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Geschichte der Deutschen in den Vereinigten Staaten
Die Geschichte der Deutschen in den Vereinigten Staaten beginnt im 17. Jahrhundert mit der Gründung der ersten europäischen Kolonie auf dem späteren …
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Ursprünge und koloniale Siedlungen
Die Geschichte der Deutschen in den Vereinigten Staaten beginnt im 17. Jahrhundert. Deutsche waren von Anfang an an der europäischen Besiedlung Nordamerikas beteiligt. In größerer Zahl wanderten sie seit den 1680er Jahren ein, besonders nach Pennsylvania, aber auch nach New York, New Jersey und in die südlichen Kolonien. Gründe waren wirtschaftliche Not, fehlende Landbesitzmöglichkeiten, religiöse Verfolgung und die Aussicht auf ein besseres Leben mit eigenem Land.
Als erster Deutscher auf dem späteren Staatsgebiet der USA gilt der Arzt Johannes Fleischer aus Breslau, der 1607 nach Jamestown kam und 1608 starb. Die erste dauerhafte deutsche Siedlung war Germantown in Pennsylvania. Franz Daniel Pastorius gründete sie 1683 mit 13 Familien. Viele dieser Familien waren allerdings niederländischer oder schweizerischer Herkunft. 1688 entstand in Germantown der erste Protest gegen die Sklaverei in Amerika. 1690 errichtete William Rittenhouse dort die erste Papiermühle auf dem späteren Staatsgebiet der USA; 1743 druckte Johann Christoph Sauer die ersten Bibeln der Kolonien in deutscher Sprache.
Eine besonders wichtige Herkunftsregion war die Pfalz. Nach dem harten Winter 1708/09 setzte eine Massenauswanderung ein. Bis 1727 erreichten etwa 15.000 Pfälzer Philadelphia, bis 1775 folgten rund 70.000 weitere. Zur Zeit des Amerikanischen Unabhängigkeitskrieges machten deutsche Einwanderer etwa ein Drittel der Bevölkerung Pennsylvanias aus. Viele waren Reformierte, Lutheraner, Mennoniten oder Amische. Ihre Mundart, das aus dem Pfälzischen entstandene Pennsylvania Dutch, hat sich teilweise bis heute erhalten.
Pennsylvania zog zahlreiche religiöse Minderheiten an. Dazu gehörten Schwenkfelder, Herrnhuter Brüder, Tunker und radikale Pietisten. Es entstanden unter anderem Ephrata Cloister, Harmony, Nazareth, Bethlehem und Lititz. In den südlichen Kolonien wurden New Bern, Germanna, die German Coast bei New Orleans und Bethabara gegründet. In Neuengland ließen sich zwischen 1742 und 1753 fast 1.000 deutschsprachige Einwanderer nieder.
Die meisten deutschen Einwanderer waren Bauern, daneben gab es viele Handwerker und Kaufleute. Sie rodeten Wälder, betrieben Landwirtschaft und später besonders Milchwirtschaft. Nach dem Homestead Act von 1862 zogen viele in den Mittleren Westen und bauten dort unter anderem Mais an.
Unabhängigkeit und große Einwanderungsbewegungen
Im Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg lebten schätzungsweise 225.000 bis 250.000 Deutsche in den Kolonien. Deutsche Soldaten kämpften auf beiden Seiten. Die britische Krone setzte fast 30.000 Soldaten aus deutschen Fürstentümern ein, darunter mehr als 12.000 aus Hessen-Kassel. Einzelne deutsche Berufssoldaten wie Friedrich Wilhelm von Steuben unterstützten dagegen George Washington. Das „German Regiment“ und das überwiegend aus Deutschen bestehende französische Regiment „Royal Deux-Ponts“ kämpften auf amerikanischer Seite.
Nach der Gründung der Vereinigten Staaten setzte die Einwanderung fort. Die sogenannte Muhlenberg-Legende geht auf eine Petition von 1794 zurück, mit der deutsche Einwanderer Übersetzungen von Gesetzestexten forderten. Der Antrag wurde knapp abgelehnt. Später entstand daraus fälschlich die Behauptung, es habe eine Abstimmung über Deutsch als Amtssprache gegeben.
Im 19. Jahrhundert wurde die Migration zur Massenbewegung. Ursachen waren die Folgen der Napoleonischen Kriege, der „Jahr ohne Sommer“ 1816, Bevölkerungswachstum, Industrialisierung, Verstädterung und Verarmung. Besonders die Realteilung im deutschen Südwesten verschlechterte die Lebensbedingungen. Zwischen 1820 und 1920 wanderten aus den deutschen Staaten fast 6 Millionen Menschen aus; mehr als 5,5 Millionen gingen in die Vereinigten Staaten. Kettenmigration, sinkende Überfahrtkosten, Dampfschiffe, bessere Kommunikation und die wirtschaftlichen Chancen sowie der mögliche kostenlose Landerwerb in den USA verstärkten diese Bewegung.
Zwischen 1830 und 1870 wanderten viele deutsche Juden ein, besonders in den 1840er und 1850er Jahren. Sie flohen vor fehlenden Bürgerrechten und diskriminierenden Gesetzen. Nach der gescheiterten Revolution von 1848/49 kamen außerdem viele politische Flüchtlinge, die als Forty-Eighters bezeichnet wurden. Sie engagierten sich in den USA weiter politisch und unterstützten unter anderem Abraham Lincoln.
Das wichtigste Zielgebiet des 19. Jahrhunderts war neben Pennsylvania der Mittlere Westen. Die Region zwischen Cincinnati, Milwaukee und St. Louis wurde als German Triangle oder German Belt bezeichnet. 1890 waren in Milwaukee 69 % der Bevölkerung deutschstämmig; Cincinnati hatte im frühen 20. Jahrhundert einen deutschen Einwohneranteil von 60 %. Deutsche gründeten außerdem Siedlungen in Texas, darunter New Braunfels 1845 und Fredericksburg 1846. Manche Nachkommen sprechen bis heute Texasdeutsch. Auch Russlanddeutsche wanderten seit 1872 in das Dakota-Territorium und nach Kansas ein; bis 1920 kamen etwa 116.500 Russlanddeutsche in die USA.
Seit dem Sezessionskrieg nahm die industrielle Arbeitsmigration zu. Ende des 19. Jahrhunderts waren rund 60 % der deutschen Auswanderer allein unterwegs. Viele wechselten innerhalb der USA den Arbeitsplatz und wanderten nur vorübergehend aus. Ab den 1880er Jahren kehrten deshalb viele zurück; mehr als ein Fünftel der deutschen Auswanderer wurde in den USA nicht sesshaft. Die Reise führte zunächst oft über Le Havre, Antwerpen, Rotterdam oder London, später vor allem über Bremen und Hamburg. Eine Überfahrt mit dem Segelschiff dauerte 35–42 Tage, mit dem Dampfschiff 13–19 Tage. 1879 kostete die Passage im Zwischendeck 120 Mark.
Kultureller, wirtschaftlicher und politischer Einfluss
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts gehörten die Deutschen zu den am besten organisierten, sichtbarsten und angesehensten Einwanderergruppen der Vereinigten Staaten. Sie prägten Wirtschaft, Bildung, Religion, Presse und Politik.
Deutsche Einwanderer gründeten bedeutende Unternehmen. John Jacob Astor wurde durch Pelzhandel und Immobilien zum reichsten Mann der Vereinigten Staaten. Weitere Beispiele sind Pfizer, Studebaker, Levi Strauss, Steinway & Sons und Bausch & Lomb. In der Bierindustrie hatten deutsche Unternehmer eine nahezu monopolartige Stellung. Zu den weiterhin bedeutenden Brauereien zählen Yuengling (1829), Anheuser-Busch (1852), Joseph Schlitz Brewing Company (1858) und Coors (1873). Viele Deutschamerikaner betrachteten Bier als grundlegendes Lebensmittel; deshalb empfanden sie den Volstead Act vom 28. Oktober 1919, der die Prohibition einführte, als anti-deutsche Maßnahme.
Auch im Bankwesen waren deutsche Einwanderer erfolgreich. Dazu gehörten John Jacob Astor, J. & W. Seligman & Co. (1846), Kuhn, Loeb & Co. (1867) und Goldman Sachs (1869). Viele dieser Bankiers stammten aus gebildeten jüdischen Familien und wurden später wichtige Philanthropen und Mäzene.
Im Bildungswesen erlaubten mehrere Bundesstaaten ab 1837, bei ausreichender Nachfrage alle Fächer auf Deutsch zu unterrichten. Deutsche Einwanderer beeinflussten die Harvard University, gründeten den ersten Kindergarten des Landes und entwickelten Ausbildungsprogramme für Kindergärtnerinnen. Maximilian Berlitz prägte eine Sprachunterrichtsmethode, die später weltweit an mehr als 540 Berlitz-Schulen verwendet wurde.
Die deutschsprachige Presse begann bereits in der Kolonialzeit. Die 1732 gegründete Philadelphische Zeitung gilt als erste deutschsprachige Zeitung auf dem späteren Staatsgebiet der USA. Der Pennsylvanische Staatsbote berichtete am 5. Juli 1776 früher als englischsprachige Zeitungen über die Annahme der Unabhängigkeitserklärung. Die Blütezeit der deutschsprachigen Presse endete spätestens mit dem Eintritt der USA in den Ersten Weltkrieg 1917.
Deutsche wirkten auch in Politik und Arbeiterbewegung. Frederick Muhlenberg wurde 1789 Sprecher des Repräsentantenhauses. Carl Schurz war US-Innenminister, und John Peter Altgeld setzte als Gouverneur von Illinois strenge Gesetze gegen Kinderarbeit und für Arbeitsschutz durch. Deutsche Radikaldemokraten, Sozialisten und Gewerkschafter beeinflussten die amerikanische Arbeiterbewegung stark. Robert F. Wagner war maßgeblich am National Labor Relations Act von 1935 beteiligt, der die Gewerkschaften stärkte.
Assimilation und Erster Weltkrieg
Die deutsch-amerikanische Kultur verlor bereits seit den 1890er Jahren an Eigenständigkeit. In Pennsylvania gaben viele Nachkommen deutscher Einwanderer die deutsche Sprache schon im frühen 19. Jahrhundert auf; 1910 waren die Deutschamerikaner außerhalb Pennsylvanias weitgehend assimiliert. Der Gebrauch des Deutschen beschränkte sich zunehmend auf familiäre oder gesellige Situationen und den Besuch deutschsprachiger Zeitungen. Der Deutschamerikanische Nationalbund, 1901 gegründet, hatte 1914 nach eigenen Angaben mehr als zwei Millionen Mitglieder, konnte den kulturellen Zerfall aber nicht aufhalten.
Der Erste Weltkrieg beschleunigte die Assimilation. Nach dem uneingeschränkten U-Boot-Krieg des Deutschen Reiches ab dem 1. Februar 1917 erklärten die USA Deutschland am 6. April 1917 den Krieg. Eine anti-deutsche Hysterie führte zu Beschimpfungen, Überwachung, Denunziationen, Angriffen und mindestens einem Lynchmord. Deutschamerikaner standen unter Druck, ihre Loyalität durch den Kauf von Kriegsanleihen zu beweisen. Deutschsprachige Bücher wurden verbrannt, Zeitungen verloren Leser und viele Menschen anglisierten ihre Namen.
26 Bundesstaaten verabschiedeten Gesetze gegen den Gebrauch der deutschen Sprache. 1923 waren in 34 Bundesstaaten Vorschriften in Kraft, die an Grundschulen den Unterricht in anderen Sprachen als Englisch verboten. Die Entscheidung des Supreme Court in Meyer v. Nebraska beendete diese Praxis 1923. Besonders weit ging Iowa mit der Babel Proclamation von 1918, die sogar den öffentlichen Gebrauch fremder Sprachen in Telefongesprächen untersagte. Einzelne Deutsche wurden nach den Alien Enemies Acts verhaftet und interniert.
Der Emergency Quota Act von 1921 und der Immigration Act von 1924 beschränkten die Einwanderung stark, begünstigten jedoch deutsche Bewerber: Weiterhin durften gut 51.000 Deutsche pro Jahr einreisen, mehr als aus jedem anderen europäischen Land.
Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten flohen viele deutsche, vor allem jüdische Akademiker und Kulturschaffende in die USA. Bis zum Beginn des Zweiten Weltkriegs fanden dort 95.000 deutsche und österreichische Juden Zuflucht. Von 1931 bis 1940 kamen insgesamt 114.058 Deutsche in die USA. Das amerikanische Einwanderungsrecht blieb jedoch auch nach den Novemberpogromen von 1938 restriktiv; ab 1941 war eine legale Ausreise aus Deutschland nicht mehr möglich. Gleichzeitig hatte der nationalsozialistische Amerikadeutsche Bund, seit 1936 unter Fritz Kuhn, kurz vor dem Krieg schätzungsweise 25.000 Mitglieder.
Zweiter Weltkrieg und Internierung
Im Zweiten Weltkrieg dienten mehr als 30.000 gebürtige Deutsche in den US-Streitkräften; insgesamt standen mehr als 13 Millionen Menschen im amerikanischen Militär. Auch deutsche Exilanten schlossen sich den Streitkräften an. Deutschstämmige Personen arbeiteten zudem für Nachrichtendienste. William G. Sebold, zunächst für die Gestapo tätig, wurde Doppelagent des FBI und half bei der Aufdeckung des Duquesne-Spionagerings. Kurt Frank Korf überwachte amerikanische Nationalsozialisten und arbeitete nach dem Krieg an der Verfolgung deutscher Kriegsverbrecher mit.
Anders als im Ersten Weltkrieg kam es nicht zu vergleichbaren Mob-Ausschreitungen. Dennoch mussten sich nach dem Alien Registration Act von 1940 etwa 300.000 nicht eingebürgerte Deutsche registrieren und einen Ausländerausweis mitführen. Nach der Presidential Proclamation Nr. 2526 vom 8. Dezember 1941 konnten „feindliche“ Ausländer in ihrer Bewegungsfreiheit und ihrem Eigentumsrecht beschränkt und interniert werden. Etwa 10.905 in den USA lebende Deutsche wurden während des Krieges in Lagern festgehalten. Oft genügten unbestätigte Gerüchte. In vielen Fällen wurden Familien auseinandergerissen; auch mehr als 4.000 deutschstämmige Personen aus lateinamerikanischen Ländern wurden deportiert. Mindestens 2.000 Internierte wurden gegen US-Amerikaner und Lateinamerikaner ausgetauscht. Die letzten Internierten kamen erst im August 1948 frei.
Von rund 3,8 Millionen deutschen Kriegsgefangenen wurden 363.036 in die USA gebracht. Sie waren in 155 Haupt- und 760 Nebenlagern untergebracht. Die Haftbedingungen galten im Vergleich zu sowjetischen Lagern als erträglich. Die Gefangenen wurden über die deutsche Kapitulation im Mai 1945 hinaus festgehalten, zur Arbeit eingesetzt und erst 1946 an europäische Alliierte überstellt.
Nachkriegszeit, Gegenwart und Forschung
Nach dem Zweiten Weltkrieg kamen deutsche Frauen als Ehefrauen oder Verlobte amerikanischer Soldaten in die USA. Von 1947 bis 1949 wanderten 13.250 deutsche Frauen als Ehefrauen und knapp 2.000 weitere als Verlobte ein. Auch aus Osteuropa vertriebene ethnische Deutsche, darunter viele Donauschwaben und Jugoslawiendeutsche, gelangten aufgrund des Displaced Persons Act von 1948 in die Vereinigten Staaten.
Deutschstämmige oder in Deutschland geborene Personen erreichten weiterhin hohe politische und wirtschaftliche Positionen. Herbert C. Hoover wurde 1929 der erste US-Präsident mit deutschsprachigen Vorfahren. Dwight D. Eisenhower, Henry Kissinger, Nelson Rockefeller, W. Michael Blumenthal und Donald Trump hatten deutsche Vorfahren oder waren in Deutschland geboren. In Wirtschaft und Technik wurden unter anderem Fred und August Duesenberg, Oscar Mayer, John Kluge, Ralph H. Baer und Andy Bechtolsheim bekannt.
Seit den 1920er und 1930er Jahren entstand außerdem ein deutsch-amerikanischer Braindrain, also die Abwanderung hochqualifizierter Wissenschaftler und Fachkräfte. Im Project Paperclip wurden 1945–46 mehr als 100 deutsche Wissenschaftler und Techniker in die USA gebracht, darunter Wernher von Braun. Seit 1952 ermöglichten Fulbright-Stipendien deutschen Studierenden und Forschenden Aufenthalte in den USA. Gegenwärtig arbeiten schätzungsweise 15.000 deutsche Wissenschaftler an amerikanischen Hochschulen und Forschungseinrichtungen, etwa 6.000 davon mit Promotion.
Die Statistik unterscheidet zwischen deutschstämmigen Personen und in Deutschland Geborenen. 1790 gab es etwa 375.000 Deutschstämmige. 1860 lebten 1.276.075 in Deutschland Geborene in den USA, 1890 waren es 2.784.894. 2005 wurden 49.178.839 Menschen als deutschstämmig gezählt; 702.665 davon waren im Ausland geboren. 2015 lag die Zahl der Menschen mit deutscher Abstammung bei 45.526.331. Die Zahlen stammen, sofern nicht anders vermerkt, aus dem U. S. Census.
Die Geschichte wird unter anderem am Max Kade Institute for German-American Studies, am Emigration Research Center der Universität Oldenburg und an der Universität Mainz erforscht. Bedeutende Museen sind das German Heritage Museum in Cincinnati, das Deutsche Auswandererhaus in Bremerhaven und das German-American Heritage Museum in Washington, D.C. Seit 2016 gibt es außerdem ein Deutsch-Pennsylvanisches Archiv an der Mennonitischen Forschungsstelle auf dem Weierhof in Rheinland-Pfalz. Heute ist die deutsche kulturelle Eigenständigkeit weitgehend verschwunden; erhaltene Traditionen finden sich besonders bei Minderheiten wie Texasdeutschen und Amischen sowie in folkloristischen Formen.