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Geschichte der Ukraine während des Zweiten Weltkriegs

... Geschichte der Ukraine ab dem 1. September 1939, als mit dem deutschen Überfall auf Polen der Zweite Weltkrieg begann, bis zur frühen Nachkriegszeit. Die …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Ausgangslage und politische Ziele
  2. 2. Krieg, sowjetische Herrschaft und Widerstand
  3. 3. Deutsche Besatzung und Massenverbrechen
  4. 4. Partisanenkrieg und widersprüchliche Bündnisse
  5. 5. Deportationen, Grenzen und juristische Folgen
  6. 6. Neuordnung und sowjetische Nachkriegszeit

Ausgangslage und politische Ziele

Die Geschichte der Ukraine im Zweiten Weltkrieg umfasst vor allem die Zeit vom deutschen Überfall auf Polen am 1. September 1939 bis in die frühe Nachkriegszeit. Das Gebiet der heutigen Ukraine gehörte zuvor zu mehreren Staaten. Den größten Teil bildete die 1922 bei der Gründung der Sowjetunion entstandene Ukrainische SSR. Ostgalizien und Wolhynien gehörten zu Polen, die Nordbukowina und ein Teil Bessarabiens zu Rumänien und die Karpato-Ukraine zunächst zur Tschechoslowakei. Ihre heutige Ausdehnung erhielt die Ukraine erst nach dem Krieg.

Nach dem sowjetischen Einmarsch in Ostpolen am 17. September 1939 wurde Polen entsprechend den geheimen Zusatzprotokollen des Molotow-Ribbentrop-Paktes zwischen Deutschland und der Sowjetunion aufgeteilt. Ostgalizien und Wolhynien wurden der Ukrainischen SSR angegliedert. Viele Menschen in diesen Gebieten betrachteten jedoch sowohl die polnische als auch die sowjetische Herrschaft als Fremdherrschaft.

Eine wichtige politische Kraft war die Organisation Ukrainischer Nationalisten (OUN), die eine unabhängige Ukraine anstrebte. Sie ging 1929 in Wien aus der Ukrainischen Militärischen Organisation und einem Bund der Ukrainischen Nationalistischen Jugend hervor. 1940 spaltete sie sich in die von Andrij Melnyk geführte OUN-M, die „Melnykisten“, und die OUN-B unter Stepan Bandera, die „Banderisten“. Vorausgegangen waren eine Radikalisierung in Galizien, terroristische Anschläge und eine Eskalation gegenseitiger Gewalt. In Rumänien wurden ukrainische Organisationen und Zeitungen verboten; in der Tschechoslowakei hatte die Karpato-Ukraine dagegen Autonomie erhalten, kam 1938/39 aber unter ungarische Verwaltung.

Krieg, sowjetische Herrschaft und Widerstand

Die Ukraine war neben Weißrussland und dem Baltikum ein Hauptkriegsschauplatz. Der Artikel nennt insgesamt 8 Millionen Tote, darunter 5 Millionen Zivilisten und 1,6 Millionen ukrainische Juden. Beteiligt waren die Rote Armee, die deutsche Wehrmacht und ihre Verbündeten, Verbände der Waffen-SS sowie unterschiedliche Partisanengruppen. Der deutsche Generalplan Ost, der die Ansiedlung von 20 Millionen Deutschen in der Ukraine vorsah, wurde nicht verwirklicht.

Nach der sowjetischen Besetzung Ostpolens ließ die Sowjetunion im Oktober 1939 Abstimmungen abhalten. Eine formal gewählte „Westukrainische Nationalversammlung“ beantragte den Beitritt zur UdSSR, der anschließend gesetzlich beschlossen wurde. Kollektivierung, „Entkulakisierung“, Verbote ukrainischer Organisationen, Massenerschießungen und Deportationen ließen die Ablehnung der neuen Herrschaft wachsen. Die Deportationen betrafen nach Schätzungen zwischen 125.000 und 150.000 Menschen. Bis Ende 1939 flohen etwa 30.000 antisowjetisch eingestellte Ukrainer in die deutsch besetzten Gebiete.

Auch in den schon vor 1939 sowjetischen Landesteilen weckten die Erfahrungen mit Bürgerkrieg und stalinistischem Terror Hoffnungen auf eine Befreiung durch Deutschland. Beide OUN-Flügel kämpften gegen die Sowjetunion und wirkten 1941 beim deutschen Angriff mit. Die aus dem Umfeld der OUN-B hervorgegangene Ukrainische Aufständische Armee (UPA) bekämpfte außerdem die Polnische Heimatarmee.

Nach dem deutschen Angriff auf die Sowjetunion im Juni 1941 deportierte Stalin die Wolgadeutschen und etwa ein Viertel der Schwarzmeerdeutschen aus dem bisherigen sowjetischen Herrschaftsgebiet ins Landesinnere. Rund 300.000 sogenannte Ukrainedeutsche blieben zunächst zurück. Viele begrüßten den deutschen Einmarsch; einige arbeiteten für deutsche Behörden, traten in Wehrmacht oder SS ein und beteiligten sich auch an der Ermordung von Juden. Beim deutschen Rückzug flohen viele, wurden jedoch häufig von der Roten Armee eingeholt und später in andere Teile der Sowjetunion deportiert.

Deutsche Besatzung und Massenverbrechen

Nach dem schnellen deutschen Vormarsch 1941 hofften ukrainische Nationalisten auf einen eigenen Staat. Am 30. Juni 1941 proklamierten Mitglieder der OUN um Stepan Bandera und Jaroslaw Stezko in Lemberg einen ukrainischen Staat. Die deutsche Führung erkannte ihn nicht an; die Initiatoren wurden wenige Tage später verhaftet und in das KZ Sachsenhausen deportiert.

Die besetzten Gebiete wurden unterschiedlich verwaltet. Galizien kam zum Generalgouvernement. Die Bukowina, Bessarabien und das als „Transnistria“ bezeichnete Gebiet zwischen Dnjestr und südlichem Bug einschließlich Odessa standen unter rumänischer Herrschaft. Für einen großen Teil des übrigen Landes entstand das von Erich Koch geleitete Reichskommissariat Ukraine. Frontnahe Gebiete im Osten verwaltete das deutsche Militär unmittelbar.

Die Besatzung war von Ausbeutung, rassistischer Unterdrückung und Massenmord geprägt. Die Ukraine wurde wie eine Kolonie behandelt und musste unter anderem Getreide, Fleisch und Vieh an das Deutsche Reich liefern. Nach der nationalsozialistischen Rassenlehre galten Slawen als „Untermenschen“. Zahlreiche ukrainische Kriegsgefangene starben durch Hunger, Seuchen und Misshandlungen. Mehr als eine Million Ukrainer wurden als Zwangsarbeiter in Industrie und Landwirtschaft ins Deutsche Reich verschleppt; solche Transporte dauerten bis zum Rückzug der Wehrmacht an.

Besonders schwer waren die Verbrechen an den Juden. Schon nach dem Rückzug der Roten Armee beteiligten sich ukrainische Hilfspolizisten und Teile der Zivilbevölkerung an Pogromen. Im Sommer 1941 wurden bei einem größeren Pogrom in Lemberg schätzungsweise 5.000 Juden ermordet. Beim Massaker von Babyn Jar in Kiew töteten deutsche Einheiten am 29. und 30. September 1941 mehr als 30.000 Juden. SS und Sicherheitspolizei organisierten die systematische Ermordung; nach wenigen Monaten waren schätzungsweise 850.000 Juden getötet worden. Auch Mitglieder der OUN wirkten an solchen Verbrechen mit. Laut Artikel war die ukrainische Beteiligung am Holocaust in Galizien bis zum Ende deutlich höher als im Osten.

Insgesamt kämpften etwa 300.000 Ukrainer auf deutscher Seite. Der größte Verband war die bis zu 80.000 Mann starke Ukrainische Befreiungsarmee. 1943 wurden ungefähr 80.000 ukrainische Freiwillige angeworben; 17.000 von ihnen kämpften in der SS-Division „Galizien“. Viele verbanden damit die Hoffnung auf politische Eigenständigkeit und bessere Verhältnisse nach stalinistischem Terror und Holodomor.

Partisanenkrieg und widersprüchliche Bündnisse

Der Widerstand richtete sich je nach Zeitpunkt und politischer Gruppe gegen Polen, die Sowjetunion, die Rote Armee oder die deutschen Besatzer. Manche Organisationen bekämpften zeitweise mehrere Gegner gleichzeitig. Deshalb bildete der ukrainische Widerstand keine geschlossene Bewegung.

Die deutsche Gewalt- und Ausbeutungspolitik verstärkte den Widerstand. 1942 wurde die UPA gegründet, die bis etwa 1956 bestand. Sie führte vor allem in Polesien und Wolhynien einen Partisanenkrieg gegen Deutschland, Polen und die Sowjetunion. Zugleich strebte sie einen ethnisch reinen faschistischen Führerstaat an und verübte zahlreiche Massaker in Wolhynien und Ostgalizien.

1943 und 1944 entstand eine breitere Partisanenbewegung gegen die deutsche Besatzung. Neben ukrainischen Nationalisten kämpften kommunistische Gruppen, die besonders im Westen wenig Unterstützung fanden. Im Osten arbeiteten Partisanen teilweise mit der Roten Armee zusammen; unter den kommunistisch orientierten Widerstandskämpfern waren dem Artikel zufolge jedoch neben Russen und Weißrussen deutlich weniger Ukrainer. 1944 gründeten UPA-Anführer den „Obersten ukrainischen Befreiungsrat“. Die UPA setzte ihren Kampf gegen die Sowjetunion auch nach Kriegsende bis in die 1950er Jahre fort.

Deportationen, Grenzen und juristische Folgen

Während und nach dem Krieg wurden vor allem Ukrainer, Deutsche, Juden und Polen deportiert oder zwangsumgesiedelt. Bereits nach dem sowjetischen Einmarsch 1939 wurden in den annektierten Gebieten bestehende Führungsstrukturen aufgelöst, ihre Vertreter verhaftet und nach Osten gebracht. Betroffen waren hauptsächlich Polen, aber auch Juden und Ukrainer. Vertreibungen und Deportationen gelten als Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit; nach Artikel 46 der Haager Landkriegsordnung von 1907 müssen Besatzungsmächte Rechte und Eigentum der Bevölkerung schützen, während Artikel 50 Kollektivstrafen verbietet.

Die Konferenz von Jalta legte im Februar 1945 die Curzon-Linie als Westgrenze der Sowjetunion fest; nach Änderungen wurde sie infolge der Potsdamer Konferenz vom Juli 1945 verwirklicht. Ein polnisch-sowjetisches Abkommen vom 8. September 1944 sollte die folgenden Umsiedlungen rechtlich begründen. Im Zuge der Westverschiebung Polens wurde ungefähr eine Million Polen vor allem in Gebiete des heutigen Westpolen umgesiedelt, in denen zuvor Deutsche gelebt hatten. Etwa eine halbe Million Ukrainer aus Gebieten östlich der Curzon-Linie wurde in ehemals ostpolnischen Gebieten angesiedelt. Der Artikel bezeichnet diese Zwangsumsiedlungen als ethnische Säuberungen.

Die Lemken, eine ukrainische Bevölkerungsgruppe der Karpaten, waren zunächst ausgenommen. Nach einem Anschlag wurden ungefähr 150.000 von ihnen 1947 in der Operation Weichsel in ehemals deutsche Gebiete Polens deportiert. Dadurch verlor die ukrainische Untergrundbewegung einen wichtigen Rückhalt. Stalin ließ außerdem zwischen 1946 und 1949 Hunderttausende Ukrainer nach Sibirien deportieren, während Hunderttausende Russen in die Ukraine einwanderten.

Die strafrechtliche Verfolgung deutscher Kriegsverbrechen wurde am 1. November 1943 in der Moskauer Erklärung vereinbart: Täter sollten in den Ländern vor Gericht gestellt werden, in denen sie ihre Verbrechen begangen hatten. Im Dezember 1943 fand der Kriegsverbrecherprozess von Charkow statt; weitere Prozesse folgten in Kiew und Mariupol.

Neuordnung und sowjetische Nachkriegszeit

Bis Oktober 1944 hatte die Rote Armee das ukrainische Gebiet von der Wehrmacht zurückerobert. Die Konferenzen von Teheran, Jalta und Potsdam bestimmten die Nachkriegsgrenzen. Mit der Westverschiebung Polens und der Eingliederung der Karpato-Ukraine, die 1944 erstmals sowjetisches Gebiet wurde, waren nahezu alle Ukrainer in einem Staat vereinigt. Die vorgesehenen Ausweisungen sollten offiziell „geregelt und human“ erfolgen; der Artikel betont jedoch unter Berufung auf Augenzeugenberichte, dass dies nicht der Wirklichkeit entsprach und Behörden mögliche Heimkehrer behinderten.

Die Sowjetunion gliederte die Ukraine politisch und gesellschaftlich ein und betrieb ihre Gleichschaltung. Nach außen erhielt sie eine begrenzte Eigenständigkeit und wurde neben Weißrussland Gründungsmitglied der Vereinten Nationen. Die Außenpolitik blieb jedoch Sache der Sowjetunion, sodass die ukrainische Stimme zuverlässig die Position Stalins unterstützte.

Im Inneren ging der Staat gegen national orientierte Ukrainer und die Unierte Kirche vor. Diese musste die Anerkennung des Papstes als Kirchenoberhaupt aufgeben; ihre Gläubigen wurden der Russisch-Orthodoxen Kirche unterstellt, konnten aber im Untergrund weiterwirken. Ab 1946 richteten sich Kampagnen gegen den „bürgerlichen ukrainischen Nationalismus“ und die „feindliche bürgerlich-nationale Ideologie“. Besonders betroffen waren Historiker, Komponisten, Literaturwissenschaftler und Schriftsteller. Rund 10.000 Angehörige dieser Eliten, darunter Juden, wurden verhaftet und nach Sibirien deportiert; viele fielen den erneuten stalinistischen Säuberungen zum Opfer.

Die UPA blieb mit mehreren Zehntausend Kämpfern im Westen aktiv und verübte Sabotageakte und Attentate auf sowjetische Funktionäre, bei denen Tausende starben. Wegen der Unterstützung durch Teile der Zivilbevölkerung hielt sich der Widerstand in den galizischen und karpatischen Wäldern jahrelang. Seit 1948 wurde er auch mithilfe von Umsiedlungen entscheidend geschwächt. 1950 fiel der UPA-Kommandeur Roman Schuchewytsch; die Kämpfe dauerten dennoch einige Jahre an. Damit waren nach dem Krieg zwar die meisten Ukrainer in einem Staat vereint, aber weiterhin unter sowjetischer Herrschaft.

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