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Gewinnquote (Ökonomie)
Die Gewinnquote ist eine volkswirtschaftliche oder betriebswirtschaftliche Kennzahl, welche die Gewinne der Unternehmer dem Volkseinkommen oder den Umsatzerlö …
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Begriff und Abgrenzung
Die Gewinnquote ist eine volkswirtschaftliche oder betriebswirtschaftliche Kennzahl. Sie setzt die Gewinne der Unternehmer ins Verhältnis zu einer Bezugsgröße: in der Volkswirtschaftslehre zum Volkseinkommen oder zur Bruttowertschöpfung, in der Betriebswirtschaftslehre zu den Umsatzerlösen.
Die beiden Betrachtungsweisen verwenden somit unterschiedliche Aggregate. Volkswirtschaftlich bezeichnet Gewinn das gesamte Einkommen aus Unternehmertätigkeit in einem Staat. Betriebswirtschaftlich geht es um den Jahresüberschuss eines einzelnen Unternehmens innerhalb eines Geschäftsjahres.
Gewinnquote in der Volkswirtschaft
Volkswirtschaftlich umfasst die Gewinnquote Einkommen aus Unternehmertätigkeit (Unternehmerlohn) und Vermögen. Zu den Kapitalerträgen gehören beispielsweise Zinserträge, Dividenden sowie Miet- und Pachteinnahmen. Da solche Erträge auch Privathaushalten zufließen, müssen die Kapitalerträge um diesen Anteil bereinigt werden.
Mit den bereinigten Kapitalerträgen K und dem Volkseinkommen oder der Bruttowertschöpfung Y lautet die Formel:
Gq = K / Y.
Die Kennzahl zeigt, welcher Anteil der im Produktionsprozess entstandenen Wertschöpfung als Vergütung auf den Produktionsfaktor Kapital entfällt. Zusammen mit der Lohnquote misst sie die funktionale Einkommensverteilung, also die Verteilung des Volkseinkommens auf Arbeit und Gewinn. Das Arbeitseinkommen L und das auf Privathaushalte entfallende Gewinneinkommen G ergeben:
L + G = Y.
Daraus folgt für Gewinnquote Gq und Lohnquote Lq:
Gq + Lq = 1.
Steigende Arbeitskosten gehen daher mit einer sinkenden Gewinnquote einher und umgekehrt. Unternehmer können versuchen, Lohnsteigerungen durch höhere Preise zu überwälzen.
Bei gegebener Sparquote ist die Gewinnquote eine Funktion der Investitionsquote. Nach Nicholas Kaldor besteht eine positive Korrelation: Bei gleichbleibenden Sparquoten ist eine höhere Investitionsquote stets mit einer größeren Gewinnquote verbunden. Eine höhere Investitionsquote kann nur dann mit einer niedrigeren Gewinnquote einhergehen, wenn die Sparneigungen der Privathaushalte entsprechend steigen. Eine steigende Kapitalproduktivität erfordert dagegen eine sinkende Gewinn- und Investitionsquote sowie eine wachsende Konsumquote.
Weitere Einflüsse sind die Entwicklung der Kapitalerträge, deren Besteuerung durch Ertragsteuern und die Veränderung des Volkseinkommens. Auch eine Zunahme der Arbeitnehmer bei gleichzeitiger Abnahme der Selbständigen vermindert die Gewinnquote und erhöht entsprechend die Lohnquote.
Volkswirtschaftliche Werte
Für nicht-finanzielle Kapitalgesellschaften lag die Gewinnquote der Bruttowertschöpfung in der Eurozone bei 42,25 % im Jahr 2007 und 40,82 % im Jahr 2017. In Deutschland sank sie von 46,63 % auf 41,54 %.
2017 wurden die höchsten Werte in Irland mit 72,55 % und Malta mit 61,19 % verzeichnet. Die niedrigsten Werte hatten Luxemburg mit 31,00 % und Frankreich mit 31,88 %. Weitere Werte lagen beispielsweise in Spanien bei 43,61 %, in Italien bei 42,59 %, in Österreich bei 42,89 %, im Vereinigten Königreich bei 36,26 % und in der Schweiz bei 32,41 %.
Irland und Malta werden zugleich als Niedrigsteuerländer, Luxemburg und Frankreich als Hochsteuerländer bezeichnet. Der Zusammenhang mit dem Steuerniveau ergibt sich aus gewinnabhängigen Ertragsteuern, welche die Höhe der Gewinnquoten beeinflussen.
Gewinnquote im Unternehmen
Für Unternehmen ist die Gewinnquote als Bruttobetriebsüberschuss dividiert durch die Bruttowertschöpfung definiert. Bilanziell kann sie als Verhältnis von Betriebsergebnis B zu Umsatzerlösen U ausgedrückt werden:
Gq = B / U.
Auch die EBIT-Marge kann als Gewinnquote gelten:
EBIT-Marge in Prozent = (EBIT / U) · 100 %.
Als Umsatzgewinnrate setzt die Kennzahl den Jahresüberschuss oder Gewinn vor Steuern zu den Umsatzerlösen ins Verhältnis. Sie gibt damit Aufschluss über die Ertragslage eines Unternehmens. Verwandte Kennzahlen sind Bruttomarge und Umsatzrendite. Die Gewinnquote kann durch höhere Verkaufspreise, ein größeres Absatzvolumen bei konstanten Verkaufspreisen oder durch Kostensenkungen steigen.
Im deutschen Mittelstand betrug die durchschnittliche Umsatzrendite 2016 7,3 %. Wissensintensive Dienstleistungen erreichten 14,7 %, forschungsintensives verarbeitendes Gewerbe 5,4 %, Bauwirtschaft 7,2 %, sonstige Dienstleistungen 4,9 %, sonstiges verarbeitendes Gewerbe 5,2 % und Handel 3,7 %.
Bei ausgewählten DAX-Unternehmen erzielte Vonovia 2017 mit 42,9 % die höchste Netto-Umsatzrendite, gefolgt von Bayer AG mit 23,1 % und SAP mit 21,4 %. Die Commerzbank lag bei 2,7 % und die Post AG bei 4,7 %. Die Deutsche Bank wies mit −2,8 % einen Verlust aus. Die Gewinnquote darf nicht mit der Gewinnmarge verwechselt werden: Die Gewinnmarge ist ein Teil der Preiskalkulation.