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Grammatik-Übersetzungsmethode
Leseverstehen, Fähigkeit zum Übersetzen, erst danach Sprech- und Schreibkompetenz. Medien: Lehrer sind nicht in der Lage, längere englische Texte vorbildhaft …
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Grundidee und Ziel
Die Grammatik-Übersetzungsmethode ist eine Methode des Fremdsprachenunterrichts. Lernende untersuchen fremdsprachliche Texte grammatisch und übersetzen sie oder wenden zuvor gelernte Regeln an, um Sätze aus der Zielsprache beziehungsweise in die Zielsprache zu übertragen. Als Zielsprache bezeichnet man die Sprache, die gelernt werden soll.
Es gibt zwei grundlegende Vorgehensweisen: Bei der analytisch-induktiven Methode werden Texte grammatisch analysiert und übersetzt; aus dem untersuchten Sprachmaterial werden Regeln erschlossen. Bei der synthetisch-deduktiven Methode lernen die Schülerinnen und Schüler zunächst grammatische Regeln und wenden diese anschließend beim Übersetzen an.
Ziel ist eine umfassende Kenntnis des Wortschatzes und des Systems der grammatischen Regeln. Einige Varianten richten sich ausschließlich auf den schriftlichen Sprachgebrauch. Andere, etwa die Methode Gaspey-Otto-Sauer, berücksichtigen auch den mündlichen Gebrauch.
Historische Entwicklung
Bis in die Neuzeit war der Fremdsprachenunterricht hauptsächlich auf die schriftliche Verwendung der Zielsprache ausgerichtet. Im Mittelalter fand er vorwiegend in Klöstern statt und bestand häufig aus dem Übersetzen von Bibeltexten sowie dem Benennen grammatischer Regeln. Ein bedeutendes Lehrbuch war die im vierten Jahrhundert n. Chr. entstandene Ars grammatica von Aelius Donatus, besonders der Teil De partibus orationis ars minor. Das Werk stellte zentrale grammatische Erscheinungen zusammen und blieb bis in das 19. Jahrhundert in Gebrauch.
Die daraus hervorgegangene Methode wurde im 19. Jahrhundert erstmals als Grammatik-Übersetzungsmethode bezeichnet. Bis in das 20. Jahrhundert war sie sowohl für alte als auch für neue Sprachen die vorherrschende fremdsprachendidaktische Methode. Die neuen Sprachen waren erst im frühen 19. Jahrhundert in den allgemeinen Fächerkanon der höheren Schulen aufgenommen worden.
Der Unterricht orientierte sich zunächst am klassischen Bildungsideal und am Neuhumanismus. Kenntnisse über Sprachen und der kontrastive Vergleich, also die systematische Gegenüberstellung verschiedener Sprachen, galten als wichtiger als ihre praktische Anwendung. Die neusprachliche Reformbewegung, unter anderem mit Wilhelm Viëtor, leitete einen Paradigmenwechsel ein: In den neueren Sprachen rückte der Spracherwerb für die Kommunikation in den Mittelpunkt. Da der Unterricht in alten Sprachen nicht auf Sprechfähigkeit zielt, dominiert die kognitiv ausgerichtete Grammatik-Übersetzungsmethode laut Artikel bis heute im Latein-, Altgriechisch- und Hebräischunterricht.
Kennzeichen im Englischunterricht
Der Wortschatz wird mithilfe zweisprachiger Vokabelgleichungen gelernt, zum Beispiel „boy – Junge“. Er ist auf die jeweilige Lektüre abgestimmt: Alle Wörter, die für den behandelten Text benötigt werden, werden vorgegeben. Geübt wird unter anderem durch das Übersetzen isolierter Sätze wie „Der Junge ist nett.“ oder „Der Klassenraum sieht schön aus.“
Die Grammatikvermittlung erfolgt deduktiv: Zuerst wird eine Regel erklärt, danach wird sie angewendet. Maßgeblich sind grammatische Strukturen, die nach lateinischer Tradition beschrieben werden. Für jede Wortklasse werden die Formen beziehungsweise die Flexion in der Fremdsprache und im Deutschen behandelt. Flexion bedeutet die Veränderung von Wörtern nach grammatischen Merkmalen. Genannt werden Person, Genus, Numerus, Kasus, Tempus und Modus.
Als Lesestoff dienen kulturkundliche und historische Texte, Briefe und Gedichte des 18. Jahrhunderts sowie beispielsweise Sonette Shakespeares und Miltons Paradise Lost. Die sprachlichen Schwierigkeiten werden nicht abgestuft. Es gibt keine Bezugnahme auf bestimmte Grammatikabschnitte und keine Aufgaben zu den Texten. Stattdessen bilden die Texte die Grundlage für das Unterrichtsgespräch. Freies Sprechen bleibt dabei auf einen inhaltlich bereits vorgegebenen Rahmen beschränkt.
Unterrichtssprache ist Deutsch. Selbst die Lehrkraft stellt Fragen auf Deutsch, während die Lernenden in der Fremdsprache antworten. Typische Sozialform ist der Frontalunterricht, bei dem die Lehrkraft die Klasse gemeinsam anleitet. Vorrang haben Leseverstehen und Übersetzungsfähigkeit; Sprech- und Schreibkompetenz folgen erst danach. Der Artikel nennt zudem als damaliges Problem, dass Lehrkräfte längere englische Texte nicht vorbildhaft vortragen konnten, weil sie als klassische Philologen ausgebildet waren und Englisch weder am Gymnasium noch an der Universität gelernt hatten.
Typischer Unterrichtsablauf
Im Unterricht werden unterschiedliche Textgattungen eingesetzt: fiktionale Texte und Sachtexte, Prosa sowie später, wenn auch seltener, Lyrik. Die Lernenden analysieren diese Texte semantisch und syntaktisch. Eine semantische Analyse untersucht die Bedeutung, eine syntaktische Analyse den Satzbau. Anschließend übertragen sie die Texte in die eigene Sprache.
Daneben werden einzelne Sätze verwendet, um grammatische Aspekte deduktiv zu behandeln und einzuüben. Die Übersetzung in die Fremdsprache ist eine weitere Übungsform, wird jedoch seltener durchgeführt als die Übertragung aus der Fremdsprache.