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Algerien
Algerien gilt als das Land mit den meisten Französischsprechenden außerhalb Frankreichs; aus politischen Gründen bekennt es sich jedoch nicht zur Frankophonie.
Inhalt6 Abschnitte
- 1. Überblick: Staat und Grunddaten
- 2. Geographie: Landschaft, Klima und Bevölkerungsverteilung
- 3. Bevölkerung, Sprachen, Religion, Bildung und Soziales
- 4. Geschichte: von den Berbern bis zur Unabhängigkeit
- 5. Geschichte seit 1962: Republik, Bürgerkrieg und aktuelle Politik
- 6. Wirtschaft und Infrastruktur
Überblick: Staat und Grunddaten
Algerien (arabisch al-Dschazā’ir; amtlich Algerische Demokratische Volksrepublik) ist ein Staat im Nordwesten Afrikas und das mittlere der Maghreb-Länder. Es ist nach der Trennung des Südsudans vom Sudan flächenmäßig der größte Staat Afrikas und der zehntgrößte der Welt – etwa 6,7-mal so groß wie Deutschland. Das Land ist nach seiner Hauptstadt Algier benannt; weitere Großstädte sind Oran, Constantine, Annaba und Batna. Nach dem Ende des Algerienkriegs (1954–1962) wurde Algerien am 5. Juli 1962 von Frankreich unabhängig. Mit der Verfassung von 1996 trat ein semipräsidentielles Regierungssystem in Kraft. Amtssprachen sind Arabisch und Tamazight; Staatsreligion ist der Islam. Staatspräsident ist Abdelmadjid Tebboune, Ministerpräsident Sifi Ghrieb. Algerien hatte 2025 rund 47,4 Millionen Einwohner (Bevölkerungsdichte 20 pro km²), ein BIP von 269 Mrd. USD (2024), einen HDI von 0,763 (2023) und den Algerischen Dinar als Währung. Nationalfeiertag ist der 1. November (Tag der Revolution).
Geographie: Landschaft, Klima und Bevölkerungsverteilung
Hinter dem schmalen Mittelmeerküstensaum erhebt sich der Tellatlas (in der Kabylei bis 2308 m, Ouarsenis-Gebirge bis 1963 m). Südlich folgt das Hochland der Schotts (1000–391 m) mit abflusslosen, versumpften Salzseen, den Schotts. Parallel dazu verläuft der Saharaatlas (höchster Berg 2328 m). Jenseits fällt das Land zum Schott Melghir bis 35 m unter Meeresniveau ab; die Sahara nimmt mit über zwei Millionen Quadratkilometern 85 % der Landesfläche ein – Sanddünengebiete (Östlicher und Westlicher Großer Erg, Erg Iguidi, Erg Chech), Steinplateaus (Hammada du Draa, Hammada du Guir, Tassili n'Ajjer) und das vulkanische Ahaggar-(Hoggar-)Gebirge mit dem höchsten Berg Algeriens, dem 2908 m hohen Tahat. Im Norden herrscht mediterranes Klima (August 25 °C, Januar 12 °C, 500–1000 mm Niederschlag im Winter), im Hochland der Schotts winterfeuchtes Steppenklima (ca. 350 mm), im Süden extrem trockenes Wüstenklima mit Sommertemperaturen über 40 °C, täglichen Schwankungen bis über 20 °C und teils nur 10 mm Jahresniederschlag; in den Sommermonaten weht der Scirocco. Größere Flüsse der Küstenregion sind Cheliff, Soummam, Rhumel und Seybouse; weiter südlich führen die Wadis (Trockentäler, z. B. Igharghar, Oued Saoura) meist kein Wasser, nach heftigen Regenfällen können lebensgefährliche Sturzfluten entstehen. Nur 2 % des Landes sind Wald (Aufforstungsprogramm Barrage vert gegen die Wüstenverbreitung); im Norden wachsen Macchie, Aleppo-Kiefern, Korkeichen, Steineichen und Atlas-Zedern. Zu den Tieren zählen Gazellen, Fenneks, Mähnenschafe, Berberaffen, vereinzelt Geparde sowie Schlangen, Echsen und Skorpione; Berberlöwe und Atlasbär sind ausgestorben. Der Nationalpark Tassili n'Ajjer ist UNESCO-Weltnatur- und Weltkulturerbe. Der Hauptteil der Bevölkerung lebt im Norden; 75 % lebten 2023 in Städten. Größte Städte (Zensus 2008): Algier (2.364.230), Oran (803.329), Constantine (448.028), Annaba (342.703), Blida (331.779).
Bevölkerung, Sprachen, Religion, Bildung und Soziales
2025 hatte Algerien 47,02 Millionen Einwohner; das Wachstum betrug 1,5 %. 2022 gab es einen starken Geburtenüberschuss (20,6 Geburten gegenüber 4,3 Todesfällen je 1000 Einwohner), 2,8 Geburten pro Frau und eine Lebenserwartung von 79 Jahren (Frauen) bzw. 77 Jahren (Männer); das Medianalter lag bei 29,1 Jahren. 96 % der Einwohner leben im Norden auf einem Fünftel der Fläche. Etwa 2,3 Millionen Algerier leben im Ausland, über 1,5 Millionen davon in Frankreich – dort die größte islamische Bevölkerungsgruppe; nur 0,6 % der Bevölkerung sind Ausländer. Fast alle Algerier sind berberischer Herkunft: ca. 70 % bezeichnen sich als Araber, 30 % als Berber, viele haben beides; 40 % bekennen sich zur berberischen Identität. Die Zahl der Europäer sank nach 1962 von 10 % auf etwa 20.000; osmanischstämmige „Kulughli“ werden auf 600.000 bis 2 Millionen geschätzt. Amtssprachen sind Arabisch und Tamazight (seit 2002 Nationalsprache, seit 2016 Amtssprache). Muttersprache von ca. 70 % ist der algerische Dialekt Darja, für ca. 30 % Tamazight; der Süden ist fast ausschließlich von Tamascheq-sprachigen Tuareg bewohnt. Französisch versteht fast jeder und ist Bildungs-, Handels- und Verkehrssprache, doch bekennt sich Algerien aus politischen Gründen nicht zur Frankophonie. Der Islam ist mit 98–99 % die dominierende Religion und Staatsreligion; seit 1963 gilt das Staatsbürgerschaftsrecht auf islamischer Grundlage, seit 1964 Koranunterricht an allen Schulen, seit 1984 ein Familienrecht, das Frauen benachteiligt, und seit 2006 hohe Strafen für Missionierung von Muslimen. Schulpflicht besteht für 6- bis 15-Jährige; die mittlere Schulbesuchsdauer stieg von 3,6 (1990) auf 7,8 Jahre (2015). Die Analphabetenquote liegt bei 13 % (Männer) und 27 % (Frauen). Es gibt 50 Universitäten und 106 höhere Bildungseinrichtungen; das PISA-Ranking 2015 sah Algerien auf Rang 71 (Mathematik, Naturwissenschaften) und 69 (Lesen). Es besteht eine allgemeine Sozialversicherung (Altersrente ab 60), aber keine Arbeitslosenunterstützung; die Arbeitslosigkeit lag 2016 bei 12,4 %. Die Gesundheitsversorgung ist trotz Kostenlosigkeit unzureichend, mit starkem Stadt-Land-Gefälle; die Gesundheitsausgaben betrugen 2021 5,5 % des BIP, die Lebenserwartung 77,1 Jahre (2022).
Geschichte: von den Berbern bis zur Unabhängigkeit
Ursprünglich war das Gebiet von Berberstämmen bewohnt, im Osten von Tuareg. Ab dem 12. Jahrhundert v. Chr. gründeten die Phönizier Küstenstützpunkte; Karthago (gegründet 814 v. Chr.) wurde Großmacht. Um 202 v. Chr. schlossen sich die Berber unter Massinissa zum Königreich Numidien zusammen und verbündeten sich mit Rom. Karthago wurde im Dritten Punischen Krieg zerstört; 46 v. Chr. wurde Numidien zur römischen Provinz Numidia-Mauretania, der Kornkammer Roms. Ab 429 n. Chr. herrschten die Vandalen, ab 534 das Oströmische (byzantinische) Reich; Augustinus war Bischof von Hippo Regius (Annaba). Um die Mitte des 7. Jahrhunderts stießen die Araber vor, 697 wurde das Land erobert und islamisiert. Im 8. Jahrhundert gab es Berberaufstände; im 11. Jahrhundert herrschten die Almoraviden, ab 1147 die Almohaden, später die Hafsiden (Ost) und Abd-al-Wadiden (West, Hauptstadt Tlemcen). Anfang des 16. Jahrhunderts unterstellte sich Algerien 1519 dem Osmanischen Reich (Eyâlet bzw. Vilâyet Cezayir) und blieb formal bis 1830 unter osmanischer Oberhoheit, war ab 1711 faktisch unabhängig. Die Barbaresken-Korsaren plünderten Schiffe und verkauften Gefangene in die Sklaverei – Schätzungen zufolge zwischen dem 16. und 19. Jahrhundert 1 bis 1,25 Millionen Europäer; daraus stammt der Begriff „Razzia“. 1830 begann die französische Invasion (Begründungen: der Schlag des Dey mit dem Fliegenwedel, Piraterie, Verbreitung des Christentums); 1831 wurde die Fremdenlegion gegründet. Abd el-Kader rief zum Dschihad auf und unterlag 1847 dem französischen Befehlshaber Bugeaud; bis 1881 hatte Frankreich die volle Kontrolle über den Norden. Die Bevölkerung erlitt massive Verluste, die Strukturen wurden zerschlagen, Siedler strömten ins Land. Der Code de l’indigénat (1875) teilte die Bevölkerung in Bürger erster und zweiter Klasse; 1881 wurden die drei Départements Oran, Algier und Constantine Teil Frankreichs. Juden erhielten 1870 mit dem Décret Crémieux die französische Staatsbürgerschaft. Die Muslime verarmten und waren von Bildung ausgeschlossen; 1936 hielten Europäer 40 % des fruchtbaren Landes. Im Ersten Weltkrieg dienten 173.000 Algerier in der französischen Armee, 120.000 wurden als Arbeitskräfte geholt; aus den Migranten entstand die Unabhängigkeitspartei Étoile Nord-Africaine. Nach dem Massaker von Sétif 1945 erstarkte die Unabhängigkeitsbewegung; das Algerien-Statut von 1947 verlieh allen Algeriern die französische Staatsbürgerschaft, hielt den Kampf aber nicht auf. Der Algerienkrieg (1954–1962) wurde von beiden Seiten mit äußerster Härte geführt – der FLN-Terror einerseits, Folter, Hinrichtungen und Dorfzerstörungen („französische Doktrin“) andererseits. Unter der Führung der Nationalen Befreiungsfront (FLN) wurde die Unabhängigkeit im Abkommen von Évian (18. März 1962) anerkannt und am 5. Juli 1962 proklamiert. Die Zahl der getöteten Muslime wird von Frankreich mit 350.000, von algerischen Quellen mit bis zu 1,5 Millionen angegeben.
Geschichte seit 1962: Republik, Bürgerkrieg und aktuelle Politik
Nach 1962 wurde Algerien eine Volksrepublik mit der sozialistischen FLN als Staatspartei; Präsidenten waren Ferhat Abbas, ab 1963 Ben Bella und ab dem Militärputsch 1965 Houari Boumedienne, der ab 1972 einen blockfreien Kurs verfolgte. Nach seinem Tod 1978 folgte Chadli Bendjedid. Nach den Oktober-Unruhen 1988 (Arbeitslosigkeit, Wohnungsnot) gab die FLN ihr Machtmonopol auf und eine demokratische Verfassung wurde eingeführt. Beim sich abzeichnenden Sieg der Islamischen Heilsfront (FIS) bei der Parlamentswahl 1991/92 wurden die Wahlen abgebrochen; Bendjedid trat zurück. Die FIS wurde 1992 verboten und rief zum bewaffneten Kampf auf – der Bürgerkrieg forderte über 120.000 Todesopfer. 1998 gründete Hassan Hattab auf Rat Osama bin Ladens die GSPC (später „al-Qaida im islamischen Maghreb“). Präsident Abd al-Aziz Bouteflika (ab 1999) verfolgte eine „Politik der nationalen Versöhnung“: 1999 das Amnestiegesetz „Loi de la Concorde Civile“, 2005 die „Charta für Frieden und nationale Versöhnung“ mit Generalamnestie für Sicherheitskräfte und Milizen, Strafbarkeit von Kritik und Verhinderung gerichtlicher Aufklärung – Angehörige von „Verschwundenen“ können Entschädigung beantragen. Bouteflika wurde 2004, 2009 (90,24 %) und 2014 wiedergewählt; 2019 zwang ihn das Militär nach Massenprotesten zum Rücktritt (er starb 2021). Wahlen wurden teils boykottiert (Beteiligung 2019: knapp 24 %, 2021: 15 %); 2019 gewann Abdelmadjid Tebboune die Präsidentschaft. Nach der Verfassung von 1996 ist Algerien eine semipräsidentielle Republik: Der Präsident (alle fünf Jahre gewählt) ernennt den Ministerpräsidenten; das Parlament besteht aus der Nationalen Volksversammlung (462 Sitze, fünf Jahre) und dem Rat der Nation (96 gewählte, 48 ernannte Mitglieder). Wahlrecht ab 18. Das Frauenwahlrecht: 1958 setzte de Gaulle das loi-cadre Defferre mit Wahlrecht für Muslimas in Kraft, 1962 bestätigt. Politische Indizes zeigen deutliche Defizite: Demokratieindex 2024: 3,55 von 10 (autoritäres Regime), Pressefreiheit 2026: Rang 145 von 180, Korruptionswahrnehmungsindex 2025: 34 von 100. Menschenrechtsorganisationen kritisieren Zensur, Demonstrationsverbot in Algier seit 2001, geheime Haftzentren, Foltervorwürfe und die nicht aufgearbeitete Bürgerkriegsvergangenheit; 2018 wurden Vorwürfe bekannt, bis zu 13.000 Migranten in die Wüste verbracht zu haben (Behörden bestreiten dies). Homosexualität ist illegal. In der Außenpolitik ist Algerien Mitglied der UN, der Afrikanischen Union, der Arabischen Liga, der OPEC und weiterer Organisationen; es pflegt gute Beziehungen zur EU (Assoziierungsabkommen 2005, Partnerschaftsprioritäten 2017), zu Deutschland (Energiepartnerschaft 2015), China, Russland und den USA. Das Verhältnis zu Marokko ist gespannt (geschlossene Grenzen, Streit um die Westsahara, Unterstützung der Polisario); zu Tunesien kooperiert es sicherheitspolitisch, in Libyen setzt es auf Dialog, und es vermittelte 2015 erfolgreich im malischen Friedensabkommen. Nach dem russischen Überfall auf die Ukraine 2022 wurde Algerien für Europa als Gaslieferant interessanter. Das Militär umfasst 147.000 Mann (Heer 127.000, Luftwaffe 14.000, Marine 6.000); 2017 flossen knapp 5,7 % der Wirtschaftsleistung bzw. 16,1 % der Staatsausgaben an das Militär – die höchsten Ausgaben Nordafrikas. Zwischen 1960 und 1966 führte Frankreich in Algerien 17 Atombombentests durch (4 oberirdisch bei Reggane 1960/61, 13 unterirdisch bei In Ekker 1961–66); der erste Test am 13. Februar 1960 war mit 70 kt die stärkste je erstmals getestete Bombe. Beim Test Béryl (1. Mai 1962) wurden Beobachter kontaminiert; die IAEA hält Reggane 2005 für weitgehend unbedenklich, In Ekker gilt als möglicherweise weiterhin kontaminiert.
Wirtschaft und Infrastruktur
Algeriens Wirtschaft ist stark vom Erdöl- und Erdgasexport geprägt: Der Hydrokarbonsektor trug 2019 etwa 20 % zum BIP bei, rund 94 % der Exporterlöse stammen aus ihm; er generiert ca. 60 % der Staatseinnahmen. Reserven: 12,2 Mrd. Barrel Erdöl und 4,5 Billionen Kubikmeter Gas. Die staatliche Öl- und Gasgesellschaft Sonatrach dominiert den Sektor. Die Förderung begann 1958 (Edjeleh, Hassi Messaoud); 1963 gründete Ben Bella Sonatrach, 1969 kontrollierte sie alle Ölfelder und trat Algerien der OPEC bei, 1971 wurden Gasvorkommen und Pipelines verstaatlicht. Nach Gesetzesänderungen 2005/2006 beschloss die Regierung 2020 ein neues Kohlenwasserstoff-Gesetz mit Steuersenkungen. 2019 wurden 1,1 Mio. Barrel Öl täglich gefördert (etwa die Hälfte exportiert), 2018 ca. 100 Mrd. Kubikmeter Gas, wovon etwas mehr als die Hälfte exportiert wurde (Hauptabnehmer Italien und Spanien). Drei Gas-Pipelines: Transmed (1070 km, über Tunesien nach Sizilien, bis 32 Mrd. m³/Jahr), Maghreb-Europa-Gasleitung MEG (1375 km, über Marokko nach Córdoba, 12,5 Mrd. m³/Jahr) und Medgaz (2011, nach Almería, 8,5 Mrd. m³/Jahr); zwei LNG-Terminals in Béthioua und Skikda. Die Stromerzeugung basiert zu 99,8 % auf Gaskraftwerken; geplant sind ein Ausbau erneuerbarer Energien (Programm 2015: bis 2030 22 GW, davon 13,5 GW Photovoltaik, 5 GW Wind) und langfristig Kernkraftwerke. Die Regierung will die Wirtschaft diversifizieren (Transport, Tourismus, Bau, IT) und den Phosphat- und Erzabbau forciern. Wirtschaftskennzahlen (2023): BIP 777 Mrd. USD (Kaufkraft), Wachstum 4,1 %, Inflation 9,3 %, Staatsverschuldung 49 % des BIP. Die Arbeitslosigkeit lag 2019 bei 11,7 %, bei Jugendlichen bei 29,1 %. Die Landwirtschaft (ca. 1,2 Mio. Erwerbstätige, nur 3 % der Fläche als Ackerland) produziert Getreide, Kartoffeln, Oliven, Datteln (15 Mio. Dattelpalmen, ca. 500.000 t Ertrag) und mehr; weniger als 40 % des Nahrungsmittelbedarfs werden selbst gedeckt – Algerien ist der wichtigste Nahrungsmittelimporteur Afrikas. Im Bergbau werden außer Öl und Gas Eisen-, Kupfer-, Blei- und Zinkerze, Quecksilber und Phosphat abgebaut. Industriebereiche sind Erdöl-/Gasverarbeitung, Eisen- und Stahlindustrie, Düngemittel- und Baustoffindustrie. Beim Import von Waren verlangt die Zentralbank seit 2009 drei Zertifikate (phytosanitär, Ursprung, Qualitätskontrolle). Haupthandelspartner 2021: Exporte v. a. nach Italien (18,9 %), Spanien (14,6 %), Frankreich (13,3 %); Importe v. a. aus China (17,0 %), Frankreich (11,8 %), Russland (8,0 %), Deutschland (5,9 %). Währung ist der Algerische Dinar; es gibt eine kleine Wertpapierbörse (Algiers Stock Exchange) und den Staatsfonds Fonds de Régulation des Recettes. Das Verkehrsnetz konzentriert sich auf Nordalgerien: 3810 km Schienennetz (SNTF), 180.000 km Straßen (85 % asphaltiert), die 1216 km lange sechsspurige Ost-West-Autobahn A1, Häfen in Algier, Annaba, Oran, Bejaia, Skikda und Béthioua, internationale Flughäfen u. a. in Algier und Oran sowie die U-Bahn Algier. Die Weltraumorganisation ASAL wurde 2002 gegründet; 2022 nutzten 71,2 % der Einwohner das Internet. Die Kultur ist von Berber- und arabischen Traditionen sowie französischen Einflüssen geprägt; die algerische Literatur ist überwiegend Exilliteratur (u. a. Assia Djebar, Yasmina Khadra, Boualem Sansal). Bei den Olympischen Spielen gewannen sieben Algerier Gold, darunter Hassiba Boulmerka (1992, 1500 m), Taoufik Makhloufi (2012) und Kaylia Nemour (2024, Stufenbarren). Die Fußballnationalmannschaft nahm viermal an WM-Endrunden teil (1982, 1986, 2010, 2014 – Achtelfinale gegen Deutschland 1:2) und gewann 2019 den Afrika-Cup; Rabah Madjer siegte 1987 mit dem FC Porto im Europapokal.
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