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Geschichte der Stadt Dortmund

Im Juni 1282 schloss schließlich der Dortmunder Kaufmann Gerhard Merbode im Namen der Hanse einen Vertrag mit der Stadt London ab, in der sich die Hanse …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Überblick und frühe Entwicklung
  2. 2. Reichsstadt und Handelsstadt
  3. 3. Hanse, Fehde und Bedeutungsverlust
  4. 4. Reformation und Dreißigjähriger Krieg
  5. 5. Industrialisierung, Eingemeindungen und Diktatur
  6. 6. Wiederaufbau und Strukturwandel

Überblick und frühe Entwicklung

Die Geschichte Dortmunds reicht über 1100 Jahre zurück. Die Stadt hatte zwei Blütezeiten von europäischer Bedeutung: im 14. Jahrhundert als Vorort westfälischer Hansestädte und im 19. und 20. Jahrhundert als Zentrum der Montanindustrie, also von Kohle-, Eisen- und Stahlwirtschaft. Heute ist Dortmund die größte Stadt des Ruhrgebiets und Teil der Metropolregion Rhein-Ruhr.

Auf dem heutigen Stadtgebiet gibt es Siedlungsspuren seit der Jungsteinzeit, etwa ein ausgegrabenes Dorf zwischen Oespel und Marten. Bedeutende Funde sind der Goldschatz von Dortmund sowie frühmittelalterliche Friedhöfe in Wickede und Asseln.

Während der Sachsenkriege eroberte Karl der Große 775 die Sigiburg, die heutige Hohensyburg. Der Hellweg wurde als militärisch wichtige Straße ausgebaut und durch Burgen sowie Reichshöfe gesichert. Dortmund lag an der Kreuzung des Hellwegs mit einer Nord-Süd-Straße von Köln nach Norddeutschland und wurde zum bedeutendsten Königshof zwischen Duisburg und Paderborn. Die spätere Überlieferung schreibt Karl dem Großen die Stadtgründung zu, urkundlich ist dies jedoch nicht belegt.

Die älteste Nennung findet sich im Werdener Urbar von 880 bis 884: Ein freier Mann namens Arnold zahlte in „Throtmanni“ 8 Pfennige. 899 fand in „Trutmania“ die Übergabe von Besitzungen an das Stift St. Gereon in Köln statt. Im 10. Jahrhundert entwickelte sich Dortmund zu einer wichtigen Pfalz, also einem Aufenthalts- und Verwaltungsort der Könige. Heinrich I. hielt sich am 13. April 928 dort auf; Otto I. bezeichnete Dortmund 939 als „urbs Trotmanni“, eine befestigte stadtähnliche Siedlung. Die Reinoldikirche entstand zwischen 950 und 1000 vermutlich als Pfalzkirche.

Dortmund war zugleich Handels- und Münzort. Spätestens ab 983 wurde dort geprägt. Kaufleute besaßen ein wohl frühes Markt- oder Stadtrecht; um 1000 wurden ihre Rechte mit denen der Händler aus Mainz und Köln verglichen. Dortmund war ein wichtiger Umschlagsplatz für Erzhandel zwischen dem Raum Lüttich, Huy und Dinant sowie Goslar.

Reichsstadt und Handelsstadt

Im Hochmittelalter verlor Dortmund seine frühere zentrale Rolle als Königspfalz teilweise, wuchs aber wirtschaftlich weiter. 1114 wurde die Stadt geplündert und 1115 erneut befestigt und zerstört. Ein Privileg von 1145 sicherte Dortmunder Bürgern und Kaufleuten Zollfreiheit an königlichen Zollstätten, Schutz vor unrechtmäßigen Zweikämpfen und den ausschließlichen Gerichtsstand in Dortmund. Dies förderte Fernhandel und Zuzug.

Unter Friedrich Barbarossa wurde Dortmund wieder politisch wichtiger. In einer Urkunde von 1153 erscheint die Bezeichnung „in burgo Tremonia“; „burgus“ meint eine Siedlung mit städtischem Charakter. Bis zum Beginn des 14. Jahrhunderts wurde in den Quellen fast nur noch „Tremonia“ verwendet. Um 1200 entstand die bis heute am Wallring erkennbare Stadtmauer: zwei Mauern, durch einen Graben getrennt, rund 3300 Meter lang und mit 14 Türmen. Das ummauerte Gebiet umfasste 81 Hektar. Mit geschätzt 10.000 bis 15.000 Einwohnern zählte Dortmund im 13. Jahrhundert zu den größten Städten des Heiligen Römischen Reiches.

Ein Stadtbrand 1232 oder 1231 zerstörte Dortmund fast vollständig, darunter die Reinoldikirche und das Stadtarchiv. König Heinrich gewährte am 30. September 1232 einen zweiten, 14 Tage dauernden Jahrmarkt ab Michaelis, dem 29. September. In der Urkunde wurde Dortmund erstmals ausdrücklich als Reichsstadt bezeichnet: „civitas nostra Tremoniensis imperalis“. Friedrich II. erneuerte 1236 die verlorenen Privilegien.

Die Bürgerschaft gewann an Selbstverwaltung. 1241 verkaufte Graf Konrad von Dortmund Haus und Rechte am Markt an Stadt und Bürger; das Gebäude wurde Rathaus. Der Rat mit 18 Ratsherren war damit als anerkanntes Selbstverwaltungsorgan etabliert. 1260 durften jedoch nur Mitglieder der Reinoldigilde, der Vereinigung einflussreicher Fernkaufleute, Ratsherren werden. Handwerker waren in Gilden organisiert, hatten aber deutlich weniger politischen Einfluss.

Hanse, Fehde und Bedeutungsverlust

Dortmund gehörte zu den führenden Handelsstädten der Hanse. Dortmunder Händler handelten im Ostseeraum, in Flandern, London und Nowgorod. In der Kontorordnung des Peterhofs in Nowgorod von 1268 oder 1280 mussten zwei von acht Aldermännern aus Dortmund kommen. Um 1277 wickelten Dortmunder Kaufleute ein Siebtel der englischen Wollexporte nach Deutschland ab. Zwischen 1328 und 1342 führten sie 13.206 Sack Wolle von England nach Deutschland ein, fast den gesamten deutschen Wollimport aus England und etwa zehn Prozent des englischen Wollexports.

Dortmunder Kaufleute finanzierten auch König Eduard III. von England während des Hundertjährigen Krieges. Zwischen 1327 und 1345 liehen sie ihm ungefähr eine halbe Million Gulden. 1339 übernahmen sie eine Restschuld von 45.000 Gulden und verwahrten die Große englische Königskrone bis 1343. Als Gegenleistung mussten ihnen ab 1340 sämtliche Zölle auf das wichtigste Handelsgut Wolle abgetreten werden.

Das „Privilegium Ludovicianum“ von 1332 regelte die Stadtverfassung grundlegend und blieb bis 1803 maßgeblich. Der Rat bestand aus 18 auf Lebenszeit gewählten Ratsherren. Nach einem Konflikt und einer Revolution gegen den patrizischen Rat im Jahr 1400 erhielten die Sechsgilden, also bedeutende Handwerksgilden, je einen Ratsherrn; die Patrizier stellten fortan zwölf. Vierundzwanzigerstand und Erbsassenkollegium wurden weitere politische Gremien. Andere Gruppen wie Juden, Geistliche und Einwohner ohne Bürgerrecht blieben ohne politischen Einfluss.

In der Großen Dortmunder Fehde belagerten Kurköln und die Grafschaft Mark Dortmund vom 21. Februar bis zum Frieden vom 22. November 1389. Die Stadt verteidigte sich mit ihren Mauern, angeworbenen Kämpfern und zahlreichen Ausfällen. Sie zahlte schließlich je 7.000 Gulden an Kurköln und die Grafschaft Mark, ohne dies als Niederlage im Friedensvertrag festzuhalten. Dortmund galt als Sieger, war aber mit rund 60.000 Gulden Kriegskosten stark belastet.

Seuchen, Schulden, Konflikte und die Verlagerung des Handels auf Seewege schwächten die Stadt. 1429 starb etwa ein Viertel der Bevölkerung an der Pest. 1494 musste Dortmund seine Vorortfunktion in Westfalen an Münster abtreten. Nach der Belehnung mit der ganzen Grafschaft Dortmund 1504 blieb die Stadt zwar vollständig frei, war am Ende des Mittelalters jedoch politisch und wirtschaftlich deutlich weniger bedeutend.

Reformation und Dreißigjähriger Krieg

Im 16. Jahrhundert setzte sich die Reformation in Dortmund schrittweise durch. Die Gilden und das gemeine Bürgertum standen eher auf protestantischer, viele Patrizierfamilien zunächst auf katholischer Seite. 1535 gestattete der Rat die evangelische Predigt. 1562 wurde freie Abendmahlswahl angeordnet, 1564 deutsche Kirchenlieder zugelassen. 1570 verpflichtete man die Bürgerschaft auf ein lutherisches Glaubensbekenntnis; die Confessio Praedicantium Tremoniensium folgte der Confessio Augustana. 1572 war die Reformation auch an St. Petri durchgesetzt. Katholische Einrichtungen und eine katholische Minderheit blieben bestehen.

1543 wurde das Archigymnasium neu gegründet. Es war die erste Dortmunder Schule, die direkt der Stadt und nicht einer Kirche unterstand, und entwickelte sich zu einer führenden Gelehrtenschule Westdeutschlands. Gleichzeitig kam es zu Hexenverfolgungen. 1581 begann eine erste Welle, 1593 eine schwerere: Insgesamt wurden damals 15 Frauen hingerichtet. Der Rat rehabilitierte die Opfer der Hexenprozesse am 2. Oktober 2014 sozialethisch-moralisch.

Der Dreißigjährige Krieg führte zum endgültigen Niedergang der Stadt. Dortmund versuchte als protestantische Reichsstadt unter einem katholischen Kaiser zunächst neutral zu bleiben. Dennoch musste es Kontributionen zahlen, also Zwangsabgaben zur Versorgung von Truppen, und wurde mehrfach besetzt. Nach Beschuss durch Truppen Pappenheims ergab sich Dortmund 1632 und zahlte zunächst 17.000 Reichstaler; 1633 folgte eine vierjährige hessische Besetzung. 1635 und 1636 starben 910 Menschen an Pest. Kaiserliche Truppen nahmen Dortmund 1636 ein, entwaffneten die Stadt und verlangten wöchentlich 625 Reichstaler.

Der Westfälische Friede von 1648 sicherte Reichsfreiheit und Reformation, beendete die Belastungen aber nicht sofort. Die letzten kaiserlichen Truppen zogen erst am 27. Juli 1650 ab. Die Bevölkerung war auf etwa ein Drittel, rund 2000 Einwohner, geschrumpft. Die Stadt war mit 130.000 Reichstalern überschuldet; diese Summe wurde erst ab der Mitte des 18. Jahrhunderts abgetragen.

Industrialisierung, Eingemeindungen und Diktatur

1803 verlor Dortmund als Folge des Reichsdeputationshauptschlusses seine Stellung als Freie Reichsstadt und kam zu Nassau-Dillenburg. Von 1808 an war es im napoleonischen Großherzogtum Berg Hauptstadt des Ruhrdepartements. 1815 wurde Dortmund Teil der preußischen Provinz Westfalen, 1817 Sitz eines Landkreises und 1875 kreisfreie Stadt.

Ab der Mitte des 19. Jahrhunderts entstanden durch Kohlenförderung, Stahlverarbeitung und Verkehr neue Wachstumsgrundlagen. Die Köln-Mindener Eisenbahn wurde 1847 eröffnet, der Dortmund-Ems-Kanal samt Hafen 1899. Hermann Dietrich Piepenstock gründete 1839 die Hermannshütte in Hörde; Leopold Hoesch legte im April 1871 den Grundstein der Westfalenhütte. Dortmund wuchs über den mittelalterlichen Wall hinaus, besonders in die Nordstadt. Eingemeindungen zwischen 1905 und 1929 vergrößerten das Stadtgebiet erheblich; nach den Eingemeindungen von 1929 betrug die Fläche 27.134 Hektar und die Einwohnerzahl 536.020.

Während der Ruhrbesetzung waren vom 16. Januar 1923 bis 22. Oktober 1924 französische Truppen in Dortmund. In der „Dortmunder Bartholomäus-Nacht“ vom 10. Juni 1923 erschossen Besatzungssoldaten sechs Dortmunder und einen Schweizer. Im Februar 1924 waren rund 30.000 Dortmunder beschäftigungslos. Die NSDAP hatte bereits 1920 in Dortmund ihre erste Ortsgruppe außerhalb Bayerns gegründet.

Nach 1933 wurden Rat, Verwaltung und Presse gleichgeschaltet. Jüdische Bürger wurden verfolgt: Die Dortmunder Synagoge wurde 1938 vor der Reichspogromnacht abgerissen; Synagogen in Hörde und Dorstfeld wurden in Brand gesteckt. Zwischen Januar 1942 und Februar 1945 wurden in acht Transporten 4000 Juden, Sinti und Roma sowie andere Verfolgte deportiert. In Dortmund-Aplerbeck wurden etwa 340 Zwangssterilisationen vorgenommen; mindestens 172 Patientinnen und Patienten wurden 1941 in Tötungsanstalten verlegt.

Die Royal Air Force flog zwischen dem 5. Mai 1943 und dem 12. März 1945 insgesamt 105 Luftangriffe. Der Angriff vom 12. März 1945 war mit 4851 Tonnen Bomben, laut anderer Quelle 4.899 Tonnen, der schwerste konventionelle Luftangriff gegen eine Stadt in Europa im Zweiten Weltkrieg. 95 % des historischen Stadtkerns und 59 % des Wohnraums waren zerstört. Offiziell starben 6.341 Menschen in Bombennächten. Vom 7. März bis 12. April 1945 wurden etwa 300 Menschen in Bittermark, Rombergpark und nahe Hörde ermordet. US-Truppen besetzten Dortmund am 13. April 1945.

Wiederaufbau und Strukturwandel

Nach dem Krieg wurde Dortmund trotz des Verlusts von fast 70 % des Wohnraums schnell wieder aufgebaut. Bis Juni 1945 nahmen alle Zechen auf Stadtgebiet die Kohleförderung wieder auf, und am 31. Dezember 1945 ging der erste Hoesch-Hochofen wieder in Betrieb. Die weltweite Nachfrage nach Eisen und Stahl machte Dortmund 1951 zur größten Industriestadt Nordrhein-Westfalens. 1952 herrschte bei 2,3 % Arbeitslosigkeit Vollbeschäftigung. Die Einwohnerzahl stieg 1956 auf 624.000 und erreichte 1965 mit 658.075 ihren historischen Höchststand.

Ab Ende der 1950er Jahre begann das Zechensterben. Am 21. Oktober 1967 demonstrierten in Huckarde mehr als 15.000 Menschen gegen die Schließung der Zeche Hansa. Die weltweite Stahlkrise setzte 1975 ein: Die Zahl der Beschäftigten in der Eisen- und Stahlerzeugung sank von 38.000 im Jahr 1964 auf 18.000 im Jahr 1986; 2001 endete die Stahlproduktion in den Werken Westfalenhütte und Phoenix.

Neue Einrichtungen prägten den Wandel: Die Universität Dortmund wurde am 16. Dezember 1968 eröffnet, der Technologiepark 1988. Das Stadtbahnnetz wurde ab 1969 gebaut, 2008 mit dem Ost-West-Tunnel als vollendet angesehen. Das Westfalenstadion entstand zur Fußball-Weltmeisterschaft 1974; 1966 gewann Borussia Dortmund als erste deutsche Mannschaft den Europapokal der Pokalsieger.

Im 21. Jahrhundert setzte Dortmund auf Kultur, Dienstleistungen und Umgestaltung ehemaliger Industrieflächen. Das Konzerthaus eröffnete 2002, das Deutsche Fußballmuseum am 23. Oktober 2015. Das Dortmunder U wurde 2010 teilweise als Zentrum für Kreativwirtschaft eröffnet. Auf dem Gelände von Phoenix-Ost entstand der Phoenix-See: Die Flutung begann am 1. Oktober 2010; der See ist etwa 24 Hektar groß und fasst ungefähr 600.000 m³ Wasser. Er gehört auch zur Renaturierung der Emscher. 2011 eröffnete die Thier-Galerie mit über 33.000 Quadratmetern Verkaufsfläche und mehr als 150 Fachgeschäften.

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