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Geschichte des Christentums in Österreich

Die Geschichte des Christentums in Österreich beschreibt die Christianisierung und die Geschichte der christlichen Kirchen auf dem Gebiet der heutigen …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Gegenstand und frühe Christianisierung
  2. 2. Mission, Pfarren und Klöster
  3. 3. Kirche und Frömmigkeit im Mittelalter
  4. 4. Reformation, Rekatholisierung und Staat
  5. 5. Von Liberalismus und Republik bis 1945
  6. 6. Kirchen in der Zweiten Republik

Gegenstand und frühe Christianisierung

Die Geschichte des Christentums in Österreich umfasst die Christianisierung und die Entwicklung christlicher Kirchen auf dem Gebiet der heutigen Republik. Seit dem späten 13. Jahrhundert förderten die Habsburger die Dominanz der römisch-katholischen Kirche; andere Religionsgemeinschaften konnten sich deshalb lange kaum entfalten.

Wahrscheinlich brachten Soldaten das Christentum im 2. Jahrhundert in die römischen Provinzen Rätien, Noricum und Pannonien. Das Regenwunder im Marchfeld um 173 und das Martyrium des hl. Florian um 304 gelten als Zeugnisse für Christen. Nach der Mailänder Vereinbarung Konstantins und Licinius’ von 313 breitete sich das Christentum besonders in Städten stärker aus; heidnische Kultstätten wurden zerstört. Bischöfe aus Noricum nahmen 343 an der Synode von Serdica, dem heutigen Sofia, teil. Bischofssitze sind unter anderem für Aguntum, Lauriacum, Teurnia und Virunum nachgewiesen. Nach der Schlacht am Frigidus am 5. und 6. September 394 war das Christentum der einzig erlaubte Glaube im Römischen Reich.

Ab etwa 400 drangen meist arianische germanische Stämme in den Donauraum ein. Der hl. Valentin wirkte um 450 in Boiotro (Passau), der hl. Severin gründete in Favianis (Mautern) ein Kloster und half der Bevölkerung. Nach seinem Tod zogen sich die Römer 489 aus Ufernoricum, den Gebieten nördlich der Alpen, zurück. Im Süden blieben kirchliche Strukturen zunächst größtenteils erhalten. Slawen, Awaren, Baiern und Alamannen veränderten die Bevölkerung; weil viele Einwanderer Heiden waren, wurden kirchliche Strukturen weitgehend zerstört und Christen zur Minderheit.

Mission, Pfarren und Klöster

Die Neuchristianisierung ging seit dem 6. Jahrhundert vom christlichen Frankenreich aus. Um 600 missionierten Agilus und Eustasius im bayrischen Alpenvorland, Columban und Gallus im Bodenseegebiet. Der hl. Rupert gründete um 696 auf den Ruinen von Iuvavum das Männerkloster St. Peter und um 714 Nonnberg. Er gilt als Gründer Salzburgs und seiner Diözese.

Bonifatius bestätigte 739 die Diözesen Freising, Passau, Regensburg und Salzburg und legte ihre Grenzen fest. Modestus missionierte ab 767 die Slawen in Kärnten. Karl der Große besiegte die Awaren 791 bis 796. Passau missionierte danach den nördlich der Alpen gelegenen Teil, Salzburg Kärnten, Steiermark und Westungarn. 798 wurde Salzburg unter Bischof Arno Erzbistum. Magyareneinfälle ab 900 zerstörten viele Kirchen und Klöster; erst nach der Schlacht auf dem Lechfeld am 10. August 955 begann der Wiederaufbau.

In gerodeten und besiedelten Gebieten entstanden Eigenkirchen und Pfarren, meist auf Grundbesitz von Bischöfen oder Adeligen. Ihre Gründungsjahre sind oft nicht überliefert; Mitte des 12. Jahrhunderts war der Ausbau großteils abgeschlossen. Der Zehent finanzierte Geistliche und soziale Unterstützung. Priester waren zum Zölibat verpflichtet, hielten ihn aber oft nicht ein.

Klöster waren Zentren der Seelsorge, Bildung durch Klosterschulen, Armenfürsorge und Kultur mit Bibliotheken und Schreibstuben. Reformbewegungen wie die Gorzer Reform ab 1030 und die ab 1120 wirksame Hirsauer Reform sollten den Ordensgeist und die Benediktusregel erneuern. 1072 entstand Gurk als erstes Salzburger Eigenbistum. Wallfahrten ins Heilige Land, nach Rom, Santiago de Compostela und Aachen wurden seit dem 11. Jahrhundert üblich.

Kirche und Frömmigkeit im Mittelalter

Im Investiturstreit um 1100 standen die Bischöfe von Passau und die Erzbischöfe von Salzburg meist auf päpstlicher Seite und wurden zeitweise vom Kaiser vertrieben. Neue Orden prägten die Seelsorge: Zisterzienser gründeten 1129 Rein und 1133 Heiligenkreuz, Dominikaner kamen 1217 nach Friesach, Franziskaner 1230 nach Wien. Die Salzburger Erzbischöfe gründeten Chiemsee 1215, Seckau 1218 und Lavant 1228. 1469 wurden auf päpstliche Zustimmung hin die Bistümer Wien und Wiener Neustadt errichtet; wegen seiner Armut residierte erst Bischof Georg Slatkonia ab 1513 tatsächlich in Wien.

Das päpstliche Reservationsrecht, bestimmte Ämter zu besetzen, und hohe Zahlungen an die Römische Kurie begünstigten Pfründenstreben. Pfründen waren Einkünfte aus einem kirchlichen Amt. Pfarrer setzten oft schlecht ausgebildete Vikare oder Kapläne ein; Besitzstreben und unsittlicher Lebenswandel wurden zu einem Ärgernis. Unterricht gab es in Kloster-, Dom-, Pfarr- und ab dem 13. Jahrhundert auch Stadtschulen. Die 1365 gegründete Universität Wien erhielt 1384 eine Theologische Fakultät.

Die Habsburger, seit Rudolf I. ab 1278 Herrscher, setzten meist erfolgreich eigene Bischofskandidaten durch. Über Waldenser gibt es ab 1250 gesicherte Berichte; um 1300 soll es 80.000 Anhänger in Österreich gegeben haben. Diese Zahl ist als Überlieferung des Artikels nicht weiter abgesichert. Bis 1400 wurden die meisten bekehrt; 1397 wird in Steyr die Verbrennung von 100 „Ketzern“ berichtet.

Spätmittelalterliche Frömmigkeit zeigte sich in Wallfahrten, vielen Feiertagen, Prozessionen, Heiligen- und Reliquienverehrung, Marienverehrung sowie Ablässen. Ablässe sollten die Folgen von Sünden mindern und konnten ab 1500 auch durch Geldspenden erworben werden. Humanisten und Bischöfe wie Berthold Pürstinger kritisierten diese Auswüchse und forderten eine Rückkehr zu den Quellen des Christentums.

Reformation, Rekatholisierung und Staat

Ab Ende 1520 verbreiteten sich trotz Verbots reformatorische Druckschriften. Paul Speratus predigte am 12. Januar 1520 im Wiener Stephansdom öffentlich reformatorische Glaubensinhalte. Sächsische Bergleute verbreiteten evangelische Lehren in Bergwerksstädten. Adelige Grundherren förderten die Reformation in ihren Eigenkirchen und Pfarren; um 1530 war das österreichische Gebiet größtenteils evangelisch. In Niederösterreich hatten bis 1530 etwa 90 Prozent der Bewohner das lutherische Bekenntnis angenommen, Oberösterreich war ab 1525 mehrheitlich evangelisch, Kärnten zwischen 1525 und 1627 protestantisch.

Die Täuferbewegung war besonders ab 1525 in Tirol stark. Kennzeichen waren die Gläubigentaufe, also die Taufe auf persönliches Glaubensbekenntnis, und die Freiwilligkeitskirche. Die Obrigkeit verfolgte sie ab 1527 als Ketzer; etwa 1000 Täufermärtyrer wurden in Österreich hingerichtet. Nach 1544 ließ die Verfolgung nach. In Mähren entstanden unter Jakob Hutter die in Gütergemeinschaft lebenden Hutterer.

Der Augsburger Religionsfrieden von 1555 gab Landesherren das Recht, die Konfession ihres Territoriums zu bestimmen; Andersgläubige konnten zur Auswanderung gezwungen werden. Jesuiten, seit 1551 in Wien, stärkten den Katholizismus durch Schulen, Predigten und den Katechismus von Petrus Canisius. Unter Maximilian II. erreichte der Protestantismus seinen Höhepunkt, doch ab etwa 1580 begann die Gegenreformation. Nach der Niederlage der protestantischen Stände am Weißen Berg setzte sie sich endgültig durch. Evangelische Prediger wurden ausgewiesen, Adelige mussten emigrieren oder konvertieren. Etwa 100.000 bis 200.000 Protestanten wanderten ab etwa 1600 aus. Österreich war nach dem Dreißigjährigen Krieg ab etwa 1650 überwiegend katholisch; Geheimprotestanten bewahrten ihren Glauben bis zum Toleranzpatent Josephs II. von 1781.

Joseph II. griff seit 1780 umfassend in kirchliche Angelegenheiten ein: Er gründete die Diözesen Leoben, Linz und St. Pölten, veränderte Grenzen, hob beschauliche Orden auf, gründete Pfarren und machte Priester zu Staatsbeamten. Seine Toleranzpatente erlaubten Protestanten 1781, Juden 1782 und Griechisch-Orthodoxen eine eingeschränkte private Religionsausübung; der Vorrang der katholischen Kirche blieb bestehen. 1781 konstituierten sich die Evangelische Kirche A.B. und die Evangelische Kirche H.B.

Von Liberalismus und Republik bis 1945

Seit 1848 gab es Gesetze und Initiativen für Glaubens- und Gewissensfreiheit sowie gegen das Staatskirchentum. Das Konkordat von 1855 stärkte zunächst die katholische Kirche, wurde aber durch das liberale Staatsgrundgesetz von 1867 teilweise außer Kraft gesetzt. Das Protestantenpatent von 1861 gab den evangelischen Kirchen volle Autonomie. Die altkatholische Kirche entstand 1870 und wurde 1877 anerkannt. Andere Freikirchen wie Baptisten und Methodisten blieben rechtlich nicht anerkannt.

In der Ersten Republik verlor der Kaiser sein Ernennungs- und Bestätigungsrecht in der katholischen Kirche. Die katholische Kirche stand in politischen Konflikten klar auf Seiten der Christlichsozialen Partei. Der Prälat Ignaz Seipel war Bundeskanzler 1922 bis 1924 und 1926 bis 1929. 1933 entstand unter Engelbert Dollfuß der austrofaschistische Ständestaat, der sich auf die katholische Soziallehre und die Enzykliken „Rerum Novarum“ (1891) und „Quadragesimo anno“ (1931) berief; im selben Jahr wurde ein Konkordat geschlossen. Bischof Johannes Maria Gföllner und der Fastenhirtenbrief der Bischöfe von 1932 warnten vor dem Nationalsozialismus, während viele Katholiken mit ihm sympathisierten.

Nach dem Anschluss unterstützten die katholischen Bischöfe am 18. März 1938 in einer Feierlichen Erklärung den Anschluss an das nationalsozialistische Deutsche Reich; für die evangelische Kirche folgte am 9. April eine ähnlich positive Erklärung. Innitzer predigte jedoch am 7. Oktober 1938 von Christus als einzigem Führer. Am folgenden Tag verwüsteten Nationalsozialisten das Wiener Erzbischöfliche Palais.

Das NS-Regime hob das Konkordat auf, löste Vereine auf, schloss Klöster und mehr als 1400 kirchliche Schulen, Heime und Bildungsstätten. Insgesamt wurden 724 Priester und fünf evangelische Geistliche verhaftet; 20 starben in Haft oder wurden hingerichtet. Mehr als 1500 Priester erhielten Predigtverbot. Franz Jägerstätter und Maria Restituta wurden wegen Widerstands hingerichtet. Innitzers Hilfsstelle für nichtarische Christen unterstützte Juden bei Ausreise, Rechtsberatung und ärztlicher Hilfe.

Kirchen in der Zweiten Republik

Nach 1945 wurde Religionsunterricht wieder erlaubt. Das Kirchenbeitragsgesetz von 1939 blieb für die katholische Kirche, die evangelischen Kirchen A.B. und H.B. sowie die altkatholische Kirche gültig. Das Konkordat von 1933 wurde am 21. Dezember 1957 grundsätzlich anerkannt und 1960 ergänzt. Weitere gesetzliche Regelungen betrafen 1961 die evangelische und 1967 die orthodoxe Kirche. Seit 1971 bezahlt der Staat die Personalkosten der Lehrkräfte an konfessionellen Privatschulen vollständig.

Neue katholische Diözesen entstanden in Eisenstadt am 15. August 1960, Innsbruck am 6. August 1964 und Feldkirch am 15. Dezember 1968. Der Wiener Erzbischof Franz König, im Amt von 1956 bis 1985, förderte die Aussöhnung von Sozialdemokratie und Kirche sowie die Ökumene, also Zusammenarbeit und Verständigung zwischen Kirchen. Die Evangelische Kirche A. u. H. B. beschloss 1965 die Frauenordination; die erste fand am 11. September 1966 statt. Zunächst waren nur unverheiratete Frauen zugelassen, seit 1980 alle Frauen.

Die Fristenlösung zum Schwangerschaftsabbruch von 1973/74 führte zu starken katholischen Protesten. Das Volksbegehren zum Schutz des menschlichen Lebens erhielt über 890.000 gültige Unterschriften, bewirkte aber keine Gesetzesänderung. In den 1980er und 1990er Jahren führten umstrittene Bischofsernennungen und Vorwürfe gegen Kardinal Groër zu Konflikten und Kirchenaustritten; das Kirchenvolks-Begehren von 1995 verlangte liberalere Positionen.

Seit dem 10. Jänner 1998 gibt es die Rechtskategorie religiöse Bekenntnisgemeinschaften für nicht anerkannte Gemeinschaften. Freikirchen wuchsen besonders im pfingstlich-charismatischen Bereich und als Migrationskirchen. 2013 erhielten fünf evangelische Freikirchen gemeinsam als Freikirchen in Österreich volle staatliche Anerkennung. 2023 wurde Maria Kubin als erste Frau in Österreich in der Altkatholischen Kirche zur Bischöfin geweiht; 2025 folgte Cornelia Richter als erste Bischöfin der Evangelischen Kirche A.B.

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