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Wikipedia · einfach zusammengefasst · Stand

Geschichte des Fußballs

Die Geschichte der modernen Fußballsportarten wie Fußball und Rugby begann im Wesentlichen im England der frühen Industrialisierung.

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Frühe Formen des Fußballspiels
  2. 2. Entstehung des modernen Fußballs
  3. 3. Entwicklung der wichtigsten Regeln
  4. 4. Ausbreitung in Kontinentaleuropa
  5. 5. Fußball als globale Sportart

Frühe Formen des Fußballspiels

Die Geschichte der modernen Fußballsportarten Fußball und Rugby begann vor allem im England der frühen Industrialisierung. Ball- und Treibballspiele gab es jedoch schon viel früher in verschiedenen Kulturen. Ihre Regeln und ihre Beziehung zum heutigen Fußball sind teilweise nur unvollständig bekannt.

Etwa im 3. Jahrhundert v. Chr. wurde in China Cuju, auch Ts’uh-küh genannt, gespielt. Es diente zunächst der militärischen Ausbildung und verbreitete sich während der Zhou-Dynastie in der Bevölkerung. Strengere Regeln sollten Gewalt verhindern. Der Ball bestand aus zusammengenähtem Leder und war mit Federn und Tierhaaren gefüllt. Bis etwa 600 n. Chr. soll Cuju zeitweise chinesischer Nationalsport gewesen sein; möglicherweise bestand sogar eine Profiliga. Ein luftgefüllter Ball wurde entwickelt, und Regeln zu Toren, Torhütern und Spielführern wurden festgehalten. Rund 100 Jahre später geriet das Spiel in Vergessenheit.

In den präkolumbischen Kulturen Mesoamerikas dienten Ballspiele religiösen Handlungen und der Freizeit. Der Kautschukball war meist mehrere Kilogramm schwer. Über die Regeln ist wenig bekannt: Beim rituellen Spiel durfte der Ball anscheinend nicht mit den Füßen berührt werden, bei Freizeitspielen möglicherweise schon. Im 11. Jahrhundert war außerdem bei zentralasiatischen Turkvölkern das Spiel Tepük beliebt, wie Mahmud al-Kāschgharī berichtet.

In Europa bestanden ebenfalls frühe Formen. Seit dem 15. Jahrhundert wurde in Florenz der oft harte calcio storico gespielt. Auf den britischen Inseln versuchten häufig zwei Dörfer, einen Ball durch das gegnerische Stadttor zu bringen. Das Spielfeld konnte sich über mehrere Kilometer erstrecken; nahezu alles war erlaubt und schwere Verletzungen waren häufig. Kirche und Krone verboten solche Spiele wiederholt. Nach der Industriellen Revolution verloren sie Anfang des 19. Jahrhunderts an Bedeutung.

Entstehung des modernen Fußballs

Im 19. Jahrhundert wurden Fußballspiele an englischen Privatschulen und Universitäten als körperliche Erziehung beliebt. Zunächst hatte jede Einrichtung eigene Regeln, sodass Mannschaften verschiedener Schulen kaum gegeneinander spielen konnten. Die Rugby School verfasste 1845 die ältesten schriftlichen Fußballregeln der Moderne. Die schulübergreifenden Cambridge Rules von 1848 sahen Mannschaften mit 15 bis 20 Spielern vor. Der Ball durfte unter bestimmten Bedingungen aufgenommen, aber nicht getragen werden.

1843 entstand mit dem Guy’s Hospital Football Club der älteste noch bestehende Verein; er spielte Rugby football. Der 1857 gegründete FC Sheffield war der erste Klub für Association football, also diejenige Variante, aus der der heutige Fußball hervorging. Am 26. Dezember 1860 spielte Sheffield gegen den FC Hallam.

Den entscheidenden Schritt zur Vereinheitlichung brachte 1863 die Gründung der Football Association (FA) in London. Ihr auf den Cambridge Rules beruhendes Regelwerk umfasste 14 Absätze und stellte das Spielen mit dem Fuß in den Mittelpunkt. 1870 wurde die Mannschaftsstärke auf elf Spieler begrenzt. 1871 verbot die FA Feldspielern das Handspiel. Nur der Torwart durfte den Ball noch in der eigenen Hälfte mit den Händen spielen und musste ihn nach zwei Schritten freigeben. Rugby-Anhänger verließen daraufhin die FA; seitdem entwickelten sich Rugby football und Association football als getrennte Sportarten.

Am 30. November 1872 fand auf dem Hamilton Crescent bei Glasgow das erste offizielle Fußballländerspiel statt. Schottland und England trennten sich 0:0. Im selben Jahr wurde mit dem FA Cup der erste nationale Wettbewerb eingeführt. 1888 entstand in England die erste Fußballliga; erster Meister wurde Preston North End. Seit 1899 waren bezahlte Vereinswechsel bis zu einem Höchstbetrag von 10 Pfund erlaubt.

Entwicklung der wichtigsten Regeln

Die Regeln wurden seit der Mitte des 19. Jahrhunderts schrittweise vereinheitlicht. Die erste Abseitsregel von 1863 erklärte jeden Spieler zwischen Ball und gegnerischem Tor für abseits. Seit 1866 lag Abseits nur vor, wenn ein Spieler bei der Ballannahme weniger als drei Gegner vor sich hatte. 1925 wurde die erforderliche Zahl auf zwei Gegenspieler gesenkt. Seit 1907 gibt es in der eigenen Spielhälfte kein Abseits, seit 1920 nicht mehr beim Einwurf und seit 1990 gilt „gleiche Höhe“ nicht als Abseits.

Wichtige Festlegungen waren außerdem:

  • 1866 wurden im Sheffield Code Eckball und Freistoß eingeführt; 1872 folgten Eckstoß und eine einheitliche Ballgröße.
  • Seit 1874 leitet ein Schiedsrichter das Spiel. Er durfte ab 1877 Spieler des Feldes verweisen, verwendete ab 1878 eine Pfeife und erhielt 1889 die alleinige Entscheidungsgewalt sowie zwei Linienrichter.
  • 1875 wurde die Torhöhe durch eine Querlatte auf 2,44 m festgelegt; außerdem kamen Halbzeitpause und Seitenwechsel hinzu.
  • 1882 wurde der Einwurf mit beiden Händen erlaubt. 1890 folgten Tornetze und 1891 der Strafstoß.
  • Das 1886 gegründete International Football Association Board (IFAB) ist bis heute die höchste Instanz für Beschluss und Änderung der Fußballregeln.
  • 1902 erhielt der Strafraum seine rechteckige Form und der Strafstoßpunkt wurde eingeführt. Seit 1903 darf der Torwart nur im eigenen Strafraum mit der Hand spielen.
  • 1913 wurde beim Freistoß der Abstand der Gegner auf 10 Yards beziehungsweise 9,15 m festgelegt. Seit 1924 darf ein Eckball direkt ins Tor geschossen werden.
  • 1937 wurde die Ballmasse auf 14 bis 16 Unzen, also 396 bis 453 g, festgelegt. 1938 schrieb das IFAB das Regelwerk neu; seine Grundform blieb danach im Wesentlichen erhalten.

Auch Auswechslungen und Strafen entwickelten sich weiter. 1969 wurden offiziell zwei Auswechslungen je Mannschaft zugelassen. 1995 stieg die Zahl auf drei; die zunächst wegen der COVID-19-Pandemie eingeführte Regel von fünf Auswechslungen gilt seit 2022 dauerhaft. Gelbe und rote Karten wurden 1968 erprobt und bei der Weltmeisterschaft 1970 offiziell eingeführt; 1991 kam die Gelb-Rote Karte hinzu. Seit 1992 darf der Torwart einen Rückpass nicht mehr mit der Hand aufnehmen. Die Auswärtstorregel wurde 1969 in UEFA-Wettbewerben eingeführt. Golden Goal und Silver Goal wurden später zeitweise verwendet, aber 2002 beziehungsweise 2004 wieder abgeschafft.

Bei einer Angabe von 1904 widersprechen sich die Darstellungen des Artikels: Ein Abschnitt nennt die Einführung des direkten, die Regelchronologie die des indirekten Freistoßes durch die FIFA.

Ausbreitung in Kontinentaleuropa

Die Schweiz war bei der Verbreitung des Fußballs in Kontinentaleuropa führend. Englische Schüler brachten das Spiel in den 1860er-Jahren an Privatschulen der Genferseeregion; um 1870 entstanden dort erste Klubs. Der 1879 von englischen Studenten gegründete FC St. Gallen ist der älteste noch bestehende Schweizer Verein und spielte auch organisatorisch eine wichtige Rolle. 1895 gründeten elf Klubs den Schweizerischen Fussballverband. Die erste Meisterschaft wurde 1897/98 ausgetragen; erster Meister war der Grasshopper Club Zürich. Von der Schweiz aus gelangte der Sport in weitere Länder. Schweizer waren unter anderem an Stade Helvétique Marseille, dem FC Barcelona und der Gründung von Inter Mailand beteiligt. Auch Dänemark und Belgien nahmen eine Vorreiterrolle ein.

Auf deutschem Boden ist für 1865 in Stuttgart ein Spiel nach den Regeln der Rugby School belegt. Nach vorherrschender Meinung führte der Braunschweiger Lehrer Konrad Koch 1874 Association Football in Deutschland ein. Er veröffentlichte 1875 den ersten deutschen Regelsatz, der dem heutigen Fußball ähnelte; auf ihn gehen die deutschen Begriffe Abseits, Halbzeit und Eckball zurück. Allerdings wird auch betont, Koch sei ein Anhänger des Rugbyspiels gewesen und sein erstes Regelwerk habe diese Variante behandelt. Berichte über noch frühere Spiele in Dissen und Heidelberg sind stark umstritten. Der erste Beleg für ein Spiel nach Regeln der FA stammt von 1875 aus Lüneburg, wo Wilhelm Görges und Richard E. N. Twopeny den Fußball am Johanneum einführten.

In Deutschland traf der englische Sport lange auf Widerstand, weil Turnen Schule und Militär beherrschte. Zunächst spielten vor allem britische Unternehmer, Studenten, Techniker, Geschäftsleute und Diplomaten sowie wohlhabendere Deutsche. Arbeiter konnten sich die Ausrüstung häufig nicht leisten und blieben eher in Turnvereinen. Angestellte und Schüler trugen stärker zur Verbreitung bei. 1887 fand in Neuwied das erste internationale Fußballspiel auf deutschem Boden statt. Die Jenaer Regeln von 1893 verlangten unter anderem Spielfelder ohne Bäume und Sträucher. Mit der Gründung des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) im Jahr 1900 erhielt der Sport einen übergeordneten Verband; zugleich wurde Fußball olympisch. Marine und Heer nutzten ihn später zur körperlichen Ertüchtigung und Förderung der Kameradschaft.

In Österreich ist Fußball seit 1894 durch die Gründung erster Klubs belegt. Im März fand in Graz das erste dokumentierte „professionelle“ Spiel statt, angeregt von Georg August Wagner. Im August reichten der Vienna Cricket and Football-Club und der First Vienna FC ihre Gründungsunterlagen ein.

Fußball als globale Sportart

Am 21. Mai 1904 wurde in Paris die Fédération Internationale de Football Association (FIFA) gegründet. Der Weltverband sollte Länderspiele organisieren und internationale Regeln festlegen. Er regelte unter anderem das „gefährliche Spiel“, Anforderungen an Ball und Schuhe sowie das Verhalten des Torwarts beim Strafstoß. Die Schiedsrichter sollten zudem Spielprotokolle erstellen.

Österreich führte 1924 als erster kontinentaleuropäischer Staat eine Profiliga ein. 1927 begründete der Österreichische Fußball-Bund den Mitropacup, den ersten bedeutenden europäischen Vereinswettbewerb und einen Vorläufer des Europapokals. Die erste Weltmeisterschaft richtete die FIFA 1930 auf Initiative von Jules Rimet und Enrique Buero in Uruguay aus. Uruguay wurde unter 13 Teilnehmern Weltmeister; Deutschland verzichtete aus Kostengründen auf die Reise.

1954 entstand in Basel die Union of European Football Associations (UEFA). Sie veranstaltete 1955/56 den ersten Europapokal der Landesmeister. 1960 folgte der Europapokal der Nationen, der 1968 in Europameisterschaft umbenannt wurde. 1992 ersetzte die UEFA Champions League den Europapokal der Landesmeister.

Massenmedien und Fernsehen steigerten das weltweite Interesse am Fußball. Zur Qualifikation für die Weltmeisterschaft 2002 waren 198 Nationalmannschaften gemeldet. Der Artikel nennt 208 FIFA-Mitglieder und vergleicht sie mit 192 Mitgliedern der Vereinten Nationen.

Eine wichtige rechtliche Veränderung war die Bosman-Entscheidung des Europäischen Gerichtshofs vom 15. Dezember 1995. Sie stellte fest, dass Fußballspieler normale Arbeitnehmer sind. Seitdem darf für einen Spieler nur noch eine Ablöse verlangt werden, wenn er einen laufenden Vertrag besitzt. 2004 feierte die FIFA ihr 100-jähriges Bestehen. Im selben Jahr wurde der Weltpokal letztmals ausgetragen; Sieger war der FC Porto. Ab 2005 trat die Klub-Weltmeisterschaft an seine Stelle.

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