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Einkommen
... Naturaleinkommen eines Wirtschaftssubjekts ... Nettonationaleinkommen (früher Nettosozialprodukt) ist das Bruttonationaleinkommen abzüglich der Abschreibungen.
Inhalt6 Abschnitte
Grundbegriff und Einkommensarten
Einkommen ist in Wirtschaftswissenschaften und Wirtschaft eine Stromgröße: Es fließt einem Wirtschaftssubjekt innerhalb einer Zeitperiode in Geld oder Gütern zu, weil mindestens ein Produktionsfaktor eingesetzt wird. Wirtschaftssubjekte sind Privathaushalte, Unternehmen und der Staat. Die Kosten für die Nutzung von Produktionsfaktoren heißen Faktorkosten; das zugehörige Einkommen heißt Faktoreinkommen.
Privathaushalte erzielen insbesondere Arbeitseinkommen. Unternehmen erhalten Unternehmerlohn. Staatliche Stellen, Gebietskörperschaften und Staatsunternehmen nehmen Abgaben, Beiträge und Gebühren als Gegenleistung für öffentliche Aufgaben der Daseinsvorsorge ein; Steuern zählen dabei nicht dazu. Die Formel „Einkommen ist der Gegenwert einer Leistung“ gilt nicht immer, weil Transfereinkommen ohne Gegenleistung zufließen können.
Zum Geldeinkommen gehören Arbeitseinkommen, Vermögenseinkommen aus Kapital oder Boden sowie Transfereinkommen. Transfereinkommen beruhen entweder auf einem Rechtsanspruch, etwa Arbeitslosengeld oder Rente, oder auf freiwilligen Zuwendungen wie Abfindung und Schenkung. Individuelle Transferleistungen sind beispielsweise Abfindung und Schenkung, kollektive etwa Kindergeld, Sozialhilfe und Versicherungsleistungen. Differentialeinkommen ist ein Sammelbegriff für Grundrenten und Produzentenrenten, deren Entstehung durch unterschiedliche Produktionskosten erklärt wird.
Gütereinkommen wird als Naturallohn, also als Sachbezug in Gütern oder Dienstleistungen, gewährt. Beispiele sind Deputatlohn, Dienstwohnung, Firmenwagen oder die kostenlose Nutzung des Betriebsarztes. Bei Auszubildenden ist ihre Tätigkeit keine Gegenleistung für die Ausbildungsvergütung.
Einkommen von Personen und Volkswirtschaften
Das Einzeleinkommen oder Individualeinkommen ist die Menge an Geld- oder Naturaleinkommen eines Wirtschaftssubjekts in einer Rechnungsperiode. Unternehmensgewinn wird erst dann Einkommen, wenn er anderen Wirtschaftssubjekten zufließt, zum Beispiel als Dividende.
Man unterscheidet Bruttoeinkommen, Nettoeinkommen und verfügbares Einkommen. Bruttoeinkommen ist noch nicht um Steuern und Sozialabgaben vermindert; Nettoeinkommen bleibt nach deren Abzug. Verfügbares Einkommen ist der Teil, der für privaten Konsum und Ersparnis bereitsteht. Für Vergleiche ist außerdem wichtig, ob Einkommen einzelner Personen, Haushalte oder Gruppen zusammengefasst werden. Eurostat misst die personelle Einkommensverteilung mit dem verfügbaren Äquivalenzeinkommen.
Markteinkommen oder Primäreinkommen entsteht durch unselbständige oder selbständige Arbeit. Es umfasst Einkünfte aus Erwerbstätigkeit, Geschäftstätigkeit, Vermietung und Verpachtung sowie Kapitaleinkünfte vor Steuern und Abgaben. Sekundäreinkommen entsteht nach staatlicher Umverteilung. Bei der Betrachtung von Transfereinkommen werden Sozialabgaben, direkte Steuern sowie öffentliche Transfers wie Arbeitslosengeld oder Sozialhilfe und private Transfers wie Unterhalt berücksichtigt. Sekundär- und Transfereinkommen sind nicht gleich: Transfereinkommen enthalten zusätzlich freiwillige Zuwendungen von Privatpersonen.
Das Volkseinkommen ist die Summe aller Einzeleinkommen, die in einer Rechnungsperiode auf Arbeit, Boden und Kapital entfallen, zuzüglich des Unternehmerlohns. Dazu gehören Arbeitseinkommen, Bodenertrag wie Miete oder Pacht und Kapitalertrag wie Dividende oder Anleihezins.
Kennzahlen und gesamtwirtschaftliche Rechnung
Das Pro-Kopf-Einkommen PEK beschreibt das jährliche Durchschnittseinkommen im Verhältnis zur Einwohnerzahl E: PEK = ØY / E. Es dient besonders bei Ländervergleichen als Maß für das Einkommensniveau eines Bürgers.
Die Einkommenselastizität zeigt, wie stark sich die Nachfrage nach einem Gut oder einer Dienstleistung relativ verändert, wenn sich das Einkommen relativ verändert: Einkommenselastizität = prozentuale Änderung der Nachfragemenge / prozentuale Änderung des Einkommens. Sie ist vollkommen unelastisch (= 0), wenn sich die Nachfrage trotz einer Einkommensänderung nicht verändert. Die Mincer-Einkommensgleichung erklärt das Arbeitsentgelt durch Schulbildung und Arbeitserfahrung.
In der Makroökonomie wird Einkommen zur kumulierten Messung der Vermögenszugänge einer Volkswirtschaft verwendet. Volkswirtschaftliche Gesamtrechnungen sind international standardisiert, unter anderem durch ESVG und das System of National Accounts (SNA). Ausgangspunkt ist das Primäreinkommen, das begrifflich dem Nationaleinkommen beziehungsweise dem früheren Sozialprodukt entspricht. Das Bruttonationaleinkommen vor Abschreibungen ist in der Europäischen Union ein Indikator für die Einkommenshöhe der Mitgliedstaaten und ihrer Bevölkerung und dient neben dem Umsatzsteueranteil als Maßstab für EU-Mitgliedsbeiträge.
Nettonationaleinkommen (NNE) ist Bruttonationaleinkommen (BNE) abzüglich Abschreibungen (D): NNE = BNE − D. Das Volkseinkommen ist das Nettonationaleinkommen abzüglich vor allem indirekter Steuern, fachsprachlich Gütersteuern, zuzüglich Subventionen. Wichtige Größen sind Bruttonationaleinkommen und Bruttoinlandsprodukt. In einer offenen Volkswirtschaft gilt: Y = C + I + G + Ex − Im. Dabei stehen C für Konsum, I für Investitionen, G für Staatsanteil, Ex für Exporte und Im für Importe. In einer geschlossenen Volkswirtschaft entfallen Ex und Im.
Einkommen im Steuerrecht
Für die deutsche Einkommensteuer ist das zu versteuernde Einkommen die Steuerbemessungsgrundlage. Es fasst die sieben Einkunftsarten zusammen und wird nach dem Einkommensteuertarif besteuert.
Das Einkommensteuerrecht unterscheidet vier Stufen:
- Einnahmen sind bei Arbeitnehmern das Bruttoarbeitsentgelt, bei Selbstständigen die Erlöse.
- Einkünfte entstehen nach Abzug der Kosten zur Erzielung der Einnahmen: Werbungskosten bei Arbeitnehmern und Betriebsausgaben bei Selbstständigen. Dies heißt objektives Nettoprinzip.
- Einkommen ergibt sich, wenn außerdem Vorsorgeaufwand, andere Sonderausgaben und außergewöhnliche Belastungen abgezogen werden. Dies heißt subjektives Nettoprinzip.
- Das zu versteuernde Einkommen ist die Bemessungsgrundlage für den Tarif. Es ist meistens wertmäßig mit dem Einkommen gleich; eine Ausnahme ist der Abzug von Kinderfreibeträgen.
In der Finanzwissenschaft wird gefragt, welcher Einkommensbegriff die steuerliche Leistungsfähigkeit am besten abbildet. Die Quellentheorie von 1902 verwendet einen engen Begriff und erfasst permanent zufließende Erträge, nicht aber außergewöhnliche Zahlungen wie Bonuszahlungen. Die Reinvermögenszugangstheorie erfasst auch aperiodische Erträge, etwa Lotteriegewinne. Das deutsche Einkommensteuergesetz ist eine Mischung beider Theorien und berücksichtigt mit Spekulationsgewinnen zusätzlich eine systemwidrige Steuerbemessungsgrundlage.
Verteilung von Einkommen
Die Einkommensverteilung untersucht, wie Einkommen auf gesellschaftliche Gruppen verteilt sind. In allen OECD-Ländern sind Einkommen ungleich verteilt. Die „Einkommensschere“ bezeichnet bildlich den Abstand zwischen niedrigen und hohen Einkommen. Untersucht werden auch Einkommensentwicklungen bestimmter Gruppen, etwa Berufsgruppen sowie Männer und Frauen, und die Einkommensdynamik einzelner Personen mit möglichem sozialem Auf- oder Abstieg. Dafür werden häufig Längsschnittstudien genutzt.
Für Deutschland nennt der Mikrozensus einen Anteil von 5,5 % der Bevölkerung, der trotz Erwerbsarbeit unter der Armutsgrenze lebt. Besonders betroffen sind an- und ungelernte Arbeiter sowie Selbstständige ohne Mitarbeiter. Für Einpersonen-Haushalte gilt ein monatliches Nettoeinkommen von mehr als 2.700 Euro nicht mehr als Mittelschicht, sondern als wohlhabend; ab 3.600 Euro wird eine Person als reich bezeichnet.
Für 2008 wird für Deutschland ein mittleres Einkommen von 1.252 Euro monatlich und ein Durchschnittseinkommen von 2.706 Euro monatlich genannt. Der Unterschied zeigt: Der Median teilt Haushalte so, dass gleich viele darunter wie darüber liegen, während der Durchschnitt ein Mittelwert ist. 2010 lag das durchschnittliche Bruttoeinkommen monatlich bei 2.136 Euro; Frauen verdienten im Schnitt 23 % weniger als Männer. Die Angaben verdeutlichen außerdem Unterschiede zwischen Berufsgruppen und Wirtschaftsbereichen.
Kaufkraft, Vermögen und verfügbare Mittel
Einkommen ist eine Strömungsgröße. Durch Sparen wird es zur Bestandsgröße Vermögen. Geld- oder Kapitalvermögen kann Kapitaleinkünfte erzielen; nicht selbst genutztes Immobilienvermögen kann Einkünfte aus Vermietung und Verpachtung erbringen.
Nominaleinkommen berücksichtigt keine Inflation oder Deflation. Realeinkommen ist das preisbereinigte Nominaleinkommen und zeigt die tatsächliche Kaufkraft, also welche Menge an Waren und Dienstleistungen bei aktuellen Preisen gekauft werden kann. Es wird berechnet, indem der Index des Nominaleinkommens durch einen passenden Preisindex geteilt wird; es kann nur als Veränderung oder Index angegeben werden. Steigt bei 4 % Inflation das Nominaleinkommen um 3 %, beträgt der Realeinkommensindex 1,03 / 1,04 = 0,9903846 ≈ 99,04 %. Das Realeinkommen sinkt somit um 0,96 %: 1,03 / 1,04 − 1 ≈ −0,0096 = −0,96 %.
Nicht das gesamte Einkommen steht zur freien Verwendung bereit. Für das verfügbare Einkommen werden Einkommen- und Vermögensteuern, geleistete Sozialbeiträge und sonstige laufende Transfers abgezogen; empfangene Sozialleistungen und laufende Transfers werden addiert. Es ist damit der für Konsum oder Sparen verbleibende Teil.
Weitere Kennzahlen verknüpfen Einkommen mit Belastungen. Erschwinglichkeitsgrad = Kaufpreis / Nettoeinkommen; je niedriger der Wert, desto eher ist ein teures Gut bezahlbar. Der Schuldendienstdeckungsgrad = (Zinsaufwand + Tilgung) / Nettoeinkommen vor Schuldendienst. Er verschlechtert sich bei neuen Krediten, höheren variablen Zinsen oder sinkendem Nettoeinkommen. Der Durchschnittssteuersatz lautet ØT = Td / zvE · 100 %.
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