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Elfenbeinküste

Das Bildungssystem umfasst eine Grundschule und eine weiterführende Schule, an die sich die tertiäre Bildung anschließt. Vor dem Grundschulbesuch gibt es …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Überblick und Raum
  2. 2. Klima, Natur und Städte
  3. 3. Bevölkerung, Sprache, Religion und Bildung
  4. 4. Geschichte und Politik
  5. 5. Wirtschaft und Infrastruktur
  6. 6. Kultur und Alltag

Überblick und Raum

Die Elfenbeinküste, amtlich Republik Côte d’Ivoire, ist ein Staat in Westafrika. Sie grenzt an Liberia, Guinea, Mali, Burkina Faso und Ghana sowie im Süden an den Atlantischen Ozean. Die Fläche beträgt 322.463 km², die Einwohnerzahl wird für 2025 auf 32,7 Millionen geschätzt. Amtssprache ist Französisch, die offizielle Hauptstadt ist seit 1983 Yamoussoukro; Regierungssitz und wichtigstes wirtschaftliches und politisches Zentrum ist Abidjan. Die Staatsform ist eine präsidentielle Republik, Präsident ist Alassane Ouattara, Premierminister Robert Beugré Mambé. Die Währung ist der CFA-Franc BCEAO.

Der Name Côte d’Ivoire bedeutet „Elfenbeinküste“ und verweist auf den früher wichtigen Handel mit Elfenbein. Präsident Félix Houphouët-Boigny verfügte Ende 1985, dass der Staatsname international nicht übersetzt werden solle. Im Deutschen ist „Elfenbeinküste“ dennoch weiterhin verbreitet; im amtlichen Verkehr wird der französische Name verwendet. Einwohner heißen Ivorer und Ivorerinnen, das Adjektiv lautet „ivorisch“.

Das Land besitzt eine 515 km lange Küstenlinie am Golf von Guinea. Das Relief ist überwiegend flach, mit Ebenen und Hochebenen; nur im Westen werden Höhen über 1000 m erreicht. Der Mont Nimba an der Grenze zu Guinea ist mit 1752 m der höchste Berg. Gewässer bedecken 4460 km², also 1,383 % des Staatsgebiets. Wichtige Lagunen liegen im Süden, größere Stauseen sind der Kossoustausee, der Buyostausee und der Ayaméstausee. Die vier großen Flüsse sind Cavally (700 km), Sassandra (650 km), Bandama (1050 km) und Comoé (1160 km).

Klima, Natur und Städte

Die Elfenbeinküste liegt zwischen 4° und 10° nördlicher Breite. An der Küste herrscht ein immerfeuchtes tropisches Klima, im Norden geht es in ein trockeneres Savannenklima über. Die mittlere Jahrestemperatur liegt bei 28 °C. Das Klima wird vor allem durch den trockenen, staubigen Nordost-Passat Harmattan und den feuchtwarmen Südwestmonsun aus dem Golf von Guinea geprägt. Es werden drei Klimazonen unterschieden: das äquatoriale Klima im Süden mit 25 °C bis 30 °C und hohen Niederschlägen, das feuchte Savannenklima mit stärkeren Temperaturschwankungen zwischen 14 °C und 33 °C sowie das trockene Savannenklima im Norden mit nur zwei Jahreszeiten.

Die Vegetation gliedert sich in eine südliche guineische Zone und eine nördliche sudanesische Zone. Im Süden prägen immergrüner Regenwald und Mangroven die Landschaft, im Norden Trockenwälder und Savannen. Im Zentrum liegt ein Wald-Savannen-Mosaik. Der natürliche Waldbestand wurde durch Plantagen und Abholzung stark verringert; für 2007 wurde er auf 6 Millionen Hektar geschätzt. Zu wichtigen Baumarten gehören Affenbrotbaum, Iroko, Tali, Tiama und Movingui.

Die Tierwelt ist artenreich. Der Elefant gab dem Land wegen seiner Stoßzähne den Namen, ist aber durch Jagd und Wilderei stark zurückgegangen. Außerdem kommen unter anderem Flusspferde, Leoparden, Mangusten, Hyänen, Schakale, zahlreiche Vogelarten, Krokodile, Schlangen, Fische und Meerestiere vor. Viele Arten, darunter Schimpansen, sind selten oder bedroht. Seit 1953 wurden acht Nationalparks ausgewiesen, darunter der Nationalpark Taï und der Nationalpark Comoé, beide Weltnaturerbe-Gebiete. Ein weiteres Weltnaturerbe ist das Mont Nimba Strict Nature Reserve.

Im Jahr 2023 lebten 53 % der Bevölkerung in Städten. Die größten Metropolregionen nach dem Zensus 2014 sind Abidjan mit 4.395.243 Einwohnern, Bouaké mit 536.719, Daloa mit 245.360, Korhogo mit 243.048 und Yamoussoukro mit 212.670 Einwohnern.

Bevölkerung, Sprache, Religion und Bildung

Die Bevölkerung wächst schnell. Zwischen 1975 und 2005 verdreifachte sie sich von 6,7 Millionen auf fast 20 Millionen. 2022 hatte die Elfenbeinküste 28,2 Millionen Einwohner, das jährliche Bevölkerungswachstum lag bei +2,5 %. Die Geburtenziffer betrug 33,5 pro 1000 Einwohner, die Sterbeziffer 8,8 pro 1000 Einwohner. Die Anzahl der Geburten pro Frau lag 2022 bei 4,3. Die Bevölkerung ist sehr jung: 2021 lag der Median des Alters bei 17,6 Jahren, 2023 waren 41,1 % der Menschen unter 15 Jahre alt.

Einwanderung spielt eine große Rolle. Die Volkszählung 1998 ergab, dass 26 % der Bevölkerung Nicht-Ivorer waren. Viele kamen aus Burkina Faso, außerdem aus Mali, Guinea, Senegal, Liberia und Ghana. Der Staat erkennt etwa 60 Volksgruppen an. Sie werden vier großen Kultur- und Sprachgruppen zugeordnet: Kwa mit den Akan, zu denen Baule und Agni gehören; Kru im Südwesten; Voltaic mit den Senufo im Norden; sowie Mande-Gruppen im Nordwesten, darunter Malinké/Dyula, Yakuba und Guro.

Neben der Amtssprache Französisch werden 77 Sprachen und Idiome gesprochen. Wichtig sind Baule, Dyula, Senufo-Sprachen, Yacouba, Anyi, Attie, Guere, Bete, Abe, Kulango, Mahu, Tagwana, Wobé und Lobi. Dioula wird von insgesamt 61 % der Bevölkerung vor allem im Norden gesprochen oder verstanden und ist als Handelssprache bedeutend. In Abidjan dient Nouchi als Umgangssprache.

Die wichtigsten Religionen sind Islam (38,6 %) und Christentum (32,8 %). 11,9 % praktizieren traditionelle westafrikanische Religionen. Der Norden ist eher islamisch geprägt, der Süden eher christlich. Der Staat ist offiziell laizistisch, gleichzeitig erhalten bestimmte konfessionelle Schulen staatliche Zuwendungen. Das Zusammenleben der Religionen wird im Artikel grundsätzlich als tolerant beschrieben.

Bildung und Gesundheit sind zentrale Entwicklungsprobleme. 2016 lag die Alphabetisierungsrate bei 43,1 %, bei Frauen bei 32,5 % und bei Männern bei 53,1 %. Die mittlere Schulbesuchsdauer über 25-Jähriger stieg von 2 Jahren 1990 auf 5 Jahre 2015; die Bildungserwartung liegt bei 8,9 Jahren. Das französisch geprägte Bildungssystem umfasst Grundschule, weiterführende Schule und tertiäre Bildung. Der Bürgerkrieg beschädigte viele Schulen und führte dazu, dass Lehrer unsichere Gegenden verließen. Im Gesundheitswesen führten Kriegsschäden, Geldmangel und schlechte Ausstattung zu einer unzureichenden Versorgung. 2022 lag die Lebenserwartung bei 58,9 Jahren, die Sterblichkeit der unter 5-Jährigen bei 69,4 pro 1000 Lebendgeburten.

Geschichte und Politik

Vor der Kolonialzeit gab es im Süden keine ausgeprägte Staatenbildung, während der Norden ab dem 11. Jahrhundert unter den Einfluss der Sahelreiche kam, darunter ab dem 13. Jahrhundert das Malireich. Der Islam verbreitete sich dort durch Handel und kriegerische Auseinandersetzungen. Im 17. Jahrhundert war Kong ein bedeutender Stadtstaat und Zentrum islamischer Gelehrsamkeit.

Seit dem 15. Jahrhundert handelten Portugiesen mit Küstengruppen, wurden aber ab dem 17. Jahrhundert von Franzosen verdrängt. 1843 errichtete Frankreich den Marinestützpunkt Grand-Bassam, 1893 wurde das Gebiet zur französischen Kolonie Côte d’Ivoire erklärt. 1895 wurde es Teil von Französisch-Westafrika. 1956 erhielt es innere Selbstverwaltung. Das allgemeine Frauenwahlrecht wurde 1952 erstmals eingeführt und 1960 bei der Unabhängigkeit bestätigt.

Am 7. August 1960 wurde Côte d’Ivoire unabhängig. Félix Houphouët-Boigny regierte bis 1993 und gründete die Einheitspartei PDCI. Seine prowestliche und marktwirtschaftliche Politik brachte politische Stabilität und machte das Land zu einem der reichsten Staaten Westafrikas. Exporterlöse aus Kakao und Kaffee sorgten für relativen Wohlstand. 1990 führten Unruhen zur Einführung eines Mehrparteiensystems und des Amts des Ministerpräsidenten. Nach Houphouët-Boignys Tod wurde Henri Konan Bédié Präsident.

1999 stürzte das Militär unter General Robert Guéï Bédié in einem unblutigen Putsch. Unter dem Schlagwort Ivoirité nahmen Fremdenfeindlichkeit und Diskriminierung von Menschen aus dem Norden zu. 2000 gewann Laurent Gbagbo Präsidentschaftswahlen, von denen Alassane Ouattara ausgeschlossen war. 2002 erhoben sich Teile der Armee, die Forces Nouvelles, und kontrollierten den Norden. Der Konflikt hatte ethnische Ursachen, hing aber auch mit Land und Ressourcen zusammen. UNO-Blauhelme und französische Truppen trennten die Konfliktparteien. Mehrere Friedens- und Machtteilungsabkommen scheiterten teilweise.

Der Vertrag von Ouagadougou vom 4. März 2007 zwischen Gbagbo, Guillaume Soro und Blaise Compaoré regelte Machtteilung, Identitätspapiere, Wählerverzeichnis und den Aufbau einer nationalen Armee. Bei der Präsidentschaftswahl 2010 erklärte die Wahlkommission Ouattara mit 54 % zum Sieger der Stichwahl, während der Verfassungsrat Gbagbo als Sieger sah. Beide legten den Amtseid ab. Die UNO, die USA und die Europäische Union erkannten Gbagbo nicht mehr als rechtmäßig gewählten Präsidenten an. Nach Kämpfen wurde Gbagbo am 11. April 2011 festgenommen. Dem Lager Ouattaras wurde später vorgeworfen, Menschenrechtsverbrechen nicht ausreichend verfolgt zu haben, besonders im Zusammenhang mit dem Massaker von Duékoué.

Politisch besitzt die Elfenbeinküste ein präsidentielles Regierungssystem mit formeller Gewaltentrennung. Die Verfassung von 2000 garantiert Grundrechte und schaffte die Todesstrafe ab; die Wirklichkeit war während des Bürgerkriegs jedoch von Übergriffen geprägt. Seit der Verfassung vom 8. November 2016 gibt es ein Zweikammerparlament aus Nationalversammlung und Senat. Politische Indizes beschreiben das Land 2024/2025 als fragil, teilweise frei und als Hybridregime.

Wirtschaft und Infrastruktur

Die Elfenbeinküste hat die stärkste Wirtschaft der Westafrikanischen Wirtschafts- und Währungsunion und trägt 40 % zu deren gesamtem BIP bei. 2024 wurde das nominale BIP auf 87 Milliarden USD geschätzt, das BIP nach Kaufkraftparität auf 245 Milliarden USD. Das BIP pro Kopf lag nominal bei 2.723 USD und nach Kaufkraftparität bei 7.656 USD. Nach Bürgerkrieg und Krise erholte sich die Wirtschaft; 2015 wuchs sie um 9,2 %. Dennoch ist Armut verbreitet: Als arm gilt, wer weniger als 162.800 XOF, also 250 Euro, pro Jahr zum Leben hat; 43,2 % der Menschen fallen unter diese Grenze.

Die Landwirtschaft bleibt der wichtigste Wirtschaftszweig. Sie beschäftigt zwei Drittel der Arbeitskräfte und erwirtschaftet 70 % der Exporterlöse, trägt aber nur 23 % zum BIP bei. Das Land ist der weltweit größte Produzent und Exporteur von Kakao; 2003/2004 betrug die Ernte 1,335 Millionen Tonnen, etwa 40 % der Weltproduktion. Bis heute ist die Elfenbeinküste der größte Exporteur von Kakao. In der Kakaoproduktion gibt es schwere Probleme mit Kinderarbeit: Laut einer 2020 veröffentlichten Studie arbeiten in der Elfenbeinküste und Ghana zusammen mehr als 1,5 Millionen Minderjährige allein in diesem Bereich. Neben Kakao sind Kaffee, Palmöl, Baumwolle, Kautschuk, Kolanüsse, Zuckerrohr, tropische Früchte, Cashewnüsse sowie Ackerfrüchte wie Mais, Reis, Yams, Maniok und Kochbananen wichtig.

Erdöl vor der Küste ist seit 2005 das wichtigste Exportprodukt. Die Erdölreserven werden auf etwa 600 Millionen Barrel geschätzt, die Förderung lag 2007 bei 17,4 Millionen Barrel. Ob diese relativ niedrige Fördermenge technische Gründe hat oder mit möglichen verschleierten Einnahmen zusammenhängt, ist laut Artikel nicht geklärt. Auch Gas wird produziert. Die Industrie ist für Westafrika vergleichsweise vielfältig, wird aber von kleinen und mittleren Betrieben geprägt. Wichtige Bereiche sind Ölraffinerie, Bauwirtschaft, Lebensmittelindustrie und Goldproduktion. 2015 wurde die erste industrielle Schokoladenfabrik des Landes eröffnet.

Die Außenwirtschaft hängt stark von Kakao, Erdölprodukten und weiteren Rohstoffen ab. 2007 exportierte das Land Waren im Wert von 6,2 Milliarden Euro und importierte Waren im Wert von 4 Milliarden Euro. Seit 2010 stiegen die Importe stark, während Kakao- und Ölexporte sanken; 2012 gab es erstmals ein Außenhandelsdefizit. Frankreich, Südafrika, Großbritannien und Nachbarländer zählen zu wichtigen Investitionsquellen. Korruption ist ein großes Problem; als Beispiel nennt der Artikel den Giftmüllskandal von 2006 in Abidjan mit über 500 Tonnen Giftmüll, mehr als 1500 Erkrankungen und mindestens acht Todesfällen.

Die Infrastruktur ist im regionalen Vergleich teils gut, aber ungleich entwickelt. Das Straßennetz hatte 2000 eine Länge von 85.000 km, davon 6500 km asphaltierte Straßen und 150 km Autobahn. Der öffentliche Verkehr läuft fast vollständig über Straßen. Die Abidjan-Niger-Bahn verbindet Abidjan mit Ouagadougou und ist wichtig für Burkina Faso, Niger und Mali. Es gibt internationale Flughäfen in Abidjan, Yamoussoukro und Bouaké sowie zwei Seehäfen in Abidjan und San-Pédro. Im Telekommunikationsbereich stieg der Mobilfunkzugang von 9 % im Jahr 2005 auf 51 % im Jahr 2008; 2022 nutzten 38,4 % der Einwohner das Internet. 2005 wurden 5,31 Milliarden kWh Strom erzeugt, etwa 73 % aus Wärmekraftwerken mit heimischem Erdgas und 27 % aus Wasserkraft.

Kultur und Alltag

Die Kultur der Elfenbeinküste ist durch die vielen Ethnien des Landes vielfältig. Bekannt sind Holzmasken, besonders der Yakuba beziehungsweise Dan im Westen, die idealisierte menschliche Gesichter zeigen und unterschiedliche soziale, politische und religiöse Aufgaben erfüllen. Auch die Baule, Guro, Guere und Bété sind für Masken bekannt. Weitere Kunstformen sind Körbe, Skulpturen, Möbel, Statuen, Weberei, Stoffmalerei und Töpferei.

Die Literatur hatte lange eine mündliche Tradition; schriftliche Literatur entstand vor allem seit dem 20. Jahrhundert auf Französisch. Besonders lebhaft ist das Theater, auch wegen seiner Verbindung zu traditionellem Drama und wegen der hohen Analphabetenquote. Genannt werden unter anderem Bernard Binlin Dadié, Aké Loba, Ahmadou Kourouma, Véronique Tadjo und Tanella Boni.

Die Musik ist ebenfalls sehr unterschiedlich. Traditionelle Formen nutzen häufig mehrstimmigen Gesang, Call and Response, Rasseln, Glocken, Trommeln, Balafon und andere Instrumente. Zur modernen Popmusik gehören Stile wie Ziglibithy, Zoblazo, Zouglou und Coupé Décalé. Reggae und Hip-Hop sind wichtige importierte Musikstile; Alpha Blondy und Tiken Jah Fakoly gehören zu den bekanntesten Reggae-Musikern des Landes.

In der Architektur sind koloniale Gebäude in Grand-Bassam, Moscheen im sudanesischen Stil im Norden sowie moderne religiöse Bauwerke wie die Cathédrale Saint-Paul in Abidjan und Notre-Dame-de-la-Paix de Yamoussoukro bedeutend. Die Küche nutzt Grundnahrungsmittel wie Reis, Mais, Hirse, Maniok, Yams, Taro, Süßkartoffeln und Kochbananen. Gegessen werden Geflügel, Fisch, Meeresfrüchte, Gemüse und viele tropische Früchte. Typische Spezialitäten sind Attiéké, eine Art Maniok-Couscous, und Alloco, frittierte Kochbananen. Wichtigstes Medium ist das Radio; der wichtigste Sport ist Fußball, mit Afrika-Cup-Siegen 1992 und 2015 sowie WM-Teilnahmen 2006, 2010 und 2014.

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