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Gottesliebe
Die Wörter Gottesliebe und Liebe Gottes können sowohl die Liebe des Menschen zu Gott als auch Gottes Liebe zum Menschen bezeichnen. Die von Gott ausgehende …
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Grundbedeutung
Die Begriffe „Gottesliebe“ und „Liebe Gottes“ können zweierlei bezeichnen: die Liebe des Menschen zu Gott oder die Liebe Gottes zum Menschen. Gottes Liebe wird als unendlich und absolut bedingungslos verstanden. Je nach religiöser Tradition wird sie als Beziehung, als schöpferische und erlösende Zuwendung oder als grundlegendes Prinzip des menschlichen und kosmischen Strebens beschrieben.
Gottesliebe im Tanach
Der Tanach beschreibt die innige Liebe Gottes, insbesondere die hebräische 'ahābā, zu seinem Volk Israel, etwa in Hosea 3, Hosea 11 und Deuteronomium 7,6ff. Gottes Verhältnis zu Israel wird im Bund durch mehrere Begriffe näher bestimmt: ḥsd bezeichnet loyale Verbundenheit, 'mn Treue, Glaubwürdigkeit und Verlässlichkeit, rḥm Zärtlichkeit und ḥmn Bevorzugung.
Die Beziehung zwischen JHWH und Israel wird mit verschiedenen Familien- und Partnerschaftsbildern veranschaulicht. Sie erscheint als Verhältnis von Vater und Sohn, als Verbindung von Bräutigam und Braut sowie als die Liebe einer Mutter, die ihren Sohn nicht vergessen kann. In den Psalmen wird außerdem das Bild des Hirten verwendet, besonders in Psalm 23.
Die jüdische Weisheitsliteratur versteht Liebe als eine Kraft, die den Tod überwindet und auf den gesamten Kosmos bezogen ist. Der Liebe Gottes entspricht die rückwendende Liebe Israels zu JHWH; „Israel“ und „JHWH Liebende“ können dabei zu Austauschbegriffen werden. Die jüdische Theologie des zweiten bis ersten vorchristlichen Jahrhunderts empfiehlt außerdem die Feindesliebe und versteht Liebe als Inbegriff der Frömmigkeit.
Neues Testament und christliche Theologie
Neutestamentliche Texte verwenden bevorzugt den Ausdruck agapē. Anders als im sonstigen altgriechischen Sprachgebrauch bezeichnet er zugleich Gottes schöpferische und erlösende Liebe zur Welt und zum Menschen, die erwidernde Liebe des Menschen zu Gott sowie die Liebe zum Mitmenschen als notwendiges Zeichen der Liebe zu Gott.
Paulus von Tarsus bezieht diese Liebe nicht nur auf Israel, sondern auch auf die „Feinde“ (Römer 5,8f). Er deutet sie besonders vom Kreuzestod Jesu her. Der „Hymnus auf die Liebe“ in 1 Korinther 13 wurde rezeptionsgeschichtlich zu einer „Keimzelle einer christlichen Ethik“. Nach diesem Text gilt die Liebe als höchste christliche Tugend.
Im Markus-Evangelium wird Jesus bei seiner Taufe, bei seiner Verklärung und zu Beginn des Passionsberichts als „geliebter Sohn“ bezeichnet. Diese drei Stellen liegen an entscheidenden Punkten seiner Wirksamkeit. Das Matthäus-Evangelium verbindet die im anbrechenden „Königreich Gottes“ geschenkte Liebe Gottes mit der Liebe des Jüngers zu Gott. Die johanneische Schule beschreibt die Liebe zwischen Vater und Sohn als Lebensquelle und identifiziert Gott mit „der Liebe“ (1. Johannes 4,8–16).
Thomas von Aquin unterscheidet zwischen amor und caritas. Amor gehört für ihn zur natürlichen Ausstattung des Menschen; caritas setzt zusätzlich göttliche Gnade voraus. Amor zählt zu den Leidenschaften (passiones) und bedeutet eine vernunftgeleitete Hinneigung (inclinatio) zu einem angestrebten Ziel. Dieses Verständnis steht im Rahmen einer umfassenden Teleologie, also der Ausrichtung des Strebens auf das Gute.
Gottesliebe in islamischer Theologie und Philosophie
In der klassischen islamischen Theologie und arabischen Philosophie gehören ḥubb und 'ishq zu den Bezeichnungen für die Liebe Gottes. Arabische Philosophen wie Farabi identifizieren Gott, ähnlich wie bereits griechische und christliche Denker, mit der absoluten Liebe.
Avicenna widmete der von Gott ausgehenden Liebe eine eigene kurze Abhandlung. Nach diesem Verständnis geht die Liebe von Gott aus, findet sich in jedem Objekt und strebt wieder zu Gott zurück. Damit wird Gottesliebe als eine Bewegung beschrieben, die ihren Ursprung in Gott hat, alle Dinge durchdringt und zu Gott zurückführt.