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Schreibkompetenz
Unter Schreibkompetenz (englisch writing literacy) versteht man die Fähigkeit, lesbare Texte zu verfassen. Diese komplexe Fähigkeit setzt sich aus …
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Begriff und Bedeutung
Schreibkompetenz ist die Fähigkeit, lesbare Texte zu verfassen. Sie ist eine komplexe Fähigkeit, die aus verschiedenen Teilkompetenzen besteht. Diese müssen in vielen Lernschritten erworben, eingeübt und im Schreibprozess miteinander koordiniert werden.
Schriftliche Kommunikation unterscheidet sich wesentlich von mündlicher Kommunikation: Schreiben überwindet Raum und Zeit, und die Leser sind normalerweise nicht anwesend. Schreibende müssen deshalb ihren eigenen Standpunkt relativieren und mögliche Bedürfnisse, Verständnisprobleme und Einwände der Leser berücksichtigen. Die Fähigkeit, sich in einen abwesenden Leser hineinzuversetzen, hängt nicht allein vom Alter, sondern auch von der Übung ab.
Schreiben bedeutet daher deutlich mehr als die Laut-Buchstaben-Zuordnung und die Einhaltung orthografischer Normen. Es erfordert unter anderem Planung, sprachliche Gestaltung, Überarbeitung, Prüfung und die Orientierung an Kommunikationsziel, Textsorte, Medium und Leserschaft.
Teilkompetenzen und Modelle
Nach einer von Chitez und Kruse vorgeschlagenen Modellierung umfasst Schreibkompetenz mehrere miteinander verbundene Komponenten:
- Wissen: Wissen wird durch Schreiben dargestellt und zugleich durch das Schreiben erworben.
- Schreibprozess: Schreiben ist ein Prozess aus Planung, Lesen, Strukturieren, Formulieren, Überarbeiten und Prüfen.
- Kommunikation: Schreiben dient der Vermittlung von Wissen. Schreibende beziehen sich auf ein Kollektiv und fügen diesem etwas hinzu.
- Genre: Dazu gehört Wissen über verschiedene Textsorten.
- Medien: Schreibende müssen mit Neuen Medien und den daraus entstehenden Anforderungen umgehen können.
- Sprache: Erforderlich sind Kenntnisse der Schriftsprache und der Wissenschaftssprache.
Diese Teilfähigkeiten erklären Schreibkompetenz nicht additiv. Schreibkompetenz besteht vielmehr darin, sie in einem zielgerichteten, integralen Schreibprozess miteinander zu verbinden.
Becker-Mrotzek und Schindler schlugen 2008 eine weitere Modellierung vor. Danach gehören sechs voneinander abhängige Bereiche dazu: Medien beziehungsweise Werkzeug, Orthografie, Lexik, Syntax, Textmuster und Leserorientierung.
Entwicklung der Schreibfähigkeiten
Bereiter entwickelte 1980 ein Modell mit fünf kognitiven Fähigkeitskomplexen, die eine entwickelte Schreibkompetenz kennzeichnen:
- Assoziatives Schreiben: Der Schwerpunkt liegt auf der Ideenproduktion und dem Hervorbringen von Sprache. Es gibt keine oder nur wenig vorgreifende Planung.
- Performatives Schreiben: Der Schreibende versucht, einen Text zu erzeugen, der grammatischen und orthografischen Normen entspricht.
- Kommunikatives Schreiben: Der Text wird am potenziellen Adressaten ausgerichtet.
- Reflektiertes Schreiben: Der Schreibende betrachtet den eigenen Text als kritischer Leser und bewertet ihn im Hinblick auf eigene Ansprüche und Ziele.
- Epistemisches Schreiben: Beim Schreiben werden gedankliche Konzepte gebildet und neue Zusammenhänge hergestellt. Schreiben wird dadurch zu einem Bestandteil des Denkens.
Im Verlauf der individuellen Entwicklung steigt allmählich die Zahl der Fähigkeiten, die gleichzeitig im Schreibprozess koordiniert werden können. Da die menschliche kognitive Kapazität begrenzt ist, können nicht alle Fähigkeitskomplexe gleichzeitig entwickelt und integriert werden. Neue Fähigkeiten lassen sich erst dann einbinden, wenn frühere Fertigkeiten weitgehend automatisiert beherrscht werden.
Primäre und sekundäre Schreibkompetenz
Nach Dieter (2006) wird zwischen primären und sekundären Schreibkompetenzen unterschieden.
Primäre Schreibkompetenzen sind allgemeine Schreibfähigkeiten, die unabhängig von bestimmten Medien und Zielen gelten. Dazu gehören Leserlichkeit, Orthografie, Grammatik, Textgliederung und Textverständlichkeit.
Sekundäre Schreibkompetenzen bezeichnen die Fähigkeit, Texte zu verfassen, deren Inhalt und Form den Anforderungen bestimmter Medien und Zielgruppen entsprechen. Beispiele sind Texte für Zeitungen, wissenschaftliche Zeitschriften oder Websites sowie Texte für Kinder, Erwachsene, Senioren oder Fremdsprachler. Auch unterschiedliche Zwecke wie Roman, Bildung, Information, Meinungsmache, Werbung und Dokumentation stellen jeweils besondere Anforderungen.
Für sekundäre Schreibkompetenz müssen die primären Fähigkeiten mit Medienkompetenz, also Kenntnissen über das jeweilige Medium und seinen Gebrauch, verbunden werden. Hinzu kommen die Anforderungen der Zielgruppe und der konkreten Aufgabe.
Einflussfaktoren der Entwicklung
Die Entwicklung der Schreibkompetenz wird von verschiedenen Faktoren beeinflusst und hängt von der jeweiligen Aufgabe ab. Entscheidend sind unter anderem die Art der Aufgabe, der soziokulturelle Kontext und die Fachdisziplin.
Als besonders empfindlicher und spezifischer Hinweis auf Schwierigkeiten beim Schreiben im Alter von 10 Jahren gilt die Fähigkeit, ganze Sätze zu bilden. Diese Fähigkeit wird durch drei weitere Fähigkeiten vorhergesagt: durch die Fähigkeit, gesprochene Sätze zu bilden, durch eine flüssige Handschrift und durch die Gedächtnisspanne beim Hören.