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Färöer
→ Hauptartikel: Geologie und Geographie der Färöer. Die Färöer liegen auf 62° nördlicher Breite und 7° westlicher Länge im Nordatlantik zwischen Schottland …
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Lage, Status und Grunddaten
Die Färöer sind eine aus 18 Inseln bestehende Inselgruppe im Nordatlantik zwischen Schottland, Norwegen und Island. Sie sind ein autonomer Bestandteil des Königreichs Dänemark und gelten seit dem Vertrag von Fámjin von 2005 als „gleichberechtigte Nation“ innerhalb des Königreichs. Seit 1948 besitzen sie weitgehende Selbstverwaltung. Die Hauptstadt ist Tórshavn; Amtssprachen sind Färöisch und Dänisch. Die Fläche beträgt 1.395,74 km², die Einwohnerzahl lag im Januar 2023 bei 54.227 und die Bevölkerungsdichte bei 38,6 Einwohnern pro km². Bis auf Lítla Dímun sind alle Inseln ständig bewohnt.
Die Staatsform ist eine parlamentarische Monarchie mit Selbstverwaltung. Staatsoberhaupt ist der dänische König Frederik X., das färöische Parlament heißt Løgting. Die Färöer entsenden außerdem zwei Abgeordnete in das dänische Folketing. Sie gehören weder zur Europäischen Union noch zu deren Zollgebiet und sind auch nicht Mitglied des Schengen-Raums. Seit dem 1. November 2006 bilden sie eine Wirtschaftsunion mit Island.
Die Färinger verstehen sich mehrheitlich als eigenständiges, von den Wikingern abstammendes Volk. Ihre Sprache entwickelte sich aus dem Altwestnordischen und ist mit Isländisch und Norwegisch verwandt. Während früher Schafzucht und Wollausfuhr entscheidend waren, beruht die heutige Wirtschaft vor allem auf Fischerei und Fischzucht.
Naturraum und Klima
Der Archipel liegt ungefähr auf 62° nördlicher Breite und 7° westlicher Länge. Zu ihm gehören neben den 18 Inseln 11 Holme und etwa 750 Schären. Von Norden nach Süden misst er 118 km, von Westen nach Osten 75 km. Die stark zerklüftete Küste ist 1.289 km lang; kein Punkt liegt mehr als fünf Kilometer vom Meer entfernt. Viele Orte befinden sich an geschützten Häfen, Fjorden oder Buchten. Der höchste Berg ist der Slættaratindur mit 880 m. Kap Enniberg gilt mit 754 m als höchstes senkrecht aus dem Meer ragendes Kliff der Welt.
Die etwa 60 Millionen Jahre alten Inseln sind vulkanischen Ursprungs und bestehen hauptsächlich aus übereinanderliegenden Basalt- und weicheren Tuffschichten. Steinkohlevorkommen bei Hvalba entstanden aus früherer Vegetation. Während der Eiszeiten formten Gletscher die heutigen Fjorde, Sunde und Täler.
Das Klima ist maritim, feucht, windig und sehr wechselhaft. Sonne, Regen und dichter Nebel können rasch aufeinander folgen. Der Golfstrom sorgt trotz der nördlichen Lage für milde Temperaturen: Im Sommer beträgt der Durchschnitt etwa 11 °C, im Winter etwa 3 °C. Die Häfen bleiben eisfrei. Für Tórshavn werden eine mittlere Jahrestemperatur von 6,5 °C, 1.284 mm Jahresniederschlag und 209 Regentage angegeben.
Die Landschaft ist überwiegend grasbewachsen und von Natur aus heute fast baumlos. Ob die Tieflagen vor der menschlichen Besiedlung bewaldet waren, ist nicht endgültig geklärt. Nationalblume ist die gelbe Sumpfdotterblume, färöisch Sólja. Künstliche Anpflanzungen umfassen nach UN-Kriterien etwa 100 Hektar Wald, vor allem Nadelbäume; manche südamerikanischen Baumarten vertragen die kühlen Sommer und starken Winde besonders gut. Angebaut werden unter anderem Gras, Getreide, Kartoffeln, Rhabarber und Gewächshausgemüse.
Die isolierte Lage erklärt das Fehlen vieler Tiergruppen. Ursprünglich gab es keine Reptilien, Kröten, Süßwasserfische oder Landsäugetiere; Kegelrobben kommen jedoch vor. Die Vogelwelt umfasst 309 Arten und Unterarten, davon 85 Brutvogelarten. Nationalvogel ist der Austernfischer. Bedeutende Seevögel sind Eissturmvogel, Papageitaucher, Dreizehenmöwe und Trottellumme. Menschen brachten unter anderem Schafe, Rinder, Pferde, Hunde und Katzen auf die Inseln.
Bevölkerung, Sprache und Religion
Die Bevölkerung konzentriert sich vor allem in geschützten Buchten und an den flacheren Ostküsten. 98 % der rund 50.000 in der entsprechenden Statistik erfassten Einwohner waren Bürger des dänischen Königreichs. 91,7 % waren auf den Färöern, 5,8 % in Dänemark und 0,3 % in Grönland geboren. Daneben lebten Menschen aus insgesamt 77 Ländern auf den Inseln.
Nach der mittelalterlichen Besiedlung blieb die Bevölkerung lange bei ungefähr 4.000 Menschen und überschritt bis ins 18. Jahrhundert nie 5.000. Die Pest tötete um 1349/50 etwa die Hälfte der Bevölkerung. Starkes Wachstum setzte mit Hochseefischerei und medizinischem Fortschritt ein. Eine Wirtschaftskrise führte Anfang der 1990er Jahre zu deutlicher Auswanderung; später entstand wieder Nettozuwanderung. Die amtliche Reihe nennt 54.547 Einwohner zum 1. Januar 2025. Die Lebenserwartung betrug 2016 insgesamt 80,4 Jahre, bei Männern 77,8 und bei Frauen 83,1 Jahre.
Färöisch ist eine kleine germanische Sprache aus dem Altnordischen. Nach der Reformation wurde es um 1540 aus offiziellen Bereichen verdrängt und vor allem mündlich durch Balladen bewahrt. Im 19. Jahrhundert entstanden Verschriftlichung und heutige Rechtschreibung; im 20. Jahrhundert setzte sich Färöisch als Hauptsprache in Schule, Verwaltung und Öffentlichkeit durch. Dänisch ist weiterhin amtliche Verkehrssprache und wird in der Schule unterrichtet. Die Sprachpolitik bildet bewusst färöische Wörter für moderne Begriffe. Neben etwa 45.000 ethnischen Färingern auf den Inseln gibt es mindestens 15.000 weitere Muttersprachler, vor allem in Dänemark.
Die Christianisierung begann nach der Überlieferung 999 durch Sigmundur Brestisson. 2017 gehörten rund 80 % der evangelisch-lutherischen Staatskirche und etwa 7–10 % den Brüdergemeinden an. Weitere christliche Kirchen sowie kleine Bahai- und muslimische Gemeinschaften sind ebenfalls vertreten.
Geschichte, Autonomie und Politik
Die ältesten bekannten Besiedlungsspuren sind verkohlte Gerstenkörner aus der Mitte des 4. bis zur Mitte des 6. Jahrhunderts; weitere Funde stammen aus dem späten 6. bis späten 8. Jahrhundert. Irische Mönche siedelten wahrscheinlich ab etwa 625 in kleinen Gruppen. Die wichtigste Landnahme erfolgte im 9. Jahrhundert: Flüchtlinge aus Norwegen kamen ungefähr 820–860, Wikinger aus Irland und Schottland etwa 880–900. Als erster Siedler gilt in der Färingersaga Grímur Kamban.
Ab 1035 gehörten die Inseln zu Norwegen, behielten wegen ihrer Entfernung aber beträchtliche Eigenständigkeit. Der Schafsbrief von 1298 diente als eine Art Grundgesetz; Teile seiner Vorschriften zur Außenmarktbewirtschaftung gelten noch heute. 1380 kamen die Färöer unter die dänisch-norwegische Krone und blieben nach dem Frieden von Kiel 1814 bei Dänemark. Die Reformation von 1538 stärkte die Stellung der dänischen Sprache.
Im 19. Jahrhundert entwickelten sich die neufäröische Schriftsprache und eine nationale Bewegung. Das dänische Handelsmonopol wurde 1856 aufgehoben. Das Weihnachtstreffen von 1888 verband den Einsatz für die eigene Sprache mit dem Wunsch nach nationaler Selbstbestimmung; seit der Gründung politischer Parteien 1906 wurde die Bewegung zunehmend politisch.
Großbritannien besetzte die Inseln am 12. April 1940, nachdem Deutschland Dänemark und Norwegen besetzt hatte. Die Briten bauten den Flughafen Vágar und erweiterten die Selbstverwaltung. In einer Volksabstimmung von 1946 stimmten bei 66,4 % Beteiligung 48,7 % für und 47,2 % gegen staatliche Unabhängigkeit. Dänemark erkannte das Ergebnis nicht an, vereinbarte aber das Autonomiegesetz von 1948. Der Vertrag von Fámjin erweiterte 2005 die außenpolitischen Befugnisse.
Heute regeln die Färöer viele innere Angelegenheiten selbst. König Frederik X. ist Staatsoberhaupt; die dänische Regierung wird durch eine Reichsombudsschaft vertreten. Regierungschef ist Beinir Johannesen, das Parlament das Løgting. Außen- und Sicherheitspolitik sind weiterhin mit Dänemark verbunden. Ein Teil der Parteien fordert volle Unabhängigkeit, andere befürworten die Union; beide Lager sind annähernd gleich stark. Die Färöer besitzen kein eigenes Militär und ihre Bürger unterliegen nicht der dänischen Wehrpflicht.
Geografisch werden sechs Regionen unterschieden: Norðoyar, Eysturoy, Streymoy, Vágar, Sandoy und Suðuroy. Politisch bestehen seit 2017 insgesamt 29 Gemeinden. Die Bevölkerung verteilt sich auf 116 Siedlungen.
Infrastruktur und Wirtschaft
Internationale Verkehrszentren sind der Hafen Tórshavn und der Flughafen Vágar. Das fast vollständig asphaltierte Straßennetz wird durch Brücken, Fähren und unterseeische Tunnel ergänzt. Der Vágatunnilin wurde 2002, der Norðoyatunnilin 2006, der 11.238 m lange Eysturoyartunnilin 2020 und der Sandoyartunnilin 2023 eröffnet. Dadurch besitzen etwa 90 % der Bevölkerung eine feste Straßenverbindung untereinander. Busse verbinden die Orte, Fähren und Hubschrauber erschließen weitere Inseln.
Etwa 95 % der Bevölkerung nutzen das Internet. Das Telefonnetz ist seit 1998 vollständig digitalisiert, Mobilfunk ist flächendeckend vorhanden und zwei Glasfaserkabel verbinden die Inseln mit der Außenwelt. Bei der Stromerzeugung lieferten Wind- und Wasserkraft 2014 zusammen 51 %. 2019 waren es wegen eines trockenen und windarmen Jahres nur 40 %: 13 % Wind- und 27 % Wasserkraft. Der Versorger SEV strebt vollständig erneuerbaren Strom an.
Fischerei, Fischzucht – vor allem Lachs – und Tourismus sind die wichtigsten Wirtschaftszweige. Fischereiprodukte stellen etwa 95 % des Warenexports; einschließlich exportierter Dienstleistungen sinkt der Anteil auf 82 %. Die Fischfangzone reicht 200 Seemeilen weit. 2005 betrug die Fangmenge 580.823 Tonnen. Anfang 2004 arbeiteten etwa 3.000 Menschen beziehungsweise rund 12 % der Erwerbstätigen in Fischerei und Verarbeitung. Landwirtschaft erzeugt vor allem Schaffleisch, Milchprodukte, Eier und Kartoffeln, kann den Bedarf aber nicht vollständig decken. Fast alle anderen Güter müssen durch Einnahmen aus dem Fischereiexport finanziert werden.
Seit Mitte der 1990er Jahre wurde nach Erdöl gesucht. Probebohrungen ergaben jedoch keine wirtschaftlich sinnvolle Förderung; Equinor schloss 2015 sein Büro. Der Grindwalfang wird heute als Subsistenzwirtschaft, also zur Selbstversorgung, betrieben und international wegen der Jagdmethode stark kritisiert. Zwischen 2001 und 2005 wurden 3.359 Tiere getötet. Seit Ende 2008 raten Gesundheitsbehörden wegen hoher Schadstoffkonzentrationen vom Verzehr des Fleisches ab.
Der Lebensstandard und das Bildungsniveau sind hoch. Der Mindestlohn betrug seit dem 1. Mai 2023 144,99 DKK beziehungsweise 19,41 Euro. Nach schweren Wirtschaftskrisen um 1990 sank die Arbeitslosenquote bis Juli 2023 auf 0,7 %. Zugleich sind die Lebenshaltungskosten hoch.
Kultur, Bildung, Medien und Sport
Die färöische Kultur verbindet Sprache, Wikingererbe und die Natur der Inseln. Zentrum ist Tórshavn mit dem Haus des Nordens, dem Landestheater, der Musikschule und dem Kunstmuseum. Wichtigstes Fest ist die Ólavsøka am 28. und 29. Juli mit Kulturveranstaltungen, Gesang und Ruderregatten.
Besonders bedeutend ist der färöische Kettentanz, bei dem mittelalterliche Balladen gemeinsam gesungen werden. Diese mündliche Tradition half, die Sprache während der jahrhundertelangen Vorherrschaft des Dänischen zu erhalten. Der Tanz ist kein bloßes Schauspiel, sondern ein Gemeinschaftserlebnis. Auch Musik und Literatur sind trotz der kleinen Bevölkerung vielfältig. Die Inseln besitzen ein Symphonieorchester und eine lebendige Szene von Klassik über Pop bis Rock und Metal. Die neufäröische Schriftsprache bildete die Grundlage einer eigenen Literatur. William Heinesen wurde international bekannt, schrieb jedoch auf Dänisch; Heðin Brú war der erste färöischsprachige Autor, dessen Werke in zahlreiche Sprachen übersetzt wurden. Die bildende Kunst entwickelte sich vor allem im 20. Jahrhundert; Sámal Joensen Mikines gilt als „Vater der färöischen Malerei“.
Das autonom verwaltete Bildungssystem ähnelt dem dänischen, die Unterrichtssprache ist grundsätzlich Färöisch. Es gibt drei Gymnasien sowie die Universität der Färöer mit Sprach-, Literatur-, Natur-, Geschichts- und Gesellschaftswissenschaften. Pädagogische Hochschule, Fischereihochschule, Volkshochschule, Landesbibliothek und Sprachrat ergänzen das Bildungswesen.
Seit 1957 sendet öffentlich-rechtliches Radio auf Färöisch, seit 1985 gibt es färöisches Fernsehen. Daneben bestehen private Radiosender, Zeitungen wie Dimmalætting, Sosialurin und Norðlýsið sowie das Nachrichtenportal portal.fo.
Mehr als 13.000 Menschen sind in Sportvereinen aktiv. Beliebt sind Fußball, Rudern, Handball, Volleyball und Schwimmen. Rudern im traditionellen Färöboot gilt als Nationalsport; die Saison endet mit den Regatten der Ólavsøka. Im Fußball sind die Färöer seit 1988 Mitglied von UEFA und FIFA. Bekannt wurde die Nationalmannschaft besonders durch das 1:0 gegen Österreich 1990. Färöische Schwimmer erzielten außerdem Erfolge bei internationalen Meisterschaften und den Paralympics. Das Land nimmt regelmäßig an den Island Games teil, ist aber nicht selbst Mitglied des Internationalen Olympischen Komitees.