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Gotteslob
Gotteslob ist der Titel eines gemeinsamen Gebet- und Gesangbuchs der römisch-katholischen Bistümer in Deutschland, Österreich, Südtirol sowie in der …
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Grundidee und Bedeutung
Gotteslob ist der Titel eines gemeinsamen Gebet- und Gesangbuchs der römisch-katholischen Bistümer in Deutschland, Österreich, Südtirol und in der Deutschsprachigen Gemeinschaft Belgiens. Es wird von den Bischöfen Deutschlands, Österreichs und vom Bischof von Bozen-Brixen herausgegeben. Eingeführt wurde es zwischen dem 1. Dezember 2013, dem 1. Adventssonntag, und Juli 2014. Es ersetzte das 1975 erschienene Gebet- und Gesangbuch, das ebenfalls Gotteslob hieß.
Das Buch dient sowohl der Feier von Gottesdiensten als auch dem persönlichen und familiären Gebet. Es verbindet Gebete, Psalmen, Lieder, Litaneien, Texte zu Sakramenten und andere gottesdienstliche Formen. Die Erstauflage betrug 3,6 Millionen Exemplare; insgesamt wird eine Auflage von rund 4 Millionen Exemplaren genannt. Siebzehn Verlage waren entsprechend den Bistümern beteiligt. Für die Druckerei C. H. Beck in Nördlingen war es der größte Druckauftrag ihrer Unternehmensgeschichte.
Eingeführt wurde das Gotteslob auch im Erzbistum Luxemburg und im belgischen Bistum Lüttich für deutschsprachige Gemeinden. In Liechtenstein und in der Schweiz wurde es nicht offiziell eingeführt. Für die deutschsprachige Schweiz gibt es seit 1998 das Katholische Gesangbuch der deutschsprachigen Schweiz. In Liechtenstein ist das Gotteslob mit österreichischem Regionalteil aber in mehreren Gemeinden in Gebrauch.
Entstehung und Einführung
Überlegungen zu einem einheitlichen allgemeinen Kirchengesangbuch gab es bereits im 19. Jahrhundert. Ein solches Buch sollte die Gesangbücher der einzelnen Diözesen ersetzen. Nach dem Zweiten Weltkrieg wäre wegen nötiger Neuauflagen in vielen Diözesen eine Gelegenheit dazu gewesen, sie wurde aber nicht umgesetzt. Ein wichtiger Auslöser für das gemeinsame deutschsprachige Gebet- und Gesangbuch von 1975 war das Zweite Vatikanische Konzil mit seiner Liturgiereform.
Die Neubearbeitung wurde 2002 beschlossen. Gründe waren Veränderungen im kirchlichen Leben, in Umwelt, Gesellschaft und Sprachkultur sowie der Wunsch nach einer pastoralen und inhaltlichen Aktualisierung. Bereits Anfang der 1990er-Jahre war der Stammteil des alten Gotteslobs geringfügig überarbeitet worden, besonders mit Blick auf sprachliche Gleichberechtigung von Frauen und Männern. Außerdem fehlten im Stammteil viele neue geistliche Lieder, während beliebte Lieder aus dem 19. Jahrhundert aus älteren Diözesangesangbüchern nicht übernommen worden waren. Auch die Ordinariumsgesänge, also Gesänge zu festen Teilen der Messe wie Kyrie, Gloria, Credo, Sanctus und Agnus Dei, galten vielfach als schwer singbar. Deshalb sollten besser singbare Vertonungen mit dem wörtlichen Liturgietext aufgenommen werden. Auch Gebete, Andachten und liturgische Texte mussten an neuere liturgische Bücher angepasst werden.
Für die Neuausgabe wurde eine Unterkommission der deutschen und österreichischen Bischofskonferenz eingerichtet. Die Geschäftsführung lag beim Deutschen Liturgischen Institut in Trier. Die Unterkommission konstituierte sich am 6. April 2002 unter Vorsitz von Bischof Friedhelm Hofmann. Zehn Arbeitsgruppen arbeiteten in den Bereichen Gesänge, Text und Liturgie. Getestet wurde eine Probepublikation vom ersten Advent 2007 bis Pfingsten 2008 in 188 Gemeinden. Die Texte wurden im Herbst 2011 der Kongregation für den Gottesdienst und die Sakramentenordnung zur Rekognoszierung vorgelegt; die Deutsche Bischofskonferenz approbierte sie bei ihrer Frühjahrs-Vollversammlung 2012. Der Andruck begann am 31. Januar 2013.
Die Einführung begann am 1. Dezember 2013 mit einem ZDF-Fernsehgottesdienst aus dem Freiburger Münster. Wegen Problemen mit zu dünnem Papier mussten 2,14 Millionen Exemplare neu gedruckt werden. Dadurch verzögerte sich die Auslieferung in vielen Bistümern bis weit in das Jahr 2014. Bis Juli 2014 war das Gotteslob in allen Bistümern erhältlich und meist in den Pfarrgemeinden eingeführt; einzelne offizielle Feiern fanden später statt, etwa in Trier und Bamberg am 27./28. September 2014 und in Mainz am 1. November 2014.
Aufbau des Stammteils
Das Gotteslob besteht aus zwei Teilen: einem Stammteil, der für alle Diözesen gleich ist, und einem Diözesan- oder Regionalteil mit Sondergut. Der Stammteil umfasst die Nummern 1 bis 684 und ist in drei Hauptteile gegliedert.
Der erste Hauptteil heißt Geistliche Impulse für das tägliche Leben. Er macht deutlich, dass das Gotteslob nicht nur für die Liturgie, also die offiziellen Gottesdienste der Kirche, gedacht ist, sondern auch als Hausbuch für den privaten Glauben. Er enthält Anregungen zum Umgang mit der Heiligen Schrift, Grundgebete und Gebete aus verschiedenen Epochen. Außerdem gibt es Hilfen für Feiern in der Familie, zum Beispiel zur Segnung des Adventskranzes, zur Feier am Heiligen Abend und zum Hausgebet für Verstorbene.
Der zweite Hauptteil enthält Psalmen, Gesänge und Litaneien. Psalmen sind biblische Gebete und Lieder. Von den 150 Psalmen wurden 68 aufgenommen, durchgehend zum Singen eingerichtet und mit einer Antiphon versehen; eine Antiphon ist ein Kehrvers oder Antwortgesang. Der Abschnitt Gesänge umfasst Lieder und Kanons für Tageszeiten, Tischgebete, lateinische und deutsche Messordinarien und zahlreiche Messgesänge. Weitere Lieder sind nach Kirchenjahr und Lebenssituationen geordnet, etwa Advent, Weihnachten, Ostern, Lob und Dank, Vertrauen und Trost, Bitte und Klage, Schöpfung, Gerechtigkeit und Frieden, Sakramente, Tod und Vollendung sowie Maria und Heilige. Außerdem enthält dieser Teil 14 Litaneien und litaneiartige Gesänge, darunter die Allerheiligenlitanei und die Litanei von der Gegenwart Gottes von Huub Oosterhuis. Seit der revidierten Einheitsübersetzung im Advent 2018 bestehen für einige Psalmen zwei unterschiedliche Textfassungen: die neue Fassung in den neuen liturgischen Büchern und die Fassung im Gotteslob, die auf der Einheitsübersetzung von 1980 beruht.
Der dritte Hauptteil behandelt gottesdienstliche Feiern. Er bietet Abläufe für Sakramente, mit Ausnahme des Weihesakraments, zu dem nur ein erklärender Text enthalten ist. Zur heiligen Messe wird der Ablauf der Gemeindemesse mit dem zweiten Hochgebet dargestellt. Beim Bußsakrament sind ein Beichtspiegel und eine Bußfeier enthalten. Außerdem gibt es Texte zur Krankensalbung, zum Krankensegen, zur Krankenkommunion und zur Wegzehrung. Weitere Abschnitte behandeln Sakramentalien, also Segnungen und kirchliche Zeichenhandlungen, die Tagzeitenliturgie mit Laudes, Vesper, Statio und Komplet, die Wort-Gottes-Feier sowie Andachten und eine Kreuzwegandacht.
Mehrere Register helfen bei der Benutzung. Dazu gehören ein Abkürzungsverzeichnis, ein Stichwortregister religiöser und liturgischer Begriffe, ein alphabetisches Verzeichnis der Gesänge, Verzeichnisse biblischer Gesänge und Texte sowie eine Liste der Rechte an den veröffentlichten Texten. Biografische Angaben zu Dichtern und Komponisten enthält das Buch nicht.
Regionale Ausgaben und besondere Fassungen
Nach dem gemeinsamen Stammteil beginnen ab Nummer 700 die diözesanen oder regionalen Eigenteile. Sie enthalten Sondergut an Liedern und Gebeten, das regionale Traditionen und Gewohnheiten berücksichtigt. Es gibt nicht für jede Diözese eine vollständig eigene Ausgabe, weil sich einige Diözesen zu gemeinsamen Ausgaben zusammengeschlossen haben. Insgesamt gibt es 24 unterschiedliche Eigenteile für 38 Diözesen.
Gemeinsame Regionalteile gibt es zum Beispiel für Norddeutschland mit Hamburg, Hildesheim und Osnabrück sowie für Ostdeutschland mit Berlin, Dresden-Meißen, Erfurt, Görlitz und Magdeburg. Auch die baden-württembergischen Bistümer Freiburg und Rottenburg-Stuttgart verwenden einen identischen Regionalteil, werden aber als eigenständige Ausgaben gezählt. Die neun österreichischen Diözesen haben ebenfalls einen gemeinsamen Regionalteil; darin wurden wegen der in Österreich lebenden Minderheiten auch ungarische, slowenische und kroatische Lieder aufgenommen. Die Diözese Eisenstadt veröffentlichte 2016 einen zusätzlichen Eigenteil. Im Bistum Bozen-Brixen enthält der Eigenteil auch italienische und ladinische Lieder. Der Lütticher Eigenteil entstand in Kooperation mit dem Bistum Aachen und unterscheidet sich von diesem durch Bistumsgeschichte, Eigenfeiern und einige Gebete.
Viele Eigenteile enthalten neben Liedern auch Informationen zur Geschichte des jeweiligen Bistums, zu Heiligen und Seligen, Wallfahrtsorten, Gebeten, Andachten, Kalendern der Namenstage oder Texten zu besonderen gottesdienstlichen Feiern. Einige bekannte Lieder stehen nicht im gemeinsamen Stammteil, sondern nur in Regional- oder Diözesanteilen, weil Melodie und teilweise auch Textfassung regional unterschiedlich sind.
Im Mai 2021 erschien zusätzlich eine Fassung in Leichter Sprache mit dem Titel Gemeinsam bunt – leichtes Gotteslob. LeiGoLo. Sie enthält über 200 Lieder mit Texten in Leichter Sprache. Entstanden ist sie in Zusammenarbeit von Stellen der Seelsorge für Menschen mit Behinderungen in den Bistümern Limburg und Münster sowie dem Referat Musik und Jugendkultur im Bistum Münster. Veröffentlicht wurde sie im Robert Haas Musikverlag in Kempten.
Sprache, Musik und Gestaltung
Das Gotteslob verbindet deutsche Texte mit lateinischen und einzelnen weiteren Sprachen. Mehrere Gesänge und Gebete sind sowohl deutsch als auch lateinisch aufgenommen, etwa Psalm 117 (116), das Magnifikat, Adeste fideles und Veni creator spiritus. Auch gregorianische Gesänge, also einstimmige liturgische Gesänge der westlichen Kirche, sind enthalten, darunter Reihen von Ordinariumsgesängen, marianische Antiphonen, Oster- und Pfingstsequenzen sowie Taizé-Gesänge. Die Texte des Messordinariums stehen zweispaltig auf Deutsch und Lateinisch, einschließlich des vollständig zweisprachig abgedruckten zweiten Hochgebets.
Mit Jesus Christ, you are my life wurde erstmals ein englischsprachiges Lied aufgenommen; seine Strophen stehen auch in italienischer und spanischer Version. Im Vergleich zum Vorgänger enthält das neue Gotteslob mehr mehrstimmige, meist vierstimmige Lieder. Außerdem sind Gesänge jüdischer, orthodoxer und anglikanischer Tradition vertreten. Bei einer Buchpräsentation betonte Rainer Kardinal Woelki auch den hohen Stellenwert protestantischen Liedguts.
Der Stammteil umfasst 960 Seiten, die diözesanen Eigenteile zwischen 240 und 340 Seiten. Das Buch misst 11,2 cm × 17,0 cm, die Großdruck-Ausgabe 13,2 cm × 19,8 cm. Seit 2016 gibt es für einige Bistümer zusätzlich eine Taschenausgabe mit 9 cm × 13,7 cm in unterschiedlichen Einbandvarianten. Gestaltung und Satz stammen von Matthias Bumiller und Finken & Bumiller, der Notensatz von Nikolaus Veeser. Das Buch enthält auch vierfarbige Darstellungen aus der bildenden Kunst. 19 Zeichnungen und das Titellogo als Symbol der göttlichen Dreifaltigkeit stammen von Monika Bartholomé. Einige Bistümer wählten statt dieses Logos ein Kreuz auf dem Umschlag.
Für die Nutzung des Gotteslobs gibt es zahlreiche Begleitpublikationen, besonders für Kirchenmusiker, Organisten, Kantoren und Chöre. Dazu gehören Orgelbücher, ein Klavierbuch, Kantorenbücher, Chorbücher, Bläserbücher, Liedvorschläge, Konkordanzen und Arbeitshilfen. Katholisch.de veröffentlichte zusammen mit dem Deutschen Chorverband Pueri Cantores Gotteslobvideos, und das Deutsche Liturgische Institut bietet ein Lied des Monats mit Liedauslegung an.