Wikipedia · einfach zusammengefasst · Stand
Britische Monarchie
Die britische Monarchie ist die parlamentarische Monarchie des Vereinigten Königreichs Großbritannien und Nordirland. Monarch ist seit dem 8.
Inhalt6 Abschnitte
Stellung und Funktion der Monarchie
Die britische Monarchie ist die parlamentarische Monarchie des Vereinigten Königreichs Großbritannien und Nordirland. Seit dem 8. September 2022 ist Charles III. Monarch. Das Amt gilt als Zeichen der nationalen Einheit; der Monarch ist Staatsoberhaupt, seine engere Familie übernimmt offizielle, zeremonielle und repräsentative Aufgaben. Treueide gelten dem Monarchen und seinen rechtmäßigen Nachkommen, die Nationalhymne lautet God Save the King beziehungsweise God Save the Queen. Das Bild des Monarchen erscheint auf Briefmarken, Münzen und Banknoten.
Rechtlich verfügt die Krone über Hoheitsrechte, die Royal Prerogative. In der Praxis werden sie jedoch nach Gesetzen, Gewohnheitsrecht und Präzedenzfällen nur auf Rat und mit Zustimmung des Premierministers oder anderer Minister ausgeübt, die dem Parlament verantwortlich sind. Der Monarch kann den Premierminister wöchentlich treffen und nach Walter Bagehot „das Recht angehört zu werden, das Recht zu ermutigen und das Recht zu warnen“ ausüben. Eigenständige politische Eingriffe wären umstritten und könnten eine Verfassungskrise auslösen.
Der Monarch ernennt den Premierminister: Nach ungeschriebenem Verfassungsrecht muss dies normalerweise die Person sein, die im House of Commons über Unterstützung verfügt, meist der Führer der Mehrheitspartei. Andere Minister werden auf Vorschlag des Premierministers ernannt. Theoretisch könnte der Monarch den Premierminister entlassen; tatsächlich endet dessen Amtszeit durch Wahlniederlage, Verlust der Parlamentsmehrheit, Rücktritt oder Tod. Die Amtszeit des Monarchen dauert grundsätzlich lebenslang.
Hoheitsrechte und Staatsakte
Zu den formellen Rechten der Krone gehören die Einberufung, Vertagung und Auflösung des Parlaments. Eine Session beginnt mit der Parlamentseröffnung; bei der State Opening of Parliament hält der Monarch im House of Lords die Thronrede mit den Zielen der Regierung. Vor einem Gesetz ist der Royal Assent, die formelle Zustimmung des Monarchen, nötig. Die Verweigerung dieser Zustimmung ist seit 1707 nicht mehr vorgekommen. Eine Legislaturperiode darf nach dem Parliament Act von 1911 höchstens fünf Jahre dauern.
Theoretisch kann die Krone unter anderem Pässe ausstellen, Krieg erklären, Frieden schließen, Truppen führen, Verträge aushandeln und ratifizieren sowie Botschafter akkreditieren. Verträge, die Gesetze des Vereinigten Königreichs verändern, benötigen einen Parlamentsbeschluss. Der Monarch ist Oberbefehlshaber von British Army, Royal Navy und Royal Air Force. Throninhaber und Thronfolger dürfen aufgrund des King’s Consent Gesetzesentwürfe einsehen und bei Entwürfen zu privaten Interessen der Königsfamilie vorab Einfluss nehmen.
Als „Quell der Gerechtigkeit“ werden Gerichtsverfahren im Namen der Krone geführt. Der Monarch kann nach dem Common Law nicht in eigener Person strafrechtlich angeklagt werden; der Crown Proceedings Act von 1947 ermöglicht aber Zivilklagen gegen den Monarchen in öffentlicher Funktion, also gegen die Regierung. Die Krone kann Begnadigungen erteilen oder Urteile mindern. Als „Quell der Ehre“ vergibt der Monarch Adelstitel, Ritterwürden und Orden. Persönliche Entscheidungen des Monarchen betreffen Mitglieder des Hosenbandordens, des Distelordens, des Royal Victorian Order und des Order of Merit.
Entwicklung zur parlamentarischen Monarchie
England und Schottland entwickelten sich um das Jahr 1000 aus mehreren frühmittelalterlichen Reichen. In England herrschten zunächst angelsächsische Könige; Æthelstan regierte als Erster über ein ungefähr dem heutigen England entsprechendes einheitliches Reich. Nach der normannischen Eroberung von 1066 setzte Wilhelm I. die Zentralisierung fort, und der Thron wurde erblich. Auf das Haus Normandie folgte nach dem Erbfolgekrieg „Die Anarchie“ 1154 das Haus Plantagenet.
Unter den Plantagenets begrenzten Konflikte zwischen Krone und Adel die monarchische Macht. König Johann Ohneland musste 1215 die Magna Carta unterzeichnen. Edward I. eroberte Wales; das Parlament wurde 1265 erstmals einberufen und entwickelte sich später zu zwei Kammern. Nach dem Hundertjährigen Krieg und den Rosenkriegen zwischen dem Haus Lancaster und dem Haus York endete 1485 mit der Schlacht von Bosworth die Plantagenet-Herrschaft. Heinrich VII. begründete das Haus Tudor. Unter Heinrich VIII. erreichte die Krone einen Höhepunkt ihrer Macht; England brach mit dem Papsttum, bildete die Church of England und vereinigte Wales 1535 bis 1542 formell mit England.
Nach dem Tod Elisabeths I. entstand 1603 unter dem schottischen König James VI., der in England James I. hieß, eine Personalunion von England, Schottland und Irland. Die Königreiche blieben getrennt. Der Konflikt zwischen Charles I. und dem Parlament führte 1642 zum Englischen Bürgerkrieg. 1649 wurde Charles I. hingerichtet, die Monarchie abgeschafft und das Commonwealth of England errichtet. Oliver Cromwell regierte ab 1653 als Lordprotektor. Nach Unruhen wurde 1660 mit Charles II. die Monarchie wiederhergestellt.
Die Glorious Revolution von 1688, in der James II. abgesetzt wurde, stärkte das Parlament entscheidend. Die Bill of Rights von 1689 bestätigte den Vorrang des Parlaments und verlangte protestantische Monarchen. Der Act of Settlement von 1701 regelte die protestantische Nachfolge. Mit dem Act of Union 1707 wurden England und Schottland zum Königreich Großbritannien vereinigt. 1714 folgte das Haus Hannover. Weil George I. und seine Nachfolger die Regierung weitgehend Ministern überließen, gewann insbesondere der als erster Premierminister geltende Robert Walpole an Einfluss.
Der Act of Union 1800 schuf das Vereinigte Königreich von Großbritannien und Irland. Im 19. Jahrhundert sank die politische Macht der Krone weiter: Seit William IV. 1834 Lord Melbourne nach einer Wahl wieder einsetzen musste, hat kein Monarch gegen den Willen des demokratisch gewählten Parlaments einen Premierminister ernannt oder entlassen. Unter Victoria wurde die konstitutionelle Monarchie vollendet. 1917 benannte George V. das Haus Sachsen-Coburg-Gotha wegen antideutscher Stimmung in Haus Windsor um. Seit dem Ende des Britischen Empire nach dem Zweiten Weltkrieg ist die Monarchie vor allem zeremoniell.
Commonwealth und Kirche
Der britische Monarch ist neben dem Monarchen des Vereinigten Königreichs Staatsoberhaupt von 14 weiteren Commonwealth Realms: Antigua und Barbuda, Australien, Bahamas, Belize, Grenada, Jamaika, Kanada, Neuseeland, Papua-Neuguinea, Salomonen, St. Lucia, St. Kitts und Nevis, St. Vincent und die Grenadinen sowie Tuvalu. Diese Staaten sind jeweils rechtlich eigenständige Königreiche und entscheiden selbst über ihre Staatsform. Dort nimmt der Monarch die Aufgaben nicht persönlich wahr, sondern wird durch Generalgouverneure vertreten, die nach dem Rat der jeweiligen Regierung handeln. Die Regierung des Vereinigten Königreichs hat deshalb keinen Einfluss auf deren Politik.
Auch wenn ein Commonwealth-Mitglied eine Republik ist, gilt der Monarch als rein zeremonielles Oberhaupt des Commonwealth (Head of the Commonwealth), ohne politische Macht. Dies gilt seit Indien 1950 Republik wurde, aber Mitglied blieb. Die Kronbesitzungen Isle of Man und Kanalinseln gehören rechtlich nicht zum Vereinigten Königreich, stehen aber direkt unter der Krone. Auf den Kanalinseln trägt der Monarch den Titel Duke of Normandy, auf der Isle of Man Lord of Mann; vertreten wird er jeweils durch einen Vizegouverneur.
Der Monarch ist Supreme Governor der Church of England, der Staatskirche Englands. Er ernennt Erzbischöfe und Bischöfe auf dem Weg über den Premierminister und die Vorschlagsliste des kirchlichen Nominationskomitees. Der Erzbischof von Canterbury ist spirituelles Oberhaupt der Church of England und der weiteren Anglikanischen Kirchen. In der Church of Scotland ist der Monarch ein gewöhnliches Mitglied, darf aber den Lord High Commissioner der Generalversammlung ernennen. In der Church in Wales und der Church of Ireland hat er keine formelle Rolle.
Thronfolge und Regentschaft
Die Thronfolge richtet sich insbesondere nach der Bill of Rights von 1689, dem Act of Settlement von 1701 und dem Act of Union 1707. Änderungen brauchen einen Parlamentsbeschluss sowie die Zustimmung aller Parlamente der Commonwealth Realms. Beim Tod eines Monarchen folgt der Erbe automatisch und unmittelbar; daher bedeutet „Der König ist tot, lang lebe der König!“, dass kein Zwischenraum ohne Monarch entsteht. Der Accession Council verkündet die Nachfolge im St James’s Palace öffentlich. Die Krönung in der Westminster Abbey, gewöhnlich durch den Erzbischof von Canterbury, ist nicht Voraussetzung für die Herrschaft und erfolgt meist erst Monate später.
Bis 2013 galt die männliche Primogenitur: Söhne gingen Töchtern vor, innerhalb eines Geschlechts die älteren den jüngeren Geschwistern. Seit 2013 sind Töchter gleichgestellt. Anspruch haben nur die natürlichen und legitimen Nachkommen von Sophie von der Pfalz (1630–1714). Katholiken bleiben von der Thronfolge ausgeschlossen, weil der Monarch Oberhaupt der anglikanischen Staatskirche sein muss. Die frühere Regel, dass auch die Heirat mit einem Katholiken ausschloss, wurde 2011 beschlossen und trat nach Ratifikation aller betroffenen Königreiche im März 2015 außer Kraft. Eine ausgeschlossene Person gilt für die Nachfolge als „juristisch tot“; ihre legitimen Nachkommen sind nicht automatisch ausgeschlossen.
Ein Monarch kann nicht einseitig abdanken. Edward VIII. war 1936 der einzige freiwillig Abdankende; dafür war der His Majesty’s Declaration of Abdication Act 1936 nötig. Bei Minderjährigkeit unter 18 Jahren oder körperlicher beziehungsweise geistiger Unfähigkeit regelt der Regency Act von 1937 und 1953 eine Regentschaft. Die Unfähigkeit müssen mindestens drei von fünf Personen feststellen: Ehegatte des Monarchen, Lordkanzler, Speaker des Unterhauses, Lord Chief Justice of England and Wales und Master of the Rolls. Normalerweise wird die nächste geeignete Person der Thronfolge Regent. Der letzte Regent war der spätere George IV., der von 1811 bis 1820 für George III. regierte.
Finanzen, Residenzen und Zeichen
Der Crown Estate, die königlichen Ländereien, wurde 1760 von George III. an die HM Treasury übertragen. Als Gegenleistung erhielt die Krone zunächst die Zivilliste. Seit dem 1. April 2012 ersetzt der Sovereign Grant Act 2011 Zivilliste und mehrere Zuschüsse durch eine Zahlung: Der Monarch erhält einen von der HM Treasury festgelegten Anteil an den Erträgen des Crown Estate, zurzeit 25 %. Das Herzogtum Lancaster und das Herzogtum Cornwall werden treuhänderisch verwaltet. Die Erträge Lancasters decken Ausgaben außerhalb der staatlichen Zahlung; Cornwall wird für den ältesten Sohn des Monarchen verwaltet. Der Monarch zahlt freiwillig seit 1993 Einkommen- und Kapitalertragsteuer auf persönliche Einkünfte sowie indirekte Steuern wie Mehrwertsteuer.
Zum Privatvermögen zählen nicht automatisch die treuhänderisch verwalteten Kronwerte. So gehört die Royal Collection nicht persönlich dem Monarchen, sondern wird vom Royal Collection Trust verwaltet. Vermögensschätzungen weichen deshalb ab: Forbes schätzte 2008 das Vermögen der Königin auf 650 Millionen US-Dollar, während eine Schätzung von 100 Millionen Pfund 1993 als „maßlos übertrieben“ bezeichnet wurde. Für Mai 2023 wurde das geschätzte Vermögen der königlichen Familie mit 23 Milliarden Euro angegeben; die genannten Kronwerte gehören jedoch dem Monarchen im Namen der Krone für die Dauer der Herrschaft.
Offizielle Residenzen sind Buckingham Palace in London, Holyrood Palace in Edinburgh und Hillsborough Castle in Nordirland; St James’s Palace ist das zeremonielle und administrative Zentrum des Hofstaats. Windsor Castle dient unter anderem an Wochenenden als Residenz. Sandringham House und Balmoral Castle sind persönlicher Besitz des Monarchen.
Der vollständige Titel von Charles III. lautet: „Charles der Dritte, von Gottes Gnaden König des Vereinigten Königreiches Großbritannien und Nordirland sowie Seiner anderen Königreiche und Länder, Oberhaupt des Commonwealth, Verteidiger des Glaubens“. Die Anrede ist His Majesty beziehungsweise Her Majesty. Der Royal Standard zeigt die Wappen Englands, Schottlands und Irlands beziehungsweise Nordirlands. Er wird nur gehisst, wenn sich der Monarch in einem Gebäude oder Fahrzeug befindet, und niemals auf halbmast, da stets unmittelbar ein Nachfolger das Amt übernimmt.