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Glorious Revolution
Sie schufen mit der Durchsetzung der Bill of Rights die Grundlage für das heutige parlamentarische Regierungssystem im Vereinigten Königreich.
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Bedeutung und Ausgangslage
Die Glorious Revolution („Glorreiche Revolution“) von 1688/1689 entschied in England den seit Beginn des 17. Jahrhunderts bestehenden Machtkampf zwischen Gegnern des königlichen Absolutismus und dem Stuartkönigtum. Mit der Bill of Rights entstand eine wesentliche Grundlage des heutigen parlamentarischen Regierungssystems im Vereinigten Königreich: Staatssouveränität liegt seitdem nicht beim König allein, sondern beim König gemeinsam mit dem Parlament (King-in-parliament).
Der Umsturz setzte den katholischen König Jakob II. ab. Ihm folgten seine protestantische Tochter Maria II. und deren Ehemann, der calvinistische Wilhelm von Oranien, als gemeinsame Monarchen. Zeitgenossen nannten die Revolution „glorreich“, weil sie im Vergleich zum Englischen Bürgerkrieg als relativ unblutig galt und mit einem neuen Königtum verbunden war.
Religiöse Konflikte waren zentral. Die anglikanische Staatskirche besaß großen Rückhalt, während Antipapismus, also die Ablehnung des Katholizismus und des Papsttums, im 17. Jahrhundert ein prägender Faktor war. Gleichzeitig spielten politische und außenpolitische Interessen eine Rolle: Wilhelm wollte England für die Gegner des französischen Königs Ludwig XIV. gewinnen.
Vorgeschichte: Bürgerkrieg, Republik und Restauration
Die Church of England war durch Heinrich VIII. von Rom getrennt worden. Das Elizabethan Settlement von 1559 machte den König zum „Supreme Governor of the Church“. Die Einführung des Book of Common Prayer trug zur Entstehung der puritanischen Bewegung bei, die eine vom Königtum unabhängige Kirche forderte. Antikatholische Einstellungen wurden unter anderem durch die Exkommunikation Elisabeths 1570, die spanische Armada 1588, den Gunpowder Plot von 1605 und die Irische Rebellion von 1641 verstärkt.
Unter Karl I. verschärften eine Annäherung der Krone an katholische Mächte und die arminianische Kirchenpolitik den Konflikt. Das Lange Parlament gewann ab 1640 Einfluss auf Friedensverhandlungen, Armee und Finanzen, ging gegen den Berater Thomas Wentworth, Earl of Strafford, sowie Erzbischof Laud vor und begrenzte königliche Befugnisse. Nach der Eskalation um die Kontrolle der Armee begann der Englische Bürgerkrieg am 23. Oktober 1642. Die Parlamentsarmee gewann mit schottischer Unterstützung; Karl I. wurde am 30. Januar 1649 hingerichtet.
England wurde Republik. Oliver Cromwell setzte sich militärisch gegen Karl II. durch, unterwarf Irland gewaltsam und wurde 1653 Lordprotektor. Seine Religionsfreiheit förderte jedoch auch die Angst vor neuen Sekten. Nach seinem Tod am 3. September 1658 kehrte Karl II. am 25. Mai 1660 zurück. Karl II. gewährte zunächst teilweise Ausgleich, schloss aber Katholiken durch die Testakte von 1673 von zivilen und militärischen Ämtern aus. Die angebliche, tatsächlich erfundene „Papisten-Verschwörung“ von 1678 verstärkte die antikatholische Stimmung. Whigs versuchten in der Exklusionskrise erfolglos, den katholischen Jakob von der Thronfolge auszuschließen. Karl II. starb am 6. Februar 1685 und konvertierte erst auf dem Sterbebett zum Katholizismus.
Jakobs Politik und der Sturz des Königs
Jakob II. war überzeugter Katholik und befürwortete eine absolutistische Monarchie. Nach seinem Amtsantritt begünstigte er Katholiken und zugleich protestantische Dissenters, etwa Quäker. Nach dem Sieg über die Monmouth-Rebellion bei Sedgemoor am 5. Juli 1685 wurden Monmouth und zahlreiche Anhänger hingerichtet; diese Verfahren heißen Bloody Assizes.
Jakob setzte Katholiken trotz der Testakte in Kronrat, Armee und Verwaltung ein. 1686 schuf er den rechtlich umstrittenen Court of Ecclesiastical Commission zur Kontrolle der Kirche und zwang Oxford und Cambridge zur Aufnahme von Katholiken in den Lehrkörper. Weil das Parlament die Aufhebung der Testakte verweigerte, entließ er einflussreiche Tories und suchte ab Ende 1686 die Unterstützung von Whigs und Dissenters. Die Declaration of Indulgence vom 4. April 1687 gewährte Katholiken und bisher unterdrückten Sekten Freiheiten, etwa das Recht auf Versammlung.
Entscheidend wurde die Geburt eines Sohnes Jakobs und Maria Beatrix’ von Modena am 10. Juni 1688. Nun drohte eine dauerhafte katholische Dynastie. Die zweite Toleranzerklärung im Mai 1688 sollte in allen Gottesdiensten verlesen werden. Sieben Bischöfe verweigerten dies, wurden eingesperrt und wegen „aufrührerischer Verleumdung“ angeklagt, aber freigesprochen. Der Prozess machte sie zu Märtyrern und erschütterte bei Tories und Anglikanern die Non-Resistance-Idee, also die bisherige Ablehnung jeden Widerstands gegen den König.
Sieben einflussreiche Adlige, die Immortal Seven, luden Wilhelm von Oranien ein. Mit Geld und Truppen der niederländischen Generalstände bereitete er ein Eingreifen vor; der im September 1688 ausgebrochene Pfälzische Erbfolgekrieg ließ dies als Schutz gegen ein erneuertes anglo-französisches Bündnis erscheinen. Francisco Lopes Suasso finanzierte die Expedition mit 2 Millionen Gulden. Wilhelm landete im November 1688 bei Torbay. Viele Offiziere und Soldaten liefen zu ihm über. Jakob brachte Königin und Sohn nach Frankreich und floh Ende Dezember 1688 selbst, nachdem er das Große Staatssiegel in die Themse geworfen hatte.
Neue Monarchie und parlamentarische Regelungen
Im Januar 1689 erklärte das Convention Parliament den Thron für vakant und setzte Wilhelm III. und Maria II. ein. So wurde Jakobs Flucht als Bruch der Thronfolge behandelt und ein offener Streit über ein Widerstandsrecht vermieden. Die Declaration of Rights regelte im Frühjahr 1689 die Thronfolge: Nach Wilhelm und Maria sollte Annes, Marias jüngere Schwester, folgen. Das Parlament beanspruchte außerdem, gemeinsam mit den königlichen Gerichtshöfen Grenzen der königlichen Prärogative, also der Sonderrechte der Krone, festzulegen. Die Krone sollte Richter nicht willkürlich entlassen, Parlamentsbeschlüsse nicht allein außer Kraft setzen und nicht außerhalb des Gesetzes stehen.
Mit Zustimmung der Krone wurde die Declaration of Rights im Dezember 1689 in abgeschwächter Form zur Bill of Rights. Sie stärkte Rechtsstaatlichkeit, begründete die konstitutionelle Monarchie aber nach dem Artikel nicht allein; weitere Konzessionen wurden erst in den folgenden zwölf Jahren erkämpft. Die Toleranzakte Ende 1689 gewährte protestantischen Dissenters Religionsfreiheit, sofern sie Huldigungs- und Suprematseid leisteten. Katholiken, Juden und Antitrinitarier blieben ausgeschlossen. Für Katholiken galten danach mehr als ein Jahrhundert diskriminierende Regelungen.
Wilhelm und Maria wurden am 11. April 1689 in London in der einzigen Doppelkrönung der englischen Geschichte gekrönt. Das House of Commons nahm teil, und der veränderte Krönungseid band die Monarchen an Parlamentsgesetze und geltendes Recht. Die Krönung vollzog der Bischof von London, weil der Erzbischof von Canterbury weiterhin Jakob II. für den rechtmäßigen König hielt.
Jakobiten leisteten besonders in Schottland und Irland Widerstand. In Irland landete Jakob am 12. März 1689 mit einem französischen Heer. Wilhelm besiegte ihn am 12. Juli des Folgejahres in der Schlacht am Boyne und eroberte die Insel bis 1691 zurück. Jakob starb am 16. September 1701 im französischen Exil; jakobitische Erhebungen blieben bis 1746 eine Bedrohung.
Folgen bis in die Gegenwart
Wilhelm zog England in kontinentale Kriege hinein und machte es zu einer wichtigen Kraft gegen Frankreich. Die Kriegskosten stärkten zugleich das Parlament, weil es über Steuern und Einnahmen entschied. Der erneuerte Triennial Act von 1694 verlangte Parlamentswahlen beziehungsweise eine Einberufung im Drei-Jahres-Rhythmus und begrenzte die Dauer eines Parlaments auf drei Jahre. Der Act of Settlement regelte vor dem Spanischen Erbfolgekrieg eine protestantische Thronfolge, bestätigte die Unabhängigkeit der Gerichte und gab dem Parlament erstmals das Recht, die Erbfolge festzulegen; der Regency Act bestätigte dieses Recht 1707. Dass die Pressezensur 1695 nicht erneuert wurde, förderte eine breitere politische Öffentlichkeit.
Die Revolution wirkte weltweit auf die Entwicklung des Parlamentarismus. Sie verstärkte außerdem die parlamentarische Kontrolle über die Ausgaben der Krone. 1694 wurde die Bank von England gegründet, 1717 der Goldstandard eingeführt. Öffentliche Ämter wie das des Steuereintreibers wurden auf Gehaltsbasis statt durch Verkauf vergeben. In der Mitte des 18. Jahrhunderts handelte die Londoner Börse vor allem britische Staatsanleihen; besonders Niederländer investierten darin. Die Aufhebung des Wollmonopols 1736 und faire Eigentumsrechte werden als Grundlagen für die Industrielle Revolution genannt. Folgen der Revolution zeigen sich laut Artikel bis heute auch im nordirischen Konflikt zwischen Katholiken und Protestanten.