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Geschichte der Stadt Würzburg

Die Geschichte der Stadt Würzburg beginnt urkundlich belegbar 704, als Castellum Virteburch. Im Mittelalter wurde die Stadt ein wirtschaftliches, …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Grundzüge der Stadtgeschichte
  2. 2. Mittelalterliche Bischofsstadt
  3. 3. Reformation, Barock und Krisen
  4. 4. Von Bayern bis zur Moderne
  5. 5. Nationalsozialismus und Zweiter Weltkrieg
  6. 6. Wiederaufbau und Gegenwart

Grundzüge der Stadtgeschichte

Die Geschichte Würzburgs ist seit dem 1. Mai 704 urkundlich belegt: In einer Schenkungsurkunde Herzog Hedans II. für Bischof Willibrord erscheint der Ort als castello Virteburch. Schon früher war der Marienberg wahrscheinlich besiedelt; eine undatierte Fliehburg weist darauf hin. Im 5. Jahrhundert siedelten Alemannen, im 6. und 7. Jahrhundert folgte die Fränkische Landnahme. Ab etwa 650 war Würzburg ein fränkisch-thüringischer Herzogssitz der Merowinger.

Für die spätere Bedeutung der Stadt waren zwei Entwicklungen zentral: die kirchliche Stellung und die politische Herrschaft der Bischöfe. Die Missionare Kilian, Kolonat und Totnan wirkten vermutlich 685–689 in der Gegend und starben 689 als Märtyrer. 742 wurde das Bistum Würzburg vom Papst bestätigt. Die erste Pfarrkirche auf der rechten Mainseite war St. Martin, gegründet 745 durch den ersten Bischof Burkard; ab Ende des 8. Jahrhunderts entstand der Würzburger Dom.

Würzburg wurde im Mittelalter zu einem wirtschaftlichen, geistlichen und hoheitlichen Zentrum. Mit der Julius-Maximilians-Universität, die in der Tradition der 1402 gegründeten Hohen Schule steht, gilt Würzburg zudem als klassische Universitätsstadt. Weitere akademische Einrichtungen sind die Hochschule für Musik Würzburg, gegründet 1797, und die Fachhochschule Würzburg-Schweinfurt, gegründet 1971. Im Wintersemester 2014/15 prägten rund 33.500 Studierende und weitere Hochschulangehörige das städtische Leben.

Mittelalterliche Bischofsstadt

Zur Bischofsstadt wurde Würzburg durch eine Urkunde König Konrads II. vom 13. Oktober 1030. Darin erhielt der Würzburger Bischof Münzrecht, Zollrecht und Marktrecht sowie die Gewalt über die Mainfähre und die Gerichtsbarkeit über die Bürgerschaft. Die Grafen von Henneberg hatten als Hochstiftsvögte den Blutbann, also die Hohe Gerichtsbarkeit, sowie als Burggrafen die Militärgewalt inne.

Im Hochmittelalter war Würzburg eng mit der Reichspolitik verbunden. 1127 fand hier das erste Ritterturnier auf deutschem Boden statt. Von 1120 bis 1133 entstand die erste steinerne Brücke. 1146 predigte Bernhard von Clairvaux in Würzburg für den Kreuzzug. Am 17. Juni 1156 heiratete Friedrich I. Barbarossa hier Beatrix von Burgund. Auf dem Reichstag zu Würzburg 1168 verlieh Barbarossa dem Bischof Herold die Herzogswürde. Die Bischöfe konnten sich seitdem Fürstbischöfe nennen und den Titel „Herzog in Franken“ führen.

Die Stadt entwickelte ein städtisches Wirtschaftsleben mit Zünften, also Berufsverbänden von Handwerkern. Die Schmiedezunft ist 1279 erstmals erwähnt. Zwischen Bürgerschaft, Zünften und Fürstbischof kam es wiederholt zu Konflikten. Am 11. Januar 1400 wurden die seit 1250 andauernden Auseinandersetzungen in der Schlacht von Bergtheim zugunsten des bischöflichen Stadtherrn entschieden. Würzburg verlor seine politische Selbstständigkeit, und die Zünfte wurden zunächst verboten.

Würzburg war zugleich ein Ort kirchlicher und sozialer Einrichtungen. Karmeliter, Minoriten, Dominikaner und Dominikanerinnen gründeten Klöster. 1319 entstand das Bürgerspital zum Heiligen Geist. Neben Spitälern gab es Siechenhäuser für Menschen mit ansteckenden Krankheiten. Leprosorien, also Häuser für Leprakranke, sind in Würzburg und Umgebung mehrfach nachweisbar, darunter ein Hospiz bei der Margaretenkapelle seit 1088 und ein Sondersiechenhaus vor dem Sander Tor seit 1322.

1402 gründete Fürstbischof Johann von Egloffstein die Universität Würzburg als Hohe Schule zu Würzburg; der Lehrbetrieb musste jedoch bald aus Geldmangel und anderen Gründen ausgesetzt werden. 1479 begann in Würzburg der Buchdruck mit Georg Reyser. Im Deutschen Bauernkrieg wurde die Festung Marienberg im Mai 1525 erfolglos angegriffen. Die Bauern forderten in zwölf Artikeln unter anderem persönliche Freiheit, das Ende der Erbuntertänigkeit unter den Fürstbischof sowie Mäßigung bei Steuer- und Fronforderungen.

Reformation, Barock und Krisen

Unter Fürstbischof Julius Echter von Mespelbrunn begann in Würzburg eine Phase der Renaissance und Gegenreformation. Er ließ 1573 das später am 12. März 1597 offiziell gestiftete Juliusspital errichten, baute die 1572 abgebrannte Festung Marienberg als Renaissanceschloss wieder auf und gründete 1582 die Universität Würzburg neu. Nach ihm wurde sie später Julius-Maximilians-Universität genannt.

Zwischen 1603 und 1630 kam es im Hochstift zu zahlreichen Hexenprozessen. Für das ganze Stift wird von über 900 Getöteten ausgegangen, für die Stadt Würzburg von etwa 200. Eine Namensliste enthält 157 Personen und weitere 219 Opfer allein für die Stadt. Auch Menschen, die unter Folter nicht gestanden, wurden nicht freigelassen und später meist auf dem Scheiterhaufen hingerichtet. Der letzte Hexenprozess in Würzburg fand am 21. Juni 1749 statt: Maria Renata Singer von Mossau wurde nach ihrer Enthauptung auf dem Marienberg am Hexenbruch verbrannt.

Im Dreißigjährigen Krieg eroberte Gustav II. Adolf von Schweden am 14./15. Oktober 1631 die Stadt. Am 16. und 17. Oktober ließ er Schloss Marienberg erstürmen; dabei wurden 700 Menschen getötet, darunter viele Zivilisten und Geistliche. Bücher aus der Hofbibliothek und aus Würzburger Kollegien und der Universität wurden nach Uppsala gebracht. Die Stadt musste hohe Geldzahlungen leisten und verarmte. Nach der schwedischen Niederlage bei Nördlingen 1634 wurde Würzburg erneut geplündert; am 14. Oktober 1634 nahmen kaiserliche Truppen die Stadt ein, und am 15. Januar 1635 kapitulierte die schwedische Garnison auf dem Schloss.

In der Barockzeit gewann Würzburg wieder große überregionale Bedeutung. Künstler, Bildhauer, Schlosser, Uhrmacher und Baumeister prägten das Stadtbild. Die Stadt wurde wegen vieler barocker Hausmadonnen als „Stadt der 1000 Madonnen“ beschrieben. 1697 entstand das erste Kaffeehaus. Unter Fürstbischof Johann Philipp von Greiffenclau zu Vollraths kam es zwischen 1699 und 1719 zu bedeutender Kunst- und Bautätigkeit. Besonders wichtig wurde die Würzburger Residenz: Ihr Bau begann 1720 und wurde 1744 abgeschlossen. 1981 wurde die wiederaufgebaute Residenz mit Hofgarten und Residenzplatz in das UNESCO-Weltkulturerbe aufgenommen.

Von Bayern bis zur Moderne

Die politische Ordnung änderte sich um 1800 grundlegend. Im Ersten und Zweiten Koalitionskrieg wurde Würzburg mehrfach von französischen, österreichischen und bayerischen Truppen besetzt oder beschossen. 1802 wurde Würzburg erstmals bayerisch; der Fürstbischof Georg Karl von Fechenbach dankte am 28. November 1802 als weltlicher Fürst ab. Am 1. Februar 1806 entstand das Großherzogtum Würzburg unter Ferdinand III. aus der Toskana. Weil es dem Rheinbund beitrat, musste es Kriegsmaterial stellen. Nach Napoleons Niederlage fiel Würzburg 1814 endgültig an Bayern.

Im Königreich Bayern wurde Würzburg Verwaltungszentrum. 1817 wurde es Hauptstadt des Untermainkreises, der 1838 zum Kreis Unterfranken und Aschaffenburg wurde. 1817 gründeten Friedrich Koenig und Andreas Bauer im säkularisierten Kloster Oberzell die Schnellpressenfabrik Koenig & Bauer. 1819 begannen in Würzburg die Hep-Hep-Krawalle gegen jüdische Bürger; jüdische Geschäfte und Häuser wurden angegriffen, viele der etwa 400 jüdischen Bewohner flohen vorübergehend. Die Ausschreitungen breiteten sich von Würzburg auf über 80 Orte im Deutschen Bund und darüber hinaus aus.

Im 19. Jahrhundert modernisierte sich die Stadt stark. 1823 ging der älteste noch betriebene Pegel am Main in Betrieb. 1842 verkehrte regelmäßig ein Dampfboot zwischen Würzburg und Frankfurt. 1850 erhielt Würzburg Anschluss an das Telegrafennetz, 1854 an die Eisenbahn. Ab 1855 entstand ein Gaswerk, ab 1884 elektrische Beleuchtung, ab 1887 ein Telefonnetz. Die Festungseigenschaft wurde 1867 aufgehoben, danach folgten Entfestigung, Stadterweiterung und Ringparkanlage. 1882 begann die Pferdebahn, 1900 die elektrische Straßenbahn.

Würzburg wurde auch Wissenschafts- und Bildungsstandort. Wilhelm Conrad Röntgen entdeckte 1895 im Physikalischen Institut der Universität Würzburg die nach ihm benannte Röntgenstrahlung. Neue Universitätsgebäude, Schulen, Vereine, soziale Einrichtungen und kulturelle Orte entstanden. Während des Ersten Weltkriegs begann eine neue Belastungsphase; nach der Revolution von 1918 bildete sich am 9. November in Würzburg ein Arbeiter- und Soldatenrat. Im April 1919 gab es kurzzeitig eine dreitägige Würzburger Räterepublik.

Nationalsozialismus und Zweiter Weltkrieg

Nationalsozialistische Strukturen entstanden in Würzburg früh, blieben aber zunächst weniger erfolgreich als in anderen bayerischen Städten. 1919 wurde eine Ortsgruppe des Deutschvölkischen Schutz- und Trutzbundes gegründet, 1922 eine NSDAP-Ortsgruppe. 1924 saß erstmals ein Nationalsozialist im Stadtrat. Bis 1933 blieb jedoch die Bayerische Volkspartei stärkste Partei.

Nach der Ernennung Adolf Hitlers zum Reichskanzler am 30. Januar 1933 erhielt die NSDAP bei der Reichstagswahl am 5. März 1933 in Würzburg 31 Prozent der Stimmen. Im März 1933 wurden Hakenkreuzfahnen auf öffentlichen Gebäuden gehisst, das Verlagshaus Echter besetzt, jüdische Geschäfte geschlossen und Boykottaktionen sowie Berufsverbote gegen jüdische Rechtsanwälte und Ärzte durchgesetzt. Oberbürgermeister Hans Löffler musste am 23. März zurücktreten; Theo Memmel wurde sein Nachfolger. Am 10. Mai 1933 fand auf dem Residenzplatz eine öffentliche Bücherverbrennung statt. Im Novemberpogrom 1938 wurden die Heidingsfelder Synagoge, jüdische Geschäfte und Einrichtungen zerstört; der Weinhändler Ernst Lebermann starb nach Misshandlung und Haft.

Die ersten Deportationen jüdischer Bürger erfolgten am 27. November 1941: 202 Menschen wurden vom Güter-Verladebahnhof Aumühle nach Riga transportiert. Die letzten Deportationen von Würzburg aus fanden am 17. Juni 1943 statt, nach Auschwitz und Theresienstadt. Würzburg spielte außerdem eine wichtige Rolle bei der Aktion T4, der systematischen Ermordung von Psychiatrie-Patienten und behinderten Menschen. Zentral war Werner Heyde, Professor für Psychiatrie und Neurologie an der Universität Würzburg und Leiter der „medizinischen Abteilung“ der „Euthanasie“-Zentrale. Auf dem Gelände der Nervenklinik bestand ein Außenlager des KZ Flossenbürg.

Im Zweiten Weltkrieg wurde Würzburg seit 1935 auf Krieg und Luftschutz vorbereitet. Erste Luftangriffe gab es 1942 und 1944. Am 16. März 1945 griffen Bomber der Royal Air Force Würzburg und Heidingsfeld an. Der Angriff dauerte 17 Minuten, tötete über 5000 Menschen und zerstörte die Innenstadt zu 90 Prozent. Weitere Angriffe trafen Versbach und Unterdürrbach. Anfang April 1945 erreichten amerikanische Truppen Würzburg. Die Wehrmacht sprengte die drei Mainbrücken, es kam zu schweren Kämpfen in der zerstörten Innenstadt. Etwa 1.000 deutsche Soldaten und 300 Amerikaner fielen. Am 5. April 1945 wurde der letzte Widerstand in den Außenbezirken gebrochen.

Wiederaufbau und Gegenwart

Nach Kriegsende organisierte die US-Army die Grundversorgung mit Lebensmitteln, medizinischer Hilfe, Wasser und Postverkehr. Gustav Pinkenburg wurde von den Amerikanern als Oberbürgermeister eingesetzt. Nationalsozialisten wurden teils für Aufräumarbeiten herangezogen. 1945 wurden 320 Mitarbeiter der Stadtverwaltung wegen NSDAP-Mitgliedschaft entlassen. Parteien wurden neu zugelassen: die KPD 1945, die SPD 1945, die CSU 1946 und die FDP 1947. Die Entnazifizierung und die Spruchkammerverfahren begannen 1946.

Der Wiederaufbau war eine der größten Aufgaben der Nachkriegszeit. Die Zerstörung vom 16. März 1945 gehörte im Ausmaß zu den umfassendsten unter deutschen Großstädten. Trümmerfrauen und Trümmermänner räumten die Stadt; fast 30 Kilometer Gleisnetz der Trümmerbahn führten zum Mainufer, von wo Schutt per Schiff abtransportiert wurde. Die Residenz wurde durch Abdichtungsmaßnahmen vor weiterem Zerfall geschützt. Beim Wiederaufbau wurden wichtige Einzeldenkmäler, vor allem viele Kirchen der Altstadt, äußerlich rekonstruiert; nur wenige Bürgerhaus-Ensembles und Traditionsinseln wurden wiederhergestellt. 1963 erklärte Oberbürgermeister Helmuth Zimmerer den Wiederaufbau der Stadt für abgeschlossen.

Seit den 1960er Jahren entwickelte sich Würzburg weiter zur Bildungs-, Verwaltungs- und Verkehrsstadt. 1965 hatte Würzburg 121.778 Einwohner, und am Hubland begannen Bauarbeiten zur Universitätserweiterung. 1966 wurde das neue Stadttheater eröffnet, 1970 die neue Synagoge errichtet, 1971 die Fachhochschule Würzburg-Schweinfurt gegründet. Von 1972 bis 1975 entstanden Fußgängerzonen in der Innenstadt. 1981 wurden die Carl-Diem-Halle und die neue Universitätsbibliothek am Hubland eröffnet. 1985 eröffnete das Congress-Centrum Würzburg.

Würzburg erhielt auch europäische und kulturelle Anerkennung: Am 14. Oktober 1973 wurde die Stadt mit dem Europapreis ausgezeichnet. 1981 wurde die Residenz UNESCO-Weltkulturerbe. 1990 und 2018 fanden Bayerische Landesgartenschauen in Würzburg statt. 2004 feierte die Stadt ihr 1300-jähriges Stadtjubiläum. Ein neueres einschneidendes Ereignis war der terroristische Anschlag am 18. Juli 2016 in einer Regionalbahn bei Würzburg, der in Heidingsfeld mit der Erschießung des Attentäters endete.

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