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Wikipedia · einfach zusammengefasst · Stand

Sihl

Die Sihl ist ein Schweizer Fluss und grösster Nebenfluss der Limmat. Sie entwässert Teile der Schwyzer Voralpen und fliesst dann in einem schmalen Korridor …

Inhalt4 Abschnitte
  1. 1. Überblick und Verlauf
  2. 2. Einzugsgebiet, Zuflüsse und Abfluss
  3. 3. Mündungsgebiet, Nutzung und Hochwasserschutz
  4. 4. Brücken

Überblick und Verlauf

Die Sihl ist ein Schweizer Fluss und der grösste Nebenfluss der Limmat. Sie ist 69 km lang, entspringt auf 1872 m ü. M. am Nordosthang des Drusbergs zwischen Höch Hund und Mieserenstock und mündet auf 402 m ü. M. am Platzspitz in Zürich in die Limmat. Damit beträgt ihr Höhenunterschied 1470 m, das Sohlgefälle 21 ‰. Ihr Wasser fliesst über Limmat und Aare in den Rhein und weiter zur Nordsee.

Die Sihl entwässert Teile der Schwyzer Voralpen und fliesst nordwestwärts in einem schmalen Korridor südlich des Zürichsees zur Stadt Zürich. Bei Einsiedeln wird sie zusammen mit der etwas grösseren Minster zum Sihlsee gestaut. Dieser ist mit 11 km² Oberfläche der grösste Stausee der Schweiz. Unterhalb der Staumauer wird ein grosser Teil des Wassers zur Energiegewinnung durch den Etzel nach Altendorf SZ und von dort in den Zürichsee geleitet; durchschnittlich könnten 88 % des natürlichen Zuflusses genutzt werden.

Bei Biberbrugg mündet die Alp, der grösste Nebenfluss, in die Sihl. Unterhalb von Schindellegi folgt ein Abschnitt an beziehungsweise auf der Grenze der Kantone Zürich und Zug; bei Schönenberg liegen Stromschnellen, der Sihlsprung. Von Sihlbrugg an fliesst sie durch das Zürcher Sihltal zwischen Albis und Zimmerberg, durch den Sihlwald, weiter über Adliswil nach Zürich. Dort verläuft sie teilweise unter der Sihlhochstrasse, nimmt kurz vor der Mündung den Schanzengraben auf, unterquert die 16 oberirdischen Geleise des Hauptbahnhofs und fliesst in die Limmat.

Einzugsgebiet, Zuflüsse und Abfluss

Das Einzugsgebiet umfasst nach den Daten 344,26 km²; in der Einleitung werden 341 km² genannt. Es reicht von den Schwyzer Voralpen bis ins Schweizer Mittelland. Seine mittlere Höhe beträgt 1042,4 m ü. M.; die tiefste Stelle liegt bei 379 m ü. M., die höchste bei 2268 m ü. M. Die Fläche besteht zu 42,0 % aus bestockter Fläche, zu 41,3 % aus Landwirtschaftsflächen, zu 8,0 % aus Siedlungsflächen und zu 8,7 % aus unproduktiven Flächen.

Die wichtigsten Zuflüsse sind Alp, Minster und Grossbach. Die Alp ist 20,1 km lang, hat ein Einzugsgebiet von 83,38 km² und ist der grösste Nebenfluss. Die Minster ist 13,1 km lang und mündet in den Sihlsee; sie ist der zweitgrösste Nebenfluss. Auch der 7,2 km lange Grossbach mündet in den Sihlsee und ist der drittgrösste Nebenfluss. Kurz vor der Mündung nimmt die Sihl rechts den 1,7 km langen Schanzengraben auf, einen Abfluss aus dem Zürichsee.

Am Pegel Zürich, Sihlhölzli, 2,1 km oberhalb der Mündung, beträgt der mittlere Abfluss (MQ, 1938–2020) 6,78 m³/s. Der mittlere Niedrigwasserabfluss (MNQ, 1938–2020) liegt bei 3,69 m³/s, der mittlere Hochwasserabfluss (MHQ, 1938–2020) bei 10,4 m³/s. Das höchste Hochwasser (HHQ) erreichte 2005 280 m³/s; der niedrigste Abfluss (NNQ) betrug 1950 750 l/s. Die höchsten monatlichen Mittelwerte wurden im April mit 8,18 m³/s und im Juni mit 8,02 m³/s gemessen, der niedrigste im Oktober mit 5,20 m³/s.

Mündungsgebiet, Nutzung und Hochwasserschutz

Früher transportierte die Sihl jährlich 18'000 m³ oder mehr Geschiebe, also abgelagertes Gesteinsmaterial, aus den Alpen nach Zürich. In frühgeschichtlicher Zeit besass ihr Delta mehrere Mündungsarme, die auch südlich des Lindenhofhügels in den Zürichsee flossen. Im 1. Jahrtausend vor Christus staute das Geröll den Abfluss der Limmat, wodurch der Zürichsee deutlich anstieg. In römischer Zeit wurde Geröll an der Sihlmündung entfernt; der Seespiegel sank stark. Seit spätestens 853 wird alles Sihlwasser nördlich des Lindenhofhügels in die Limmat geleitet. Ein später Sihlkanal genannter Mündungsarm versorgte bis ins 20. Jahrhundert Wasserräder in der Innenstadt.

Die Sihl diente zunächst der Holzflösserei aus dem Sihlwald nach Zürich. Später nutzten zahlreiche Fabriken ihre Wasserkraft zur Energiegewinnung oder ihr Wasser als Prozesswasser. Im 20. Jahrhundert entstanden mehrere Wasserkraftwerke. Wassernutzungsrechte von Fabriken führten insbesondere im Abschnitt vor Zürich zu deutlichem Wasserverlust; Flusskorrekturen verringerten dort die hohe Strömungsgeschwindigkeit.

Das letzte grosse Sihl-Hochwasser in der Stadt Zürich ereignete sich 1910. Starke Unwetter in den Schwyzer Voralpen können Zürich weiterhin überschwemmen. Bei einem Bruch der Sihlsee-Talsperre würde die Flut Leimbach nach eineinhalb Stunden, das Stadtzentrum nach knapp zwei Stunden und Altstetten nach knapp drei Stunden erreichen. Nach dem Alpenhochwasser 2005 wurden Schutzmassnahmen beschlossen: Seit April 2022 wird ein rund zwei Kilometer langer Entlastungsstollen gebaut, der sich nur bei Hochwasser füllt und rund 300 m³ Wasser pro Sekunde in den Zürichsee leiten soll. Der Durchstich erfolgte am 26. November 2024; im Sommer 2026 soll das 175-Millionen-Projekt betriebsbereit sein.

Ein 2017 errichteter, 350 m langer Schwemmholzrechen bei Rütiboden soll mitgerissenes Holz zurückhalten, damit es Brücken nicht blockiert und Überschwemmungen auslöst. Er kann 12'000 Tonnen Schwemmholz aufnehmen, etwa 1200 Lastwagenladungen. Zusätzlich kann der Pegel des Sihlsees vor Unwettern gesenkt werden. Für den Hauptbahnhof Zürich, besonders die unterirdischen Durchgangsbahnhöfe, sind Schlauchdämme bei der Europaallee vorgesehen.

Brücken

Rund 80 Brücken überspannen die Sihl. Neun davon sind denkmalgeschützt. Dazu zählen die Teufelsbrücke am Etzel, eine Steinbogenbrücke mit hölzernem Überbau von 1699, die gedeckte Holzbrücke Babenwaagbrücke von 1849, die Sparrenaubrücke aus Stahlbeton von 1902, die Höcklerbrücke als Eisenstabbogenbrücke von 1866 und die Stauffacherbrücke als Betonbogenbrücke von 1899.

Über den Sihlsee führen der 2011–2014 gebaute Steinbach-Viadukt und der 1937 eröffnete Willerzeller-Viadukt. Neun Eisenbahnbrücken queren die Sihl; die Sihltalbahn allein überquert sie fünfmal. Kurz vor der Mündung führt die 1929/30 gebaute SBB-Geleisebrücke des Zürcher Hauptbahnhofs über den Fluss. Die 1974 eröffnete, nicht fertiggestellte Brücke der Sihlhochstrasse verläuft etwa 1,5 km von Zürich-Brunau bis Zürich-Sihlhölzli.

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