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Goldene Zwanziger

Der Ausdruck Goldene Zwanziger bzw. Goldene Zwanziger Jahre bezeichnet auf Deutschland bezogen etwa den Zeitabschnitt zwischen 1924 und 1929, …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Einordnung und fragile Stabilisierung
  2. 2. Politische und wirtschaftliche Entwicklung
  3. 3. Gesellschaft, Frauen, Mode und Freizeit
  4. 4. Kunst und Medien
  5. 5. Berlin und neue sexuelle Spielräume

Einordnung und fragile Stabilisierung

Die Goldenen Zwanziger bezeichnen in Deutschland ungefähr die Jahre 1924 bis 1929. Gemeint ist eine Phase relativer politischer und wirtschaftlicher Stabilisierung der Weimarer Republik sowie eine Blütezeit von Kunst, Kultur und Wissenschaft. Vergleichbare Bezeichnungen sind Roaring Twenties, anni ruggenti und années folles.

„Golden“ waren diese Jahre nur eingeschränkt: Reparationszahlungen konnten nicht allein aus der deutschen Wirtschaftsleistung finanziert werden. Deutschland war auf Auslandskredite angewiesen, auch um Zinsen und Tilgungen im Ausland zu zahlen. Die Kredite hatten meist kurze Laufzeiten. Als Geldmittel abgezogen wurden, mündete dies im Juli 1931 in die Deutsche Bankenkrise, steigende Arbeitslosigkeit und eine Schwächung des Kulturbetriebs unter dem Einfluss von Rechtsautoritarismus und Nationalsozialismus.

Politische und wirtschaftliche Entwicklung

Die Republik begann nach dem Ersten Weltkrieg unter schweren Belastungen: Versailler Vertrag, Reparationen und Gebietsverluste, Hunger, Arbeitslosigkeit sowie gesundheitlich beeinträchtigte Heimkehrer prägten die Lage. Häufige Regierungswechsel, Attentate auf Matthias Erzberger und Walther Rathenau, der Kapp-Putsch von 1920, der Hitler-Ludendorff-Putsch sowie die Niederschlagung von Massenstreiks bedrohten die Demokratie. Die seit 1914 steigende Inflation wurde 1923 zur Hyperinflation, die Ersparnisse entwertete.

Die Rentenmark stoppte die Inflation. Der Dawes-Plan regelte die deutschen Zahlungsverpflichtungen neu; das Ende der Ruhrbesetzung, die Verträge von Locarno 1925 und der Beitritt Deutschlands zum Völkerbund 1926 förderten die außenpolitische Konsolidierung. Die Wirtschaft erholte sich auch, weil deutsche Industrieanlagen im Krieg nicht zerstört, sondern durch Rüstungsaufträge teils erweitert und modernisiert worden waren. Hohe, von der Reichsbank unter Aufsicht der Westmächte festgelegte Zinssätze zogen besonders amerikanische Anleger an.

Trotzdem blieben hoher Außenkreditanteil, geringe Investitionsquote, Reparationslasten, hohe Arbeitslosigkeit und die Dauerkrise der Landwirtschaft Probleme. Sozialpolitik wurde verfassungsrechtlich verankert: Gewerkschaften, Betriebsräte und Tarifverträge wurden anerkannt, die Kriegsopferversorgung bestand fort, und die Sozialversicherung wurde einschließlich einer Arbeitslosenversicherung ausgebaut. Mehr als 80 Prozent von über zwei Millionen Wohnungsneubauten der Weimarer Jahre entstanden mit staatlicher Hilfe; Wohnqualität stieg, Mieten wurden stabilisiert oder teils gesenkt. Die Ausgaben für soziale Sicherung verzehnfachten sich gegenüber der Vorkriegszeit.

Die Weltwirtschaftskrise ab 1929, ausgelöst durch den Schwarzen Donnerstag an der Wall Street in New York, beendete die Phase. Massenarbeitslosigkeit, Verarmung, gesellschaftliche Spaltung und politische Radikalisierung überforderten das demokratische System und begünstigten den Aufstieg der Nationalsozialisten.

Gesellschaft, Frauen, Mode und Freizeit

Frauen erhielten 1919 das Wahlrecht und nahmen dadurch am politischen Geschehen teil. Ihre Erwerbstätigkeit nahm zu: Ungefähr jede dritte Frau arbeitete, besonders in serieller Produktion, Fließbandarbeit und im Dienstleistungssektor. Frauen verdienten in gleicher Position etwa die Hälfte der Männer; nach einer Heirat gaben sie die Berufstätigkeit meist auf. Unter Arbeiterinnen waren nur 20 Prozent verheiratet. Verkäuferinnen, Bürogehilfinnen und Stenotypistinnen standen für das Bild der modernen Frau, mit knielangen Kleidern und Bubikopf. Illustrierte vermittelten Bilder der „neuen Frau“ und des Flappers. 1926 wurden die Haftstrafen für Schwangerschaftsabbruch nach § 218 StGB verkürzt; statt Zuchthaus drohte Gefängnis.

Die Mode nutzte neue Stoffe wie synthetische Fasern. Frauen trugen unter anderem Seidenstrümpfe, Topfhüte, Perlenketten, Boas, Stirnbänder, Handtaschen und Zigarettenspitzen; der Bubikopf ersetzte ältere Frisuren. Männer trugen Knickerbocker, Schiebermützen, klassisch-dunkle Anzüge und leichteres Schuhwerk. Der Tagesanzug wurde nach Reichskanzler Gustav Stresemann benannt.

Nach der Aufhebung des Tanzverbots Ende 1918 wurde Tanzen zu einer beliebten Ablenkung. In Städten, besonders in Berlin, entstanden Tanzbars; auf dem Land traf man sich in Vereinslokalen. Neben Tango und Walzer verbreiteten sich Charleston, Shimmy und Black Bottom aus Amerika. Josephine Baker brachte den Charleston ab 1925 nach Europa. Große Revuen mit synchron tanzenden Girl-Truppen, etwa den 1924 nach Berlin gekommenen Tiller-Girls, waren ebenfalls populär.

Sport wurde Massenvergnügen. Flugtage, Ruderregatten, AVUS-Autorennen, Turnfeste und Sechstagerennen zogen große Publikumsmengen an. Das Berliner Sechstagerennen fand wegen des Andrangs teilweise zweimal jährlich statt und war zugleich ein gesellschaftliches Ereignis. Erfolgreiche Boxer wie Max Schmeling traten dort öffentlich auf.

Kunst und Medien

In der Kunst wurde die Neue Sachlichkeit vorherrschend. Sie betrachtete Stadtleben, Technik und Massenkultur nüchtern und kritisch. Wichtige Motive waren Großstadtleben, die Kluft zwischen Arm und Reich sowie die neue selbstbewusste Frau. Das Porträt gewann an Bedeutung. Otto Dix’ Großstadt-Triptychon zeigt unter anderem Prostituierte in teils freizügiger Pose; ein solches Motiv wäre im Kaiserreich noch undenkbar gewesen.

Der Film etablierte sich als Massenmedium. Die Zahl der deutschen Kinos stieg von 2.300 im Jahr 1918 auf 5.000 im Jahr 1930; täglich besuchten zwei Millionen Menschen Kinos. Zum Programm gehörten Hauptfilm, kurze Vorfilme, gelegentlich Natur- oder Reisefilme und stets die Wochenschau. Deutschland produzierte in den 1920er und 1930er Jahren mehr Filme als alle anderen europäischen Staaten zusammen. Beispiele sind Robert Wienes Das Kabinett des Dr. Caligari (1919/1920) und Fritz Langs Metropolis von 1927. Metropolis war ein millionenteures Spektakel, aber wirtschaftlich ein Misserfolg. Hollywood hatte deutsche Kinos bereits erobert und setzte 1927 mit dem ersten Tonfilm neue Maßstäbe. Stummfilme wurden meist live von Kino-Pianisten begleitet; die Musik untermalte das Geschehen und übertönte anfangs auch Projektorengeräusche.

Der Rundfunk wurde ebenfalls Massenmedium. Neben teuren hochwertigen Empfängern gab es Detektorempfänger zum Selbstbau; Telefunken verkaufte preiswerte Kopfhörer, die sich zu kleinen Lautsprechern auseinanderschrauben ließen. Beliebt waren Musiksendungen, Autorenlesungen und Hörspiele, während politische Sendungen weitgehend tabu blieben. Fotografie gewann in Illustrierten, Werbung, Postkarten, Kunst und Alltag an Bedeutung. Erich Salomon wurde durch unbemerkte Aufnahmen bei wichtigen politischen Ereignissen und Spitzentreffen bekannt.

Berlin und neue sexuelle Spielräume

Berlin wurde zur Modernitätsmetropole mit beleuchteten Kinopalästen, Theatern, Operettenhäusern, Revuepalästen, Bars, Nachtclubs und Ballhäusern. Anfang der 1930er Jahre galten bereits 33 Berliner Kinos mit mehr als 1.000 Plätzen als Großkinos. Am Alexanderplatz und Potsdamer Platz prägten große Leuchtreklamen das Bild der Weltstadt. Das Musik- und Theaterleben mit drei großen Opernhäusern zog Einheimische und Besucher an. Neue Tänze wie Charleston und die Musikrichtung Jazz blieben umstritten. Zugleich gab es ein weit verzweigtes Prostitutionsmilieu, unter anderem rund um Alexanderplatz, Wittenbergplatz, Chausseestraße und Friedrichstraße.

Für gleichgeschlechtlich liebende Menschen erweiterten sich mit der Weimarer Republik Handlungsspielräume. Der Bund für Menschenrecht und der Deutsche Freundschaftsverband waren Massenorganisationen, die besonders gegen § 175 kämpften. Verlage veröffentlichten Zeitschriften für homosexuelle Männer, Lesben und „Transvestiten“; Die Freundschaft erreichte bis zu 40.000 Exemplare, Die Freundin und Frauenliebe jeweils 10.000 oder mehr. Das Berliner Institut für Sexualwissenschaft spielte eine Vorreiterrolle im Sexualitätsdiskurs. Treffpunkte der homosexuellen und lesbischen Szene waren unter anderem Eldorado, Kleist-Kasino, Toppkeller und Dorian Gray.

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