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Geschichte der Stadt Zürich
Die Stadt Zürich bestand als Turicum schon zu römischer Zeit, stieg aber erst im Mittelalter in die Reihe der grösseren Schweizer Städte auf.
Inhalt6 Abschnitte
- 1. Ursprünge und Entwicklung zur Stadt
- 2. Reichsstadt, Handel und politische Selbstverwaltung
- 3. Zunftverfassung, Bündnisse und Ausbau des Stadtstaates
- 4. Reformation und Stadtrepublik im Ancien Régime
- 5. Helvetik, Liberalismus und der Aufstieg Zürichs
- 6. Grossstadt, politische Konflikte und Zürich seit 1914
Ursprünge und Entwicklung zur Stadt
Zürich entstand an einer strategisch wichtigen Stelle am Ausfluss des Zürichsees, wo Waren zwischen See- und Flussschiffen umgeladen werden konnten. Die Stadt bestand unter dem römischen Namen Turicum bereits in der Antike, wurde aber erst im Mittelalter zu einer der grösseren Schweizer Städte. Ihre politische und kulturelle Entwicklung wurde besonders durch das Grossmünster- und das Fraumünsterstift geprägt.
Die frühesten Siedlungsspuren stammen aus Feuchtbodensiedlungen der Egolzwiler Kultur (4430–4230 v. Chr.). Weitere Siedlungen bestanden in der Jungsteinzeit, Bronzezeit und frühen Eisenzeit. Die keltischen Helvetier siedelten rund um den Lindenhof; dort und auf dem Uetliberg bestanden wahrscheinlich befestigte Oppida. Münzfunde und die günstige Lage weisen auf einen Handelsplatz von etwa sieben Hektaren hin.
Nach der römischen Eroberung des östlichen Helvetiens 15 v. Chr. entstand auf dem Lindenhof ein Militärstützpunkt. Später entwickelte sich am Fuss des Hügels der offene Marktflecken, ein vicus, mit einer Zollstation des gallischen Zolls. Reisende und Waren wurden beim Übergang in die Provinz Raetia abgefertigt; der Zoll betrug 2,5 Prozent. Turicum gehörte zunächst zu Gallia Belgica und später zu Germania superior. Der Ort war nicht an eine wichtige Hauptstrasse angeschlossen, gewann seine Bedeutung aber durch See, Limmat und Sihl. Der vicus hatte wahrscheinlich 250 bis 350 Einwohner.
Im 4. Jahrhundert wurde auf dem Lindenhof ein Kastell mit acht bis zehn Türmen errichtet. Als die römischen Truppen 401 das Gebiet nördlich der Alpen verliessen, wurden Siedlung, Strassen und Infrastruktur wahrscheinlich weiterbenutzt. Eine vollständige Zerstörung ist archäologisch nicht nachweisbar. Romanische Bevölkerung und alemannisch-fränkische Zuwanderer lebten offenbar zunächst nebeneinander.
Im Frühmittelalter blieb das Kastell ein Mittelpunkt der Siedlung und der weltlichen Herrschaft. Nach der Eingliederung Alamanniens in das Frankenreich gehörte Zürich zum Reich Ludwigs des Deutschen. 853 stattete Ludwig ein bestehendes Frauenkloster mit Landbesitz, Immunität und eigener Gerichtsbarkeit aus und übergab es seiner Tochter Hildegard. Damit entstand das königliche Eigenkloster Fraumünster. Wahrscheinlich wurde zugleich eine karolingische Pfalz auf dem Lindenhof errichtet. Weitere religiöse Zentren waren St. Peter und das Grossmünster, das auf einen Konvent bei den Gräbern der Stadtpatrone Felix und Regula zurückging.
Reichsstadt, Handel und politische Selbstverwaltung
Im 9. und 10. Jahrhundert bestand Zürich aus mehreren Zentren: Pfalz, Fraumünster, Grossmünster und St. Peter waren durch Einfriedungen oder Wallanlagen geschützt. Dazwischen entwickelte sich eine städtische Siedlung, die ab dem 10. Jahrhundert als civitas bezeichnet wurde. Unter Ottonen und Saliern wurde die Pfalz im 11. und 12. Jahrhundert erweitert. Könige und Kaiser hielten sich häufig in Zürich auf; hier fanden Reichstage und Feste statt.
Zürich besass seit dem Frühmittelalter Zoll- und Marktrechte und wurde im 11. und 12. Jahrhundert zum bedeutendsten Marktort für die Zentral- und Ostschweiz. Handelsverbindungen führten nach Norditalien sowie über den Rhein bis nach Holland und Flandern. Die Stadt prägte Münzen, verfügte über eigene Masse und entwickelte eine Textilindustrie mit Exporten von Wollwaren, Leinenstoffen und verarbeiteten Seidenprodukten.
Die Herrschaft über Zürich lag zunächst beim deutschen König beziehungsweise beim Herzog von Schwaben. Reichsvögte übten die königlichen Rechte aus. Nach dem Aussterben der Zähringer 1218 teilte Friedrich II. die Reichsvogtei auf. Die Stadt und angrenzende Gebiete fielen an das Fraumünster, während Gross- und Fraumünster reichsunmittelbar wurden. Die Königsurkunde von 1219 verlieh dem Rat rechtliche und politische Kompetenzen für eine kommunale Selbstverwaltung. Zürich wurde damit zur Reichsstadt; 1262 bestätigte König Richard von Cornwall ausdrücklich die Reichsfreiheit der Bürgerschaft.
Seit 1220 ist ein Stadtrat nachweisbar, der ab 1225 ein eigenes Siegel führte. Um 1250 wurde im Richtebrief das geltende Stadtrecht schriftlich gesammelt. Es regelte unter anderem Friedenssicherung, Verbrechen gegen Leib und Leben, Fehden, Zuständigkeiten von Rat und Gericht sowie Polizeimassnahmen. Der Rat bestand zunächst vor allem aus Rittergeschlechtern und Patriziern. Die Äbtissin des Fraumünsters blieb bis 1433 formell die wichtigste Stadtherrin und verfügte über Zoll-, Markt- und Münzrechte sowie über Einfluss auf Gerichte und Ämter.
Um 1300 lebten etwa 8000 bis 9000 Menschen in Zürich. Die Bevölkerung umfasste Stadtadlige, wohlhabende Bürger und Kaufleute sowie rechtlose Handwerker und Leibeigene. Rund 200 bis 300 Juden, Cawertschen und Lombarden waren im Kredit- und Geldhandel tätig, besassen aber keine politischen Rechte. Bauliche Zeichen des Aufstiegs waren Steinhäuser, Adelstürme, Klöster der Bettelorden, ein Rathaus und eine zweite Stadtbefestigung.
Zunftverfassung, Bündnisse und Ausbau des Stadtstaates
1336 erhoben sich die Handwerker unter Führung des Ritters Rudolf Brun gegen die bisherigen Ritter- und Bürgergeschlechter. Der Erste Geschworene Brief von 1336, 1337 von Kaiser Ludwig IV. bestätigt, schuf die Brunsche Zunftverfassung. Die Handwerker wurden in 13 Zünften organisiert; Ritterschaft und Geldaristokratie bildeten die Konstaffel. Der 26-köpfige Stadtrat bestand aus je 13 Vertretern der Zünfte und der Konstaffel. An der Spitze stand ein auf Lebenszeit gewählter Bürgermeister mit weitreichenden Befugnissen. Die Verfassung blieb trotz mehrerer Änderungen in ihren Grundzügen bis 1798 bestehen.
Bruns Herrschaft war auch von Gewalt und Ausgrenzung geprägt. Am 24. Februar 1349 wurden im Pogrom alle männlichen Juden Zürichs getötet; Frauen und Kinder flohen. Die Synagoge wurde zerstört, Besitz und Schulden wurden zwischen Stadt und König aufgeteilt. 1350 scheiterte ein Angriff der Opposition auf die Stadt, die sogenannte Mordnacht von Zürich.
Am 1. Mai 1351 schloss Zürich ein ewiges Bündnis mit Uri, Schwyz, Unterwalden und der entstehenden Eidgenossenschaft. Habsburg belagerte Zürich 1351, 1352 und 1354 erfolglos; 1355 kam ein Friede zustande. Durch geschicktes Taktieren zwischen Habsburgern, Luxemburgern und Eidgenossen erhielt Zürich weitere Reichsrechte. Dazu gehörten 1362 und 1365 der Zürichsee bis Hurden mit Fischerei- und Schifffahrtsrechten, Rechte an Rapperswiler Erbschaften und die Möglichkeit, Reichslehen im Umkreis von drei Meilen einzuziehen. 1400 erhielt der Rat das Recht, den Reichsvogt selbst zu wählen, und die Stadt wurde von der Reichssteuer befreit. Weitere Privilegien folgten 1415, 1431 und 1433. Zürich wurde dadurch in seinem Herrschaftsbereich faktisch unabhängig.
Der Zweite Geschworene Brief von 1393 begrenzte den Einfluss habsburgfreundlicher Adliger und Kaufleute. Zwei Räte, der Kleine und der Grosse Rat, regierten nun; ihre Mitglieder wurden faktisch lebenslang gewählt und ergänzten sich selbst. Zürich entwickelte sich zu einer Zunftaristokratie. Der Preis dieser Politik war der Niedergang des Fernhandels und der Seidenindustrie.
Im 15. Jahrhundert erwarb Zürich zahlreiche Herrschaften und Vogteien, darunter Greifensee, Grüningen, Regensberg, Kyburg, Winterthur, Stein am Rhein und Eglisau. Die Verwaltung blieb uneinheitlich, da erworbene Gebiete ihre alten Rechte und Ordnungen behielten. Der Alte Zürichkrieg gegen Schwyz endete 1450 mit einer Niederlage Zürichs und dem Verlust der Höfe. Gegen Ende des 15. Jahrhunderts stieg Zürich dennoch zum Vorort der Eidgenossenschaft auf. Nach dem Waldmannhandel und der Hinrichtung Hans Waldmanns 1489 erhielt die Landschaft begrenzte Mitwirkungsrechte, blieb aber politisch weitgehend ohne Rechte.
Reformation und Stadtrepublik im Ancien Régime
Vor der Reformation hatte der Stadtrat bereits zahlreiche kirchliche Befugnisse übernommen. 1518 wurde Ulrich Zwingli als Pfarrer am Grossmünster berufen. Ab 1520 führte er mit Unterstützung des Rates schrittweise die Reformation ein. In Disputationen wurden religiöse Fragen öffentlich erörtert; anschliessend entschied der Rat selbst über Massnahmen und Umsetzung. Die Täuferbewegung um Felix Manz und Konrad Grebel wurde verfolgt; Felix Manz wurde 1527 in der Limmat ertränkt.
Die Klöster wurden aufgelöst und ihr Besitz von der Stadt übernommen. Die Reformation übertrug die Aufsicht über Kirche, Schule und Armenwesen von der katholischen Kirche auf die Stadt. Die neuen Aufgaben wurden aus den Einkünften der säkularisierten Klöster und Stifte finanziert. Die reformierte Geistlichkeit kontrollierte die politischen Organe teilweise über den Examinatorenkonvent und die Synode. Nach Zwinglis Tod im Zweiten Kappelerkrieg 1531 wurde die weitere Ausbreitung der Reformation in der Eidgenossenschaft beendet. Heinrich Bullinger festigte den Zürcher Protestantismus und erarbeitete 1536 das erste Helvetische Bekenntnis sowie 1549 den Consensus Tigurinus mit Calvin.
Nach 1531 endete die militärische Expansion weitgehend. Bedeutende spätere Erwerbungen waren die Vogtei Laufen 1544, die Johanniterherrschaft Wädenswil 1549 und die Landvogtei Sax-Forstegg 1615. Glaubensflüchtlinge aus Frankreich und dem Tessin brachten neue Kenntnisse und Wirtschaftszweige, besonders in der Textilindustrie. Die Bevölkerung der Stadt wuchs von 8222 Einwohnern 1634 auf 11 100 im Jahr 1710.
Im 16. und 17. Jahrhundert schloss sich die Stadt politisch ab. Der Rat regierte zunehmend aristokratisch und absolutistisch; die Beteiligung der Zünfte und der Landschaft wurde eingeschränkt. Nach dem Westfälischen Frieden von 1648 bezeichnete sich Zürich als souveräne «Republik Zürich» und stellte sich rangmässig neben Stadtrepubliken wie Venedig und Genua. Im 18. Jahrhundert blühten Geistesleben, Presse und gelehrte Gesellschaften. Gleichzeitig herrschten zuletzt etwa 80 regimentsfähige Familien über Rat und Ämter.
Die Landschaft blieb wirtschaftlich und politisch benachteiligt. Stadtbürger kontrollierten Handwerk, Aussenhandel und die Veredelung von Seide und Baumwolle; auf dem Land verbreitete sich das Verlagssystem mit Heimarbeit. Forderungen nach Verfassung, Wirtschaftsfreiheit, Abschaffung von Feudallasten und besseren Bildungs- und Aufstiegsmöglichkeiten wurden unterdrückt. Der Stäfner Handel von 1794 verschärfte den Konflikt. 1798 wurde die Gleichheit von Stadt und Land proklamiert. Mit der Unterwerfung unter die helvetische Verfassung am 29. März 1798 endete die Stadtrepublik.
Helvetik, Liberalismus und der Aufstieg Zürichs
In der Helvetischen Republik wurde Zürich 1798 zu einer Munizipalgemeinde und staatsrechtlich vom Kanton getrennt. Französische Truppen besetzten die Stadt; Einquartierungen und Requisitionen belasteten die Bevölkerung. 1799 fanden die Erste und Zweite Schlacht bei Zürich statt. Während des Stecklikriegs 1802 wurde die Stadt von helvetischen Truppen belagert und beschossen.
Die Mediationsverfassung von 1803 stellte den Kanton Zürich als politische Einheit wieder her, gab der Stadt aber Vorrechte. Ein 15-köpfiger Gemeinderat, ab 1804 Stadtrat genannt, leitete die Stadtgemeinde. Die ehemaligen Besitzungen des Stadtstaates wurden zwischen Kanton und Gemeinden aufgeteilt. Die teilweise Wiedereinführung von Grundzinsen und Zehnten führte 1804 zum Bockenkrieg. Gleichzeitig begann mit Hans Kaspar Eschers mechanischer Baumwollspinnerei und Maschinenfabrik die Industrialisierung.
Nach 1815 blieb die Stadt politisch dominant. Bauern und ländliche Fabrikanten forderten Gewaltenteilung, Wirtschaftsfreiheit, Volkssouveränität sowie die Abschaffung von Zehnten und Grundzinsen. Der Ustertag vom 22. September 1830 leitete die Regeneration ein. Die Verfassung von 1831 machte Zürich zu einem «Freystaat mit repräsentativer Verfassung», führte Volkssouveränität, Gewaltenteilung und politische Gleichheit ein und schaffte Zunftzwang und Zehnten ab. Zwei Drittel der Sitze im Grossen Rat gingen an die Landschaft.
Das Bildungswesen wurde modernisiert: 1832 entstanden ein Lehrerseminar und die Kantonsschule, 1833 die Universität Zürich. Die Universität öffnete 1864 ihre Türen für Frauen. 1833 begann die Schleifung der Stadtbefestigung, die 1903 endete. Sie symbolisierte das Ende der städtischen Vorherrschaft. Der Züriputsch vom 5./6. September 1839 stürzte jedoch die radikal-liberale Regierung und brachte vorübergehend eine konservative Regierung an die Macht.
Ab 1845 setzten sich die Liberalen wieder durch. Zürich wurde zum Zentrum der Industrialisierung und des liberalen Bundesstaates. Die am 7. August 1847 eröffnete Bahnlinie nach Baden war die erste vollständig in der Schweiz liegende Bahnlinie. Alfred Escher stärkte Zürich als Zentrum von Handel, Verkehr, Banken und Versicherungen. Die Stadt erhielt den Sitz der Eidgenössischen Polytechnischen Schule, der heutigen ETH Zürich. Nach Eingemeindungen wuchs Zürich von 56 700 Einwohnern 1871 auf 251 000 im Jahr 1930. 1893 wurden Wollishofen, Enge, Leimbach, Wiedikon, Aussersihl, Wipkingen, Oberstrass, Unterstrass, Fluntern, Hottingen, Riesbach und Hirslanden zu Quartieren von Gross-Zürich.
Grossstadt, politische Konflikte und Zürich seit 1914
Die grosse Bauperiode ab den 1860er Jahren prägte Zürich nachhaltig. Der Fröschengraben wurde ab 1864 zur Bahnhofstrasse umgestaltet. Arnold Bürkli schuf Seeuferanlagen, Bürkliplatz und Quaibrücke und sanierte das Abwassersystem. Für das Grossbürgertum entstanden repräsentative Bauten, während Arbeiterquartiere mit Mietskasernen wuchsen. Die Stadtbevölkerung stieg von 17 243 Personen 1800 auf 150 703 im Jahr 1900. Tram- und Eisenbahnlinien sowie das Strassennetz wurden im 19. Jahrhundert grundlegend ausgebaut.
Im Ersten Weltkrieg war Zürich ein Zentrum linksradikaler Agitation. Lenin lebte ab Februar 1916 zeitweise in der Stadt. Gleichzeitig verschärfte sich der Gegensatz zwischen Sozialisten und bürgerlichen Kräften. Während des Landesstreiks 1918 kam es in Zürich jedoch zu keinen blutigen Zusammenstössen zwischen Militär und Streikenden. Ausländische Intellektuelle prägten das Kulturleben; James Joyce arbeitete in Zürich an «Ulysses», und ein Kreis von Künstlern begründete den Dadaismus.
1928 erlangte die Sozialdemokratie erstmals die absolute Mehrheit in Stadtrat und Gemeinderat. Zürich wurde zum «Roten Zürich». Die Weltwirtschaftskrise führte zu hoher Arbeitslosigkeit und sozialen Konflikten. 1934 wurden Albisrieden, Altstetten, Höngg, Affoltern, Seebach, Oerlikon, Schwamendingen und Witikon eingemeindet. Die Landesausstellung von 1939 wurde zu einem Symbol der geistigen Landesverteidigung.
Im Zweiten Weltkrieg herrschten Verdunkelung, Kohleknappheit und Sorge vor einem Einmarsch oder Bombenkrieg. Zürich wurde am 27. Dezember 1940 und am 4. März 1945 versehentlich bombardiert. Der wirtschaftliche Einbruch blieb aus: Nach 1945 folgten Vollbeschäftigung, Zuwanderung, Wohnungsbau und starkes Wachstum. Der Flughafen Zürich-Kloten wurde 1946 beschlossen; ab 1949 flog Swissair regelmässig nach New York. Die Stadt wurde zunehmend multikulturell. 1949 endete die Vorherrschaft des «Roten Zürich»; Emil Landolt prägte als bürgerlicher Stadtpräsident die Zeit bis 1966.
Seit den 1960er Jahren führten Jugendproteste, Wohnungsnot, Stadtzerstörung und fehlende Räume für alternative Kultur zu Konflikten. Die Globuskrawalle von 1968 und die Opernhauskrawalle von 1980 mündeten in Forderungen nach einem Autonomen Jugendzentrum. Das AJZ wurde 1980 eröffnet, aber 1982 geschlossen. Danach prägten offene Drogenszenen am Platzspitz und später am Bahnhof Letten die Stadt. Ab 1990 wurden diese Szenen durch Räumungen und die heroingestützte Behandlung Schwerstsüchtiger beendet.
Mit Josef Estermanns Wahl zum Stadtpräsidenten 1990 endete die politische Blockade. Die neue Bau- und Zonenordnung von 1992 und die Umgestaltung ehemaliger Industrieareale machten Zürich seit den 1990er Jahren erneut zu einer modernen Metropole. Zürich West, Sihlcity und Oerlikon wurden neu entwickelt; 2011 entstand der 126 m hohe Prime Tower. Der Dienstleistungs- und Bankensektor ersetzte viele Industriearbeitsplätze, zugleich stammen bis zu 50 % der städtischen Steuereinnahmen aus dem Bankensektor. Verkehrspolitische Grossprojekte wie das Autobahn-«Ypsilon» und eine U-Bahn scheiterten teilweise oder vollständig. Die S-Bahn wurde 1990 eröffnet, die Nordumfahrung 1985 und die Westumfahrung 2009. Seit der Revitalisierung der Innenstadt um die Jahrtausendwende wächst die Bevölkerung wieder; steigende Wohnkosten und die sogenannte «Seefeldisierung» führten teilweise zur Verdrängung der bisherigen Wohnbevölkerung.