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Kommunikation
Kommunikation (lateinisch communicatio ‚Mitteilung') ist der Austausch oder die Übertragung von Informationen, die auf verschiedene Arten (verbal, …
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Begriff und Bedeutung
Kommunikation ist der Austausch oder die Übertragung von Informationen. „Information“ umfasst dabei Wissen, Erkenntnis, Erfahrung oder Empathie. Austausch bedeutet gegenseitiges Geben und Nehmen; Übertragung beschreibt, dass Distanzen überwunden werden. Die Vorstellung, Gedanken oder Meinungen verließen ein Individuum und gelangten in ein anderes, ist jedoch eine alltagssprachliche Metapher, die bei genauerer Beschreibung zunehmend schwierig wird.
Kommunikation kann verbal, nonverbal oder paraverbal erfolgen. Verbal meint sprachliche Kommunikation, etwa durch Sprechen oder Schreiben. Nonverbal sind Zeichen ohne Wörter; paraverbal betrifft Merkmale des Sprechens. Kommunikation kann auch computervermittelt stattfinden.
Der Begriff wird nicht nur auf Menschen und andere Lebewesen angewandt. Durch Kommunikationstechnologie werden auch Datenübertragung, wechselseitige Steuerung oder die Verbindung von Geräten als Kommunikation bezeichnet. In Journalismus, Publizistik und Marketing können Institutionen, Unternehmen und deren Zielgruppen als Kommunikatoren, also Produzenten und Rezipienten, gelten.
Im Alltag wirkt Kommunikation meist selbstverständlich. Sie wird besonders dann zum Thema, wenn Missverständnisse oder Misserfolge auftreten. Wissenschaftliche Beschreibungen fragen unter anderem, wie Kommunikation erklärt werden kann, unter welchen Bedingungen sie abläuft, woran Erfolg erkennbar ist und welche Modelle Vorhersagen oder Handlungsanweisungen ermöglichen.
Grundannahmen und Zugänge
Kommunikation wird je nach Grundannahme unterschiedlich beschrieben. Kommunizierende können als Menschen, Lebewesen, Maschinen, sich verhaltende Körper oder Handelnde gelten. Außerdem kann Kommunikation als grundsätzlich sozialer Vorgang oder als Summe einzelner Ereignisse und Individualhandlungen verstanden werden. Modelle heben häufig entweder die Produktion beziehungsweise Ausdrucksseite – Sprechen und Schreiben – oder die Rezeption beziehungsweise Eindrucksseite – Hören und Lesen – hervor.
Der handlungstheoretische Zugang betrachtet Kommunizierende als Handelnde mit Gedanken, Bewusstsein, Planung und Zielen. Kommunikation ist hier soziales Handeln: Sprechen bezieht sich auf Hören und umgekehrt. Sie entsteht nicht aus isolierten Einzelhandlungen. Ihr Kommunikationsziel ist Verständigung; Kommunikationszwecke sind die in einer Situation zu erreichenden, meist nur gemeinsam erreichbaren Gegebenheiten. Kommunikation kann außerdem kreativ sein, weil dabei neue Gedanken, Ideen und Problemlösungen entstehen. Nach dem auf H. Paul Grice zurückgehenden Ansatz ist Kommunikation daran gebunden, dass jemand nicht nur etwas zeigt, sondern auch offen zeigt, dass er etwas zeigen will. Nicht jede Zeichenhandlung ist daher Kommunikation.
Der problemtheoretische Zugang beschreibt Kommunizierende als Problemlösende. Ein Problem ist ein Bereich beobachtbarer Differenzen, die festgestellt und überwunden werden können. Kommunikativ bedeutsam ist etwa die Entwicklung und Stabilisierung der eigenen Identität im Bezug auf Andere, beispielsweise durch Erzählen eigener und Hören fremder Erlebnisse. Auch „Klatsch“ und „Tratsch“ spielen dabei eine wesentliche Rolle.
Die signaltheoretische Sicht versteht Kommunikation als Übertragung von Signalen durch den Raum. Signale lösen Prozesse aus, etwa das Klingeln eines Telefons oder die Anzeige von Buchstaben auf einem Display. Geräte verändern durch ihre Verbindung wechselseitig ihre Zustände. Bewusstsein, Planung, Handlung und soziale Aspekte spielen dabei keine Rolle. Ein wichtiges Beispiel ist die mathematische Theorie der Kommunikation von Claude Shannon und Warren Weaver: Sie behandelt Wahrscheinlichkeiten von Signalen und Signalkombinationen, unter anderem zur Berechnung von Leitungskapazitäten. Aus diesem Zugang lassen sich keine Handlungsanweisungen für zwischenmenschliche Kommunikation ableiten.
Naturwissenschaftliche und biologische Zugänge klammern Gedanken, Bewusstsein, Planung und Zielsetzung aus. Kommunikation kann dort als Faktor der Evolution oder für medizinische und pharmazeutische Erklärungen der Krankheitsentstehung betrachtet werden. Verhaltenstheoretische Ansätze beobachten Lebewesen von außen anhand von Reiz, Reaktion und Wirkung. Sie verstehen Kommunikation als gegenseitiges Einwirken von Körpern. Dieser Ansatz war vom Ende des 19. Jahrhunderts bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts verbreitet, spielt heute in Kommunikations- und Medienwissenschaft aber keine Rolle mehr.
Psychologische, soziale und systemische Sichtweisen
Die Kommunikationspsychologie betrachtet vor allem „innere“ oder „seelische“ Vorgänge von Individuen und bezieht von dort soziale Prozesse ein. Ihre Modelle werden beispielsweise therapeutisch und in Fortbildungen verwendet. Paul Watzlawick, Don D. Jackson und Janet H. Beavin beschrieben 1967 die Rolle von Kommunikation in zwischenmenschlichen Beziehungen aus therapeutischer Sicht. Aus diesem Werk stammt die verbreitete Auffassung: „Man kann nicht nicht kommunizieren“. Friedemann Schulz von Thun entwickelte anschließend das Vier-Seiten-Modell, auch „Kommunikationsquadrat“, das Kommunikation als vierseitigen Prozess beschreibt.
In der soziologischen Sicht finden drei Selektionen statt: Die Informationsselektion schließt mit jeder übermittelten Information andere Informationen aus; auch der Kontext gehört dazu. Die Mitteilungsselektion bestimmt das Kommunikationsmedium und damit ebenfalls einen Kontext, etwa Brief statt E-Mail. Die Verstehensselektion berücksichtigt, ob der Empfänger die Information verarbeiten kann.
Die Systemtheorie von Niklas Luhmann entstand in den 1970er und 1980er Jahren. Kommunikation ist darin kein menschliches Handeln, sondern eine autopoietische Operation sozialer Systeme. „Autopoietisch“ bedeutet hier: Das System erhält und differenziert sich durch seine eigenen Operationen. Menschen als psychische Systeme gehören zur Umwelt der Kommunikation; nicht alle Absichten und alles Wissen ihres Bewusstseins fließen jederzeit in Kommunikation ein. Luhmann formuliert: „Der Mensch kann nicht kommunizieren; nur die Kommunikation kann kommunizieren.“ An Kommunikation kann nur weitere Kommunikation anschließen. Missverstehen kann laufende Kommunikation stören; Meta-Kommunikation kann solche Störungen bearbeiten, zum Beispiel durch Mediation, instruierende Information oder Weiterbildung.
Die interdisziplinäre Perspektive verbindet unter anderem Biologie, Neurobiologie, Kybernetik, Systemtheorie, Semiotik und Kinesik. Humberto Maturana und Ernst von Glasersfeld legten wichtige Grundlagen. Bei Maturana wird Sprache als koordinierte Verhaltenskoordination verstanden; betrachtet werden natürliche Sprache und sämtliche Zeichenprozesse. Die Perspektive untersucht die Funktionsweise sprachlichen Interaktionsverhaltens.
Für eine klare Beschreibung ist es wichtig, Zugangsweisen nicht zu vermischen. Wer Lebewesen zuerst als aufeinander einwirkende Körper beschreibt und anschließend sagt, Kommunikation führe zu Verständigung, wechselt unbemerkt die Grundannahme. Auch „Sender“ und „Empfänger“ können entweder Personen im Bild eines Briefwechsels oder technische Geräte bei Signalübertragung meinen.
Kommunikationsprobleme und Verständigung
Kommunikationsprobleme betreffen einerseits das kommunikative Handeln selbst und andererseits dessen Folgen. Die Unterscheidung dient der Analyse: Kommunikation muss nicht einfach selbstverständlich funktionieren, sondern ist häufig problematisch. Kulturelle Differenzen können Probleme verursachen, weil Wirklichkeit und andere Menschen unterschiedlich gedeutet werden. So kann Kopfschütteln in verschiedenen Kulturen Zustimmung bedeuten. Auch bei Geschäftsessen kann unterschiedlich beurteilt werden, was höflich, unhöflich, angemessen oder unangemessen ist. Interkulturelle Unterschiede können mit Sozialisierung, Bildungsstand oder individueller Welttheorie zusammenhängen und bestehen auch innerhalb einer Sprachgemeinschaft. In der Arbeitswelt und bei Globalisierung können Verständigungsschwierigkeiten wirtschaftlich schwerwiegende Folgen haben; ihr genauer wirtschaftlicher Schaden lässt sich aber schwer angeben.
Es gibt zwei Ebenen. Das Kommunikationsziel ist Verständigung: Es muss klar werden, worum es im Prozess geht. Verständigung bedeutet, für ein Thema eine in der Situation ausreichende Kompatibilität von Erfahrungen herzustellen. „Kompatibilität“ heißt hier Verträglichkeit oder zueinander Passen. Erst dann können Kommunikationszwecke erreicht werden, also übergeordnete Probleme gelöst werden. Dazu zählen gemeinsames Arbeiten, die Organisation einer Veranstaltung, das Verändern von Überzeugungen, die Stabilisierung der eigenen Persönlichkeit, Handlungsbeeinflussung und Machtausübung. Auch auf einer Party können kommunikative Problemlösungen stattfinden, etwa nicht allein zu sein, Partner zu finden oder Freude zu haben.
Hindernisse der Verständigung erschweren die Verwendung und Deutung von Zeichen. Dazu zählen Sprachbarrieren sowie Intentionalität, Wahrnehmung, Aufmerksamkeit, Konzentrationsfähigkeit, die Ausrichtung auf den Anderen, Zuhören und die individuelle Welttheorie. Viele Gespräche sind Kontrolldialoge: Sie prüfen Verständnis und beheben erkannte Missverständnisse. Militärische Kommunikation zeigt besonders deutlich, wie Kommunikation eingeschränkt werden kann, um folgenschwere Missverständnisse zu vermeiden. Auch Unterricht, Seminare und Fortbildungen zeigen, dass Verständigung über komplexe Themen zunächst fehlen kann, etwa weil Begriffe noch nicht gemeinsam geklärt sind. Eine Vorbeugung ist die Paraphrasierung: Das Gemeinte wird mit verschiedenen Formulierungen gesagt und dadurch genauer eingegrenzt.
Wenn ein übergeordneter Zweck wie Überreden, Überzeugen oder Teamarbeit misslingt, ist zu prüfen, ob Missverständigung oder andere Faktoren die Ursache sind. Ein Problem kann auch darin bestehen, dass über ein Thema oder in einer Situation gar nicht kommuniziert wird.
Eine Lüge ist absichtliche Täuschung. Ihr Zweck ist, dass der andere etwas glaubt, von dem der Lügende weiß, dass es nicht stimmt. Dafür muss der Partner zunächst verstehen, was er glauben soll. Eine Lüge setzt daher in dieser Sicht erfolgreiches Handeln auf der Ebene der Verständigung voraus; Verständigung wird dabei unabhängig von Wahrheit betrachtet. Lügen können übergeordnete Probleme schaffen oder verstärken, aber auch vermeiden oder lösen.
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