Wikipedia · einfach zusammengefasst · Stand
Gabun
Gabun [ɡaˈbuːn] (französisch [ ɡa.bɔ̃]) ist ein Staat in Zentralafrika. Im Norden grenzt er an Kamerun und Äquatorialguinea sowie im Süden und Osten an die …
Inhalt6 Abschnitte
Überblick und Naturraum
Gabun ist ein Staat in Zentralafrika am Golf von Guinea. Es grenzt im Norden an Kamerun und Äquatorialguinea, im Süden und Osten an die Republik Kongo; der Äquator verläuft durch das Land. Die Hauptstadt ist Libreville, Amtssprache ist Französisch. Gabun hat 267.667 km² Fläche, 2.593.130 Einwohner (Stand 2025) und damit eine Bevölkerungsdichte von 10 Einwohnern je km². Es ist de jure eine präsidentielle Republik, de facto eine Militärdiktatur. Staatsoberhaupt und Regierungschef ist Präsident Brice Oligui Nguema. Unabhängig von Frankreich ist Gabun seit dem 17. August 1960.
Die 885 km lange Küste liegt am Atlantik. Auf das westliche Küstentiefland folgt nach etwa 200 Kilometern stufenförmig die Niederguineaschwelle im Osten. Der höchste Berg des Landes ist nicht eindeutig festgelegt; Angaben weichen um bis zu 500 Höhenmeter voneinander ab. Die höchsten Erhebungen im Nordosten und Süden reichen bis knapp über 1000 m ü. d. M. Mehr als 70 % der Fläche sind von tropischem Regenwald bedeckt, das Klima ist tropisch.
Etwa drei Viertel Gabuns werden durch das Einzugsgebiet des rund 1200 km langen Ogooué entwässert, der in den Golf von Guinea mündet. Sein größter Nebenfluss ist der Ivindo. Im Norden und Nordwesten fließen Ntem, Muni und weitere Küstenflüsse ab, im Südwesten vor allem Küstenflüsse und der Nyanga.
Gabun besitzt eine sehr hohe biologische Vielfalt. Geschätzt werden 64.000 Elefanten, 25.000 Gorillas und 35.000 Schimpansen; nachgewiesen sind 680 Vogelarten und 320 Orchideenarten. Zu den seltenen oder teilweise endemischen Arten zählen Flachlandgorillas, Mandrille, Waldelefanten, Bongo-Antilopen und Buntkopf-Felshüpfer. Die Landschaft reicht von Küste und Savanne bis zu dichtem Regenwald; Feuchtsavannen kommen besonders auf dem Batéké-Plateau vor. Seit 2002 sind rund 10 % der Landesfläche als 13 Nationalparks ausgewiesen. Bekannte Schutzgebiete sind Lopé-Okanda sowie die Nationalparks Ivindo und Loango.
Bevölkerung, Sprache und Lebensbedingungen
Gabun gehört zu den dünn besiedelten Ländern Afrikas. 2023 lebten 91 % der Einwohner in Städten. Die größten Städte sind Libreville mit etwa 700.000 Einwohnern, Port-Gentil mit etwa 140.000 und Franceville mit etwa 110.000 Einwohnern; Landesmitte und Norden sind weitgehend menschenleer.
2022 hatte Gabun 2,4 Millionen Einwohner und ein jährliches Bevölkerungswachstum von 2,0 %. Die Geburtenziffer betrug 26,8 je 1000 Einwohner, die Sterbeziffer 7,3 je 1000 Einwohner. Statistisch bekam eine Frau 2022 durchschnittlich 3,5 Kinder. Das Medianalter, also das Alter, das die Bevölkerung in zwei gleich große Gruppen teilt, lag 2021 bei 21,6 Jahren. 2023 waren 36,1 % der Menschen jünger als 15 Jahre, aber nur 3,9 % älter als 64 Jahre.
Etwa 40 Völker beziehungsweise ethnische Gruppen leben im Land; die Mehrheit gehört Bantu-Völkern an. Die politisch einflussreichsten Mpongwe-Fang stellen etwa ein Drittel der Bevölkerung: Mpongwe 31 % und Fang 7 %. Weitere Gruppen sind Mbete (15,5 %), Bapunu (15 %), Tsabatis (14 %), Batazis (9,5 %) und Bateke (4 %). Hinzu kommen 1,5 % Pygmäen als im Nordosten und Süden lebende Ureinwohner sowie ungefähr 60.000 Franzosen. 2017 waren 13,8 % der Bevölkerung im Ausland geboren.
Französisch beherrschen rund 80 % der Gesamtbevölkerung; für ein Drittel der Einwohner Libreville ist es Muttersprache. Im Alltag überwiegen Bantusprachen, besonders Fang, Mbere, Punu, Teke und Njebi. Insgesamt gibt es 42 Sprachen und Idiome. Etwa 65 % der Bevölkerung bezeichnen sich als christlich, darunter rund 60 % Katholiken und etwa 5 % Angehörige protestantischer Kirchen. Viele verbinden dies mit Formen afrikanischer Religiosität. Ein großer Teil der übrigen Bevölkerung folgt traditionellen Volksreligionen, vor allem Bwiti; rund 12 % bekennen sich zum Islam.
Es gibt offiziell eine zehnjährige allgemeine Schulpflicht; etwa die Hälfte der Schulen ist konfessionell oder privat getragen. Die Analphabetenquote lag 2004 bei etwa 29 %. Für Gesundheit wurden 2021 2,7 % des Bruttoinlandsprodukts ausgegeben. 2017 kamen 6,6 Ärztinnen und Ärzte auf 10.000 Einwohner. Die Lebenserwartung bei Geburt lag 2022 bei 65,7 Jahren, bei Frauen bei 68,4 und bei Männern bei 63,4 Jahren. Die Sterblichkeit von Kindern unter fünf Jahren betrug 2022 38,8 je 1000 Lebendgeburten. Die AIDS-Quote wird je nach Quelle auf 5,9 % bis 8,0 % geschätzt; die medizinische Versorgung ist oft unzureichend.
Von der Kolonie zur Militärherrschaft
Ab 1839 erlangten französische Siedler erste Hoheit über das Gebiet. 1888 wurde Gabun Teil von Französisch-Kongo, 1910 ein selbständiger Teil von Französisch-Äquatorialafrika. 1958 erhielt die Gabunische Republik nach der Auflösung von Französisch-Äquatorialafrika Autonomie. Das allgemeine aktive und passive Frauenwahlrecht war 1956 unter französischer Verwaltung eingeführt worden und wurde bei der Unabhängigkeit bestätigt.
Am 17. August 1960 wurde Gabun unter Präsident Léon M’ba unabhängig. Nach dessen Tod folgte 1967 Omar Bongo. Recherchen in französischen Staatsarchiven ergaben, dass Frankreich bei der Wahl beider Präsidenten maßgeblich mitgewirkt hatte, um seinen Einfluss zu sichern. Omar Bongo regierte nach Gründung der Parti Démocratique Gabonais (PDG) am 12. März 1968 mit einer Einheitspartei diktatorisch. In den 1990er Jahren führte Gabun ein Mehrparteiensystem ein und verabschiedete eine neue Verfassung. Trotz Rohstoffreichtum profitierten nur wenige vom Wohlstand, während viele Menschen arm blieben. Omar Bongo starb am 8. Juni 2009.
Sein Sohn Ali-Ben Bongo Ondimba gewann am 30. August 2009 eine umstrittene Präsidentschaftswahl mit 41,73 % der Stimmen. Bei der Wahl 2016 wurde er mit 49,8 % gegenüber 48,23 % für Jean Ping bestätigt. Der Artikel nennt besonders die angeblich 95,46 % Stimmen bei einer angeblichen Wahlbeteiligung von 99,93 % in Bongos Heimatprovinz Haut-Ogooué als umstritten. Bongos Herrschaft war eine Diktatur.
Nach der umstrittenen Parlaments- und Präsidentschaftswahl vom 26. oder 27. August 2023 wurde Ali Bongo erneut zum Sieger erklärt. Am 30. August übernahm eine Gruppe hoher Offiziere aus Gendarmerie, Republikanischer Garde und weiteren Staatsorganen die Macht und setzte ihn ab. Am 31. August bestimmten sie General Brice Oligui Nguema zum Übergangspräsidenten; am 4. September wurde er vereidigt. Ein Referendum über eine neue Verfassung wurde im November 2024 angenommen; sie trat nach Verkündung am 19. Dezember in Kraft. Bei der Wahl am 12. April 2025 wurde Oligui Nguema offiziell Präsident. Laut Innenministerium lag die Wahlbeteiligung bei 87 %, und er erhielt mehr als 90 % der Stimmen.
Politik, Rechte und Verwaltung
Nach der Verfassung vom 28. März 1991 war Gabun eine präsidiale Republik mit Mehrparteiensystem. Der Präsident wurde direkt für sieben Jahre gewählt und konnte nach einer Verfassungsänderung von 2003 unbegrenzt wiedergewählt werden. Die ältere Beschreibung des Artikels nennt einen vom Präsidenten ernannten Premierminister sowie ein Zweikammerparlament: den Senat mit 91 Mitgliedern und die Nationalversammlung mit 120 Abgeordneten. Zugleich weist der Artikel darauf hin, dass diese Angaben seit 2025 teilweise nicht mehr aktuell sind: Der Präsident ist inzwischen zugleich Regierungschef, einen Premierminister gibt es nicht mehr. Das Rechtssystem verbindet Elemente der französischen Kolonialzeit mit traditionellem Stammesrecht. Der Staat ist in neun Provinzen und 37 Departements gegliedert.
Die politischen Indizes von 2024 bewerteten Gabun als autoritär: Im Demokratieindex erreichte es 2,18 von 10 Punkten und Rang 143 von 167, im Freedom in the World Index 20 von 100 Punkten mit dem Status „unfrei“. Der Fragile States Index lag bei 70,2 von 120 Punkten und Rang 79 von 179; dies bedeutet „erhöhte Warnung“.
Zu den im Artikel genannten Problemen der Menschenrechte gehören Menschenhandel mit Kindern, überfüllte Gefängnisse mit harten Haftbedingungen sowie mangelhafte Nahrung, Hygiene, Belüftung und medizinische Versorgung. Journalistinnen und Journalisten üben nach Angaben von Reporter ohne Grenzen häufig Selbstzensur, weil Polizeigewalt gegen sie oft vorkomme. Homosexualität ist seit 2020 legal.
Gabun war 2010/11 und 2022/23 nichtständiges Mitglied des Sicherheitsrats der Vereinten Nationen. Es ist Mitglied der International Cocoa Organization und seit 2022 des Commonwealth of Nations. Die Streitkräfte bestehen aus Armee, Luftwaffe und Marine und verfügen über 5000 Mann.
Rohstoffwirtschaft und Verkehr
Gabuns Wirtschaft beruht stark auf Rohstoffen, besonders Erdöl. Öl und Erdölprodukte machen etwa 82 % der Exporterlöse aus und finanzieren einen großen Teil des Staatshaushalts. Weitere geförderte Rohstoffe sind Mangan, Uran, Eisenerz und Gold. Die großen Uranvorräte bei Franceville, darunter bei Oklo, sind weitgehend erschöpft. Gabun gehört deshalb trotz seiner Unterschiede zu vielen anderen Staaten Subsahara-Afrikas nicht zu den am wenigsten entwickelten Ländern.
Das Bruttoinlandsprodukt je Einwohner betrug 2024 nach Kaufkraftparität 24.219 US-Dollar; das nominale BIP lag bei 21 Milliarden US-Dollar. Der hohe Durchschnittswert bedeutet jedoch keinen gleichmäßigen Wohlstand: Etwa 80 % der Bevölkerung leben laut Artikel unterhalb der Armutsgrenze, rund ein Drittel in extremer Armut. Über 90 % des BIP werden von nur 10 % der Bevölkerung verbraucht. Die Arbeitslosenquote wurde 2015 mit 28 % angegeben, viele Arbeitsverhältnisse sind informell. Die wichtigsten Handelspartner sind die Vereinigten Staaten, die Volksrepublik China und Frankreich.
Gabun gehört zur Wirtschafts- und Währungsorganisation CEMAC. Die gemeinsame Währung ist der CFA-Franc BEAC (XAF), der über einen festen Wechselkurs an den Euro gebunden ist. Die wichtigsten Wirtschaftszweige neben Öl sind Tropenholz, Bergbau, Holz- und Papierindustrie sowie Textil- und Nahrungsmittelindustrie. Für das Edelholz Okoumé besitzt Gabun ein Weltmonopol. Kaffee, Kakao, Kautschuk, Palmöl, Zucker und Erdnüsse werden ebenfalls exportiert; Grundnahrungsmittel dienen vor allem dem Eigenbedarf, reichen aber nicht vollständig aus.
Ein Teil der Energie stammt aus Wasserkraft, vor allem im Süden. Die einzige Eisenbahnstrecke verbindet den Hafen Owendo und Libreville mit Franceville im Osten. Das Straßennetz umfasste 2007 etwa 9170 km, davon 1097 km asphaltierte Straßen.
Medien, Sport und Kunst
Reporter ohne Grenzen bewertet die Lage der Pressefreiheit in Gabun als zufriedenstellend. 2022 nutzten 73,7 % der Einwohner das Internet. Africa Radio, früher Radio Africa No. 1, ist der älteste panafrikanische Rundfunksender. Er unterstützt Schulbetrieb und Verwaltung in Gebieten, die wegen Regenwald und schlechter Straßenverbindungen oft monatelang schwer erreichbar sind.
Die beliebtesten Sportarten sind Basketball und Fußball. Gabun richtete den Afrika-Cup 2012 gemeinsam mit Äquatorialguinea und 2017 erneut aus. Das Land nimmt seit 1972 an Olympischen Spielen teil. Die einzige olympische Medaille Gabuns gewann Anthony Obame: Silber im Taekwondo bei den Olympischen Sommerspielen 2012 in London.
Bekannt ist auch die Schnitzkunst der Fang, Kota, Punu und Tsogo. Reliquiarfiguren der Kota stellen den Urahn eines Klans dar. Sie bestehen meist aus einem Holzkern mit ovalem Gesicht und sind mit Folie und Lamellen aus Edelmetallen, meist Kupferfolie, beschlagen. Häufig haben sie über dem Kopf einen mondsichelförmigen Aufsatz. Diese Figuren dienten Pablo Picasso als Vorbilder; 1907 malte er Variationen dieses Motivs.