Zum Inhalt springen
L

Wikipedia · einfach zusammengefasst · Stand

Geschichte des Frauenwahlrechts in den USA

Das Frauenwahlrecht wurde innerhalb eines Zeitraums von über einem halben Jahrhundert eingeführt, zuerst in einzelnen Staaten und Kommunen und manchmal nur auf …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Grundzüge und frühe Frauenrechtsbewegung
  2. 2. Conventions und erste Organisierung
  3. 3. Bürgerkrieg, Spaltung und Wiedervereinigung
  4. 4. Wendezeit und unterschiedliche Strategien
  5. 5. Durchsetzung des 19. Amendments
  6. 6. Gleichberechtigung über das Wahlrecht hinaus

Grundzüge und frühe Frauenrechtsbewegung

Die Geschichte des Frauenwahlrechts in den USA beschreibt den über mehr als ein halbes Jahrhundert dauernden Weg zur politischen Wahlberechtigung von Frauen. Zunächst wurde das Wahlrecht nur in einzelnen Staaten oder Kommunen und teils eingeschränkt eingeführt. National galt es erst 1920 durch den 19. Zusatzartikel zur Verfassung.

Die Ideen des Naturrechts und der Menschenrechte wurden bei Unabhängigkeitserklärung und Verfassung auf Männer bezogen. Frauen waren wie Sklaven und abhängige Dienstboten rechtlich und politisch kaum berücksichtigt. Verheiratete Frauen standen unter ehelicher Geschlechtsvormundschaft: Sie konnten ihre Rechte nicht wie Männer wahrnehmen und mussten ihre Geschäfte dem Ehemann überlassen. Da nur Männer wählen durften, konnten Frauen ihre Interessen gegenüber Gesetzgebern schwer durchsetzen.

Ab den 1840er Jahren wuchs die Forderung nach Frauenrechten. Frauen beteiligten sich an Wahlkämpfen, moralischen und sozialen Reformen, Bildungsfragen sowie an Debatten über Arbeitsbedingungen in Textilfabriken. Der Abolitionismus, also die Bewegung zur Abschaffung der Sklaverei, machte vielen Frauen die eigenen Einschränkungen bewusst. Angelina Emily Grimké verband die Rechte versklavter Menschen mit dem Anspruch gleicher Rechte für alle Menschen. Sarah Grimké kritisierte in den „Letters on the Equality of the Sexes“ die Lebensbedingungen von Frauen in der amerikanischen Gesellschaft.

Conventions und erste Organisierung

Die Seneca Falls Convention am 19. und 20. Juli 1848 in Seneca Falls, New York, war die erste ausschließlich den Frauenrechten gewidmete Zusammenkunft amerikanischer Frauen. Elizabeth Cady Stanton und die Quäkerin Lucretia Mott hatten die Konferenz angeregt, nachdem Frauen 1840 bei der World Anti-Slavery Convention in London weder reden noch abstimmen durften.

In Seneca Falls wurde die „Declaration of Sentiments“ veröffentlicht. Sie stellte die wiederholten Ungerechtigkeiten von Männern gegenüber Frauen als Tyrannei dar. Besonders umstritten war die Forderung nach Frauenwahlrecht. Frederick Douglass setzte sich für ihren Verbleib im Dokument ein. Genau 100 von rund 300 Anwesenden unterschrieben die Erklärung.

Ab 1850 fanden die National Women’s Rights Conventions fast jährlich statt; die erste war in Worcester, Massachusetts, die zwölfte und letzte reguläre 1869 in Washington, D.C. Themen waren Lohngleichheit, Bildung, Berufsmöglichkeiten, Eigentumsrechte, Ehegesetzgebung und Alkoholverbote; zentral blieb das Frauenwahlrecht. Während des Bürgerkriegs verlagerten sich Aktivitäten auf die Abschaffung der Sklaverei. Die Woman’s National Loyal League sammelte bis 1864 400.000 Unterschriften für das 13. Amendment, das die Sklaverei abschaffte.

Aus den Conventions entstand eine soziale Bewegung mit Führungspersönlichkeiten wie Lucretia Mott, Elizabeth Cady Stanton, Susan B. Anthony und Lucy Stone. Sie entwickelten gemeinsame Argumente, Organisationsformen und eine öffentliche Debatte. Das grundlegende Hindernis blieb jedoch, dass Männer die Gesetze machten und das Wahlrecht nicht teilen wollten.

Bürgerkrieg, Spaltung und Wiedervereinigung

Nach dem Bürgerkrieg standen zunächst die Rechte ehemaliger Sklaven im Vordergrund. Das 14. Amendment schützte das Wahlrecht männlicher Bürger; das 15. Amendment untersagte Einschränkungen des Wahlrechts wegen Rasse, Hautfarbe oder früherer Dienstbarkeit. Der Schutz wegen des Geschlechts fehlte. Der Oberste Gerichtshof entschied 1875 im Fall „Minor gegen Happersett“, dass die Verfassung niemandem das Wahlrecht verleihe. Damit scheiterte die Strategie, das Frauenwahlrecht über bestehende Verfassungsbestimmungen durchzusetzen.

Die 1866 gegründete American Equal Rights Association (AERA) wollte Wahlrechte für Frauen und Afroamerikaner gemeinsam erkämpfen, zerbrach aber am Konflikt über Prioritäten und am 15. Amendment. 1869 entstanden zwei konkurrierende Verbände: die National Woman Suffrage Association (NWSA) um Stanton und Anthony sowie die American Woman Suffrage Association (AWSA) um Lucy Stone und Henry Blackwell. Die NWSA setzte auf öffentlichkeitswirksame, grundsätzliche Kritik an der Rolle von Frauen in Heim und Mutterschaft; die AWSA arbeitete eher schrittweise in einzelnen Bundesstaaten.

Versuche blieben zunächst erfolglos: Susan B. Anthony wurde 1872 wegen ihrer Wahlteilnahme in Rochester zu einer Geldbuße verurteilt. 1878 brachte Senator Aaron Sargent ein nationales Amendment ein, dessen Wortlaut 1920 zum 19. Amendment werden sollte. Im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts wurden Frauenvereine zu wichtigen Lernorten für Organisation, Reden und Interessenvertretung. Besonders die Woman’s Christian Temperance Union (WCTU) mobilisierte unter Frances Willard Frauen auch für das Wahlrecht.

1890 vereinigten sich AWSA und NWSA zur National American Woman Suffrage Association (NAWSA). Zuvor hatten nur Colorado und Idaho das Frauenwahlrecht erreicht. Carrie Chapman Catt belebte die NAWSA mit Arbeitsplänen für jeden Bundesstaat und später mit einer stark zentralisierten Organisation neu.

Wendezeit und unterschiedliche Strategien

Die Wende fiel in die Progressive Era von 1890 bis 1920, eine Phase gesellschaftlicher Aktivitäten und Reformen gegen Folgen von Industrialisierung, Verstädterung, Einwanderung und Korruption. Viele Progressive unterstützten Frauenwahlrecht auch in der Erwartung eines „reineren“ weiblichen Stimmrechts.

Die „Neue Frau“ verließ zunehmend die auf Haushalt und Familie begrenzte Rolle. Sinkende Geburtenraten, bessere Bildung, veränderte Arbeitsbedingungen und Vereinsarbeit stärkten Selbstständigkeit und öffentliche Beteiligung. Sichtbar wurde dies etwa durch Radfahren, Sport und praktischere Kleidung. Vor allem gebildete Frauen aus Ober- und Mittelschicht verkörperten dieses Bild.

Gegen das Wahlrecht formierte sich ebenfalls Widerstand: 1911 entstand die National Association Opposed to Woman Suffrage (NAOWS). Gegner beriefen sich auf religiöse Vorstellungen, angebliche biologische Unterschiede und traditionelle Arbeitsteilung. Wirtschaftliche und politische Gruppen fürchteten etwa Alkoholverbote, Arbeitsschutzgesetze oder Reformen in Kommunen.

Zwischen 1910 und 1913 erzielte die Bewegung besonders im Westen Erfolge: Washington führte das Wahlrecht ein, Kalifornien folgte 1911; danach konnten Frauen in sechs westlichen Staaten wählen. Illinois führte das Frauenwahlrecht bei Präsidentschaftswahlen ein. Alice Paul und Lucy Burns verlangten innerhalb der NAWSA ein nationales Amendment und konfrontativere Aktionen. Nach der Parade in Washington 1913, die von Gegnern angegriffen wurde, spalteten sie sich ab: Paul gründete 1916 die National Woman’s Party (NWP). Die NAWSA betrieb breite, parteiübergreifende Lobbyarbeit; die NWP setzte zusätzlich auf dramatische Proteste.

1916 beschloss die NAWSA unter Catt den „Winning Plan“: Das nationale Amendment wurde Vorrang für die gesamte Organisation. Die Wahl zeigte zudem den politischen Einfluss von Frauen in wahlberechtigten Staaten mit zusammen hundert Electoral Votes.

Durchsetzung des 19. Amendments

Der Kriegseintritt der USA im April 1917 verstärkte den Druck für das Wahlrecht. Frauen ersetzten Männer in Arbeitsbereichen wie Stahlwerken und Raffinerien. Die NAWSA unterstützte die Kriegsanstrengungen; Catt und Anna Howard Shaw arbeiteten im Frauenkomitee des Council of National Defense. Die NWP demonstrierte dagegen seit Januar 1917 vor dem Weißen Haus. Etwa 200 Demonstrantinnen wurden festgenommen, ungefähr die Hälfte inhaftiert. Alice Paul wurde im Oktober zu sieben Monaten Gefängnis verurteilt; Hungerstreiks und Zwangsernährung führten zu öffentlichem Druck und schließlich zur Freilassung aller Gefangenen.

Im November 1917 gewann New York ein Referendum zum Frauenwahlrecht deutlich. Im September 1918 verlangte Präsident Woodrow Wilson im Senat die Annahme des Amendments als Kriegserfordernis. Ein erster Anlauf im Repräsentantenhaus war am 12. Januar 1915 noch mit 284 zu 174 Stimmen gescheitert. 1918 beschloss das Repräsentantenhaus das Amendment mit der nötigen Zweidrittelmehrheit, doch im Senat fehlten am 30. September 1918 zwei Stimmen; am 10. Februar 1919 scheiterte es erneut um eine Stimme.

Nach einer Sondersitzung des Kongresses nahm das Repräsentantenhaus den Vorschlag am 21. Mai 1919 mit 304 zu 89 Stimmen an. Der Senat stimmte am 4. Juni 1919 mit 56 zu 25 Stimmen zu. Für die Ratifikation waren 36 Staaten nötig. Illinois, Wisconsin und Michigan ratifizierten innerhalb weniger Tage. Als 35 Staaten zugestimmt hatten, verzögerte sich der Vorgang; Tennessee ratifizierte am 18. August 1920 mit knappster Mehrheit als entscheidender 36. Staat.

Der 19. Zusatzartikel lautet: „The right of citizens of the United States to vote shall not be denied or abridged by the United States or by any State on account of sex.“ Er verbietet somit Bund und Einzelstaaten, Bürgern das Wahlrecht wegen ihres Geschlechts zu versagen oder zu beschränken. Die Präsidentschaftswahl von 1920 war die erste, bei der Frauen in jedem Bundesstaat wählen konnten – 72 Jahre nach Seneca Falls.

Gleichberechtigung über das Wahlrecht hinaus

Das Wahlrecht bedeutete nicht automatisch umfassende rechtliche Gleichberechtigung. Alice Paul verfasste das Equal Rights Amendment (ERA), das 1923, drei Jahre nach dem 19. Amendment, erstmals im Kongress eingebracht wurde. Es sollte als 27. Zusatzartikel festschreiben: „Männer und Frauen sollen in den Vereinigten Staaten und überall, wo US-Recht gilt, gleiche Rechte haben.“ Bis 1982 überwand das ERA die Hürden von Verabschiedung und Ratifikation nicht.

Weiterlesen

Frauenwahlrecht 1 Geschichte · 2 Frauenwahlrecht weltweit · 3 Auswirkungen auf die Politik · 4 Das Frauenwahlrecht in Europa · 5 Internationale Vernetzung · 6 Politikerinnen · 7 … Erster Weltkrieg Der Erste Weltkrieg war ein bewaffneter Konflikt, der von 1914 bis 1918 in Europa, Vorderasien, Afrika, Ostasien und auf den Ozeanen geführt wurde. Unabhängigkeitserklärung der Vereinigten Staaten Diese transatlantische, weltanschauliche Whig-Kultur bildete den „ideologischen Nährboden für die Amerikanische Revolution“. Die Trennung von … Menschenrechte in den Vereinigten Staaten Geschichte. Bearbeiten. Die Unabhängigkeitserklärung vom 4. Juli 1776 erklärte, dass. „alle Menschen gleich geschaffen sind; dass sie von ihrem Schöpfer mit … Verfassung der Vereinigten Staaten Zugleich schreibt sie eine als „Checks and Balances“ bezeichnete Gewaltenteilung vor, in der die Organe der Regierung, der Gesetzgebung und der … Washington, D.C. Der District of Columbia oder Washington, D.C. [ˈwɑʃɪŋtən ˈdiː ˌsiː] ist Bundesdistrikt, Regierungssitz und seit 1800 die Hauptstadt der Vereinigten Staaten … New York City Bevölkerungsdichte: 11.153 Einwohner je km². Höhe: 10 m. Gliederung: 5 Stadtbezirke · Postleitzahlen: 10001–10282 (Manhattan) 11201–11262 (Brooklyn) 11001–11697 … Petition Eine Petition (lateinisch petitio Bittschrift, Gesuch, Eingabe; bildungssprachlich auch Adresse) (auch Petitum) ist ein Schreiben (eine Bittschrift, ein … Soziale Bewegung Structural-Strains-Ansatz · Political-Opportunity-Ansatz · Collective-Identity-Ansatz · Framing-Ansatz · Ressourcenmobilisierungsansatz · Systemtheoretischer Ansatz. New York (Bundesstaat) Geographie. Bearbeiten. New York grenzt im Süden an Pennsylvania und New ... Die landwirtschaftlichen Betriebe sind klein, das im Mittelwesten und Süden der USA … Progressive Era Zum Ende des Gilded Age waren die Vereinigten Staaten durch eine extreme soziale Ungleichheit gekennzeichnet, so hatten die sogenannten Räuberbarone, zu denen … Einwanderung in die Vereinigten Staaten Die Einwanderung in die Vereinigten Staaten beeinflusst maßgeblich die Demografie der Vereinigten Staaten und ihre Kultur. Seit der Staatsgründung wanderten …