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Geschichte der Bahai-Religion
Die Geschichte der Bahai-Religion beginnt mit der Offenbarung von Sayyid Ali Muhammad, genannt „der Bab“ (arabisch: „Das Tor“), dem Stifter des Babismus.
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Ursprünge im Schaichismus
Die Geschichte der Bahai-Religion beginnt mit zwei religiösen Gestalten: Sayyid Ali Muhammad, dem Bab, dem Stifter des Babismus, und Mirza Husayn Ali Nuri, genannt Baha’u’llah, dem Stifter der Bahai-Religion. Ihre Vorgeschichte liegt im Schaichismus, einer Reformbewegung innerhalb des Islam. Deren Anhänger erwarteten das Jüngste Gericht und suchten nach dem Mahdi, dem Nachfolger Mohammeds.
Scheich Ahmad al-Ahsā'ī wurde 1753 in al-Hasa im Osten des heutigen Saudi-Arabien geboren und begründete den Schaichismus. Er ernannte Sayyid Kāzim Raschti zu seinem Nachfolger, verließ den Schaichismus jedoch zwei Jahre vor seinem Tod. Ahmad al-Ahsā'ī starb 1826.
Sayyid Kāzim Raschti wurde 1793 in Rascht im heutigen Nordiran geboren und starb zwischen dem 31. Dezember 1843 und dem 2. Januar 1844. Nach seinem Tod machten sich seine Anhänger auf die Suche nach dem erwarteten Mahdi. Mulla Husayn erkannte in Sayyid Ali Muhammad den Mahdi; daraufhin offenbarte sich Sayyid Ali Muhammad ihm.
Der Bab und die Entstehung des Babismus
Sayyid Ali Muhammad wurde am 20. Oktober 1819 in Schiras im Iran geboren. Am Abend des 22. Mai 1844 erhob er erstmals den Anspruch, ein Gesandter Gottes zu sein. Er nahm den Titel „Bab“ an, ein schiitisch-eschatologischer Begriff für „Tor“, und deutete ihn als „Tor zu Gott“. Damit verstand er sich als nach-mohammedanischer Prophet und als Wegbereiter eines folgenden Gottesoffenbarers.
Einige Schiiten wurden dadurch auf den Babismus aufmerksam und schlossen sich dem Bab an. Schiitische Gelehrte und Geistliche lehnten jedoch den Anspruch und die religiöse Offenbarung des Bab ab. Gründe waren unter anderem, dass er die besondere Rolle der Religionsgelehrten in Frage stellte und für die Gleichberechtigung der Frau eintrat. Anfang 1847 wurde der Bab verhaftet.
Auf dem Konzil einflussreicher Babi in Badascht am Kaspischen Meer wurde im Juli 1848 die offizielle Trennung vom Islam vollzogen. Die zunehmende Missionstätigkeit der Babi führte zu Widerstand schiitischer Gruppierungen und zu staatlich organisierten Verfolgungen. Einige Babi revoltierten gegen die iranische Regierung; in der Anfangszeit blieb dabei die Idee des Dschihad erhalten. Der Bab wurde am 9. Juli 1850 in Täbris öffentlich hingerichtet. Die Verfolgungen dauerten bis 1853 an; tausende Babi wurden getötet.
Ab 1848 gewannen die Halbbrüder Mirza Husayn Ali Nuri, später Baha’u’llah genannt, und Mirza Yahya Nuri, später Subh-i-Azal genannt, unter den Babi an Bedeutung. Der Bab hatte verfügt, dass der damals neunjährige Subh-i-Azal die Führung übernehmen sollte. Weil dieser dazu kaum in der Lage war, schlugen Baha’u’llah und andere Babi ihn vor. Der Bab ernannte Baha’u’llah 1849 bis zum Auftreten „Dessen, den Gott offenbaren wird“ zum Sachwalter. Diese Gestalt galt im Babismus als erwartete messianische Erscheinung.
Baha’u’llahs Offenbarung und Verbannungen
Mirza Husayn Ali Nuri wurde am 12. November 1817 in Teheran als Sohn des persischen Beamten Mirza Buzurg geboren. Er lehnte eine Beamtenlaufbahn wie sein Vater ab und widmete sich der Armenfürsorge und spirituellen Fragen. 1844 schloss er sich dem Babismus an, nachdem er durch eine Schriftrolle von Mulla Husayn Bushru’i von der neuen Offenbarung erfahren hatte. Baha’u’llah wurde rasch einer der bedeutendsten Babi, traf den Bab jedoch nie persönlich.
Von Juni bis Juli 1848 leitete Baha’u’llah die Konferenz von Badascht. Dort wurde geklärt, ob der Babismus eine Reformbewegung des Islam oder eine eigenständige Religion sei. Die Konferenz entschied sich für die völlige Trennung vom Islam; dies entsprach dem Willen Baha’u’llahs und wurde vom Bab aus seiner Gefangenschaft bestätigt. Danach verschärften sich die Verfolgungen, die 1850 in der Hinrichtung des Bab gipfelten.
1852 wurde Baha’u’llah in das Teheraner Gefängnis Siyah-Chal, „Schwarzes Loch“, eingekerkert. Viele Mithäftlinge wurden hingerichtet, Baha’u’llah blieb wegen seines großen öffentlichen Ansehens und des Einsatzes westlicher Botschafter verschont. Die mystischen Erfahrungen, die er dort machte, betrachten die Bahai als Beginn seiner Offenbarung.
Wegen der im Gefängnis erlittenen Krankheiten wurde Baha’u’llah nach Bagdad ins Exil geschickt. Subh-i-Azal und andere Babi folgten ihm. Spannungen zwischen den Halbbrüdern führten dazu, dass sich Baha’u’llah in das kurdische Bergland der Provinz Silêmanî zurückzog. Nach seiner Rückkehr nach Bagdad gewann er rasch Ansehen und Einfluss. Dies missfiel dem persischen Konsul, der eine weitere Verbannung nach Istanbul erwirkte.
Vor seiner Abreise erklärte Baha’u’llah am 8. April 1863 im Garten Ridvan einigen Anhängern, dass er „der, den Gott offenbaren werde“, sei. Von Istanbul wurde er nach Edirne verbannt. Dort erhob er ab dem Frühjahr 1866 öffentlich seinen Anspruch und sandte Schreiben an wichtige Herrscher der damaligen Zeit. Nach der Eskalation des Streits mit Subh-i-Azal wurde Baha’u’llah nach Akkon in Palästina verbannt und kam dort am 31. August 1868 an. In Akkon verfasste er weitere Sendschreiben sowie den Kitab-i-Aqdas, das „Heiligste Buch“. Später lebte er in Mazra’ih und Bahji nördlich von Akkon. Baha’u’llah starb am 29. Mai 1892 in Bahji bei Haifa in Israel, wo sich heute das geistige Zentrum der Bahai-Gemeinde befindet.
Abspaltung um Subh-i-Azal
Mirza Yahya Nuri wurde 1831 oder 1832 in Teheran geboren. 1853 floh er vor den Verfolgungen im Iran nach Bagdad zu Baha’u’llah. Obwohl Baha’u’llah ihn aufforderte, nach Persien zurückzukehren, blieb Subh-i-Azal in Bagdad. Als Baha’u’llah 1863 nach Edirne und Istanbul verbannt wurde, folgte ihm sein Halbbruder.
Nachdem Baha’u’llah in Edirne öffentlich seinen Anspruch auf eine Offenbarung für dieses Zeitalter erhoben hatte, beanspruchte auch Subh-i-Azal eine unabhängige Offenbarung Gottes. Seine Anhänger werden nach ihm Azali genannt. Sie versuchten, sich gegen Baha’u’llah durchzusetzen und ihn zu beseitigen. Daraufhin verbannte die osmanische Regierung die Halbbrüder in getrennte Exile: Baha’u’llah kam nach Akkon in Palästina, Subh-i-Azal nach Famagusta auf Zypern. Dort starb Subh-i-Azal am 29. April 1912.
Leitung und weltweite Organisation der Bahai
Abbas Effendi, später Abdu’l Baha genannt, wurde am 23. Mai 1844 in Teheran als ältester Sohn Baha’u’llahs geboren. Baha’u’llah bestimmte testamentarisch, dass Abdu’l Baha die Bahai-Gemeinde leiten und ihre Schriften auslegen sollte. Er verbrachte mehr als 60 Jahre an der Seite seines Vaters in Gefangenschaft und wurde erst durch die Jungtürkische Revolution 1908 freigelassen. Der Artikel gibt seine Reisen mit „1919 bis 1913“ an: Er besuchte dabei die 1892 gegründeten Gemeinden in Nordamerika und Europa. In seiner Anwesenheit wurde der Grundstein für das Haus der Andacht bei Chicago gelegt. Durch sein humanitäres Engagement, besonders während des Ersten Weltkriegs, erlangte er große öffentliche Anerkennung und wurde zum Ritter des britischen Empires geschlagen. Abdu’l Baha starb am 28. November 1921 in Haifa in Palästina.
Shoghi Effendi wurde am 1. März 1897 in Akkon geboren. Abdu’l Baha ernannte seinen Enkel testamentarisch zum „Hüter“ des Bahai-Glaubens. Shoghi Effendi übersetzte wichtige Schriften Baha’u’llahs ins Englische und war der letzte ernannte Schriftausleger. Unter seiner Leitung verbreitete sich die Bahai-Gemeinde in nahezu alle Länder der Erde. Er erwarb am Berg Karmel Land für das Bahai-Weltzentrum mit dem Schrein des Bab, förderte die Gründung örtlicher und nationaler Geistiger Räte und bereitete die Wahl des ersten Hauses der Gerechtigkeit vor. Er starb am 4. November 1957 in London am Folgen der asiatischen Grippe.
Seit der ersten Wahl seiner Mitglieder im Jahr 1963 führt das Universale Haus der Gerechtigkeit die internationale Bahai-Gemeinde. Es nahm 1972 seine Statuten an und hat seit 1983 seinen Sitz im Bahai-Weltzentrum. Dieses wurde im Juli 2008 zum Weltkulturerbe erklärt.