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Grammatik der litauischen Sprache
Um ein Adverb aus einem Adjektiv zu bilden, werden die männlichen Adjektiv-Endungen durch folgende Endungen ersetzt: aus -as wird -ai; aus -us wird -iai. Beim …
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Grundzüge und Formenlehre
Das Litauische ist eine stark flektierende Sprache. Kasus, Numerus, Genus und andere grammatische Funktionen werden vor allem durch Endungen ausgedrückt. Bestimmende Adjektive und Substantive können dem eigentlichen Substantiv weitgehend frei vorangestellt und miteinander verschränkt werden. Das Litauische kennt im Wesentlichen vier Zeitformen: Gegenwart, Zukunft, einmalige Vergangenheit und mehrmalige Vergangenheit. Der Unterschied zwischen einmaliger und wiederholter Vergangenheit zeigt sich etwa in ėjo „er ging“ und eidavo „er ging regelmäßig“.
Es gibt die Numeri Singular und Plural; der Dual ist historisch, in einzelnen Dialekten und in der Literatur sowie bei den Zahlwörtern du/dvi „zwei“ und abu/abi „beide“ erhalten. Die Genera sind männlich und weiblich. Sächliche Formen kommen nur bei Adjektiven, Partizipien und Demonstrativpronomina vor. Neben Indikativ und Imperativ existieren Konjunktiv und Modus relativus. Auffällig ist der Reichtum an Partizipien: Für jede Zeitform gibt es ein aktives und ein passives Partizip, außer für die mehrmalige Vergangenheit, die nur ein aktives besitzt. Artikel werden durch bestimmte Adjektivformen ersetzt.
Substantive, Kasus und Betonung
Litauische Substantive sind männlich oder weiblich und werden meist regelmäßig dekliniert. Die Nominativendung weist häufig auf das Genus hin: -as, -us und -ys sind immer männlich; -a und -ė gewöhnlich weiblich; -is ist mehrdeutig. -uo ist fast immer männlich, außer sesuo „Schwester“. Wörter wie kolega „Kollege“ und dėdė „Onkel“ sind trotz -a beziehungsweise -ė grammatisch männlich. Wörter für Personen wie elgeta „Bettler(in)“ können je nach Kontext männlich oder weiblich gebraucht werden.
Es gibt fünf Beugungsklassen. Die 1. Klasse umfasst vor allem männliche Wörter auf -as, -ias, -is, -ys, -jas und -jis, etwa vakaras „Abend“. Die 2. Klasse umfasst meist weibliche Wörter auf -a, -ia und -ė, etwa užeiga „Gasthof“ und šakutė „Gabel“; auch marti „Schwiegertochter“ gehört hierher. Die 3. Klasse endet meist auf -is, etwa akis „Auge“ und ausis „Ohr“, enthält aber auch einige männliche Substantive wie dantis „Zahn“. Die 4. Klasse umfasst männliche Wörter auf -us, -ius und -jus, etwa alus „Bier“ und sūnus „Sohn“. Die 5. Klasse ist die konsonantische Deklination, vor allem auf -uo: vanduo „Wasser“, akmuo „Stein“, šuo „Hund“ und sesuo „Schwester“. duktė „Tochter“ wird trotz -ė hier dekliniert; mėnuo „Monat“ wird außer im Nominativ wie ein Wort der 1. Klasse behandelt.
Viele Substantive sind Pluraliatantum, besitzen also nur oder überwiegend Pluralformen, etwa rytai „Osten“, svarstyklės „Waage“, durys „Tür“, pietūs „Süden, Mittag“ und smegenys „Gehirn, Knochenmark“. Das gilt auch für Ortsnamen wie Šiauliai und Kaišiadorys.
Substantive, Adjektive und Pronomina gehören einer von vier Intonationsklassen an. Diese beschreiben, ob der Akzent auf dem Stamm oder der Endung liegt und welche Intonation die betonte Silbe trägt. In der 1. Klasse bleibt die Betonung auf derselben Stammsilbe wie im Nominativ. In der 2. Klasse liegt sie meist auf dem Stamm, in der 3. und 4. meist auf der Endung; die genaue Verteilung auf Stamm und Endung hängt von der Klasse ab. Die 3. Klasse wird weiter in 3a und 3b sowie mit hochgestellten Ziffern untergliedert, wenn die betonte Stammsilbe weiter am Wortanfang liegt, etwa vanduõ – vándenį „Wasser“ und paplūdimỹs – pãplūdimį „Badestrand“. Kurzer Akzent steht bei einfachem i oder u, in Fremdwörtern auch bei einfachem e; andere Vokale und Diphthonge erhalten den Schleifton. Dativ und Akkusativ Singular werden immer auf dem Stamm betont. Viele Wörterbücher geben die Intonationsklasse in Klammern an.
Die ostbaltischen Sprachen entwickelten vier sekundäre Lokalkasus: Inessiv, Illativ, Adessiv und Allativ. Heute werden vor allem Inessiv und Illativ verwendet. Der Illativ bezeichnet eine Richtung, wird aber meist durch eine Präpositionalphrase ersetzt, etwa į mišką statt miškan „in den Wald“. Der Allativ ist nur noch in Adverbien wie galop „am Ende“ und vakarop „zum Abend hin“ erhalten; der alte Lokativ erscheint unter anderem in namie „zu Hause“. In einigen Dialekten, besonders auf litauischen Sprachinseln im nordwestlichen Belarus, sind alle vier Lokalkasus und teilweise auch der Dual erhalten.
Adjektive, Pronomen und Zahlen
Adjektive richten sich in Genus, Numerus und Kasus nach ihrem Bezugswort. Typische Endungen sind -as/-a, -ias/-ia, -us/-i und -is/-ė. Der Komparativ wird mit -esnis (männlich) beziehungsweise -esnė (weiblich), der Superlativ mit -iausias, -iausia gebildet. Adjektive werden grundsätzlich nach der zugehörigen Beugungsklasse dekliniert. Neutrumformen entstehen bei bestimmten Klassen durch Wegfall des auslautenden s der männlichen Form, etwa gẽra „gut (sächlich)“ und gražù „schön“; sie stehen besonders in unpersönlichen Sätzen.
Die Langformen der Adjektive markieren Bestimmtheit und übernehmen damit die Funktion von Artikeln. Sie entstehen aus der Kurzform und dem Personalpronomen jis/ji, etwa geras – gerasis „gut“ und maža – mažoji „klein“. Beide Bestandteile werden dekliniert: mažojo princo bedeutet „des kleinen Prinzen“. Mažasis princas bezeichnet „der kleine Prinz“, während mažas princas eher „ein kleiner Prinz“ bedeutet. Das Adjektiv didelis „groß“ ist unregelmäßig; weitere Formen werden von didis abgeleitet, etwa Didỹsis „der Große“, didžáusias „der größte“ und didỹn „größer werdend“.
Pronomina werden meist wie Adjektive flektiert. Wichtige Personalpronomen sind aš, tu, jis/ji, mes, jūs, jie/jos. Die Höflichkeitsform „Sie“ wird durch das großgeschriebene Jūs ausgedrückt. Das Reflexivpronomen sau wird wie tu gebeugt: savęs, sau, save, savimi, savyje. Mano, tavo, savo, mūsų und jūsų „mein, dein, sein eigenes, unser, euer“ sind unveränderlich; für die dritte Person werden Genitivformen der Personalpronomen verwendet, etwa jo „sein“ und jos „ihr“.
Das Interrogativpronomen kas? bedeutet „wer?/was?“. Sein Genitiv ko? wird verwendet, wenn der Genitiv syntaktisch verlangt wird; nach einem Besitzer fragt man mit kienõ? „wessen?“. Weitere Fragewörter sind kuris? „welcher?“, koks? „was für ein?“ und katras? „welcher von beiden?“. Das Relativpronomen kuris stimmt in Genus und Zahl mit dem Bezugswort überein, sein Kasus richtet sich nach seiner Funktion im Relativsatz. Das Reziprokpronomen „einander“ lautet vienas kitą; nur kitas wird dekliniert. Das Determinativpronomen pàts/pati „selbst“ hat Sonderformen wie patiẽs und pãtys; tas pats bedeutet „derselbe“.
Kardinalzahlen werden teilweise wie Adjektive, teilweise wie Substantive flektiert. dešimt „zehn“, dvidešimt „zwanzig“ und weitere Zehner werden nicht dekliniert. Nach vienas steht das Substantiv im Singular, nach du bis devyni im Plural, nach allen anderen Zahlwörtern im Genitiv Plural: dvi katės „zwei Katzen“, vienuolika kačių „elf Katzen“, šimtui kačių „für hundert Katzen“. Bei zusammengesetzten Zahlen bestimmt nur der letzte Bestandteil die Flexion, etwa dvidešimt viena katė „einundzwanzig Katzen“. Vor Pluraliatantum verwendet man Kollektivzahlen wie vieneri, dveji und treji. Ordinalzahlen werden wie Adjektive gebildet; die ersten drei lauten pirmas, antras und trečias. Bruchzahlen entstehen traditionell mit dalis, etwa trečiadalis „ein Drittel“, oder wissenschaftlich mit der weiblichen Langform der Ordnungszahl, etwa viena antroji „ein Halb“ und septyni dešimtosios „sieben Zehntel“.
Verben, Zeiten und Modi
Verben besitzen drei wichtige Stämme: Infinitiv-, Präsens- und Präteritumsstamm. Wörterbücher geben meist den Infinitiv sowie die 3. Person Präsens und Präteritum an, etwa rinkti (renka, rinko) „sammeln“. Die Präsensklassen erkennt man an der 3.-Person-Endung: -a oder -ia, -i und -o. In der einmaligen Vergangenheit stehen -o und -ė. Der Infinitiv endet immer auf -ti, ein reflexiver Infinitiv auf -tis.
Die Präsensendungen lauten beispielsweise in der 1. Klasse: -u, -ame, -i, -ate, -a; in der 2. Klasse: -iu, -ime, -i, -ite, -i; in der 3. Klasse: -iu, -ome, -ai, -ote, -o. In der einmaligen Vergangenheit stehen unter anderem -au, -ome, -ai, -ote und -o beziehungsweise in der 2. Klasse -iau, -ėme, -ei, -ėtė und -ė. Die mehrmalige Vergangenheit wird aus dem Infinitivstamm mit -davau, -davome, -davai, -davote und -davo gebildet; die Betonung bleibt wie im Infinitiv.
Das Futur entsteht durch Ersetzen von -ti durch -siu, -sime, -si, -site und -s. Bei reflexiven Verben lauten die Endungen entsprechend -siuosi, -simės, -siesi, -sitės und -sis. Treffen s-Laute zusammen, werden sie vereinfacht: rasti – rasiu – ras „finden“, nešti – nešiu – neš „tragen“. Die Betonung richtet sich nach dem Infinitiv; die 3. Person erhält gewöhnlich einen Schleifton, etwa važiúoti – važiuõs „fahren“. Der Imperativ wird mit -k gebildet: láuk „warte“, láukime „lasst uns warten“, láukite „wartet“. Für die 3. Person gibt es einen Optativ mit tegul oder lai, etwa Tegu(l) važiuoja! „Möge er fahren!“
Der Konjunktiv wird aus dem Infinitivstamm gebildet, etwa -čiau, -tume, -tum(ei), -tute und -tų. Der Irrealis der Vergangenheit verwendet būčiau/būtumėme „wäre“ zusammen mit dem aktiven Partizip Präteritum: Mielai būčiau su tavimi susitikusi „Ich hätte mich gern mit dir getroffen.“ Das einzige vollständig unregelmäßige Verb im Präsens ist būti „sein“: aš esu, tu esi, jis/ji yra, mes esame, jūs esate, jie/jos yra.
Der Modus relativus zeigt an, dass eine Information aus zweiter Hand stammt oder ihr Wahrheitsgehalt nicht garantiert wird. Er wird durch die Nominativformen der entsprechenden aktiven Partizipien ausgedrückt und richtet sich nach Geschlecht und Zahl, nicht nach der Person: Aš girdėjau, jis dabar gyvenąs mieste „Ich habe gehört, er soll jetzt in der Stadt wohnen.“ In Märchen und Legenden kann er als Erzähltempus dienen; in der gesprochenen Sprache ist er selten.
Vorsilben verändern oder präzisieren die Bedeutung von Verben, etwa ne- „nicht“, nebe- „nicht mehr“, į- „hinein“, iš- „hinaus“, pa- „kurzzeitig, vollendet, wieder“, per- „hinüber, durch“ und su- „zusammen“. Bei präfigierten reflexiven Verben wird -si- zwischen Vorsilbe und Stamm eingeschoben. Die Vorsilbe pér- ist immer betont; andere Vorsilben können besonders in Gegenwart und einmaliger Vergangenheit bei einsilbigem Stamm betont werden. Die Kenntnis der drei Grundstämme reicht zur Bildung der übrigen Formen weitgehend aus, doch einige Verben wie būti „sein“, eiti „gehen“, duoti „geben“ und imti „nehmen“ sind nicht regelgerecht ableitbar.
Partizipien, Passiv und Satzbau
Das Litauische kennt sieben Partizipien: vier aktive und drei passive. Dazu kommen ein Halbpartizip, vier Gerundien und ein Gerundivum. Das Präsenspartizip Aktiv wird aus der 3. Person Präsens mit -ąs/-anti beziehungsweise -įs/-inti gebildet, das Präteritum Aktiv mit -ęs/-(i)usi, das Futur Aktiv mit -iąs/-ianti. Passive Partizipien entstehen mit -mas/-ma im Präsens, -tas/-ta im Präteritum und -imas/-ima im Futur. Das Halbpartizip ersetzt -ti durch -damas/-dama; das Gerundivum entsteht mit -nas/-na, etwa dirbtinas „zu bearbeitend“. Gerundien werden aus den aktiven Partizipien durch Wegfall des -i der weiblichen Nominativform gebildet.
Passive Partizipien und Gerundivum werden wie Adjektive flektiert; weibliche aktive Partizipien folgen meist der 2. Adjektivklasse, männliche aktive Partizipien dem Muster der Adjektive auf -is. Die Gerundien sind unveränderlich. Von Partizipien können Neutrumformen gebildet werden. Das Halbpartizip steht nur im Nominativ, etwa dirbdamas „arbeitend“; reflexive Partizipien sind selten.
Partizipien können attributiv gebraucht werden: skaitantis vyras „der lesende Mann“, skaitoma knyga „das gelesene beziehungsweise gerade gelesene Buch“ und skaitytinas straipsnis „der zu lesende Artikel“. Präsens- und Präteritumpartizipien bilden mit būti zusammengesetzte Zeiten. Das Präsenspartizip bezeichnet Gleichzeitigkeit oder einen Verlauf, das Vergangenheitspartizip Vorzeitigkeit oder einen abgeschlossenen Vorgang. Halbpartizip und Gerundien können temporale Nebensätze ersetzen. Bei gleichem Subjekt steht das Halbpartizip, etwa Eidamas namo, sutikau draugą „Während ich nach Hause ging, traf ich einen Freund“; bei verschiedenem Subjekt steht das logische Subjekt des Gerundiums im Dativ: Saulei šviečiant, ėjau į parką „Als die Sonne schien, ging ich in den Park“.
Das Litauische besitzt kein synthetisches Passiv. Vorgangs- und Zustandspassiv werden mit zusammengesetzten Zeiten und passiven Partizipien gebildet, doch aktive Sätze sind meist üblicher: Šis laikraštis skaitomas „Diese Zeitung wird gelesen“ entspricht Šį laikraštį skaito verslininkai „Diese Zeitung lesen Unternehmer“. Das Zustandspassiv verwendet das passive Vergangenheitspartizip: Durys buvo uždarytos „Die Tür war verschlossen“. Unpersönliche passive Aussagen können Partizipien im Neutrum verwenden: Čia šokama „Hier wird getanzt“.
Die Wortstellung ist wegen der ausgeprägten Kasusflexion relativ frei: vaikas eina und eina vaikas bedeuten beide „das Kind geht“. Personalpronomen können entfallen. Adjektive stehen normalerweise vor dem Substantiv und stimmen mit ihm überein. Mengenangaben verlangen häufig den Genitiv: keleta vyrų „einige Männer“, stiklinė sulčių „ein Glas Saft“. Auch unbestimmte Mengen stehen im Genitiv, während bekannte Mengen den Akkusativ erhalten.
Verben regieren Genitiv, Dativ, Akkusativ oder Instrumental. Der Akkusativ bezeichnet meist das direkte Objekt; bei Verneinung wird er durch den Genitiv ersetzt: Matau bokštą, aber Nematau bokšto „Ich sehe den Turm nicht“. Verben des Fehlens oder Begehrens regieren ebenfalls den Genitiv, etwa laukti „warten“, norėti „wollen“ und trūkti „fehlen“. Der Dativ bezeichnet indirekte Objekte und steht auch bei unpersönlichen Verben wie Man reikia žmonos „Ich brauche eine Frau“. Der Instrumental bezeichnet häufig Mittel oder Ursache.
Die Verneinung erfolgt am Verb mit ne- „nicht“ oder nebe- „nicht mehr“. Auch bei mehreren negativen Wörtern bleibt das Verb verneint: Niekas niekada nieko nematė „Niemand hat je etwas gesehen“. Präpositionen regieren Genitiv, Akkusativ oder Instrumental: ant „auf“ und iš „aus“ den Genitiv, į „in, wohin?“ und per „über hinweg“ den Akkusativ, su „mit“ den Instrumental. Einzelne Präpositionen ändern mit dem Kasus ihre Bedeutung, etwa po „nach“, „durch“ oder „unter“. Im Allgemeinen wird nicht wie im Deutschen zwischen Richtung und Ort unterschieden; į bezeichnet jedoch immer die Richtung, während der Ort mit dem Lokativ ausgedrückt wird: į Vilnių „nach Vilnius“, Vilniuje „in Vilnius“.