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San Gimignano

San Gimignano wird auch „Mittelalterliches Manhattan“ oder die „Stadt der Türme“ genannt. Die Stadt liegt in der Provinz Siena und hat 7463 Einwohner (Stand 31.

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Überblick und Lage
  2. 2. Entwicklung der Stadt
  3. 3. Türme und Befestigungen
  4. 4. Bauwerke, Kirchen und Museen
  5. 5. Wirtschaft, Wein und Verkehr
  6. 6. Kultur, Sport und Partnerschaften

Überblick und Lage

San Gimignano ist eine italienische Kleinstadt in der Toskana, Provinz Siena. Sie hat 7.463 Einwohner (Stand: 31. Dezember 2025), eine Fläche von 138,8 km² und liegt auf 324 m Höhe; der historische Stadtkern befindet sich auf einem Hügel 334 m über dem Meeresspiegel. Wegen seiner auffälligen mittelalterlichen Geschlechtertürme wird der Ort auch „Stadt der Türme“ oder „Mittelalterliches Manhattan“ genannt. Seit 1990 gehört die historische Altstadt zum UNESCO-Weltkulturerbe. San Gimignano zählt neben Florenz, Siena und Pisa zu den meistbesuchten Zielen der Toskana.

Die Stadt liegt an der Via Francigena, etwa 40 km südwestlich von Florenz und 28 km nordwestlich von Siena, im Elsatal. Zum Gemeindegebiet gehören unter anderem Badia a Elmi, Castel San Gimignano, Pancole, Santa Lucia und Ulignano; Ulignano ist mit etwa 690 Einwohnern der größte Ortsteil. Wichtige Gewässer sind der Fluss Elsa sowie die Torrenti Foci und Riguardi.

Entwicklung der Stadt

Das Gebiet war vermutlich schon um 300 bis 200 v. Chr. von Etruskern besiedelt. Aus hellenistischer Zeit stammen Gräber auf den Hügeln des heutigen Stadtgebiets; die Römer siedelten dagegen an Bächen und Flüssen. Erstmals urkundlich erwähnt wurde der Ort am 30. August 929 in einer Schenkungsurkunde Hugos I. Sein Name geht auf den heiligen Bischof San Gimignano von Modena zurück, der das Dorf der Überlieferung nach vor den Truppen Totilas geschützt haben soll.

Entscheidend für die Entwicklung war die Via Francigena, auf der Händler und Pilger aus dem Norden nach Rom reisten. Im späten 10. Jahrhundert wuchsen mehrere Siedlungen zu einer Marktstadt zwischen einem Castello und der Pieve, dem Vorgängerbau der Collegiata, zusammen. Ein erster Mauerring entstand im 10. Jahrhundert. Seit dem 11. Jahrhundert dehnte sich der Ort entlang der Handels- und Pilgerstraße aus. Zunächst herrschten die Bischöfe von Volterra; 1199 konnten die von den Bürgern gewählten Konsuln erstmals Verträge ohne Zustimmung des Bischofs schließen. Obwohl San Gimignano weder Bischofssitz noch rechtlich eine Stadt war, entwickelte es politische Einrichtungen wie größere Kommunen: Auf die Konsuln folgte der Podestà, ein gewählter Administrator, unterstützt von einem kleinen und einem großen Rat. Der große Rat umfasste bei nur 6.000 Einwohnern 1.200 Mitglieder.

Bis ins 14. Jahrhundert führte die Kommune Kriege gegen die Bischöfe von Volterra und benachbarte Orte. Im Konflikt zwischen Guelfen und Ghibellinen stand sie auf der Seite des guelfischen Florenz. Innerhalb der Mauern bekämpften sich besonders die ghibellinischen Salvucci und die guelfischen Ardinghelli. Dante Alighieri hielt sich ab Mai 1300 in diplomatischer Mission in San Gimignano auf und versuchte 1319 erfolglos, verfeindete Parteien zu versöhnen.

Der Wohlstand beruhte etwa 160 Jahre lang auf Handel sowie auf Safran, Wolle und dem Wein Vernaccia. Als die Via Francigena im Spätmittelalter an Bedeutung verlor, ging der Handel zurück. Kriege, Familienfehden und die Pest von 1348, an der zwei Drittel der Bevölkerung starben, schwächten den Ort zusätzlich. 1352 stellte er sich unter den Schutz von Florenz. Nach einem weiteren Pestausbruch 1631 lebten nur noch 3.000 Menschen dort. 1563 hatte Cosimo I. de’ Medici entschieden, keine weiteren Summen in die Stadt zu investieren; daher hinterließen Hochrenaissance und Barock kaum Spuren. Ende des 19. Jahrhunderts wurden zahlreiche verfallene Gebäude historistisch „regotisiert“. Die weitgehend bewahrte mittelalterliche Gestalt wurde später zur Grundlage des heutigen Tourismus.

Türme und Befestigungen

Geschlechtertürme waren zugleich Wohn- und Arbeitsgebäude sowie Statussymbole reicher Kaufmanns- und Patrizierfamilien. Ihre Räume waren häufig sehr eng, in oberen Stockwerken teilweise nur ein bis zwei Meter breit, während die Mauern mehr als zwei Meter dick sein konnten. Die Türme hatten quadratische Grundflächen und erreichten oft mehr als 50 m Höhe. Der Wettstreit um immer höhere Bauten machte sie anfällig für Gewitter. Seit dem 13. Jahrhundert bevorzugten viele Patrizier große Palazzi; mit dem Rückgang der Pilgerzahlen im 14. Jahrhundert endete der intensive Turmbau. Von ursprünglich 72 Türmen sind 15 erhalten.

Die beiden höchsten sind der 1311 entstandene Torre Grossa mit 54 m und der 51 m hohe Torre della Rognosa, auch Torre dell’Orologio oder Torre del Podestà genannt. Weitere wichtige Beispiele sind die Zwillingstürme der Ardinghelli und Salvucci, der 1280 errichtete Torre Chigi, der Torre dei Becci, der Torre Campatelli und der Torre del Diavolo. Der Torre Grossa gehört zum Museo Civico und ist der einzige Turm der Stadt, der besichtigt und bestiegen werden kann.

Der erste Mauerring entstand im 10. Jahrhundert und umschloss die heutigen Plätze Piazza del Duomo und Piazza della Cisterna. Erhalten sind der Arco dei Becci und der Arco della Cancelleria. Der bis 1214 errichtete zweite Mauerring entspricht weitgehend der heutigen Stadtmauer. Erweiterungen folgten 1251 im Westen und 1261 bis 1263 im Osten. Zu seinen Toren gehören die 1262 fertiggestellten Porta San Giovanni und Porta San Matteo sowie Porta delle Fonti, Porta Quercecchio und Porta San Jacopo. Die Bastion San Francesco stammt aus dem 16. Jahrhundert.

Bauwerke, Kirchen und Museen

Zentrum der Stadt sind die Piazza del Duomo und die Piazza della Cisterna. Die Zisterne auf der Piazza della Cisterna entstand 1287 und wurde 1346 durch den Podestà Guccio Malavolti erweitert. Am Domplatz steht der von 1288 bis 1323 erbaute Palazzo del Popolo, auch Palazzo Comunale genannt. Er beherbergt das Rathaus, Kunstwerke und den Torre Grossa. Gegenüber liegt der ehemalige Palazzo del Podestà. Die Rocca di Montestaffoli wurde von 1353 bis 1358 unter florentinischer Herrschaft als Festung errichtet; Cosimo I. de’ Medici entzog ihr 1558 diese Funktion. Heute ist sie eine Burgruine mit Garten.

Die bedeutendste Kirche ist die Collegiata Santa Maria Assunta. Der ehemalige Dom aus dem 12. Jahrhundert wurde 1148 geweiht und 1466 durch Giuliano da Maiano erweitert. Er enthält Fresken des 14. und 15. Jahrhunderts, unter anderem von Domenico Ghirlandaio, Bastiano Mainardi, Taddeo di Bartolo und Benozzo Gozzoli. Sant’Agostino wurde von 1280 bis 1298 errichtet und besitzt 17 Fresken aus dem Leben des heiligen Augustinus, die Benozzo Gozzoli 1463 bis 1465 schuf. Weitere historische Gotteshäuser sind San Bartolo, San Girolamo, San Jacopo al Tempio, San Lorenzo al Ponte und San Pietro. San Domenico war ein Kloster des 14. Jahrhunderts und diente von 1833 bis 1922 als Gefängnis.

Zu den Museen gehören das Museo Civico mit dem Torre Grossa, das Museo d’Arte Sacra mit religiöser Kunst vom Mittelalter bis zum 16. Jahrhundert, das Museo Ornitologico, das Museo della Tortura und SanGimignano1300 mit einer Nachbildung der Stadt und ihrer Entwicklung. Die Galleria continua zeigt Gegenwartskunst.

Auch außerhalb des Stadtkerns befinden sich zahlreiche mittelalterliche Kirchen und Klöster. Dazu zählen die Burg- und Kirchenruine Castelvecchio, die bereits 1140 beziehungsweise 1144 erwähnt wurde, Santa Maria Assunta a Cellole, erstmals 1034 genannt und 1237 neu errichtet, sowie Santo Sepolcro e Santa Maria a Elmi aus dem 11. Jahrhundert. Das Sanktuarium Maria Santissima Madre della Divina Provvidenza in Pancole entstand 1670.

Wirtschaft, Wein und Verkehr

Die Wirtschaft lebt heute großenteils von der gut erhaltenen, malerischen Altstadt, die jedes Jahr Zehntausende Touristen anzieht. Zu den örtlichen Weinen gehören der weiße Vernaccia di San Gimignano mit der Qualitätsbezeichnung DOCG sowie die DOC-Weine San Gimignano in Rot, Rosé und als Vin Santo.

San Gimignano besitzt keinen eigenen Bahnhof. Der etwa 10 km östlich gelegene Bahnhof Poggibonsi-San Gimignano liegt an der Strecke Siena–Empoli und bietet auch Direktverbindungen nach Florenz. Die nächste Fernstraßenanbindung ist die ebenfalls ungefähr 10 km entfernte Anschlussstelle Poggibonsi Nord an der RA3.

Kultur, Sport und Partnerschaften

San Gimignano erscheint in mehreren Medien: Franco Zeffirellis Film „Tee mit Mussolini“ von 1999 wurde teilweise dort gedreht. Im Videospiel „Assassin’s Creed II“ von 2009 ist die Stadt des späten 15. Jahrhunderts einer von vier Hauptschauplätzen. Der Roman „Skulduggery Pleasant – Die Hölle bricht los“ von Derek Landy aus dem Jahr 2023 spielt hauptsächlich in San Gimignano.

Im Sport ist der Frauenfußballverein Florentia San Gimignano SSD vertreten, der seit 2018 in der höchsten italienischen Liga, der Serie A Femminile, spielt. Gemeindepartnerschaften bestehen mit Meersburg am Bodensee seit 2002, Mestia in Georgien seit 1975 und Český Krumlov in Tschechien seit 2008.

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