Zum Inhalt springen
L

Wikipedia · einfach zusammengefasst · Stand

Geschichte der Elfenbeinküste

Von hier aus begannen später französische Offiziere und Unteroffiziere mithilfe afrikanischer Söldner die koloniale ... 1904 wurde die Kolonie Teil von …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Grundlinien der Geschichte
  2. 2. Koloniale Eroberung und Widerstand
  3. 3. Französische Herrschaft bis 1960
  4. 4. Einparteienherrschaft und Wirtschaftskrise
  5. 5. Bürgerkrieg und geteiltes Land
  6. 6. Wahlkrise und Ouattara

Grundlinien der Geschichte

Die Geschichte der Elfenbeinküste umfasst die Geschichte des heutigen westafrikanischen Staates Côte d’Ivoire, der französischen Kolonie, aus der er entstand, sowie der Völker und Reiche auf diesem Gebiet. Der Staat ist ein Ergebnis kolonialer Grenzziehungen. Diese Grenzen folgten nicht vorhandenen geographischen, religiösen, sprachlichen oder kulturellen Einheiten. Deshalb vereint das Staatsgebiet Regionen, die vor der Kolonialzeit keine gemeinsame Geschichte hatten, während manche Völker durch die Staatsgrenzen von historisch verbundenen Nachbarregionen getrennt wurden.

Vor der europäischen Kolonisation war vor allem der Norden durch Handelskontakte, Kriege und den Einfluss großer Sahelreiche geprägt. Seit dem 11. Jahrhundert verbreitete sich dort über Handel und militärische Auseinandersetzungen der Islam. Die nordwestlichste Ecke gehörte bis zum 14. Jahrhundert zum Reich von Mali; die gesamte nördliche Region war über Jahrhunderte mit Reichen wie Songhai und dem Reich von Ghana verbunden. Handelsstädte wie Bondoukou und Kong entwickelten sich zu islamisch geprägten Stadtstaaten.

Im 17. Jahrhundert machte Seku Wattara Kong zum mächtigsten Staat der Region. 1725 griff ein Heer aus Kong sogar die Stadt Segu am Niger an. Weitere wichtige politische Entwicklungen waren die Gründung des Königreichs Abron durch ein Akanvolk sowie die Einwanderung von Akan-Gruppen aus dem Aschantireich im 18. Jahrhundert. Aus ihnen entstanden unter anderem Baoulé und Agni. Awura Poku führte einen Teil dieser Gruppen und gründete eine Hauptstadt nahe dem heutigen Bouaké; unter Akwa Boni eroberten die Baoulé goldreiche Gebiete in der Bandama-Region.

Koloniale Eroberung und Widerstand

Seit dem Ende des 15. Jahrhunderts bestanden Handelskontakte zwischen Europäern und den Küstenvölkern. Die ersten Europäer waren Portugiesen, die den Handel über 100 Jahre dominierten. Die Franzosen bauten 1698 bei Assinie ein Fort, gaben es aber 1704 wieder auf. Dauerhafte französische Kontakte entstanden erst im 19. Jahrhundert durch Händler und Missionare. Der Name Côte d’Ivoire wurde nachweislich 1839 vom französischen Admiral Louis Edouard Bouet-Willaumez verwendet. 1843/44 schloss er Verträge mit Herrschern um Grand-Bassam und Assinie, wodurch diese Gebiete französische Protektorate wurden.

Nach der Kongokonferenz von 1885 verschärfte sich der europäische Wettlauf um Afrika, weil Kolonialmächte Gebiete nun tatsächlich beherrschen mussten, damit sie als Kolonialbesitz anerkannt wurden. 1893 wurde die Elfenbeinküste zur französischen Kolonie erklärt. Erster Gouverneur wurde Louis-Gustave Binger. Grand-Bassam wurde erste Hauptstadt. Von 1891 bis 1918 befanden sich immer wieder Teile des Landes im Krieg oder Aufstand gegen Frankreich.

Besonders stark war der Widerstand Samory Tourés. Er hatte 1895 Kong erobert und zerstört und errichtete dort sein zweites Reich. Nachdem Bündnisversuche mit den Briten scheiterten, griffen französische Truppen 1898 von mehreren Seiten an. Samory Touré ergab sich nach dem Versprechen sicheren Geleits, wurde aber nach Gabun deportiert und starb dort 1900.

Auch Baoulé und Agni leisteten langen Widerstand. Auslöser waren gebrochene Schutzverträge, Eingriffe in die Wahl traditioneller Oberhäupter, Zwangsarbeit, Landenteignungen für den Eisenbahnbau und eine geplante Kopfsteuer ab 1900. Der Aufstand begann 1891 und hatte den Charakter eines Guerillakrieges. Gouverneur Gabriel Angoulvant setzte ab 1908 auf brutale Unterdrückung: Dörfer wurden zerstört, Bewohner umgesiedelt, 220 afrikanische Führer deportiert und Zwangsarbeit ausgeweitet. 1915 war die französische Kontrolle weitgehend wiederhergestellt; 1916 kam es zum letzten großen Aufstand von Baoulé und Agni.

Französische Herrschaft bis 1960

1904 wurde die Kolonie Teil von Französisch-Westafrika. Nach Grand-Bassam wurde Bingerville Hauptstadt, ab 1933 Abidjan. Die französische Kolonialwirtschaft stützte sich auf Holzgewinnung und Plantagenbau, vor allem Kautschuk, Palmöl, Palmnüsse sowie seit den 1930er Jahren zunehmend Kakao und Kaffee. Viele Arbeitskräfte kamen aus dem Norden oder aus angrenzenden Kolonien wie Obervolta. Das schwächte die wirtschaftliche Entwicklung des Nordens.

Die französische Herrschaft beruhte auch auf dem Code de l’indigénat, den „Eingeborenengesetzen“. Einheimische galten meist nicht als Bürger, sondern als Untertanen Frankreichs und mussten etwa zehn Tage unbezahlte Zwangsarbeit pro Jahr leisten. Während des Zweiten Weltkriegs unterstützte Französisch-Westafrika zunächst das Vichy-Regime. In dieser Zeit wurden Zwangsarbeit verschärft und Elemente der Rassentrennung eingeführt. 1943 endete diese Phase mit der Kapitulation der vichytreuen Kolonialverwaltung gegenüber den Alliierten und dem „freien Frankreich“.

Nach der Konferenz von Brazzaville 1944 kam es zu Reformen. Empfohlen wurden mehr Autonomie, Vertretung in französischen Institutionen, gewerkschaftliche Rechte sowie die Abschaffung von Code de l’indigénat und Zwangsarbeit. In der Elfenbeinküste entstand das Syndicat Agricole Africain, eine Vereinigung einheimischer Pflanzer gegen die Bevorzugung französischer Siedler. Eine Schlüsselfigur war Félix Houphouët-Boigny. 1945 wurde er in die Verfassunggebende Versammlung in Paris gewählt. 1946 wurde die Zwangsarbeit abgeschafft; im selben Jahr entstand die Parti Democratique de la Côte d’Ivoire (PDCI), die sich der Rassemblement Démocratique Africain (RDA) anschloss.

Zwischen 1949 und 1951 kam es erneut zu Repression gegen die RDA: Versammlungen wurden verboten, Dörfer bestraft, traditionelle Oberhäupter abgesetzt. Von Februar 1949 bis Februar 1950 gab es 52 Tote und Hunderte Verletzte. Danach löste Houphouët-Boigny die Verbindung zur Kommunistischen Partei Frankreichs und arbeitete enger mit dem Kolonialregime zusammen. In den 1950er Jahren erlebte die Elfenbeinküste durch Kakao und Kaffee einen Wirtschaftsboom. 1956 wurde das Wahlrecht reformiert, das Frauenwahlrecht eingeführt und weitgehende innere Autonomie erreicht. Am 7. August 1960 wurde die Unabhängigkeit als Republik Côte d’Ivoire erklärt.

Einparteienherrschaft und Wirtschaftskrise

Im November 1960 erhielt Félix Houphouët-Boigny 98,7 % der Stimmen und wurde erster Präsident der unabhängigen Republik. Er blieb bis zu seinem Tod 1993 im Amt. Die demokratische Verfassung wurde in der Praxis stark eingeschränkt: Das Mehrheitswahlrecht verschaffte seiner Partei PDCI alle Parlamentssitze, und Houphouët-Boigny kontrollierte Partei, Staat und regionale Verwaltung. Verschwörungen 1962 und 1963 führten zu Säuberungen in Partei und Staat.

Seine Herrschaft beruhte aber nicht nur auf Zwang, sondern auch auf der Verteilung von Posten und Privilegien sowie auf dem wirtschaftlichen Erfolg, dem sogenannten „ivorischen Wirtschaftswunder“. Die Elfenbeinküste blieb eng mit Frankreich verbunden, zog französisches Kapital und Fachwissen an und wurde Ende der 1970er Jahre größter Kakaoproduzent und drittgrößter Kaffeeproduzent der Welt. Außerdem exportierte das Land Palmöl, Baumwolle und Kokosnüsse. Um 1980 verfügte es über eine für afrikanische Verhältnisse bedeutende Lebensmittel-, Textil- und Kunstdüngerindustrie.

Gleichzeitig gab es große soziale und regionale Unterschiede. Besonders der Norden verarmte, während Städte boomten. Landflucht und Arbeitslosigkeit nahmen zu. Einwanderer, vor allem aus Obervolta, wurden als billige Arbeitskräfte gefördert, was später Konflikte zwischen Einheimischen und Zugewanderten verschärfte.

Ab den späten 1970er Jahren brachen die Preise für Kakao und Kaffee ein. Der Staat geriet in eine Schuldenkrise. 1990 war er praktisch bankrott und musste Zahlungen an Weltbank und IWF einstellen. Sparmaßnahmen führten zu Demonstrationen und Forderungen nach Demokratie. Im April 1990 wurden neue Parteien zugelassen. Bei der Präsidentenwahl im Oktober setzte sich Houphouët-Boigny nochmals gegen Laurent Gbagbo von der Front Populaire Ivoirien durch. Nach seinem Tod 1993 übernahm Henri Konan Bédié. Unter ihm erholte sich die Wirtschaft teilweise, doch Korruptionsvorwürfe, autoritäre Maßnahmen und die Ideologie der Ivorité prägten die Politik. Ivorité unterschied zwischen „echten“ Ivorern und besonders Gruppen aus dem Norden, die auch in Mali und Burkina Faso leben. Sie diente dazu, Gegner wie Alassane Ouattara politisch auszuschließen. 1999 wurde Bédié durch den ersten erfolgreichen Militärputsch des Landes gestürzt.

Bürgerkrieg und geteiltes Land

Nach dem Putsch übernahm General Robert Guéï die Militärregierung. Im Oktober 2000 ließ er eingeschränkt freie Wahlen zu, erkannte aber den Sieg Laurent Gbagbos nicht an. Proteste zwangen ihn zum Rücktritt. Danach kam es zu Zusammenstößen zwischen Anhängern Gbagbos und der RDR von Alassane Ouattara, der durch Ivorité-Regeln von der Wahl ausgeschlossen worden war. Am 26. Oktober 2000 wurde Laurent Gbagbo Präsident. Er bemühte sich zunächst um nationale Aussöhnung und bildete 2002 eine Regierung mit Oppositionsparteien.

In der Nacht zum 19. September 2002 erhob sich ein Teil der Armee gegen die Regierung. Der Putsch scheiterte in Abidjan, aber die Aufständischen kontrollierten bald die nördliche Hälfte des Landes und Bouaké. Hintergrund waren auch ethnische Spannungen und die große Zahl eingewanderter Menschen, die mehr als ein Viertel der Bevölkerung ausmachten. Der Norden wurde von mehreren Rebellengruppen kontrolliert. Frankreich vermittelte 2003 das Abkommen von Linas-Marcoussis und das Kléber-Abkommen, später folgte Accra. Die Abkommen sahen eine Regierung der nationalen Versöhnung vor, konnten den Frieden aber nicht sichern. Mehr als 6300 UN-Blauhelme und etwa 4500 französische Soldaten trennten Norden und Süden.

2004 eskalierte die Lage erneut. Regierungstruppen brachen den Waffenstillstand und griffen Ziele im Norden an. Nach dem Tod von neun französischen Soldaten zerstörten französische Streitkräfte die gesamte ivorische Luftwaffe. In Abidjan kam es zu gewalttätigen antifranzösischen Protesten mit Dutzenden Toten und über Tausend Verletzten. Die UN-Resolution 1572 verhängte ein Waffenembargo. 2005 wurde unter Vermittlung des südafrikanischen Präsidenten Thabo Mbeki in Pretoria erneut das Ende des Bürgerkriegs erklärt, doch Entwaffnung und Wahlen verzögerten sich weiter.

Der Vertrag von Ouagadougou vom 4. März 2007 brachte neue Fortschritte. Er sah unter anderem Identitätspapiere, Wählerverzeichnisse und eine nationale Armee vor. Guillaume Soro wurde Premierminister. Die Pufferzone wurde abgebaut, gemeinsame Patrouillen begannen, und 2007 besuchte Gbagbo erstmals seit fünf Jahren den Norden. Dennoch wurden die geplanten Wahlen von 2008 wegen Problemen bei der Wählerregistrierung verschoben.

Wahlkrise und Ouattara

Die Präsidentschaftswahlen fanden schließlich am 31. Oktober und 28. November 2010 statt. In der ersten Runde erhielt Laurent Gbagbo 38 % der Stimmen, Alassane Ouattara 32 %. In der Stichwahl erklärte die Wahlkommission Ouattara mit Unterstützung der Anhänger Henri Konan Bédiés zum Sieger. Der regierungstreue Verfassungsrat erklärte dieses Ergebnis jedoch für ungültig, weil es nicht fristgerecht verkündet worden sei, und prüfte Beschwerden von Gbagbos Partei über Wahlkreise im Norden. Die UNO, die Europäische Union und andere erkannten Ouattara als Wahlsieger und Präsidenten an.

Am 4. Dezember 2010 ließ sich Gbagbo unter Berufung auf den Verfassungsrat für eine weitere Amtszeit vereidigen; wenige Stunden später leistete auch Ouattara den Amtseid. Damit war die Staatskrise offen. Die Forces Nouvelles zogen sich wieder in den Norden zurück, die Teilung des Landes verfestigte sich. Es kam zu Ausschreitungen und Kämpfen zwischen gbagbotreuen Streitkräften und Ouattaras Anhängern. Ende März 2011 starteten die Forces républicaines de Côte d’Ivoire eine schnelle Offensive, die mit Massakern einherging und Anfang April zur Einnahme großer Teile Abidjans führte. Gbagbo verschanzte sich in der Präsidentenresidenz. UN-Truppen und die französische Opération Licorne griffen entscheidend auf Ouattaras Seite ein. Am 11. April 2011 wurde Gbagbo festgenommen, womit der Konflikt endete.

2011 verlief die Parlamentswahl friedlich. Ouattaras Partei Rassemblement des Républicains gewann die Mehrheit. 2013 musste sich Gbagbo vor dem Internationalen Strafgerichtshof wegen „indirekter Mittäterschaft an Verbrechen gegen die Menschlichkeit“ verantworten. Der Artikel weist selbst darauf hin, dass Teile seit 2013 nicht mehr aktuell sein könnten.

Weiterlesen

Elfenbeinküste Das Bildungssystem umfasst eine Grundschule und eine weiterführende Schule, an die sich die tertiäre Bildung anschließt. Vor dem Grundschulbesuch gibt es … Französische Kolonien Im 19. Jahrhundert wurde Frankreich zur zweitgrößten Kolonialmacht der Welt. Nach 1945 zerfiel das französische Kolonialreich rasch. Der Auflösungsprozess … Islam Der Islam ist eine monotheistische Religion, die im frühen 7. Jahrhundert in Arabien durch den Mekkaner Mohammed gestiftet wurde. Deutsch-Französischer Krieg Der Deutsch-Französische Krieg von 1870/71 war eine militärische Auseinandersetzung zwischen Frankreich einerseits und dem Norddeutschen Bund unter der … Kongokonferenz Die Kongokonferenz (oder Westafrika-Konferenz) fand vom 15. November 1884 bis zum 26. Februar 1885 auf Einladung des deutschen Reichskanzlers Otto von … Wettlauf um Afrika Als Wettlauf um Afrika wird die Kolonialisierung des afrikanischen Kontinentes in der Hochphase des Imperialismus von 1880 bis zum Ersten Weltkrieg … Gabun Gabun [ɡaˈbuːn] (französisch [ ɡa.bɔ̃]) ist ein Staat in Zentralafrika. Im Norden grenzt er an Kamerun und Äquatorialguinea sowie im Süden und Osten an die … Kopfsteuer Die Kopfsteuer ist in der Finanzwissenschaft und in der Steuerlehre eine Steuergruppe und Personensteuer, die jeder Bürger unabhängig von seiner … Vichy-Regime Als Vichy-Regime (französisch Régime de Vichy) oder Vichy-Frankreich (französisch France de Vichy) bezeichnet man im Rückblick die Regierung des État … Algerien Algerien gilt als das Land mit den meisten Französischsprechenden außerhalb Frankreichs; aus politischen Gründen bekennt es sich jedoch nicht zur Frankophonie. Frauenwahlrecht 1 Geschichte · 2 Frauenwahlrecht weltweit · 3 Auswirkungen auf die Politik · 4 Das Frauenwahlrecht in Europa · 5 Internationale Vernetzung · 6 Politikerinnen · 7 … Gewaltenteilung Nach historischem Vorbild werden dabei die drei Gewalten Gesetzgebung (Legislative), ausführende Gewalt (Exekutive) und Rechtsprechung (Judikative) …