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Geschichte des Bistums Limburg

Kulturkampf. Bearbeiten. Erste Auseinandersetzungen. Bearbeiten. Der Kulturkampf setzte klar ersichtlich mit dem Jesuitengesetz von 1872 ein. Auch im Bistum …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Grundlagen und Entstehung
  2. 2. Blum, politischer Katholizismus und Konflikte mit Nassau
  3. 3. Preußen und Kulturkampf
  4. 4. Konsolidierung, Urbanisierung und Weimarer Zeit
  5. 5. Nationalsozialismus und Nachkriegszeit
  6. 6. Reformen, Kamphaus und Gegenwart

Grundlagen und Entstehung

Das Bistum Limburg ist eine römisch-katholische Diözese in Teilen von Hessen und Rheinland-Pfalz. Seine Kathedralkirche ist der Dom St. Georg in Limburg an der Lahn. Es wurde 1827 als Landesbistum für das Herzogtum Nassau und die Freie Stadt Frankfurt gegründet und umfasste damals 136.000 Katholiken. Später kamen unter anderem 1884 die Grafschaft Hessen-Homburg und der Kreis Biedenkopf, 1930 vier Frankfurter Pfarreien und 1933 der Kreis Wetzlar hinzu.

Vor der Gründung gehörte das spätere Bistumsgebiet zu den Erzbistümern Trier und Mainz. Das Bistum war als Landesbistum im Sinn der Restaurationszeit geplant: Der Staat wollte die Kirche in die eigene Ordnung einbinden und äußeren Einfluss begrenzen. Das Herzogtum Nassau hatte nach der Säkularisation von 1803 viel Kirchenbesitz verstaatlicht und vor 1827 kirchliche Rechte eingeschränkt. Trotzdem beschreibt der Artikel keine allgemeine Diskriminierung der katholischen Religionsausübung.

Die Grundlage für die neue Kirchenordnung war die Zirkumskriptionsbulle „Provida solersque“ von 1821. Der erste Bischof wurde Jakob Brand, den Herzog Wilhelm gegen den Willen vieler Geistlicher und der römischen Kurie durchsetzte. Schon in den Gründungsjahren kam es zu Konflikten mit dem Staat, besonders um Simultanschulen, also gemeinsame Schulen für Kinder verschiedener Konfessionen und des jüdischen Glaubens, sowie um konfessionelle Mischehen und staatliche Kontrolle über die Kirche.

Blum, politischer Katholizismus und Konflikte mit Nassau

Mit Peter Josef Blum, der am 26. Januar 1842 zum Bischof gewählt und am 2. Oktober 1842 geweiht wurde, begann eine lange und konfliktreiche Epoche. Blum blieb bis zu seinem Tod 1884 im Amt. Er stellte klar, dass er sich stärker der Kirche als dem Staat verpflichtet sah. In seine Amtszeit fielen Streitigkeiten über religiöse Gemeinschaften, Zensur, Kirchenvermögen, die Simultanschulen und einen deutlich antiprotestantischen Kurs.

Die Revolution von 1848 förderte im Bistum den politischen Katholizismus. Am 21. März 1848 entstand in Limburg der „Zentralverein für religiöse Freiheit“, eine katholische Organisation. Blum unterstützte solche Entwicklungen verdeckt und beeinflusste auch Wahlen, unter anderem durch Wahlaufrufe und über die Pfarrer. Nach der Revolution nutzte die Kirche die verbliebene religiöse Freiheit, um Volksmissionen, Prozessionen, Wallfahrten, Orden und katholische Vereine zu stärken.

Wichtige Neugründungen waren die Niederlassung der Redemptoristen im Wallfahrtskloster Bornhofen 1850, die 1851 von Katharina Kasper gegründeten Armen Dienstmägde Jesu Christi in Dernbach und 1856 die Barmherzigen Brüder von Montabaur. Daneben entstanden soziale und caritative katholische Vereine, etwa Vincenzvereine und Gesellenvereine. Der „Nassauische Kirchenstreit“ von 1853 bis 1861 drehte sich vor allem um Pfarrstellen, Schulfragen und Kirchenverwaltung. Er nahm viele Themen des späteren Kulturkampfs vorweg, endete aber, als Staat und Kirche sich durch den politischen Liberalismus gemeinsam bedroht sahen.

Preußen und Kulturkampf

Nach der Annexion Nassaus durch Preußen 1866 arrangierte sich die Limburger Bistumsleitung zunächst mit dem neuen Staat. Blum verfolgte weiter zwei Hauptziele: Er wollte kirchliche Freiheiten sichern und die Simultanschulen abschaffen. Der Streit um diese Schulen mobilisierte viele Katholiken; eine Petition von 1868 forderte mit 25.000 Unterschriften Konfessionsschulen.

Der Kulturkampf begann im Bistum deutlich mit dem Jesuitengesetz von 1872. Jesuiten mussten Marienthal verlassen, später wurden weitere Ordensniederlassungen geschlossen. Das Klostergesetz vom 31. Mai 1875 traf besonders Waisenhäuser, Schulen und caritative Einrichtungen. Die sozialen Folgen waren vor allem in armen Gebieten wie Westerwald und Taunus spürbar.

Besonders einschneidend waren die Maigesetze von 1873. Sie regelten unter anderem die Ausbildung und Anstellung von Geistlichen und verlangten staatliche Genehmigungen bei Pfarrbesetzungen. Das Limburger Priesterseminar wurde nach mehreren Konflikten am 8. April 1876 geschlossen; am 28. April 1876 fand vorerst die letzte Priesterweihe in Limburg statt. Gegen Bischof Blum und mehrere Priester liefen Prozesse. Blum reagierte meist mit passivem Widerstand: Er bestritt die Zuständigkeit weltlicher Gerichte in Kirchenfragen, griff den Staat aber nicht direkt gewaltsam an. Geldstrafen gegen ihn liefen weitgehend ins Leere, weil er Besitz und pfändbare Einkünfte vorher kirchlichen Einrichtungen überlassen hatte.

1876 bereitete Blum das Exil vor. Unter dem Namen „Pastor Flos“ floh er über Dernbach, Koblenz, Mainz und Aschaffenburg nach Böhmen und blieb bis 1883 im Schloss Haid. Am 13. Juni 1877 wurde er in Abwesenheit richterlich abgesetzt. Im Bistum führte der Kulturkampf zu massiven Pfarrvakanzen: Bis zu 45 von 148 Pfarreien waren offiziell ohne Pfarrer, zusätzlich fehlten in 28 Pfarreien Kapläne. Gottesdienste wurden teilweise heimlich gefeiert. Am 1. Juli 1875 entzog das Brotkorbgesetz dem Bistum staatliche Zuwendungen; nach einer Berechnung wurden in achteinviertel Jahren 773.244 Mark und 62 Pfennige einbehalten. Blum kehrte nach seiner Begnadigung am 19. Dezember 1883 zurück und starb am 30. Dezember 1884.

Konsolidierung, Urbanisierung und Weimarer Zeit

Nach Blum folgten Christian Roos, Karl Klein und Dominikus Willi. Unter ihnen wurden kirchliche Strukturen wieder aufgebaut, Orden kehrten zurück, und das Priesterseminar nahm 1887 wieder seine Arbeit auf. Klein stand für einen Ausgleich zwischen Staat und Kirche. Unter ihm entstanden von 1887 bis 1897 17 neue Pfarreien und zwölf Seelsorgebezirke. 1888 kehrten die Zisterzienser in die Abtei Marienstatt zurück, 1892 gründeten die Pallottiner in Limburg das Mutterhaus ihrer deutschen Ordensprovinz.

Dominikus Willi, 1898 gewählt, war der einzige Ordensangehörige auf dem Limburger Bischofsstuhl. Seine Amtszeit war stark pastoral geprägt. Er richtete fünf neue Pfarreien und 21 Seelsorgebezirke ein. Der Ausbau betraf besonders Frankfurt und Wiesbaden, wo durch Zuzug der katholische Bevölkerungsanteil stark wuchs. In Frankfurt stieg der Anteil der Katholiken von 4,9 Prozent im Jahr 1851 auf 24,3 Prozent im Jahr 1913.

Im Ersten Weltkrieg und in der Weimarer Republik verschob sich der Schwerpunkt des Bistums weiter in die Städte. Unter Bischof Augustinus Kilian wurde die Seelsorge in Frankfurt zwischen 1917 und 1922 durch neue Pfarreien grundlegend neu organisiert. Das Preußenkonkordat von 1929 ordnete Limburg der Kirchenprovinz Köln statt Freiburg zu und stärkte Rom bei der Bischofswahl. Die erste Diözesansynode von 1920 behandelte Themen wie SPD-Mitgliedschaft, Kirchenaustritte und Jugendarbeit. 1926 begann der Lehrbetrieb an der Philosophisch-Theologischen Hochschule Sankt Georgen in Frankfurt. Unter Antonius Hilfrich, ab 1930 Bischof, wurde Frankfurt weiter gestärkt; 1933 kam der Landkreis Wetzlar zum Bistum, wodurch es seine bis heute bestehende geografische Ausdehnung erhielt.

Nationalsozialismus und Nachkriegszeit

Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 wartete Bischof Hilfrich zunächst die Haltung des Regimes zur Kirche ab. Bald kam es aber zu Repressionen: regimekritische Geistliche wurden verhaftet, katholische Verbände unter Druck gesetzt, die Rhein-Mainische Volkszeitung gleichgeschaltet und später eingestellt, katholische Bibliotheken durchsucht und katholische Jugendorganisationen bekämpft. 1937 wurde Hilfrichs Fastenhirtenbrief zur christlichen Erziehung von der Gestapo beschlagnahmt. Die Enzyklika „Mit brennender Sorge“ wurde im Bistum heimlich vervielfältigt und verteilt.

Die Verfolgung verschärfte sich weiter. Kirchliche Jugendorganisationen wurden am 25. November 1937 verboten. Konfessionelle Schulen wurden abgeschafft, kirchliche Pflegeanstalten für Behinderte aufgelöst. Die NS-Tötungsanstalt Hadamar, in der ab 1941 rund 14.000 Menschen ermordet wurden, lag nahe bei Limburg. Hilfrich protestierte am 13. August 1941 schriftlich beim Reichsjustizministerium gegen die Morde an Behinderten. Nach Klaus Schatz wurden aus dem Bistum mindestens fünf Katholiken wegen ihrer religiösen Überzeugung ermordet; fünf Weltgeistliche und zwölf Ordensleute mussten KZ-Haft erdulden.

Nach 1945 standen Wiederaufbau und soziale Hilfe im Mittelpunkt. Hilfrich starb 1947, Ferdinand Dirichs folgte kurzzeitig, und 1949 wurde Wilhelm Kempf Bischof. Besonders Frankfurt war stark zerstört: fast alle Kirchen, katholischen Altenheime und zwei kirchliche Krankenhäuser waren betroffen. Durch Heimatvertriebene wuchs die Zahl der Katholiken im Bistum von 530.000 auf 660.000. Neue Seelsorgestationen entstanden, vor allem im Wetzlarer und Marburger Raum. 1953 wurde der Frankfurter Dom wiedereröffnet. In Hessen und Rheinland-Pfalz wurde die staatliche Einziehung der Kirchensteuer geregelt, was dem Bistum eine stabile finanzielle Grundlage gab.

Reformen, Kamphaus und Gegenwart

Unter Wilhelm Kempf prägten das Zweite Vatikanische Konzil und seine Folgen das Bistum. Kempf war beim Konzil einer von fünf Untersekretären, bremste Reformen im eigenen Bistum aber teilweise vorsichtig. Die Ökumene gewann an Bedeutung; am 22. Mai 1966 fand in der Frankfurter Katharinenkirche der erste ökumenische Gottesdienst im Bistum statt. Das Bistum entwickelte synodale Strukturen, also Beratungs- und Mitbestimmungsformen mit Laien. 1969 wurde es in elf Bezirke aufgeteilt, 1972 erhielt das Ordinariat eine neue Dezernatsstruktur. Zugleich sanken Gottesdienstbesuch und Priesterzahlen, während Pastoral- und Gemeindereferenten, darunter viele Frauen, wichtiger wurden.

1982 wurde Franz Kamphaus Bischof. In seine Amtszeit fiel 1999 bis 2002 der Konflikt um die Schwangerschaftskonfliktberatung in kirchlicher Trägerschaft: Kamphaus hielt das Angebot zunächst gegen päpstliche Anweisung aufrecht und unterwarf sich 2002. Ab 2002 sollte der Prozess „Sparen und Erneuern“ die Kirchenstrukturen konsolidieren und bis 2008 einen ausgeglichenen Haushalt erreichen. Die Zahl der Pfarreien sank bis 2007 von 368 auf 347. 2005 entstanden drei Jugendkirchen: Crossover in Limburg, Jona in Frankfurt-Sachsenhausen und Kana in Wiesbaden-Nordost.

Nach Kamphaus wurde Franz-Peter Tebartz-van Elst 2008 Bischof. Seine Amtsführung und besonders der Umbau des Diözesanen Zentrums St. Nikolaus führten zu einer schweren Vertrauenskrise. 2013 wurden Kosten von rund 31 Millionen Euro genannt; zugleich gab es widersprüchliche Informationen darüber, wann der Vermögensverwaltungsrat welche Kostenstände kannte. Papst Franziskus nahm am 26. März 2014 Tebartz-van Elsts Rücktritt an. Seit 2016 ist Georg Bätzing Bischof von Limburg; 2020 wurde er Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz. Für 2025 beschreibt der Artikel weitere Umstrukturierungen, darunter den Umbau von St. Michael in Frankfurt-Nordend zur Begräbniskirche und die angekündigte Schließung des Meditationszentrums Heilig-Kreuz vor dem Hintergrund erwarteter Finanzprobleme.

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