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Geschichte der englischen Sprache

Ursprünglich ist die englische Sprache aus der nordseegermanischen Gruppe des Westgermanischen zusammen mit Scots und den friesischen Sprachen entstanden.

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Entstehung und Sprachstufen
  2. 2. Altenglisch: Dialekte, Grammatik und Einflüsse
  3. 3. Mittelenglisch: französischer Einfluss und Sprachumbau
  4. 4. Frühneuenglisch: Bildung, Normierung und Lautwandel
  5. 5. Modernes Englisch und weltweite Verbreitung

Entstehung und Sprachstufen

Die Geschichte des Englischen wird gewöhnlich in vier Stufen gegliedert: Altenglisch oder Angelsächsisch (ca. 450 bis ca. 1100), Mittelenglisch (ca. 1100 bis ca. 1500), Frühneuenglisch (ca. 1500 bis ca. 1700) und Neuenglisch beziehungsweise Modern English (ca. 1700 bis heute). Manche Darstellungen zählen das Frühneuenglische bereits zum Neuenglischen und unterscheiden deshalb nur drei Hauptstufen; dann beginnt Neuenglisch um 1500 und wird in Early Modern English von 1500–1700 sowie Late Modern English ab 1700 geteilt.

Englisch entstand zusammen mit Scots und den friesischen Sprachen aus der nordseegermanischen Gruppe des Westgermanischen. Scots und Friesisch gelten innerhalb des Westgermanischen als seine engsten Verwandten; mit Niederdeutsch, Niederländisch und Hochdeutsch ist es weniger eng verwandt, Hochdeutsch am entferntesten.

Die englische Sprachgeschichte ist besonders wichtig, weil sie erklärt, warum das heutige Englisch viele Wörter aus unterschiedlichen Sprachen besitzt, vergleichsweise wenig Flexion hat und Schriftbild und Aussprache oft deutlich auseinandergehen.

Altenglisch: Dialekte, Grammatik und Einflüsse

Die Sprachgeschichte beginnt Mitte des 5. Jahrhunderts mit der Eroberung Englands durch Jüten, Angeln und Sachsen. Aus den sieben Königreichen Northumbrien, Mercien, Ostanglien, Kent, Ostsachsen, Südsachsen und Westsachsen entstand die angelsächsische Heptarchie. Die Angeln gaben dem Land den Namen: Zuerst entstand die Bezeichnung englisc, daraus um 1000 Engla land.

Es gab vier altenglische Dialektgruppen: Anglisch mit Northumbrisch und Mercisch, Jütisch beziehungsweise Kentisch sowie Sächsisch mit Westsächsisch. Westsächsisch erhielt später die kulturelle Führungsrolle als „Standard Old English“; die meisten überlieferten Texte sind in diesem Dialekt geschrieben. Das Alphabet enthielt Zeichen, die heute nicht mehr verwendet werden: Þ (thorn), ð (eth), Ƿ (wynn) und æ (ash). Die Folge sc wurde [ʃ] gesprochen, etwa in scip gegenüber modernem ship. Auch Vokale unterschieden sich, beispielsweise altenglisch stān und neuenglisch stone.

Altenglisch war eine synthetische Sprache, also eine Sprache, in der Endungen viele grammatische Informationen ausdrücken. Substantive hatten vier Fälle; im heutigen Englisch ist vor allem der Genitiv als Unterschied erhalten. Es gab starke (vokalische) und schwache (konsonantische) Deklination, drei grammatische Geschlechter beim Artikel und mehr starke Verben als im heutigen Englisch. Im Verlauf der Sprachgeschichte gingen Flexionsendungen stetig zurück.

Der Wortschatz war überwiegend germanisch und bildete neue Wörter häufig aus eigenem Material, durch neue Bedeutungen oder Ableitungen mit Affixen, etwa mōd, mōdig und mōdcræftig. Später starben rund 85 % dieses Wortschatzes aus; grundlegende Wörter blieben erhalten. Keltischer Einfluss zeigt sich hauptsächlich in Orts- und Landschaftsnamen wie Themse. Das Lateinische brachte zunächst Begriffe aus Krieg, Handel und Alltag; ceaster aus lateinisch castra „Lager“ lebt etwa in Manchester fort. Mit Augustinus und der Christianisierung kamen religiöse und kirchliche Wörter hinzu, im 10. Jahrhundert mit der benediktinischen Regel auch Bildungswörter. Neue christliche Inhalte wurden teilweise dennoch mit einheimischen Wörtern bezeichnet, etwa god, heaven, gewritu und Hālig Gāst.

Wikingerangriffe begannen 793 mit Lindisfarne. Nach dem Vertrag von Wedmore von 886 erhielten Skandinavier das Danelaw und wurden zu Siedlern. Wegen der Sprachähnlichkeit kam es zu vielen Entlehnungen, etwa sky gegenüber englischem ship mit sh-. Wörter wie take, cast und cut ersetzten teilweise ältere Formen. Auch they, their und them sowie Formen von „sein“ wurden aus skandinavischem Einfluss übernommen.

Mittelenglisch: französischer Einfluss und Sprachumbau

Das Mittelenglische wurde durch die normannische Eroberung von 1066 geprägt. Wilhelm der Eroberer siegte nach der Schlacht bei Hastings und ersetzte den englischen Adel durch romanisierte Normannen. Dadurch entstand eine zweisprachige Gesellschaft: Die Oberschicht sprach Französisch, die übrige Bevölkerung Englisch. Englisch hatte zunächst geringes Prestige.

Ab 1204, nach dem Verlust der Normandie, fühlten sich viele anglonormannische Adlige stärker als Engländer. Der Hundertjährige Krieg ließ Französisch zudem als Sprache des feindlichen Landes erscheinen. Ab dem 13. Jahrhundert verwendeten Adel und Klerus zunehmend Englisch; auch die englischsprachige Mittelschicht gewann wirtschaftlich an Bedeutung. Englisch setzte sich daraufhin in Kirche, Verwaltung, Parlament, Gerichten, Schulen und Universitäten durch. Im 14. Jahrhundert, der Period of Great Individual Writers, schrieben unter anderem Geoffrey Chaucer, William Langland und John Wyclif auf Englisch. Ein Standard entstand ab Ende des 14. Jahrhunderts auf Grundlage des Londoner Dialekts, als Kompromiss zwischen dem konservativen Süden und dem radikalen Norden.

Der französische Wortschatz beeinflusste nahezu alle Lebensbereiche, etwa Regierung, Recht, Kirche, Militär, Mode, Medizin und Küche. Bis 1250 wurden etwa 900 Wörter übernommen, vor allem aus Adel, Literatur und Kirche. Schätzungsweise etwa 40 % aller französischen Wörter im heutigen Englisch gelangten zwischen 1250 und 1400 ins Englische. Alte Wörter wurden ersetzt, zum Beispiel æþele durch noble und ēam durch uncle, oder ihre Bedeutung wurde gegenüber französischen Wörtern abgegrenzt. Typisch sind cow – beef, sheep – mutton, pig – pork und calf – veal: Das angelsächsische Wort bezeichnet jeweils das Tier, das französische das Fleisch.

Grammatisch reduzierte sich die Flexion stark: Markierungen für Kasus, Numerus und Genus bei Substantiven und Adjektiven gingen zurück. Viele starke Verben wurden schwach oder verschwanden; das grammatische Geschlecht verschwand. Weil Endungen Satzfunktionen weniger deutlich markierten, wurde die Satzstellung Subjekt–Verb–Objekt (SVO) zunehmend notwendig und zur Regel.

Frühneuenglisch: Bildung, Normierung und Lautwandel

Im Frühneuenglischen förderte der Buchdruck die Entwicklung einer Standardsprache. Die Alphabetisierung gab mehr Menschen Zugang zu schriftlich festgehaltenem Wissen; zugleich setzte eine bewusste Beschäftigung mit Sprache ein.

Während der Renaissance stieg der Bedarf an Wörtern für Wissen und Bildung. Latein war die wichtigste Quelle: Manche Wörter wurden unverändert übernommen, etwa climax, andere durch Entfernen oder Veränderung lateinischer Endungen gebildet, beispielsweise -tas zu -ty. Entlehnungen konnten auch über das Französische erfolgen; bei consist und explore ist der genaue Weg nicht immer feststellbar. Shakespeare gilt als Autor mit dem größten Vokabular. Gegen viele als unnötig betrachtete, für Menschen ohne Lateinkenntnisse unverständliche Neuwörter richteten sich Puristen; sie nannten sie inkhorn terms.

Die Standardsprache führte zum Wunsch nach einheitlicher Rechtschreibung. Eine große Kluft zwischen Laut und Schrift bestand bereits durch fremdsprachliche Einflüsse, doch umfassende Orthographiereformen scheiterten. Im 18. Jahrhundert verlangte der wissenschaftliche Rationalismus eine geregelte und möglichst unveränderliche Sprache. Zwar scheiterte die geplante englische Sprachinstitution nach Vorbild der Académie française und der Accademia della Crusca, Grammatiker beanspruchten jedoch Autorität über den „korrekten“ Sprachgebrauch. Samuel Johnson veröffentlichte 1755 ein Wörterbuch, das aus heutiger Sicht mangelhaft ist.

Die wichtigste lautliche Entwicklung war die frühneuenglische Vokalverschiebung: Lange Vokale wurden angehoben, die höchsten wurden zu Diphthongen. Unbetonte Vokale schwächten sich zum Schwa [ə] ab.

Modernes Englisch und weltweite Verbreitung

Seit etwa 1700 entstehen durch technische, wissenschaftliche und gesellschaftliche Entwicklungen fortlaufend neue Wörter. Wissenschaftliche Begriffe werden oft aus lateinischen oder griechischen Elementen gebildet, etwa tele. Ältere Ausdrücke können neue Bedeutungen erhalten, beispielsweise stand by. Häufiger Gebrauch kann Bedeutungen verallgemeinern: nice und great drücken dann nur noch eine allgemeine positive Einschätzung aus. Bei Bedeutungsverengungen wurde doctor vom wissenschaftlichen Titel zur allgemeinen Bezeichnung für einen Arzt, nachdem es leech verdrängt hatte. Neue Wörter können von Eigennamen abgeleitet werden, etwa Sandwich, Colt, Boycott und Lynch.

Das Oxford English Dictionary (OED), seit Ende des 19. Jahrhunderts erarbeitet, sollte unbrauchbare Wörterbücher ersetzen. Es dokumentierte nach seinem Anspruch jedes englische Wort mit dessen Geschichte und umfasste schließlich rund 240.000 Einträge. Grammatisch wichtig sind Konversion, also der Wechsel einer Wortart ohne formale Änderung, sowie feste Wortverbindungen und Partikelverben.

Durch Kolonisation und das Empire verbreitete sich Englisch unter anderem nach Indien, Ozeanien, Afrika und Südostasien. In den USA und weiteren Regionen entstanden eigene Varietäten. 28 Prozent der 125 Pidgin- und Kreolsprachen basieren auf Englisch. Seit spätestens Mitte des 20. Jahrhunderts ist Englisch die wichtigste Gebersprache europäischer und vieler außereuropäischer Sprachen, übernimmt aber selbst Wörter aus mehr als 50 Sprachen, etwa volcano, kindergarten, magazine, guru, sake, coyote und kangaroo.

Die neuenglische Grammatik unterscheidet sich vom Frühneuenglischen kaum. Wesentlich ist die Verdrängung von thou „du“, thee „dir/dich“, thy beziehungsweise thine „dein“ und ye „ihr“ durch you, ursprünglich „euch“. Ye wurde nach normannischem Vorbild wie französisch vous als respektvolle Anrede einzelner Personen verwendet; thou galt ab dem 15. Jahrhundert zunehmend als intim, im 17. Jahrhundert als Beleidigung und starb dann aus. In traditioneller Liturgie bleibt die Anrede Gottes erhalten, etwa „Our Father, which art in Heaven, hallowed be Thy name“. Ye wird im irischen Englisch noch verwendet. Die alten Formen zeigen sich etwa in thou art und thou thinkest gegenüber he/she/it thinks und modernem you think.

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