ein Mann. Sie kandidieren gemeinsam als Binom und werden nach Mehrheitswahlrecht mit gegebenenfalls zwei Wahlgängen gewählt.
Sonderstatus und Unterschiede
Neben den 93 regulären Départements gibt es sieben Gebietskörperschaften mit Sonderstatus. Sie erfüllen Aufgaben der Départementebene, besitzen aber zusätzliche Kompetenzen oder besondere Institutionen.
In Übersee sind Französisch-Guayana, Martinique und Mayotte jeweils eine Collectivité territoriale unique. Das bedeutet, dass sie zugleich die Aufgaben eines Überseedépartements und einer Überseeregion ausüben. In Guadeloupe und Réunion bestehen dagegen weiterhin ein Überseedépartement und eine Überseeregion mit identischem Gebiet.
In Europa gibt es vier Sonderfälle: Die Collectivité de Corse übernimmt Aufgaben einer Region und eines Départements sowie zusätzliche Kompetenzen. Die Collectivité européenne d’Alsace übernimmt Aufgaben eines Départements und zusätzliche Kompetenzen. Die Métropole de Lyon übernimmt Aufgaben eines Départements und eines Gemeindeverbands mit Métropole-Status. Die Ville de Paris erfüllt zugleich Aufgaben einer Gemeinde und eines Départements.
Bei Korsika und Elsass wurden frühere Départements als Gebietskörperschaften ersetzt: Corse-du-Sud und Haute-Corse durch die Gebietskörperschaft Korsika, Bas-Rhin und Haut-Rhin durch die Europäische Gebietskörperschaft Elsass. Als staatliche Verwaltungseinheiten bestehen diese Départements aber weiter. Auch beim Rhône ist die Lage besonders: Die Métropole de Lyon wurde als Gebietskörperschaft ausgegliedert, aber die staatliche Verwaltungseinheit Rhône behielt ihren alten Zuständigkeitsbereich.
Namen, Nummern und Tabelle
Die Départements sind weitgehend alphabetisch nummeriert. Die Nummer war bis 2009 Teil der letzten beiden Stellen der Kfz-Kennzeichen und bildet seit 1964 in der Regel die ersten beiden Stellen der fünfstelligen französischen Postleitzahl. Sie erscheint außerdem im Gemeindeschlüssel, in der Sozialversicherungsnummer über den Schlüssel der Geburtsgemeinde und im ISO-3166-2-Code nach dem Landescode FR.
Bei der Einführung der Départements wurden bewusst kaum historische Provinznamen verwendet, um den Bruch mit dem Ancien Régime zu zeigen. Stattdessen orientierten sich die Namen meist an geografischen Merkmalen, besonders Flüssen und Gebirgen. 67 Départements sind nach einem Fluss benannt, zehn davon nach zwei Flüssen. Die Loire kommt in sechs Départementnamen vor. 13 Départements beziehen sich auf ein Gebirge oder einen Berg. Ausnahmen von der ursprünglichen Regel sind Haute-Savoie und Savoie, die 1860 zu Frankreich kamen, sowie Alpes-de-Haute-Provence, das bis 1970 Basses-Alpes hieß.
Die Nummerierung wurde nicht schon 1790 eingeführt, sondern erst nach der Eingliederung der Grafschaft Nizza und Savoyens 1860, als 89 Départements alphabetisch durchnummeriert wurden. Spätere Neugliederungen durchbrachen diese Reihenfolge. Beispiele sind Territoire de Belfort, das 1922 reguläres Département mit Nummer 90 wurde, die Neuordnung der Île-de-France 1968 mit Paris als Nummer 75 sowie Essonne 91, Hauts-de-Seine 92 und Seine-Saint-Denis 93, und Korsika mit 2A und 2B. Die Übersee-Départements beginnen mit 97, etwa 971 für Guadeloupe und 976 für Mayotte. Monaco nutzt als eigener Staat die französische Postleitzahl 98000; ein Département 99 gibt es nicht, die Nummer 99 wird aber etwa für Geburtsorte im Ausland verwendet.
Die Übersichtstabelle nennt für jedes Département unter anderem Nummer, Region, Präfektur, ISO-Code, Bevölkerung, Fläche und Bevölkerungsdichte. Sie zeigt zum Beispiel Paris mit sehr hoher Bevölkerungsdichte und Französisch-Guayana mit sehr großer Fläche und geringer Bevölkerungsdichte.
Historische Entwicklung
Die Départements wurden 1789/1790 während der Französischen Revolution eingeführt, ebenso wie die Gemeinden. Jacques Guillaume Thouret schlug am 3. November 1789 in Anlehnung an Emmanuel Joseph Sieyès eine Einteilung Frankreichs in 80 ungefähr rechteckige Départements vor. Graf Mirabeau schlug dagegen 120 Départements mit Grenzen nach natürlichen Gegebenheiten vor. Die Département-Gesetze vom 22. Dezember 1789 und 26. Februar 1790 folgten im Wesentlichen Mirabeaus Ansatz: Frankreich wurde in 83 ungefähr gleich große Départements geteilt. Als Maßstab galt, dass die Grenze von der Hauptstadt des Départements nicht weiter als einen Tagesritt zu Pferd entfernt sein sollte. Die neue Einteilung trat am 4. März 1790 in Kraft.
1790 erhielt jedes Département eine Versammlung aus 36 gewählten Mitgliedern. Die Départements waren zunächst in Distrikte und Kantone unterteilt. 1795 wurden die Distrikte abgeschafft. Durch das Gesetz vom 28. Pluviôse des Jahres VIII, also vom 17. Februar 1800, entstanden Arrondissements und Kantone in neuer Form sowie Präfekturen, Unterpräfekturen und Generalräte. Der von der Regierung ernannte Präfekt wurde oberster Verwaltungsbeamter mit weitreichenden Befugnissen.
Während der Revolutionskriege und unter Napoleon wuchs die Zahl der Départements stark, weil annektierte Gebiete in Europa eingegliedert wurden. 1811 gab es 130 Départements; Städte wie Brüssel, Amsterdam, Hamburg, Aachen, Genf, Turin und Rom waren damals Hauptorte französischer Départements. Diese Gebiete gingen 1814 nach Napoleons Niederlage wieder verloren.
Nach 1815 blieb die Départementstruktur bestehen. Frankreich hatte 86 Départements. 1860 kamen Savoie, Haute-Savoie und Alpes-Maritimes hinzu. Nach dem Deutsch-Französischen Krieg 1871 verlor Frankreich Elsass-Lothringen; Teile wurden neu organisiert, unter anderem entstand Meurthe-et-Moselle und das Territoire de Belfort. 1919 kamen verlorene Gebiete zurück, doch die alten Grenzen von vor 1871 wurden nicht vollständig wiederhergestellt. Seitdem blieben die Grenzen weitgehend stabil, mit wichtigen Änderungen 1968 in der Île-de-France und 1975 auf Korsika.
Die Dezentralisierungsgesetze von 1982 stärkten die gewählten Gebietskörperschaften. Der Präfekt gab viele Befugnisse an den Präsidenten des Generalrats ab; seit dem Gesetz vom 2. März 1985 leitete dieser die Exekutive des Départements. Die Reform von 2013 benannte den Generalrat in Départementrat um und änderte das Wahlverfahren ab 2015.
Neugliederungen und frühere Départements
Die meisten 1790 geschaffenen Départements bestehen bis heute, aber viele wurden im Laufe von mehr als 200 Jahren geteilt, neu geschaffen oder umbenannt. Besonders Namen mit -Inférieur oder Bas- wurden seit Mitte des 20. Jahrhunderts häufig geändert, zum Beispiel Charente-Inférieure zu Charente-Maritime 1941, Seine-Inférieure zu Seine-Maritime 1955, Loire-Inférieure zu Loire-Atlantique 1957, Basses-Pyrénées zu Pyrénées-Atlantiques 1969, Basses-Alpes zu Alpes-de-Haute-Provence 1970 und Côtes-du-Nord zu Côtes-d’Armor 1990.
Wichtige territoriale Änderungen waren die Bildung von Tarn-et-Garonne 1808, die Neuordnung nach Verlust und Rückgewinnung Elsass-Lothringens 1871 und 1919, die Neugliederung der Île-de-France 1968 sowie spätere Sonderfälle: 2015 wurde die Métropole de Lyon aus dem Département Rhône ausgegliedert, 2018 fusionierten auf Korsika die regionale Gebietskörperschaft und die Départements Corse-du-Sud und Haute-Corse zu einer einheitlichen Gebietskörperschaft, und 2021 entstand aus Bas-Rhin und Haut-Rhin die Europäische Gebietskörperschaft Elsass. Als staatliche Verwaltungseinheiten bestehen manche früheren Départements dabei weiter.
Zeitweise gab es Départements außerhalb des heutigen französischen Staatsgebiets. In der napoleonischen Zeit betraf dies unter anderem heutige Benelux-Staaten, Teile Deutschlands, der Schweiz und Italiens sowie kurzzeitig Gebiete in Katalonien. In Übersee wurden 1795 bis 1800 ebenfalls Départements eingerichtet, etwa in Gebieten der heutigen Dominikanischen Republik, Haitis, Indiens, Mauritius, Seychellen und St. Lucia. Algerien wurde 1848 in drei Départements gegliedert, 1955 kam ein viertes hinzu, 1957 wurden daraus 17 Départements. Nach der Unabhängigkeit 1962 behielt Algerien diese unter französischer Herrschaft geschaffene Verwaltungsgliederung bis 1978 bei.
Die Karten im Artikel veranschaulichen unter anderem Regionen und Départements bis Ende 2015, Bevölkerungsdichte und politische Präferenzen. Zur Bevölkerungsdichte wird erwähnt, dass 60 % der französischen Bevölkerung östlich der Linie Le Havre – Marseille leben und dass die sogenannte „Leere Diagonale“ ein Gebiet mit deutlich geringerer Bevölkerungsdichte bezeichnet.