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Geschichte von Florenz

unterstützt; Lorenzo blieb zunächst neutral, aber wegen seiner Gleichgewichtspolitik, und weil er Ferdinand nicht völlig unterlegen sehen wollte, unterstützte …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Grundlinien der Stadtgeschichte
  2. 2. Republik, Parteien und Zünfte
  3. 3. Krisen und Machtkämpfe im Spätmittelalter
  4. 4. Die Medici und das Ende der Freiheit
  5. 5. Toskana, Italien und moderne Stadt
  6. 6. Faschismus, Exil und Krieg

Grundlinien der Stadtgeschichte

Die Geschichte von Florenz beschreibt den Aufstieg einer römisch gegründeten Stadt am Arno zu einer der wichtigsten Handels-, Finanz-, Kunst- und Machtzentren Italiens. Florenz war lange eine Republik, wurde durch Zünfte, Kaufleute, Adelsfamilien und später durch die Familie Medici geprägt und ging 1532 in ein erbliches Herzogtum über. Seine Bedeutung beruhte vor allem auf Textilproduktion, Bankwesen, politischer Selbstverwaltung, kultureller Blüte in Spätmittelalter und Renaissance sowie auf seiner späteren Rolle im Großherzogtum Toskana und im italienischen Nationalstaat.

Florentia war nicht etruskischen Ursprungs, sondern wurde wahrscheinlich 187 v. Chr. von Rom im Zusammenhang mit der Straße von Bononia nach Arretium am Übergang über den Arnus gegründet. Aus der Antike ist wenig bekannt. 313 wird ein Bischof erwähnt, 405 wurde die Stadt von Goten belagert und durch Stilicho befreit. Nach Ostgoten, oströmischer Rückeroberung und Langobardenherrschaft wurde Florenz im 8. Jahrhundert offenbar Zentrum eines langobardischen Herzogtums.

Im Mittelalter gewann Florenz durch seine Lage an der Straße von Norditalien nach Rom an Bedeutung. Karl der Große hielt sich 786 dort auf. Im Investiturstreit standen die später sogenannten Guelfen auf päpstlicher Seite, die Ghibellinen auf kaiserlicher. Unter Markgräfin Matilda von Tuszien entwickelten die Bürger und städtischen Führungsschichten politische Eigenständigkeit. Nach ihrem Tod 1115 verwalteten die boni homines die Stadt im Namen des Volkes; dies gilt als Beginn der Kommune und der Republik Florenz.

Republik, Parteien und Zünfte

Ab dem 12. Jahrhundert entwickelte sich Florenz zu einer selbstbewussten Stadtrepublik. Die Regierung lag zunächst bei Konsuln und Räten, später bei Ämtern wie Podestà, Capitano del popolo, Priori und Gonfaloniere. Der Podestà war meist ein auswärtiger Amtsträger, der Rechtsprechung, Armee und Außenvertretung übernahm. Der Capitano del popolo vertrat den popolo, also die politisch organisierten Bürger. Die Priori waren führende Amtsträger aus den Gilden, der Gonfaloniere war ein wichtiges Spitzenamt der Republik.

Florenz dehnte seinen Einfluss im Umland aus: Fiesole wurde 1125 geplündert und zerstört, später kämpfte die Stadt gegen Adelsfamilien, Pisa, Siena, Lucca, Pistoia und Arezzo. Der Konflikt zwischen Guelfen und Ghibellinen bestimmte das 13. Jahrhundert. 1249 wurden guelfische Führer ins Exil geschickt; 1260 erlitt Florenz bei Montaperti eine schwere Niederlage gegen Siena und ghibellinische Verbündete. Nach dem Sieg Karls I. von Anjou über Manfred 1266 konnten die Guelfen wieder stärker werden, doch blieb die Stadt von Exilierungen, Parteikämpfen und wechselnden Verfassungen geprägt.

Die wirtschaftliche Grundlage waren die Gilden, besonders die sieben arti maggiori, also höheren Zünfte. Sie waren wie kleine Staaten mit eigenen Räten, Statuten und Versammlungen organisiert. Florentiner Textilien wurden in ganz Europa gekauft, Florentiner Kaufleute und Bankiers galten als führend. Die Stadt prägte eine Goldwährung, die in Europa als Standard akzeptiert wurde. Diese starke Handelsorganisation hielt das Stadtleben trotz häufiger politischer Krisen am Laufen.

1293 wurden die Ordinamenti della Giustizia erlassen. Sie sollten die Macht der grandi, also der großen adligen Familien, begrenzen. Nur Zunftmitglieder konnten in die Signoria gelangen; wichtige Adelsfamilien wurden von vielen Ämtern ausgeschlossen. Giano della Bella galt als geistiger Vater dieser Reformen, wurde aber 1295 verbannt. Danach spalteten sich die guelfischen Lager in Neri und Bianchi, also Schwarze und Weiße. Zu den Weißen gehörte Dante Alighieri, der nach der Machtübernahme der Schwarzen und dem Eingreifen Karls von Valois 1301 verbannt wurde.

Krisen und Machtkämpfe im Spätmittelalter

Im 14. Jahrhundert blieb Florenz wirtschaftlich stark, litt aber unter Pest, Hunger, Kriegen, Bankenzusammenbrüchen und inneren Konflikten. 1339 verweigerte Edward III. von England die Rückzahlung hoher Kredite an die Florentiner Bankhäuser Bardi und Peruzzi; dies erschütterte das Bankwesen. In den 1340er Jahren richteten Pest und Hungersnot schwere Schäden an. Nach Villani raffte die Pest von 1348 drei Fünftel der Bevölkerung dahin.

1342 wurde Walter VI. von Brienne, Herzog von Athen, zum Konservator und Kapitän der Garde gewählt. Er ließ sich bald als Herr auf Lebenszeit anerkennen, entmachtete republikanische Ämter, entwaffnete Bürger und regierte mit französischer Leibwache. Wegen Steuern, Gewalt und Eingriffen in die Freiheit der Stadt wurde er 1343 durch einen bewaffneten Aufstand gestürzt. Danach wurde Florenz wieder als demokratische und kaufmännische Republik organisiert, blieb aber politisch auf die Bürger innerhalb der Stadtmauern beschränkt.

Um die Mitte des 14. Jahrhunderts hatte Florenz etwa 100.000 Einwohner, 110 Kirchen, 39 religiöse Häuser und über 200 Läden der Arte della Lana. Die Stoffproduktion wurde auf 1.200.000 Florin beziffert, die Einnahmen der Republik auf rund 300.000 Florin, normale Ausgaben ohne Krieg und öffentliche Bauten auf rund 40.000 Florin. Gleichzeitig führten Parteikämpfe zur Macht der Parte Guelfa, deren ammonizioni, also Warnungen oder Amtsverbote, politische Gegner ausschließen konnten.

1378 kam es zum Aufstand der Ciompi, der Wollweber und einfachen Arbeiter. Sie forderten Beteiligung des popolo minuto, also der unteren Schichten, an der Regierung. Michele di Lando stellte sich an die Spitze, beendete Plünderungen und reformierte kurzzeitig die Verfassung. Drei neue Gilden wurden geschaffen, doch die Ordnung hielt nicht. 1382 setzte eine Gegenbewegung ein: Die neuen Gilden wurden abgeschafft, die höheren und niederen Zünfte neu austariert, und führende Demagogen wurden hingerichtet oder verbannt. Danach gewann die oligarchische Kaufmannsschicht wieder an Einfluss.

Außenpolitisch setzte Florenz seine Expansion fort. Es gewann Arezzo zurück, kämpfte gegen Gian Galeazzo Visconti, erwarb 1405 Pisa für 260.000 Florin und zwang die Stadt 1406 nach sechs Monaten Belagerung zur Kapitulation. Damit erhielt Florenz einen wichtigen Seezugang. 1421 kaufte die Republik Livorno für 100.000 Florin von den Genuesen.

Die Medici und das Ende der Freiheit

Der Aufstieg der Medici begann mit Giovanni de’ Medici, der 1421 Gonfaloniere wurde und durch den catasto von 1427 Popularität gewann. Der catasto war eine Vermögensschätzung, mit der Steuerlasten gerechter verteilt und Arme weniger belastet werden sollten. Nach Giovannis Tod 1429 wurde sein Sohn Cosimo de’ Medici zur entscheidenden Figur. Nach einem Konflikt mit der von Rinaldo degli Albizzi geführten aristokratischen Partei wurde Cosimo 1433 verbannt, kehrte aber am 6. Oktober 1434 zurück. Von da an bestimmte das Haus Medici für drei Jahrhunderte wesentlich die Geschichte der Stadt.

Cosimo blieb formal Privatbürger, dominierte aber die Republik durch Balie, die Magistrate bestimmten und nach seinen Anweisungen handelten. Florenz blieb reich und politisch bedeutend. Unter Cosimo wurden Gegner verbannt, die progressive Einkommensteuer decima scala eingeführt, und Florenz unterstützte Francesco Sforza beim Aufstieg zum Herzog von Mailand. Nach Cosimos Tod 1464 folgte Piero, danach 1469 Lorenzo de’ Medici, genannt Lorenzo der Prächtige.

Lorenzo festigte die Medici-Herrschaft stärker als seine Vorgänger. Nach der Pazzi-Verschwörung von 1478, bei der sein Bruder Giuliano ermordet wurde, ließ Lorenzo Gegner hinrichten oder verbannen. Er wurde exkommuniziert und geriet in Krieg mit Papst Sixtus IV. und König Ferdinand von Neapel, konnte aber durch eine Reise nach Neapel Frieden erreichen. 1480 wurde der Rat der Siebzig geschaffen, der eine dauerhafte Stütze der Medici-Herrschaft wurde. Unter Lorenzo war Florenz ein bedeutendes Zentrum von Kunst und Literatur, zugleich wurden öffentliche Gelder und Zwangsanleihen zur Finanzierung seiner Politik belastet.

Nach Lorenzos Tod 1492 machte sein Sohn Piero schwere politische Fehler. Als Karl VIII. von Frankreich 1494 nach Italien kam, gab Piero Pisa, Livorno und andere Orte preis. In Florenz verlor er dadurch die Unterstützung; die Medici wurden vertrieben. Girolamo Savonarola trat nun als moralischer und politischer Reformer hervor. Er predigte gegen Korruption in Kirche und Stadt, beeinflusste die republikanische Neuordnung und wandte sich gegen die Medici. Sein Einfluss sank nach Konflikten mit Papst Alexander VI.; er wurde exkommuniziert, verhaftet, in unregelmäßigen Prozessen gefoltert, am 22. Mai 1498 zum Tod verurteilt und am folgenden Tag hingerichtet.

Nach weiteren Krisen wurde Piero Soderini 1502 Gonfaloniere auf Lebenszeit. Auf Anregung Niccolò Machiavellis entstand 1505 eine nationale Miliz. 1509 wurde Pisa durch Hunger zur Kapitulation gezwungen. Doch 1512 setzten spanische Truppen und die Medici ihre Rückkehr durch. Nach erneuter Vertreibung 1527 und einer letzten republikanischen Phase wurde Florenz 1530 nach Belagerung und der Niederlage Francesco Ferruccis bei Gavinana zur Kapitulation gezwungen. Alessandro de’ Medici wurde 1531 Oberhaupt der Republik, 1532 wurde die Signoria abgeschafft und seine Herrschaft erblich gemacht. Damit verlor Florenz seine Freiheit und wurde Hauptstadt des Herzogtums, später Großherzogtums Toskana.

Toskana, Italien und moderne Stadt

Die Medici regierten die Toskana bis zum Tod Gian Gastone de’ Medicis 1737. Danach fiel das Großherzogtum an Franz Stephan von Lothringen. Unter Peter Leopold wurden zahlreiche Reformen durchgeführt; 1786 schaffte er erstmals Todesstrafe und Folter ab. Während der Napoleonischen Kriege wurde Großherzog Ferdinand III. vertrieben, die Toskana 1808 vom französischen Kaiserreich annektiert und Florenz 1809 Hauptstadt des Königreichs Etrurien. Nach Napoleons Sturz 1814 kehrte Ferdinand zurück. 1848 gab es eine liberale Revolution, 1859 wurde Leopold II. durch eine unblutige Revolution vertrieben, und die Toskana wurde vom Königreich Sardinien-Piemont annektiert.

Von 1865 bis 1871 war Florenz kurzzeitig Hauptstadt Italiens. Diese Phase löste große städtebauliche Veränderungen aus, besonders die Innerstädtische Sanierung von Florenz, das Risanamento di Firenze. Der Plan Poggi des Architekten Giuseppe Poggi sollte die mittelalterliche Stadt modernisieren, der wachsenden Bevölkerung dienen und den Hochwasserschutz verbessern. Ab Mai 1865 wurden Stadtmauern im Norden abgerissen und durch die Viali di Circonvallazione nach Pariser Vorbild ersetzt. Die Viale dei Colli und der Piazzale Michelangelo entstanden als neue Aussichts- und Repräsentationsräume. Später wurde auch der Bereich des Mercato Vecchio zur Piazza della Repubblica umgestaltet; dafür wurden historische Palazzi, Kirchen und Monumente beseitigt.

Im 20. Jahrhundert verdreifachte sich die Bevölkerung. Florenz profitierte von Tourismus, Industrie, Fernhandel und Finanzwirtschaft. Bei der Volksabstimmung von 1946 stimmten die Florentiner gegen die Monarchie und für die Republik Italien. Von 1946 bis 1950 regierte eine Koalition aus Sozialisten und Kommunisten; prägend waren auch die Amtszeiten des christlich-sozialen Bürgermeisters Giorgio La Pira von 1950 bis 1956 und 1960 bis 1964. Die Arno-Flut im November 1966 beschädigte zahllose Kunstschätze und forderte 34 Menschenleben, wobei genaue Angaben lange von den Behörden zurückgehalten wurden.

Faschismus, Exil und Krieg

Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten in Deutschland 1933 kamen viele deutsche Intellektuelle nach Florenz und Umgebung. Nicht alle waren politische Emigranten; manche verließen Deutschland wegen des kulturellen Klimas. Zur Villa Romana um Hans Purrmann gehörten unter anderem Kasimir Edschmid, Werner Haftmann, Toni Stadler und Gerhard Marcks. Die Villa Romana war zwar eine private Stiftung, stand aber unter Einfluss des deutschen Propagandaministeriums und Beobachtung der NSDAP-Auslandsorganisation; jüdische Künstler hatten dort keinen Zugang.

Politisch und rassistisch Verfolgte bewegten sich eher in Kreisen um Kurt Wolff, Alfred Neumann, Karl Wolfskehl oder das Landschulheim Florenz. Bis 1938 waren viele von ihnen keinen schweren Verfolgungen durch italienische Behörden ausgesetzt, wurden aber beim Hitlerbesuch im Frühjahr 1938 teils vorübergehend verhaftet. Nach den italienischen Rassengesetzen vom 1. September 1938 verschärfte sich die Lage besonders für jüdische Emigranten. Viele mussten erneut fliehen. Nach der deutschen Besetzung von Florenz vom 11. September 1943 bis 11. August 1944 kam es zu Razzien und Deportationen nach Auschwitz.

Während der Besatzung amtierte Gerhard Wolf als deutscher Konsul in Florenz. Er ging wegen seines gemäßigten Standpunkts als „Il Console di Firenze“ positiv in die Stadtgeschichte ein. Beim Rückzug der deutschen Truppen wurde der Ponte Vecchio als einzige Brücke in Florenz nicht zerstört; nur die Zufahrtsstraßen wurden unpassierbar gemacht. Als Grund nennt der Artikel Hitlers Bewunderung für diese Brücke bei seinem Florenzbesuch 1938.

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