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Französische Kolonien

Im 19. Jahrhundert wurde Frankreich zur zweitgrößten Kolonialmacht der Welt. Nach 1945 zerfiel das französische Kolonialreich rasch. Der Auflösungsprozess …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Überblick
  2. 2. Erstes und zweites Kolonialreich
  3. 3. Afrika und Indischer Ozean
  4. 4. Amerika, Asien und Ozeanien
  5. 5. Europäische Territorien

Überblick

Die französischen Kolonien waren Gebiete außerhalb und teils auch innerhalb Europas, die Frankreich zeitweise beherrschte, verwaltete oder als Protektorate kontrollierte. Der französische Kolonialismus begann Mitte des 16. Jahrhunderts mit ersten Erwerbungen. Im 19. Jahrhundert wurde Frankreich zur zweitgrößten Kolonialmacht der Welt. Nach 1945 zerfiel das Kolonialreich rasch; besonders in den 1950er Jahren beschleunigte sich die Dekolonisation. Im „Afrikanischen Jahr“ 1960 wurden allein 14 französische Kolonien unabhängig.

Die Geschichte wird meist in zwei große Kolonialreiche gegliedert. Das erste Kolonialreich umfasste vor allem Besitzungen in Amerika und Indien und ging 1763 nach dem Siebenjährigen Krieg fast vollständig verloren. Das zweite Kolonialreich begann 1830 mit der Besetzung Algiers und konzentrierte sich stark auf Afrika, später auch auf Südostasien und Ozeanien.

Erstes und zweites Kolonialreich

Im 17. Jahrhundert war Amerika das wichtigste Ziel der französischen Kolonialisierung. Frankreich beanspruchte die östliche Hälfte des heutigen Kanada, das Zentralgebiet der heutigen USA, mehrere karibische Inseln und Teile des Indischen Subkontinents. Durch den Pariser Frieden von 1763 musste Frankreich am Ende des Siebenjährigen Krieges den größten Teil seiner amerikanischen und indischen Besitzungen an Großbritannien abtreten. Westlouisiana hatte Frankreich zuvor an Spanien übergeben, damit es nicht an Großbritannien fiel.

Zwischen dem ersten und zweiten Kolonialreich lagen mehrere kurze oder besondere Phasen: die französische Herrschaft über Ägypten von 1798 bis 1801, die erneute französische Herrschaft in Louisiana von 1800 bis 1803 und die zeitweise Ausdehnung Französisch-Guayanas bis an den Amazonas von 1801 bis 1808. Während des napoleonischen Kaiserreichs kamen bis 1812 vorübergehend weitere Kolonien hinzu.

Ab 1830 verlagerte sich der Schwerpunkt nach Afrika. Frankreich begann an der Gegenküste des Maghreb und eroberte zwischen 1845 und 1897 große Gebiete der Sahara sowie den größten Teil West- und Zentralafrikas. Weil viele Menschen in diesen Gebieten Muslime waren, bemühte sich Frankreich ab den 1890er Jahren, eine „puissance musulmane“ zu werden, also eine imperiale Macht, die ihre muslimischen Untertanen kontrollierte. 1898 traf bei Faschoda am Nil eine französische Truppe auf die Briten, zog sich aber zurück, ohne einen Konflikt zu beginnen.

Seit dem Zweiten Kaiserreich griff der französische Kolonialismus auch auf Südostasien über. Indochina galt als „Glanzstück“ des Kolonialreichs. Daneben hatte Frankreich kleinere Besitzungen in Indien und China sowie große Teile der Inselwelt des Indischen Ozeans und Ozeaniens. 1960 wurden 18 französische Kolonien in Afrika unabhängig. Viele frühere französische Kolonien gelten noch heute als Entwicklungsländer; in einigen finanzierte Frankreich noch Ende des 20. Jahrhunderts bis zu 50 Prozent der Staatshaushalte.

Afrika und Indischer Ozean

In Afrika gehörten zu den wichtigsten französischen Besitzungen Französisch-Nordafrika, Französisch-Westafrika und Französisch-Äquatorialafrika. In Französisch-Nordafrika begann 1830 die Eroberung Algeriens; Tunesien wurde 1881 besetzt, Marokko 1911. Tunesien und Marokko wurden 1956 unabhängig, Algerien erst 1962.

Französisch-Westafrika entstand 1895. Seine Geschichte begann früher mit Außenposten im Senegal ab 1612; 1677 wurden die Niederländer verdrängt, und Senegal wurde als französische Kolonie etabliert. Nach britischen Besetzungen und weiteren Eroberungen wurde Französisch-Westafrika 1958 aufgelöst. Die Kolonien wurden, mit Ausnahme Guineas, autonome Republiken innerhalb der Französischen Gemeinschaft und 1960 unabhängig. Französisch-Äquatorialafrika wurde 1910 gegründet, nachdem Gabun 1875 französische Kolonie geworden war. Auch diese Föderation wurde 1958 aufgelöst; ihre Kolonien wurden 1960 unabhängig.

Weitere afrikanische Besitzungen waren unter anderem Französisch-Somaliland, das aus Obock und Dschibuti hervorging und 1977 als Dschibuti unabhängig wurde, Madagaskar, das 1896 vollständig erobert und 1960 unabhängig wurde, die Komoren, die 1975 mit Ausnahme Mayottes unabhängig wurden, sowie Kamerun und Togo, die nach dem Ersten Weltkrieg französische Mandats- beziehungsweise Treuhandgebiete wurden und 1960 unabhängig wurden.

Einige Gebiete blieben mit Frankreich verbunden. Réunion wurde 1640 in Besitz genommen, 1946 französisches Überseedépartement und 1982 französische Überseeregion. Die noch heute zu Frankreich gehörenden oder mit Frankreich verbundenen Gebiete und ihre Hoheitsgewässer tragen dazu bei, dass Frankreich nach den USA die zweitgrößte Meeresfläche der Welt besitzt: 11 Mio. km².

Amerika, Asien und Ozeanien

In Amerika war Neufrankreich eines der wichtigsten Gebiete. Nach einer französischen Forschungsexpedition 1524 nahm Jacques Cartier 1534 Land am Sankt-Lorenz-Strom in Besitz. 1608 wurde Québec gegründet, ab 1663 war Neufrankreich Teil Frankreichs. 1759 wurde es von Großbritannien erobert und 1763 im Pariser Frieden offiziell abgetreten. Auch Akadien, Louisiana und mehrere Karibikgebiete spielten eine große Rolle. Louisiana wurde 1682 durch Robert Cavelier de La Salle für Frankreich beansprucht, 1718 wurde New Orleans gegründet. Nach Abtretungen an Spanien und Großbritannien kam West-Louisiana 1800 noch einmal an Frankreich und wurde 1803 an die USA verkauft.

In der Karibik gehörten unter anderem Französisch-Westindien, Grenada, Saint-Domingue, St. Lucia, St. Vincent und Tobago zeitweise zu Frankreich. Saint-Domingue wurde 1697 teilweise französisch; 1804 wurde der Westteil als Haiti unabhängig. Französisch-Guayana wurde 1604 gegründet, war ab 1794 Strafkolonie und ist seit 1946 wiedervereinigt als Überseedépartement Teil der EU. Französisch-Westindien begann 1635 mit der französischen Kolonialisierung Guadeloupes, Martiniques und weiterer Inseln der Kleinen Antillen; diese Gebiete sind seit 1946 Überseedépartements und Teil der EU.

In Asien besaß Frankreich kleinere Gebiete in Indien und China sowie das große Kolonialgebiet Französisch-Indochina. Französisch-Indien begann 1673; Pondichéry wurde 1674 erworben, weitere Gebiete folgten. 1956 wurden die restlichen französischen Gebiete in Indien eingegliedert. Französisch-Indochina entstand aus französischen Besitzungen und Protektoraten in Vietnam, Kambodscha und Laos. 1863 wurden südliche Provinzen Vietnams an Frankreich abgetreten, 1885 wurde ganz Vietnam erobert, 1887 entstand Französisch-Indochina, 1893 musste Siam den Anschluss von Laos hinnehmen. 1954 wurden Vietnam, Kambodscha und Laos durch die Indochinakonferenz vollständig unabhängig.

In Ozeanien gehören Französisch-Polynesien, Neukaledonien sowie Wallis und Futuna zu den wichtigsten Beispielen. Französisch-Polynesien begann 1842 mit dem Protektorat Tahiti, wurde ab 1880 Kolonie und ist seit 2004 französisches Übersee-Territorium; seit 2013 steht es auf der UN-Entkolonialisierungsliste. Neukaledonien wurde 1853 endgültig französisch, ab 1864 Strafkolonie, 1946 Übersee-Territorium und seit 2003 Gebiet mit Sonderstatus. In drei Referenden 2018, 2020 und 2021 wurde die Unabhängigkeit abgelehnt. Die Französischen Süd- und Antarktisgebiete umfassen unter anderem die Crozetinseln, Kerguelen, Amsterdam und Sankt-Paul; das 1840 entdeckte Adélieland wird von Frankreich beansprucht, ist wegen des Antarktis-Vertrages international aber nicht anerkannt.

Europäische Territorien

Der Artikel unterscheidet europäische Territorien ausdrücklich von überseeischen Kolonien und Besitzungen, weil sie einen grundsätzlich anderen Rechtsstatus hatten. Es handelte sich um Gebiete in Europa, die zeitweise unter französischer Herrschaft oder Verwaltung standen.

Dazu gehörten unter anderem Niedernavarra, das durch dynastische Verbindungen eng mit Frankreich verbunden wurde und seit der Französischen Revolution als Teil des Départements Basses-Pyrénées, heute Pyrénées-Atlantiques, französische Provinz wurde. Weitere Beispiele sind das Königreich Neapel, das Herzogtum Mailand, Teile der Spanischen beziehungsweise Österreichischen Niederlande, Luxemburg, Dalmatien, Menorca, die Illyrischen Provinzen, Elba, die Ionischen Inseln, Katalonien, Korfu, Korsika, Malta, das Memelland, Monaco, die Niederlande, weite Teile Deutschlands, der Schweiz und Italiens sowie das Saarland.

Einige dieser Gebiete wurden nur kurz besetzt, andere dauerhaft in Frankreich integriert. Korsika war lange zwischen Pisa, Genua, Aragonien und Frankreich umstritten, bevor Frankreich es 1768 von Genua kaufte und 1769 annektierte; heute ist es eine französische Region. Monaco war zeitweise französisches Protektorat, ist aber seit 1918 formell unabhängig. Das Saarland stand mehrfach unter französischem Einfluss oder französischer Verwaltung, unter anderem 1680–1697, 1795/98 bis 1814, nach dem Versailler Vertrag als Völkerbundmandat und nach dem Zweiten Weltkrieg als französisches Protektorat; nach einer Volksabstimmung kam es 1957 zurück an Deutschland.

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