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Mailänder Vereinbarung
Sie gewährte „sowohl den Christen als auch überhaupt allen Menschen freie Vollmacht, der Religion anzuhängen, die ein jeder für sich wählt“. Diese Entscheidung …
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Kern und Bedeutung der Vereinbarung
Die Mailänder Vereinbarung war eine im Jahr 313 getroffene religionspolitische Übereinkunft zwischen Konstantin I., dem Kaiser des Westens, und Licinius, dem Kaiser des Ostens. Sie gewährte „sowohl den Christen als auch überhaupt allen Menschen freie Vollmacht, der Religion anzuhängen, die ein jeder für sich wählt“. Damit sicherte sie nicht nur Christen, sondern grundsätzlich allen Menschen die Freiheit zu, ihren Glauben selbst zu wählen und auszuüben.
Die Vereinbarung war ein wichtiger Schritt der sogenannten konstantinischen Wende. Dieser Ausdruck bezeichnet die Entwicklung des Christentums von einer verfolgten Religion zu einem bedeutenden und schließlich dominierenden gesellschaftlichen und politischen Faktor im spätantiken Römischen Reich. Die Vereinbarung machte das Christentum jedoch weder zur offiziellen Staatsreligion noch stellte sie ausschließlich das Christentum der traditionellen römischen Religion gleich. Zur Staatsreligion wurde der christliche Glaube erst 380 unter Kaiser Theodosius I. durch das Edikt Cunctos populos erklärt.
Kein Edikt von Mailand
Die verbreiteten Bezeichnungen „Toleranzedikt von Mailand“ und „Edikt von Mailand“ gelten in der Forschung als sachlich falsch. Bereits Otto Seeck wies darauf hin, dass es kein reichsweites, von beiden Kaisern gemeinsam oder von Konstantin allein erlassenes Edikt beziehungsweise allgemeines Gesetz zugunsten des Christentums gab. Deshalb verwendet die Forschung überwiegend Bezeichnungen wie „Mailänder Vereinbarung“, „Übereinkunft“, „Konstitution“ oder „Protokoll“.
Auch der Ortsname kann in die Irre führen: Zwar erwähnen die antiken Quellen ein Treffen Konstantins und Licinius’ in Mailand, dem antiken Mediolanum. Die überlieferte Äußerung zur Religionspolitik erfolgte jedoch durch Licinius in Nikomedia in Kleinasien. Inhaltlich ging es um Religionsfreiheit für alle Religionen, obwohl das Christentum in der Vereinbarung besonders hervorgehoben wurde.
Rechtlicher Inhalt und Vorgeschichte
Die Vereinbarung ist nicht als Bekehrung eines einzelnen Kaisers zu verstehen, sondern als weitere rechtliche Verbesserung des Status des Christentums. Dieses galt bereits seit dem Toleranzedikt des Galerius vom April 311 als religio licita, also als erlaubte Religion. Galerius beendete damit die Christenverfolgungen im Römischen Reich und gestattete Christen die freie Ausübung ihres Glaubens, sofern dadurch die öffentliche Ordnung nicht gestört wurde. Der Text war gegenüber den Christen allerdings wenig wohlwollend formuliert.
Die Mailänder Vereinbarung baute darauf auf. Sie bekräftigte, dass niemandem die Freiheit des Glaubens verweigert werden solle und jeder geistliche Dinge nach eigenen Überzeugungen betrachten dürfe. Zusätzlich regelte sie finanzielle Fragen. Dazu gehörte die Entschädigung einzelner christlicher Gemeinden für Schäden, die sie während der tetrarchischen Christenverfolgungen erlitten hatten.
Motive und politische Lage
Die genauen Beweggründe Konstantins und Licinius’ bleiben unklar. Nach einer in der Forschung vertretenen These ging der Anstoß zur reichsweiten Besserstellung des Christentums vor allem von Licinius aus. Ihm stand im Osten des Reiches die Auseinandersetzung mit Maximinus Daia bevor. Da der Ostteil des Reiches deutlich stärker christianisiert war als Konstantins westliche Reichshälfte, könnte Licinius sich von einer christenfreundlichen Politik einen Vorteil in diesem Konflikt versprochen haben. Maximinus Daia war ein erklärter Gegner des Christentums und setzte die tetrarchischen Verfolgungen entschlossen um.
Das Toleranzedikt des Galerius war zuvor sowohl von Konstantin als auch von dessen kaiserlichem Gegner Maxentius akzeptiert worden. Deshalb war die Schlacht an der Milvischen Brücke im Jahr 312 kein Kampf des Christentums gegen das Heidentum, auch wenn sie häufig so dargestellt wird.
Einige Forscher deuten die Mailänder Vereinbarung außerdem als Kompromiss: Konstantin könnte weitergehende Regelungen angestrebt haben, ohne sich damit durchsetzen zu können. Beide Kaiser gingen mit der religionspolitischen Änderung ein Risiko ein, weil die Mehrheit der Bevölkerung weiterhin pagan, also „heidnisch“ beziehungsweise nicht christlich war. Sie mussten daher auf die traditionellen Kulte Rücksicht nehmen. Der Text wirkt deshalb teilweise wie eine Rechtfertigung, mit der die neue Religionspolitik legitimiert werden sollte.