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Manifestation Gottes
Für Baha'i ist die Essenz Gottes nicht erkennbar, deshalb sendet dieser seine Sendboten, die Manifestationen Gottes, welche seine Vertreter auf Erden sind. Sie …
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Grundidee
Manifestation Gottes (Bahai-Transkription maẓhar-i-iláhí) ist ein theologischer Begriff aus dem Bahaitum. Er beschreibt, wie nach dem Verständnis der Bahai göttliche Offenbarung geschieht. Alternativ verwenden Bahai auch die Begriffe Offenbarer oder Religionsstifter.
Nach dieser Lehre ist die Essenz Gottes für Menschen nicht erkennbar. Deshalb sendet Gott Sendboten, die Manifestationen Gottes. Sie gelten als Vertreter Gottes auf Erden und als Theophanien, also Erscheinungen des Göttlichen. Sie werden mit Spiegeln verglichen, die Gottes Herrlichkeit reflektieren und seine Attribute offenbaren. Sie sind aber keine Inkarnationen Gottes oder seiner Essenz, sondern Emanationen. Gegenüber den Menschen stellen sie dennoch die göttliche Präsenz dar und bieten den alleinigen Zugang zu göttlichem Wissen und göttlicher Barmherzigkeit.
Aufgabe und Autorität
Manifestationen Gottes offenbaren das göttliche Gesetz. Sie besitzen die „Größte Unfehlbarkeit“ und gelten als frei von Sünde. Gegenüber der Menschheit treten sie als aufeinanderfolgende göttliche Lehrer auf. Daraus ergibt sich die Bahai-Lehre der Fortschreitenden Offenbarung: Gott führt die Menschheit durch eine Reihe von Offenbarern immer weiter.
Den Manifestationen Gottes wird Souveränität über Himmel und Erde zugeschrieben. Jede von ihnen gilt als Wiederkunft aller vorherigen Manifestationen Gottes. Ihr Auftreten bringt ein Gericht mit sich, das Gläubige von Ungläubigen trennt. Zugleich bewirken sie nach Bahai-Verständnis eine positive und belebende Veränderung im Leben ihrer Anhänger und in deren Gesellschaften, indem sie Einheit, Frieden, Mut und Gewissheit spenden.
Bekannte Manifestationen
In den Schriften der Bahai gibt es keine endgültige Liste aller Manifestationen Gottes. Genannt werden jedoch Adam als erste bekannte Manifestation Gottes, danach Abraham, Mose, Zarathustra, Krishna, Siddhartha Gautama, Jesus Christus, Mohammed, der Bab und schließlich Baha'ullah, der Stifter der Bahai-Religion.
Diese Aufzählung ist nicht exklusiv gemeint, sondern umfasst die Manifestationen, die den Bahai sicher bekannt sind. In der Praxis gehen Bahai meist inklusivistisch vor, das heißt, sie schließen weitere göttliche Offenbarer nicht aus. Baha'ullah gilt nicht als letzte Manifestation Gottes. Nach ihm werden weitere folgen, jedoch frühestens 1.000 Jahre nach seiner öffentlichen Kundgebung seiner Mission.
Einheit und Unterschied der Religionen
Das Wesen der Manifestationen Gottes hat nach Bahai-Lehre zwei Stufen. Einerseits teilen alle Manifestationen ihre Eigenschaft als Träger der göttlichen Botschaft und verkünden denselben Glauben. Andererseits hat jede Manifestation einen eigenen Auftrag, eine besondere Botschaft sowie eine individuelle menschliche Gestalt und Persönlichkeit.
Damit erklären Bahai die Unterschiede zwischen den Religionen als äußerliche Unterschiede. Gleichzeitig betonen sie eine mystische Einheit der Religionen. Das kalligraphische Ringsymbol Bahá zeigt diese Vorstellung bildlich: Es unterscheidet die Ebene Gottes, die Ebene der Religionsstifter und die Ebene der Menschheit; diese Ebenen werden durch Offenbarung miteinander verbunden. Auch die Darstellung von Symbolen verschiedener Religionen am Haus der Andacht in Wilmette, Illinois, USA, soll die Verbundenheit der Bahai mit allen Manifestationen Gottes zeigen.
Religiöse Bedeutung
Weil die Manifestationen Gottes im Bahaitum so zentral sind, verbindet Baha'ullah in seinem Heiligsten Buch Anerkennung und Gehorsam gegenüber den Manifestationen Gottes als untrennbares erstes Gebot. Wer sich gegen eine Manifestation Gottes auflehnt, lehnt sich aus dieser Sicht auch gegen alle anderen Manifestationen und letztlich gegen Gott auf.
Die Lehre betont daher zugleich Gehorsam gegenüber der jeweils von Gott gesandten Manifestation und die Anerkennung früherer Offenbarer. Sie bildet eine Grundlage dafür, dass Bahai verschiedene Religionen nicht als völlig getrennte oder widersprüchliche Systeme verstehen, sondern als zusammenhängende Stufen einer göttlichen Offenbarung.